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Montag, 13. Februar 2012

Perfume Genius - Put Your Back N 2 It (Review)

Immer wieder gibt es Alben, die in der Lage sind dazu zu bewegen über Dinge nachzudenken, die in der Musikwelt eigentlich als Regel akzeptiert sind. Z.B. sollte man sein Instrument beherrschen (auch wenn man gerne so tun darf als würde man es nicht, Moldy Peaches), der Gesang sollte irgendwie zur Musik passen und eigentlich gibt es auch für jedes Genre eine Albumlänge, die man erwarten kann.

"Learning" von Perfume Genius machte aber einfach alles anders und war ehrlich schlecht eingespielt- und gesungen, grausig aufgenommen und als Album voller Pianoballaden nur 28 Minuten lang. Das Echo auf Mike Hadreas' Stimme steurte nochmal dazu bei, dass man seine irgendwie neben der Musik stehenden Texte - voll von Leuten, die dich erst in ihrem Truck kiffen lassen und sich danach von einem Hochhaus stürzen - eigentlich gar nicht verstand. Aber all das unterstrich nur die Naivität, Zerbrechlichkeit und Intimität des Albums. Alles das ist größtenteils wie weggeblasen auf "Put Your Back N 2 It" und ich rechtfertige meine lange Vorrede mal damit, dass sich ohne das Debüt wohl keiner für dieses Album interessieren würde.

Denn Mike Hadreas interessiert sich ja auch nicht mehr wirklich für andere. Das Alibi-"You", das er in fast allen Songs benutzt, ist nämlich einfach nur allgemein und spricht damit eigentlich wieder niemanden vor den Lautsprechern an, sondernerzählt von sich oder seinen Beziehungen - nur, dass diesmal keine Schicksale mehr direkt vorkommen und man nicht mehr erschüttert ist von den Geschichten. Das macht ihn weniger angreifbar aber verschließt auch seine Texte.

Da kann es nicht helfen, dass alles noch genau so traurig ist wie früher, weil es einfach nicht mehr wirkt, auch nicht mit den Synthieflächen aus "All Waters" oder der Herzschmerz-Melodie aus "Awol Marine". Denn auch die sind nicht mehr zerbrechlich, sondern stehen souverän eingespielt für den neuen Perfume Genius mit weniger Echo. Der ist aber leider nicht mehr naiv und intim und damit gibt es auch diesem Album einfach nur noch 12 einfache kleine hübsche Pianoballaden. Wer das mag, den wird es nicht stören, dass alles so normal ist und auch das Mitwirken von Gitarre und Schlagzeugeinsatz in "Take Me Home" nichts Besonderes ist wie auch das ganze restliche Album, das sich immer mehr entzaubert je häufiger man es hört.

4-5/10 Punkte


erstellt von Leon.

Freitag, 10. Februar 2012

Kettcar – Zwischen den Runden (Review)

Nachdem Sylt sich noch die größten Feinde ausgesucht hat und dabei seinen eigenen Weg gegangen ist, ist „Zwischen den Runden“ jetzt die Kehrtwende. Kettcar geben sich im ganz alten Sinne romantisch und unpolitisch und zeigen, dass es auch inmitten der größten Krisen noch Wichtigeres gibt als Wirtschaft, Politik und Schulden. Hier wird ganz direkt über das Leben gesungen und über den Tod, die Liebe, die Sehnsucht danach und die Überforderung im Kleinen. Ganz Hamburger Schule. Wäre das alles nicht in so versöhnliche Töne von Akustikgitarre, Klavier, Holzbläsern und Streichern gebettet, dann wäre es Blues – so traurig ist der Grundton der Musik und so gut gesetzt ist dieser letzter Funke Hoffnung in einigen Liedern.

Los geht das mit „Rettung“, das wohl die größte Liebesgeschichte auf diesem Album hier ist und auf euphorischen Bläsern beschreibt wie eine Bekanntschaft und „die Liebe meines Lebens“ von der Party nach Hause geschleppt wird um ihr dann zärtlich die Brocken aus den Haaren zu pulen. Auch „Im Club“ spricht nochmal Hoffnung zu und macht das so direkt wie kein Kettcar-Song es je zuvor gemacht hat. Alle „stolzen Versager in sterbenden Städten“ und „vergessenen Denker“ sollen zusammenkommen und Kettcar zelebrieren die Gemeinschaft auch wenn sie versagt. Das macht zwar Mut, ist aber trotzdem alles andere als optimistisch. Alles, was darauf kommt, zeugt von Resignation oder bloßer Überforderung. Das heißt nicht nur, dass wie in „Kommt ein Mann in die Bar“ ein Mädchen mit gebrochenem Herzen am Glücksspielautomaten stehend rät doch einfach aufzuhören zu hoffen, die Mütter die Mäuse für die Schlangen der Kinder füttern und alles andere im Leben immer absurder wird – und all das überhaupt nicht witzig ist ohne jemanden an seiner Seite. Nein, selbst im Liebeslied „Weil ich es niemals so oft sagen werde“ ist der Protagonist ohnmächtig und kann nicht ausdrücken, was er will ohne immer wieder nach den Geigen zu rufen…

Die Musik dazu ist tatsächlich nicht viel mehr als „die Musik dazu“. Immer gibt es Geigen, Bläser und Klavier, die alles noch melancholischer machen oder wie in „In deinen Armen“ einfach nur im Lounge-Stil die Stimme unterstützen. Das ist zwar nicht schlecht so, aber klingt manchmal so sehr nach übertriebenem Pop und Schlager-Pathos, dass man sich mehr Momente wie in „Schrilles, buntes Hamburg“ wünscht, das mit seinen E-Gitarren und dem kleinen Extratupfer Elektronik speziell an Sylt aber auch an frühere Alben erinnert. Hier wird sogar die Hoffnung einmal liegen lassen und die totale Ablehnung sorgt im Refrain dafür, dass sich der Slogan „Es muss immer komplett verwertet werden, wenn es komplett verwertet werden kann“ tief ins Gehirn einstampft.

Das Gesamterlebnis „Zwischen den Runden“ tröpfelt zwar so geschmeidig aus den Lautsprechern wie noch nie bei Kettcar und zeigt bei all seiner Melancholie doch immer diesen letzte Ausweg und nimmt in den Arm, aber die großen Momente haben sie ganz spärlich gesäht. An die Songs kann man sich zwar erinnern aber wenige reißen wirklich mit. Gleichzeitig ist aber der Text eigentlich darauf ausgelegt sofort zu treffen, schaffen das aber nicht immer. Stundenlanges interpretieren ist bei Kettcar nicht mehr angesagt 2012, aber diese tiefere Ebene fehlt jetzt.

6-7/10 Punkte


erstellt von Leon.

