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Montag, 24. Oktober 2011

Haken - Visions (Review)

Wenn eine Band wie Haken Visionen hat, dann sehen diese nicht aus wie bei anderen Menschen. Da gibt es keine ungenauen, verschwommenen Bilder. Nein, alles ist gestochen scharf und ausgearbeitet - nur die Aussage dahinter bleibt schwer zu erkennen. Das macht dem, der sich an dieses Album heranwagt, aber wahrscheinlich nicht viel aus. Der Progressive Rock/Metal-Hörer ist daran ja sowieso schon seit seinem ersten Kontakt mit diesem Stil gewöhnt.

Mit „Visions“ sollen eigentlich auch nur Menschen angesprochen werden, die diesem Genre offen gegenüber stehen und nicht bei der Erwähnung der Wörter „Dream Theater“, „Rush“ oder „Yes“ schreiend die Flucht ergreifen. Vor allem dem Sound von Dream Theater sind Haken doch sehr nahe, wobei sie ab und zu aber auch spielerisch und blitzschnell ganz anders - nämlich weich - klingen können, sodass sogar der Sunshine Prog von Spock’s Beard in einigen Momenten u.a. im Mittelteil von „The Mind’s Eye“ anklingt. Selbst diese Wechsel klingen durch die konstant gute Leistung von Ross Jennings am Mikrofon, der übrigens mit diesem sinnlosen Growlen aufgehört hat, nie zu gross und auch der Rest der Band ist mehr als je zuvor um Nachvollziehbarkeit bemüht. Das heisst nicht, dass es in irgendeinem der 8 Songs jemals Langeweile aufkommen würde. Auch wenn der Song und seine dynamische Entwicklung mehr als je zuvor im Vordergrund stehen bei Haken, muss niemand auf Duelle zwischen Gitarren und Keyboards auf höchstem musikalischem Niveau oder auf Einsprengsel aus Jazz oder Kirmes verzichten.

Aber instrumentales Gewichse geht halt nie über das Songwriting. Das fängt schon beim Opener „Premonition“ an, der sich aus einem Streicherquartett-Intro über einen spannenden Aufbau bis in ein Metalriff steigert um dann mithilfe von diversen Synhts in epische Höhen zu steigen nur um dann auf diversen Umwegen auf mehrfachen Solos auszuklingen. Dabei nimmt es kurzerhand auch noch Motive aus anderen Tracks des Albums voraus und das in nur 4 Minuten. Die kompletten 70 Minuten zu beschreiben, würde den Rahmen also mehrfach sprengen. Dazu ist das meiste auf VISIONS einfach zu episch – ob nun die 3-teilige Suite in der Mitte, die in 18 Minuten alles durchspielt, das Haken zwischen Metal, Jazz, Pop, Rock und klassisch eingesetzten Streichern heraufbeschwören können oder der Titelsong, der mit 23 Minuten ein Superlativ in Länge und in Qualität in der Geschichte dieser Band darstellt. Dabei stört nie eine Idee wirklich und selbst der 8-Bit-Einschub in „Insomnia“ unterbricht den unglaublichen Fluss nicht, der das Album von vorne bis hinten bestimmt.

Das ist zwar durchaus spannend, die Musik hat aber gegenüber früheren VÖs der Band, vor allem der Demos, an Unberechenbarkeit eingebüßt. Eigentlich stört das zwar nie, nachdem man das Album dann aber komplett gehört hat, fehlte dieser WTF-Moment, den die Londoner doch eigentlich so gut beherrschen. Wenn sie ihre unzähligen Fähigkeiten mal in einem Album unterbringen könnten, würde es ein absolutes Meisterwerk sein. So ist Visions einfach nur verdammt gut.

8/10 Punkte


erstellt von Leon.

Freitag, 15. Juli 2011

Portugal. The Man - In The Mountain In The Cloud (Review)

Der Vertrag mit dem Warner-Tochterlabel Atlantic muss für Portugal. The Man tatsächlich ein Deal gewesen sein. Für all die Streicher, verschiedenen Synthies und Amps, die sie bekommen haben, haben sie halt ein Pop-Album geschrieben. Gleichzeitig kann man „In The Mountain In The Cloud“ aber auch einfach als Fortführung der Entwicklung Richtung Massentauglickheit sehen, die schon nach ihrem 3. Album „Censored Colors“ von 2008 begonnen hat. Wie man es auch sehen will: Eine erneute Neuerfindung ist ihnen nicht gelungen, aber so richtig das, was man von P.TM erwartet hat, ist es auch nicht geworden.

Das 6. Album der Bandgeschichte hört sich danach an als hätten sie ihre Vorbilder aus den 60ern – also Beatles, Beach Boys, Kinks – auseinander genommen und versucht das Chaos, das daraus und aus den Möglichkeiten entstanden war aufzuräumen indem sie ein bisschen Prog als Kleber dazu geben. Das hat auch gut funktioniert – auch weil sie die neuen Produktionsmittel zu ihrem Vorteil nutzen konnten.

Der Stil auf der neun Platte ist dabei immer noch genauso eindeutig wie auf dem Großteil der Vorgänger: Hier bekommt man sonnigen Psychedelic-Pop, der die typischen souligen Vocals enthält. Aber es hätte eben alles noch ein Stück besser funktioniert, wenn die Band das Fünkchen Prog wieder eingesetzt hätte um ähnliche Verbindungen zwischen den Songs wie bei „Satanic Satanist“ von 2009 herzustellen. Manche Sprünge von Song zu Song sind so nämlich schlecht nachzuvollziehen obwohl eigentlich jeder Song in das Album hineinpasst.

Gerade die Texte, die häufig eine religionskritische Note tragen, zeigen, dass hier immer noch eine Albumband vor einem steht. Aber auch ein Song wie das 2-teilige „Share With Me The Sun“, das die sonnige Atmosphäre des ganzen Albums im Namen trägt und sowohl in den ersten rockigeren und 60s-lastigeren als auch in den späteren, mehr von Folk-Rock inspirierten Teil - der Fans von David Bowie gefallen wird - passt, stellt diese Eigenschaft von P.TM nochmal heraus. Sogar so gegensetzliche Songs wie das dunkle „All Your Light (Times Like These)“ und das durchgehend euphorische „Everything You See (Kids Count Hallelujah)“ können sie durch ein krachiges Ende beim 2.-genannten Song und die mehrfachen Synthies von Ryan Neighbors, die sich als roter Faden durch das Album ziehen, miteinander vebinden.

Durch einen langwierigen und für ihre Verhältnisse sehr langen Aufnahmeprozess sind Portugal. The Man also mehr als jemals zuvor zu einer Popband geworden, schaffen es dabei aber durch das Folk-Prog-Meisterwerk „Sleep Forever“ gleichzeitig einen der besten Songs ihrer Karriere zu schreiben. Und Solos sind mal sowas von immer noch cool!

9/10 Punkte


erstellt von Leon.