Samstag, 4. Februar 2012

Of Montreal - Paralytic Stalks (Review)

Die Lage, in der sich Kevin Barnes im Moment befindet, kann man als Zwickmühle beschreiben. Egal, was er mit Of Montreal macht, ein Teil seiner Fans wird es hassen. Aber das hat er sich voll und ganz selbst zuzuschreiben - so oft wie er seine Stile hin und her wechselt und mit jedem Album immer wieder die Richtung völlig ändert. Es löst nun mal Enttäuschung aus, wenn auf ein Weirdo-Pop-Album voller Selbstreflektion wie „Hissing Fauna, Are You The Destroyer?“ auf einmal die totale Abstraktion des Sounds zwischen Funk, Pop, Rock und Electronica mit den schweinigsten Texten aller Zeiten folgt wie auf „Skeletal Lamping“ nur um darauf dann auf einmal ein von R’n’B beeinflusstes Pop-Album folgen zu lassen wie „False Priest“ und die Elektronik fast raus streicht. An der Veränderung ändert sich auch 2012 nichts, aber „Paralytic Stalks“ versucht sich wenigstens daran die letzten Jahre dieser „Band“ musikalisch zusammenzufassen.

Dass das in einem heillosen Chaos ausartet, dürfte jetzt nach der Beschreibung schon jedem klar sein. Wie gut es aber ist, erkennt man erst nach mehreren Hördurchgängen, weil man dieses ganze Album erst in Ansätzen begreifen kann, wenn man es wieder und wieder und wieder und wieder hört; wenn man die Songs beginnt aufzuschlüsseln; wenn man sich nicht mehr so wundert wie in dem Moment, in dem man die Songs der 2. Hälfte zum ersten Mal hört, sondern Zeit hat um Spaß beim Hören zu haben und die Energie zu spüren. Denn ohne das kommt man durch die letzten 4 Songs nicht. Viel zu oft passiert z.B. im Closer, dem 13-minütigen „Authentic Pyrrhic Remission“, nämlich einfach das, was man auch nach dem 20. Mal immer noch nicht erwartet, weil auch die Refrains nie einfach so mit der gleichen Melodie wiederholt werden. Aber: das fesselt dann so wie diese 70er-Jahre-Krautrock-Alben, die man zwar nie ganz versteht und trotzdem immer wieder hören will.

Das seltsame daran ist aber, dass das Intellektuelle hier so hinter Pop und Hooks (mehrere pro Song) versteckt, dass der NeoProg, den Barnes scheinbar für sich entdeckt hat, nicht nervt und auch nicht so klingt als würde er jetzt bewusst „den Hörer fordern“. Man hat bei dem Funk- und Pop-Lehrer Barnes einfach Freude am Unterricht und will höchstens mal in die Pause, weil er mit der übermotivierten Spielzeit von knapp einer Stunde wirklich übertreibt und mit den Noise-Attacken, die statt einer Viertelstunde nur 5 Minuten gebraucht hätten. Dass er das mit der Soundcollage beherrscht ist nämlich nach dem einzigen Instrumental „Exorcistic Breeding Knife“ schon klar - auch wenn es mit 8 Minuten Spielzeit an sich schon zu viel des Guten ist.

Zum Glück sind die Ausflüge in andere Extreme wie in den Quasi-Folk von „Malefic Dowery“ oder den abgehobene Psychedlic-Jam in „Ye, Renew The Plaintiff“ nicht so lang und immer gepaart mit den offenherzigsten Texten der letzten 5 Jahre Bandgeschichte. Da muss wohl wieder eine Ehe gerettet werden wie damals bei „Hissing Fauna…“, denn anders sind Zeilen wie “Other people can say there is a true belief system/ But all my life I've been betrayed by my mother's religion/ Too much bitterness” gar nicht zu erklären, die so einen tiefen Eindruck in Barnes‘ Bild vom Leben, der Religion, der Liebe und allem bieten. Man wünscht ihm das natürlich nicht, aber für Texte, die so viel Nähe zum Künstler aufbauen, brauchen viele nun mal eine problematische Lebenslage.

Also gute Besserung, Kevin… Mit diesem Album sollte es aber eigentlich nicht mehr so schwierig sein das alles wieder einzurenken – das haben schließlich auch schon andere geschafft, denen „Paralytic Stalks“ in nichts nachsteht.

8/10 Punkte (Tendenz aufwärts)


erstellt von Leon.

Sonntag, 15. Januar 2012

Alben des Jahres 2011 - Leon

Wie gut ein Jahr war erfährt man ja meistens erst Jahre später, wenn sich Alben als persönliche Klassiker durchgesetzt haben, aber 2 Alben aus 2011 hätten bei mir auf jeden Fall die Chance dazu und stehen ganz vorne auf der gleich folgenden Liste. Bevor ich die anfange, will ich auch nochmal betonen, das sich noch viel verändern kann. Viele dieser Alben haben zwar einen ziemlich festen Platz, aber "Mein kleiner Krieg" von Mutter scheitert bis jetzt einfach am Einzug in die Liste (und wahrscheinlich Top 10), weil ich die Platte erst 3, 4 Mal gehört hab. EPs sind übrigens genauso wenig enthalten wie die geniale Smile Sessions der Beach Boys. Darum hier noch mal einen kleinen Überblick über meine Lieblings-Kleinformate des Jahres. Da gibt es erstmal die Awake EP von Trash Talk, die musikalisch für mich das Beste ist, was sie je gemacht haben, aber ein ganz kleines bisschen an Ecken und Kanten verloren hat. Die Manx EP von Maeckes war das Deutschrap-Release meines Jahres - die Amateurhaftigkeit wie halbfertige Beats mit genialen Lyrics verschmelzen ist einfach Einzigartig. Future Of The Left habe ich hier ja sogar besprochen und Polymers Are Forever hat keinen Teil seines Abhängigkeitspotentials verloren und deutet auf eins der besten, dreckigsten und schmutzigsten(ja, da gibt es einen Unterschied) Alben des nächsten Jahres hin. Die Comecrudos EP hingegen deutet eher auf eine ziemlich seltsame LP aus dem nächsten Jahr hin. Diese 24 Minuten Landschaftsbeschreibung sagen über das nächste Großprojekt von Pontiak aber wahrscheinlich eher wenig aus. Zum Schluss muss auch noch Burial erwähnt werden, der auf Street Halo so schön das Gefühl rüberbringt, das man hat, wenn man nach dem Feiern einfach in die Stadt kotzen möchte. Aber jetzt erstmal viel Spass mit meine Liste.

20. The Dodos – No Color

No Color fängt an mit einem typischen Dodos-Beat, so abstrakt wie er sein muss und nach dem enttäuschenden Singer/Songwriter-Folk Ausflug auf dem Vorgänger „Time To Die“ ist das echt eine Überraschung. Und gerade als man sie dafür umarmen will, kommt es noch besser und durch eine Symbiose aus Freak-Folk und Folk-Pop entsteht der Opener „Black Night“. Die Art, in der im Laufe des Albums dann noch ein Stück Noise-Rock in den Mix einfließt, hat auch nur mit der neuen Reife im Sound der Dodos Sinn. Dadurch klingt zwar nur noch wenig so verspielt wie auf ihren frühen Alben, aber das könnte man ihnen auch nicht mehr abkaufen. Der Spass, den man bei Meric Long immer erwartet, ist zwar trotzdem noch da, nur muss man ihn sich jetzt halt erarbeiten – und das ist nur höchstens so wiedersprüchlich wie der Verlauf von „Going Under“, der so klingt als hätten Animal Collective einen Song mit Robin Pecknold aufgenommen bei dem die Synthies draußen bleiben mussten.


19. Samsara Blues Experiment – Revelation & Mystery

Noch nie war die Versuchung größer sich eine Horde Kiffer beim Headbangen vorzustellen. Denn genau dazu liefern SBE hier den Soundtrack ab. Nach der Energie, die bei einem Auftritt dieser Band verbraucht wurde, kann man zu Colour Haze dann auch bestimmt gleich viel besser abgleiten. Und so unterschiedlich sind die beiden genannten Bands dann auch gar nicht. Wo bei Colour Haze immer noch ein tranciges Riff eingeschoben wird, gibt es hier dann einen Stimmeinsatz oder manchmal sogar einen hektischen Umschwung, der die Heavy-Stoner-Atmosphäre ein bisschen aufweckt. Immer schön zwischen die Stühle!


18. Rainald Grebe – Zurück zur Natur

Es ist 2011 und jeder singt über Liebe und Gefühle? Eigentlich kann das nicht sein, wenn es soviele politische Themen gibt. Selbst der Punk oder Hardcore praktiziert die Nabelschau und macht teilweise wie La Dispute oder Fucked Up sogar Konzeptalben. Dann muss sich eben der mittlerweile 40-jährige Rainald Grebe neben seinen eigenen Gefühlen auch noch um die Politik kümmern. Und mit der musikalischen Abwechslung, die mittlerweile in seiner Musik steckt, wird das sogar richtig interessant. Wenn er die Talking Heads, Leonard Cohen und alle anderen, die er so nebenbei erwähnt jetzt auch noch in seinen Sound integrieren würde, gäbe es aber noch mehr zu feiern als ein wirklich gutes Pop/Rock-Album.


17. The Black Keys – El camino

Eine typischere Band für das vergangene Jahrzehnt wird es wohl nicht mehr geben. Alles an den Black Keys ist ein einziges Revival, kein Riff hört sich wirklich „neuartig“ an und die Drums treiben relativ „gewöhnlich“ – eine Mischung aus Garage Rock mit ein paar Spritzern T-Rex und mittlerweile übermenschlich großer Produktion. Das dabei nicht unbedingt Spannendes herauskommt und selbst ein Song wie „Little Black Submarine“ nicht ins Anspruchsvolle abgleitet, obwohl er die Verschmelzung von Folk-Rock und Hard Rock betreibt, ist dabei gar nicht schlimm. Die Hauptsache ist hier einfach nur, dass es rockt und wenn dabei auch noch solche Hits abfallen, kann man Dan Auerbach und Patrick Carney den Erfolg nur gönnen.


16. Black Rust – The Gangs Are Gone

Ein Album als roter Faden gesponnen – jeder Song folgt thematisch auf den anderen und genau wie sich die Gefühle im ständigen Auf und Ab befinden, kommt auch die Musik mal als leiser Gitarren-Folk-Song daher oder packt mit Bläsern, Streichern, Piano alles aus, was man im Americana gerade noch machen darf. Das erinnert teilweise an Größen wie Neil Young, schrammt aber vor allem bei den leiseren Songs nur knapp an „zu brav“ vorbei. Das wird an anderen Stellen mit E-Gitarren-Einsätzen zwar wieder ausgeglichen, aber der einzige Spielraum, den sie für das nächsten Album jetzt noch haben ohne belanglos zu werden, ist der Weg weg vom Leisen. So wie es hier klingt ist es aber noch unglaublich guter Americana aus Münster.


15. Haken - Visions

Visionen sind ja auch irgendwie Traumtheater und Haken wandeln auf den Pfaden dieser Progressive-Götter und übertreffen mit diesem Album jetzt sogar alles, was Dream Theater auf ihren letzten Alben veranstaltet haben. Growling und Metal spielen da zwar nicht mehr so eine große Rolle wie auf ihren vorherigen Releases, dafür ist das Album aber mehr als je zuvor von (schwierigen) Zusammenhängen geprägt und wird dadurch so episch wie Musik nur seien kann. Und nur durch Übertreibung kann man in diesem Klischee-Genre ja überhaupt noch Großes vollbringen. Das beeindruckt niemanden, der Prog für ein Altherrenthema hält, aber auf der Basis des Genres ist bei Visions einfach alles gegeben: Virtuosität, Entwicklungen innerhalb der Songs und zwischen den Songs, Konzepte. Das Besondere an Haken ist dann aber, dass vor allem ihr Sänger, Ross Jennings, aber auch die Band als Ganzes noch Emotionen auslösen kann und nicht so steril (obwohl die Produktion strahlt) ist wie einige ihrer Genre-Kollegen.


14. Noah And The Whale – Last Night On Earth

Nachdem sich ein Drumcomputer und viele Synthies gleich am Anfang umschwirren, glaubt man erst nicht, dass das noch Folk seien kann. Aber die Stimme von Charlie Fink und das gesamte Arrangement mit Chören und Piano geben dem Opener „Life is Life“ eine glückliche Atmosphäre ganz ähnlich wie sie auf Peaceful, The World Lays Me Down 2007 war und rückt das Bild der ersten Töne ganz vorsichtig wieder gerader. Das setzt sich dann auch größtenteils so fort, mal mit mehr Gitarre, mal mit Geigen, aber immer als elektronische und fröhliche Neuerfindung der Band nachdem sie sich auf dem großartigen Vorgänger The Last Days Of Spring ja noch melancholisch zeigten und eine Auflösung danach gar nicht so unwahrscheinlich war. Schön das es euch noch gibt und danke für dieses Stückchen… Musik.


13. Profesjonalizm – Chopin Chopin Chopin

Nein, das hier ist keine Neuaufnahme von Chopin-Stücken, sondern ein polnisches Jazz-Sextett. Der Name will sich eigentlich nur lustig machen über die Ausbeutung von Chopin in polnischer Musik, die Musik will eigentlich nur Spaß machen, hat sich dazu aber die denkbar schlechteste Basis, nämlich Avant-Garde Jazz im Stile des 50er- und 60er-Bebop von z.B. Thelonius Monk ausgesucht – und dieses Ziel trotzdem erreicht. Das 4-minütige und damit kürzeste Stück Dęty ist eins der von mir am meisten gehörten Stücke dieses Jahres, da die treibende Rhythmusgruppe einfach immer wieder Freude macht und die komplexe Melodie, die immer wieder in Improvisationen durch jegliche Tonleitern gehetzt wird auch beim 50. Mal noch interessant ist. Die anderen Songs stehen da in nichts nach und insgesamt bietet das Album mit vielen Stimmungen und einigen atmosphärischeren Tracks auch Abwechslung. Damit kann ich auch schon nicht mehr schreiben über ein Album über das man eigentlich gar nichts schreiben sollte, sondern es einfach hören muss um Ahnung von seinem Sound zu bekommen.


12. Sandro Perri – Impossible Spaces

Was verdammt ist das? Da kommt irgendsojemand daher und presst einen minimalistischen Ansatz, der teilweise an Talk Talk erinnert zusammen mit einem Kraut-Prog Stil wie ihn Hoelderlin auf Platte gebracht haben und dann macht er daraus eine Folktronica-Platte, die zwischen den beiden Extremen des Genres nach Belieben hin- und hertingeln kann. Dass das dabei auch irgendwie zu Jazz wird, dürfte niemanden verwundern, dass es auch auf 10-Minuten-Songs nicht unnötig unverständlich wird, sondern irgendwie immer noch Emotionen vermitteln kann, zeugt von einem Riesentalent.


11. Young Circles – Jungle Habits

“Light up and let the feeling move ya/ I sell that friends to consume ya// you wanna feel alive//” So und jetzt Hornbrillen auf und ab in die Hipster-Indie-Disco. Wenn man “Jungle Habits” nur so antestet und bei dem Hedonismus der Platte nicht mal ein Auge zudrücken kann, kann man tatsächlich denken hier hätten sich ein paar Musik-Elitisten zusammengetan um ein bisschen das auszuformulieren, wofür Animal Collective und Radiohead zu viel Stolz haben. Aber das wäre erst mal gar nicht wirklich schlecht und wenn dabei zweitens sowohl ein Banger wie „2012“ rauskommen als auch ein experimenteller Jam wie „Jangala“, sollen sie doch so seltsam sein wie sie wollen. Eine Empfelung auch für jeden, der findet, dass man generell zu wenig Gesangseffekte in aktuellem Indie hört.


10. Has-Lo – In Case I Don’t Make It

Manche Rapper chillen mittlerweile hinter Rauchschwaden und klingen auch so, andere sind immer noch Gangster und haben immer noch alle Bitches und ticken Drogen. Bei all diesen (oft zurecht) Aufmerksamkeit suchenden Personen übersieht man so jemanden wie Has-Lo schnell. Der sitzt lieber bei Kerzenlicht in seinem Dichterzimmer und übersetzt seinen tief melancholischen (In Case I Don’t Make It) oder sogar gesellschaftskritischen (Kinetic Energy) Poetry Slam-Stil in Raps. Und die werden hinter nichts versteckt sondern durch die minimalen und vor allem auf klassischen Instrumenten basierenden Beats eher in den Vordergrund getrieben. Das bisschen Vordergrund kann er sich auch erlauben, so zurückhaltend wie die Musik ist. Nichts, nicht mal die Flows hier, drängen sich auf, obwohl alles gut bis perfekt ausgearbeitet ist. Das hier ist HipHop zum hinhören und analysieren und so wunderbar eigenständig.


9. Portugal. The Man – In The Mountain In The Cloud

Was passiert, wenn Musiker sich entfremden, streiten, kaum mehr schlafen und eigentlich nichts mehr funktioniert? Das kann in einem spannungsgeladenen Album enden oder in der Auflösung. Im Falle von Portugal. The Man führt es einfach nur dazu, dass sie ihrer Diskographie noch ein Spitzenalbum hinzufügen können. Nur ein Fehler ist ihnen dabei unterlaufen: Alles auf ITMITC ist Pop und damit kann ein Song nicht gut sein, wenn die Melodie nicht gefällt oder mitreißt. Bei 10 Tracks, die sich allesamt zwischen den Beatles, T-Rex und David Bowie positionieren, kann das System kaum aufgehen, ohne dass man mit einem Song rausgeht, der nunmal nicht so toll ist. Für mich ist das „Once Was One“, der ganz subjektiv einfach nicht mein Fall und mir zu sacht ist. Der 11. Track bildet die Ausnahme auf diesem Album: „Sleep Forever“ kann man eigentlich gar nicht nicht mögen, wenn man Gefühle hat. Der Aufbau von einer Gitarrenmelodie zu einem Song mit Chören, Streichern und allem was dazu gehört, reißt einfach mit und mit dem Text über die Sehnsucht nach einem Ende NACH dem Tod will man sich eigentlich mal in eine einsame Hütte in Alaska begeben nur um zu verstehen, was John Gourley da sagen will. Zusammenfassung: Solides Album mit Ausreißern nach unten und viel mehr nach oben.


8. Radiohead – The King Of Limbs

Dafür haben die 4 Jahre gebraucht? Das kann ich ja in ner Woche in meinem Fruity Loops zusammenschustern, das wiederholt sich ja ständig und das ist viel zu kurz und sie haben uns betrogen! Ja, das musste man sich echt anhören, wenn man King Of Limbs vor alten Fans, die sich OK Computer zurückwünschen, verteidigt hat. Und so Unrecht haben sie auch gar nicht damit, dass hier nicht viel Musik zu finden ist und Vieles immer und immer wieder wiederholt wird. Aber damit haben sie im Prinzip nur gezeigt wie wenig man machen muss um Atmosphäre zu erzeugen: ein vertracktes Beatfragment, unverständliche Stimme und eine Menge, das nur im Hintergrund abläuft, reicht bei Radiohead damit man an Can denken muss. Dabei ist die Musik auf diesem Album, die so gar kein Genre kennt vor allem daraus auf Gefühle zu erzeugen – von Isolation, Naturverbundenheit, technischer Distanz zwischen Menschen könnten diese Songs handeln, wenn man die Texte nur so interpretieren will und genauso fremd wirkt auch alles auf King Of Limbs. Das nennt man dann wohl stimmig.


7. Chuckamuck – Wild For Adventure!

Deutscher Punk ist ein seltsames Thema. Die meisten Leute denken dabei nur an Manschen, die mit ihren Hunden auf der Straße betteln, andere an die Ärzte oder die Toten Hosen. Obwohl fast jeder eine Meinung zu diesem Thema hat, weiß also eigentlich kaum jemand, was für geniale Bands es (vor allem in Berlin) gibt. Chuckamuck ist eine der neuesten davon: fast alle Mitglieder waren bei der Aufnahme noch minderjährig und sind ein Beispiel dafür, was die Black Lips in „Bad Kids“ besungen haben. Die Musik dazu ist ein schlampig eingespielter und dreckig produzierter Mix aus Rock’n’Roll und Punk ganz im Sinne der schon genannten Amerikaner. Alles, was dazu kommt (Geigen, „Geister-“Orgel usw.) und alle seltsamen Strukturen der Musik erschaffen intelligente Musik, die vor allem bei den englischsprachigen Songs Unmengen an Spaß macht. Im Endeffekt ist aber gerade die Wiederholung bei diesen Songs das einzige Problem des Albums. Texte über Schokoriegel, Sex auf der Schaukel oder die eigene Geilheit sind natürlich besser als „hsbgdhjfsdmngframdfshm, Walk Like A Duck“.


6. BRAIDS – Native Speaker

Die Kanadier kopieren auch wirklich alles und jetzt sogar Animal Collective – aber diesmal geben sie es immerhin zu. Wer BRAIDS auf ihre Standardreferenz anspricht, stößt bei ihnen auf Freude weil sie mit ihren Helden verglichen werden. Dabei können sie noch viel mehr für sich verbuchen. Die Arbeitsweise ist scheinbar erstmal die gleiche. Mit Sounds bei denen man sich fragt wie sie entstehen konnten, werden hier simple Melodien und Harmonien abstrahiert bis nur noch Stimmungen überbleiben, die mit ungewöhnlichem Gesangseinsatz überstülpt werden. Das Interessante hier ist aber, dass das manchmal so in Schönklang gipfelt wie sonst nur Post-Rock-Acts wie Remember Remember, dabei aber immer noch unglaublich verschlossen klingt. Wenn Stellen wie das perkussive „fucked up“ in „Glass Deers“ dann aber anfängt sich m Kopf festzubohren genauso wie die taub-aus-der-Disco-kommen-Atmosphäre von „Lammicken“, will man das Album immer wieder hören. Das ist im Endeffekt dann so wie Yeasayer, wenn man noch 10 Anläufe mehr für sie brauchen würde.


5. The UV Race – Homo

Ich will jetzt nicht Velvet Underground oder dem Krautrock den Humor absprechen. Trotzdem kann man den Sound von Homo nur als krawallende und lächerliche Verbindung von beiden beschreiben. Wirklich neu ist hier nichts, der Sound ist Garage-Punkig, die Songs Proto-Punkig, die ausufernden Teile krautig-repititiv und noisig und sogar der Wechsel von weiblichem und männlichem Gesang ist irgendwie geklaut. Aber wie sie das alles verbinden und dabei ihren eigenen Stil finden, ist beispielhaft. Wäre Lou Reed schon tot, könnte man sagen, er war bei den Aufnahmen wahrscheinlich als Geist im Studio anwesend und trotzdem hört man hier nicht 10 mal „Heroin“ oder „Run Run Run“, sondern 10 mal The UV Race mit all ihren Eigenheiten. Der Trick dabei ist 1. alles schlechter zu machen als man es könnte und 2. sich für nichts zu schade zu sein.


4. Low – C’mon

Low konnten gar nichts mehr falsch machen an diesem Album ausser das, was sie auf den Vorgängern falsch gemacht haben. Das hört sich komisch an ist aber so. Wo es auf The Great Destroyer noch zu allererst mal gelärmt hat, herrscht hier die pure Emotion, wo auf Drums And Guns das Experiment im Vordergrund gestanden hätte, herrscht hier die pure Emotion und wo es auf den Releases davor manchmal (eigentlich sehr selten) auch mal langweilig geworden wäre, herrscht hier schon wieder, natürlich, die Emotion. Und weil Emotionen nicht falsch sein können, ist es egal ob der einzelne Song jetzt Slowcore, Folkrock oder Country ist, weil so Oberflächliches gar nicht mehr zählt bei dieser Band. Sie sind schließlich „Nothing but Heart“ und könnten von mir aus jetzt sogar anfangen zu stagnieren.


3. Causa Sui - Pewt'r Sessions 1&2

Darf ich einfach sagen, dass das Musik ist über die man nicht schreiben kann und dann doch einfach nur 2 Sätze schreiben, die wenigstens ein bisschen Inhalt haben? Ja, das darf ich. Causa Sui ist das was man hören will, wenn man auf das DunaJam geht. Irgendwo zwischen Jazz und Rock und so weit da draussen, dass sich Psychdelic, Stoner und Post-Rock schon wieder zu Progressive Rock verbinden. Das ist bei der 1. Pewt'r Session songorientierter und bei der 2. bekommt man 3 Epen zu hören. Fertig, hört es euch an.


2. La Dispute – Wildlife

Eine Revolution! The Wave macht alles besser! Die neuen At The Drive-In! Ne Quatsch, ich bin keiner dieser Fanboys und klatsch euch hier keine dämliche das-beste-und-neueste-was-es-gibt-Review hin. Aber auch wenn man auf den Hype-Zug nicht aufspringt, kann man „Wildlife“ als wirklich gutes Album wahrnehmen, dass Post-Rock und Postcore zusammenbringt. Dabei sind sie nicht immer heavy und nicht immer schnell und aggressiv, obwohl ihre Musik vor allem Verzweiflung vertont. Nein, hier steht die Verzweiflung sogar noch vor der Musik und die macht sich dabei klein und ist schüchtern oder besser eingeschüchtert. Das passt dann aber auch schon wieder auf den „Geschichtenerzähler“ Jordan Dreyer, der an all seinen Stories wie ein gelähmter Betrachter daneben steht und die Figuren alles selbst machen lässt – und das tut weh; so weh, dass man selbst zu einem Mörder eine emotionale Beziehung aufbauen kann bis er sich am Ende von „King’s Park“ die Kugel gibt. Fast perfekt ist das, wenn man nicht ab und zu das Gefühl kriegen würde, einige kleine Längen fänden nur um des Textes Willen statt. Darum ist das hier auch nur Platz 2.


1. Urlaub in Polen – Boldstriker

Sicherheit ist der Feind des Musikers. Wenn man sich als Band sicher ist, was der Fan hören will, kopiert man sich irgendwann wahrscheinlich selbst. Wenn man finanziell nichts zu befürchten hat, muss man nicht mehr so viel in seine Musik investieren. Wenn man familiär abgesichert und glücklich ist, werden die Texte oft langweilig. Zum Glück gibt es so Pools der Unsicherheit wie UiP. Irgendetwas zu kopieren steht den beiden eh fern und so kann man sich als Fan kaum darauf einstellen, was da als nächstes kommt – sogar von einem Song auf den anderen ist das auf Boldstriker extrem schwer. Finanzen sind bei diesem Nebenprojekt wohl immer schon Nebensache und mehr mit der Musik zusammen als die beiden kann man kaum sein. Das ist die Basis für dieses Album, das einfach größer ist als alle davor und sich trotzdem teilweise so reduziert wie nichts, was sie vorher gemacht haben. 9 Songs brauchen sie um das Terrain zwischen Sonic Youth, Neu! auszuleuchten und mithilfe ihres bewährten Drumcomputers komplizierte Skizzen (Lore-Ley I), tanzbare Monster (Snowwhite) oder echte Rocksongs (Rebel And Waste) zu erschaffen. Das ist das logische Ende dieser Band, aber nicht das logische Ende der Musik von Georg Brenner und Phillip Janzen. Die werden auch weiterhin den Kraut zurückbringen und wenn das so weitergeht wie auf Boldstriker angedeutet, kommt da etwas Großes auf die Musikwelt zu.

Weitere Honorable Mentions: Prinz Pi, Yob,Timber Timbre, Tufu, Boots Electric, Projekt Gummizelle, Astronautalis, Hannah Peel, Black Lips, Ghostpoet, Weekend, Götz Widmann

2012?
Kettcar! Of Montreal! fun.! Die Ärzte! Perfume Genius! Janelle Monae? Animal Collective? Godspeed You! Black Emperor? MF Doom?? R.A. The Rugged Man?? The Tallest Man On Earth? Pontiak! Portugal. The Man?! Colour Haze!

Dienstag, 10. Januar 2012

Alben des Jahres 2011 - Markus

Im Jahresrückblick 2010 hatte ich mich noch über die mangelnde Quantität an wirklich guten Alben beschwert, großartig geändert hat sich dieser Zustand nicht, doch wenn man sich damit arrangiert, dass echte Knaller eher Mangelware sind, gab es auch dieses Jahr eine Menge guter Alben zu hören. Wie man feststellen wird, stammen diese bei mir vorrangig aus dem Bereich des Hip Hops, jedoch finden sich in meiner Liste auch Indie, Electronic und in einem Fall sogar Post-Rock wieder, obwohl ich bisher nie Fan von diesem Genre wurde. Bevor es in meine Top20 geht, hier noch ein paar Veröffentlichungen, die ich gern erwähnt hätte, bei denen es sich jedoch um EPs und nicht um Langspieler handelt. Zum einen wäre da "Satin Panthers" von Hudson Mohawke welches neben dem absoluten Banger "Thunder Bay" noch mit 4 weiteren gelungenen Wonky-Tracks aufwartete. Auch "Life Sux" von Wavves konnte überzeugen, wie auch die EPs von Prinz Pi und ASAP Rocky. Abschließend muss noch gesagt werden, dass die Liste nur eine Momentaufnahme ist und die Platzierungen noch variieren werden. Zudem habe ich bis dato noch nicht geschafft alle vielversprechenden Alben des vergangenen Jahres oft genug zu hören, so dass es gut möglich ist, dass sich zu einem späteren Zeitpunkt auch noch die aktuellen Veröffentlichungen von Hiob oder Shlohmo hier wiederfinden würden. Nun aber zu meinen persönlichen Highlights.


20. Portugal. The Man - In The Mountain In The Cloud

Das zweite Album der Band, nach "The Satanic Satanist", mit dem ich mich genauer beschäftigt habe, kommt zwar nicht an das eben genannte heran, hat aber dennoch seine Höhepunkte. Es finden sich zwar auch Füller, jedoch können Stücke wie "Floating" und "Got It All" als schön instrumentierte und mitreißende Popsongs überzeugen.


19. Korallreven - An Album by Korallreven

Eigentlich hatte ich mir von diesem Album einiges mehr erhofft. 5 von 10 Tracks waren schon bis zu 2 Jahre lang im Netz und waren auch äußerst gut, jedoch haben sie mittlerweile einiges von ihrem Charme und ihrer Frische durch häufiges Hören eingebüßt. Da die restlichen Stücke mich leider nicht wirklich kicken, ist "An Album by Korallreven" zwar ein theoretisch gutes Album, in der Praxis jedoch eher uninteressant, da man die Höhepunkte schon häufig gehört hat. Nichts desto trotz sind Tracks wie "Loved-Up" und "As Young As Yesterday" immer noch großartig, so dass das Album hier nicht fehlen darf und Personen, die die Band noch nicht kannten, durchaus überzeugen können sollte.


18. Tufu - Hässlon

Diese Platte ist nicht besonders spektakulär, jedoch trotzdem gelungen. Battle-Rap gegen Kommerzialisierung, Pseudo-Individualität und Wack MCs auf dunklen Sample-Beats. Gabs schon mal, klingt hier aber dank der gewissen Vetrackheit der Instrumentals und dem fokusierten Vortrags Tufus trotzdem frisch.


17. Cut Copy - Zonoscope

Nein, das Niveau des tollen "In Ghost Colours" aus dem Jahr 2008 erreicht Cut Copys drittes Album nicht. Trotzdem finden sich hier einige wirklich gelungene Songs mit Hitcharakter wie "Where I'm Going", die nahtlos an die Ohrwurmqualitäten von "So Haunted" oder "Far Away" anschließen können. Ein nettes Indie-/Electro-Pop-Album.


16. 4 Trackboy & Echomann - MMX

Auf "MMX" bekommt man das, was man erwartet, wenn der Retrogott und Twit One kollaborieren: smoothe, soulige Beats und gute Battle-Raps mit intelligenten Wortspielen. Ein lockeres und auch gelungenes Release.

15. Mogwai - Hardcore Will Never Die, But You Will

Eigentlich bin ich kein Fan von Post-Rock, doch die Genre-Helden Mogwai schaffen es auf diesem Album den Stil auch für Leute wie mich ansprechend und spannend genug zu gestalten, so dass die Höhepunkte wie "Rano Pano" wirklich fesseln können.


14. The Midnight EEz - The Midnight EEz

Genau genommen gehört diese Platte gar nicht hier her, denn bei The Midnight EEz handelt es sich nicht um aktuell in der Öffentlichkeit aktive Musiker, sondern um ein unbekanntes Produktionsduo, das irgendwann 1995/96 eine Instrumental-Tape an ein Label verschickte, wo dies allerdings bis vor kurzem in einer dunklen Ecke verweilte, bis es bei einem Umzug entdeckt und später dann gemastert wurde. Trotz der späten Veröffentlichung, wissen die 14 Beats auch heute noch, mit ihrem klassischen, trockenen Oldschool-Sound zu überzeugen.


13. Neon Indian - Era extraña

Mit seinem Debut legte Alan Palomo ein äußerst kurzweiliges Synth Pop-Werk ab, an dem er sich nun messen lassen musste. So ganz ist es ihm nicht gelungen dieses Niveau erneut zu erreichen, doch auch auf "Era extraña" finden sich einige wirklich gute Songs, die sich gekonnt zwischen Electronic, Chillwave, Shoegaze und Pop bewegen.


12. Big K.R.I.T. - ReturnOf4Eva

Big K.R.I.T. ist ein Rapper mit vielen Facetten. Er kann sowohl das Feiern im Stripclub als auch den Umgang mit Stereotypen passend thematisieren. Dies erklärt warum auf den Veröffentlichungen von so unterschiedlichen Akteuren wie Ludacris und The Roots zu finden ist. Diese Variabilität zusammen mit lyrischen und technischen Fahigkeiten und seiner Stärke als Produzent machen "ReturnOf4Eva" zu einem äußerst abwechslungsreichen und musikalisch gelungenen Werk.


11. Knowsum - The Most Awkward

Ein weiterer guter Beat-Bastler ist Knowsum, ein 18-jähriger aus Mainz, der auf "The Most Awkward" 37 seiner Beats zusammenstellte, die den Eindruck verstärken, dass hier ein äußerst talentierter Herr am Werk ist, der in der Lage ist hervorragende, auf Sampling basierende laid back-Beats zu produzieren. Ich bin gespannt auf das, was er demnächst noch so veröffentlichen wird.


10. Clams Casino - Instrumentals

Er ist mitverantwortlich für die besten Tracks auf "LiveLoveA$AP", arbeitet zusammen mit Lil B, The Weeknd und vielen weiteren aktuellen Künstlern. Ja, Clams Casino ist definitiv einer der interessantesten Akteure unter den US-Produzenten. Einige seiner bisher besten Instrumentals wurden Anfang des Jahres auf einem Mixtape zusammengestellt und später dann auch auf Vinyl veröffentlicht. Wer wissen will, was Cloud-Rap ausmacht, sollte sich diese Platte hier unbedingt einmal anhören.


9. The Streets - Computers and Blues

Ich muss zugeben, dass dies das erste Album von The Streets ist, mit dem ich mich näher beschäftigt habe. Auch wenn das Werk im Gegensatz zu früheren Werken weniger positiv aufgenommen wurde, habe ich durchaus meinen Gefallen gefunden. Ein abwechslungsreiches Klangspektrum zwischen Hip Hop, Electronic und Pop plus die nicht spektakulären, dennoch gelungenen Texte von Mike Skinner ergeben ein eingängigen und durchaus würdigen Abschluss des The Streets-Projekts.


8. Brenk Sinatra - Gumbo 2: Pretty Ugly

Das neben Twit One stärkste Instrumental-Werk war dieses 23 Tracks starke Album des Wieners Brenk Sinatra, der, wenn er nicht gerade Beats raushaut, u.a. MC Eiht und Guilty Simpson mit Instrumentals beliefert. Basslastige Banger treffen auf klassisches Soulsampling und jazzige Stücke für die Abendstunden. Ein herrvoragendes, abwechslungsreiches Album, dass trotzdem wie aus einem Guss wirkt.


7. The Pains Of Being Pure At Heart - Belong

Das beste Indie-Rock/Pop-Release des Jahres stammt von dieser charmanten Band mit dem langen Namen. Wo ihr Debut noch noch ein wenig den Druck vermissen ließ, haben sie nun eine Schippe draufgelegt. "Belong" wirkt kräftiger, orientiert sich stärker an The Smashing Pumpkins, liefert mit "Even In Dreams" eins meiner Lieblingsstücke des Jahres und ist somit ein wirklich gelungener Zweitling.


6. Mac Miller - Best Day Ever

Er ist einer der größten Duschstarter im aktuellen US-Rap-Geschehen und das nicht zuletzt wegen seiner Mixtapes. Zwei hat er davon neben seinen Debutalbum dieses Jahr veröffentlicht, wobei "Best Day Ever" sowohl seinen "richtigen" Langspieler "Blue Slide Park" als auch das zweite diesjährige Tape "I Love Life, Thank You" übertrifft. Mit Hits wie "Donald Trump" und "Wake Up" gibt es hier Pop Rap der guten Sorte und eingängige, frische Beats.


5. Twit One - Stepping Stones

Die Spielzeit dieses Albums beträgt zwar nur 15 Minuten, doch trotzdem reicht die Zeit um festzustellen, dass es sich bei Twit One um einen der talentiertesten Beatbastler im deutschsprachigen Raum handelt. Seine hervorragendes Gespür für Samples und die tollen Tunes, die er aus alten Plattenkisten herausgezogen hat, machen "Stepping Stones" zu einer kurzweiligen, angenehmen musikalischen Reise durch Hip Hop, Soul und Funk, frei nach Tocotronic: "Harmonie ist eine Strategie". Hier ein äußerst gute.


4. Casper - XOXO

Wer hätte Anfang des Jahres gedacht, dass ein Rapper mit äußerst kratziger Stimme, auf von Indie und Post-Rock beeinflussten Instrumentals, die negativen Gefühle der Jugend thematisierend, in Deutschland Gold gehen würde? Vermutlich nur Wenige. Doch Casper hat es geschafft. Einer der seltenen Fälle, in denen sich musikalische Qualität und Verkaufserfolg ungefähr die Waage halten. Sicherlich überschreiten die Texte manchmal die Grenze zum Kitsch und triefen vor Pathos. Jedoch schafft der 29-Jährige es einfach mitreißende Songs zu schreiben, die emotional berühren.


3. ASAP Rocky - LiveLoveA$AP

Lyrische Neuerungen und Glanzleistungen findet man auf diesem Mixtape nicht, dafür aber grandiose, eigenständige Beats, Coolness und eine gehörige Portion Swag. Produzent der Stunde Clams Casino, Ty Beats und weitere haben einen Klangkosmos zwischen Nebelschwaden, Betäubungsmitteln und Erhabenheit erschaffen, innerhalb dessen ASAP Rocky seinen Status als Pretty Motherfucker zementiert, Sizzurp- und Gras-Konsum thematisiert und seine Hood Harlem repräsentiert. Ein äußerst starkes Werk, wenn man bedenkt, dass es sich hierbei nur um ein Mixtape handelt und dies die erste größere Veröffentlichung des jungen Herren ist.


2. Prinz Pi - Rebell Ohne Grund

Man könnte eine Menge Kritikpunkte aufzählen: eine einheitliche Stimmung oder Atmosphäre gibt es nicht, die Features können (traditionell) nur selten überzeugen, die Grenze zum Kitsch wird hin und wieder überschritten und das Album ist zu lang. Abseits davon gibt es allerdings das eingängige "Virus" mit Pixies-Sample, eine der besten letztjährigen Deutsch-Rap-Hooks in "Du Bist", mit "Laura" die grandiose Verarbeitung des Selbstmords einer Exfreundin, Hits und Hymnen wie "Der Rand" und "Marathon Mann" und weitere Highlights. "Rebell Ohne Grund" steht dem Ausspruch "Das Ganze ist größer als die Summe seiner Teile" konträr gegenüber, lief aber trotzdem am häufigsten von alle Alben 2011 bei mir.


1. Morlockk Dilemma - Circus Maximus

Dass der Leipziger zu den besten seines Faches gehört, hat er mit jeder seiner Veröffentlichungen bestätigt und spätestens jetzt sollte es unumstößlich sein. Kaum jemand verbindet so gekonnt Untergrundattitüde und aggressiven Flow mit solchem Storytelling und Wortgewandheit. Egal in welches Terrain er sich begibt, er weiß zu überzeugen. So schlüpft er in die Rolle des Misanthropen, der nach einem großen Massensterben "freie Fahrt von der Ostsee bis zur Adria" hat, degradiert Rapper zur "Vorsuppe", mimt den erlösenden Messias, thematisiert das Schicksal des Galgenbergs uvm. Diese ganzen Geschichten und Szenarien werden untermalt von grandiosen Beats, die zusammen mit den Lyrics wissen, wie man ein Kopfkino erzeugt. Nur selten hört man solch gelungene Adaptionen von literarischen Themen und Stilen, wie wenn er z.B. in "Der Baum" zusammen mit Hiob eine moderne Sage erzählt und sich in "Die Röhre" von Kurt Vonnegut inspirieren lässt.

Sonntag, 11. Dezember 2011

Alternative Christmas: Sufjan Stevens – Songs For Christmas

42 Songs auf 5 EPs aus 5 verschiedenen Jahren in einer Box mit Noten, Textbuch und einer Menge Gimmicks – das ist Songs For Christmas und deswegen ist es fast schon ein moderner Klassiker in der Indie-Welt. Egal, wo im Internet nach hörbarer Weihnachtsmusik fragt, Sufjan Stevens Box ist immer ein Tipp. Und das hat seine Berechtigung. 2 Stunden Weihnachtsmusik braucht natürlich kein Mensch, aber mit ein paar der 17 Eigenkompositionen und ein paar der Neuinterpretationen von traditionellen Weihnachtssongs kann sich sicher jeder Anfreunden und sich ein eigenes kleines Album zusammenstellen, dass dann sogar die Meisterleistung schafft ein und die selbe Stimmung auf unterschiedlichste Weise zu verbreiten. Auf den ersten beiden/drei EPs bleibt Stevens nämlich größtenteils sehr nah am Zuhörer und macht die Jahresschein meistens nur mit Banjo und unzähligen Gitarren schöner. Später kommen dann auch elektronische Elemente, Bläser und Streicher hinzu. Wie man merkt: ich will euch hier nicht meine Lieblingssongs von diesem Mammutwerk auftischen, denn im Endeffekt muss diese jeder selbst finden und genau das sollt auch wirklich jeder mal versuchen!

Neben einigen großartigen Songs muss man Sufjan aber auch zuschreiben, dass er nicht in das Muster verfällt Weihnachten als schreckliches konsumorientiertes Fest zu kritisieren und so allen den Spass verdirbt, sondern das Fest auch als solches darstellt und Freude, Freunde und Familie hier im Vordergrund stehen.

Trotzdem nochmal meine Auswahl an Songs: "It's Christmas, Let's Be Glad", "This Was The Worst Christmas Ever", "Come On! Let's Boogey to the Elf Dance!", "It's Christmas Time!", "Get Behind Me, Santa!", "Jupiter Winter/Sister Winter"

Dienstag, 22. November 2011

Civil Civic - Rules (Review)

Zu Beginn hört man ein fernes Rauschen auf das sich eine Synthiemelodie legt, die an ein Glockenspiel erinnert. Doch dann das abrupte Eintreffen des knallenden Basses, eines Drumcomputers, zusammen mit einem Strom von Shoegaze-artigen Gitarren. Kurze Zeit später schon ein neues, melodiebestimmendes Riff. Darauf folgt der ständige Wechsel zwischen einzelnen Gitarreneinsätzen, der Synthie-Melodie und der Feedback-Walze, bis zum Schluss der Beat an Kraft verliert und auch der Rest der Instrumentierung aussetzt. Nach knapp 4 Minuten ist der Opener vorbei und das Debut Album der 2 jungen Australier hat sein erstes Highlight.

"Airspray" steht dabei exemplarisch für die Stärken von Civil Civic. Kraftvolle Sounds, enorm einprägsame Melodien, die aus dem Rest der musikalischen Elemente herausstechen und viel Energie. Sehr gelungener Electro-Rock, der zudem von Track zu Track anders präsentiert wird. So klingt "Run Overdrive" wie rauer, dreckiger Indie/Alternative-Rock, "Street Trap" ist gerde zu tanzbar, wohingegen "Mafield" an Post-Rock erinnert. Während des Hörens werden außerdem Unmengen an vergleichsweise konkreten Assoziationen wach. Seien es Synthies wie auf dem letzten Editors Album ("Slack Year"), ein Song der in der ersten Hälfte wie eine ruppigere Version von Two Door Cinema Club klingt („It's Krill“), oder "Lights On A Leash", das mich zum Ende hin stark an die großartigen frühen Songs von Hooray On Earth erinnert.

Das sind alles keine schlechten Namen, doch manch Vergleich, der mir beim Hören der Platte durch den Kopf schießt, ist wenig positiv. Die Melodiösität, die "Rules" kennzeichnet, wirkt im schlechtesten Fall, bei der Synthiemelodie in "Grey Nurse", eher wie aus einem misslungenem Audiotune-/Plastik-Pop entliehen. Solche Momente halten sich aber stark in Grenzen. Ansonsten fällt nur auf, dass das Konzept über LP-Länge stellenweise etwas an den Nerven des Hörers zehrt, was manchmal auch an der zu großen klanglichen Diskrepanz zischen rauen Gitarren und sauberen Synthies liegt. Insgesamt ist Rules aber ein gelungenes Werk, das mit einigen wirklich guten, eingängigen Instrumental-Hits aufwartet.

7/10 Punkte




erstellt von Markus.

Samstag, 15. Oktober 2011

Wavves - Life Sux EP (Review)

Auch wenn Nathan Williams polarisiert, mangelnde Produktivität in Sachen Veröffentlichungen kann man ihm nicht vorwerfen. So hat er seit 2008 jedes Jahr neues Material vorgelegt, auch wenn es diesmal "nur" eine EP ist, die musikalisch betreacht im Wavves-Kosmos durchaus ihre eigene Nische besetzt.

Man hat sich vom Surf Punk des sehr guten Vorgängers "King of the Beach" ein kleines Stück entfernt und bietet jetzt 5 Tracks, deren Stil auf Indierock, 90er-Alternative, und Punk-Energie aufbaut. Im Vergleich zur letzten LP ist das Endprodukt verschrobener, das Gitarren-Feedback hat wieder zugenommen. Herausgekommen sind Songs die schnell ins Ohr gehen und alle einen Drive besitzen, der sie aus der Masse hervorhebt. Das ist auch nötig, denn die musikalische Richtung die Wavves eingeschlagen sind, ist von vielen derzeit aktuellen Bands gewählt worden. No Age und Best Coast lassen grüßen. Letztere sind übrigens auch auf "Life Sux" vertreten und waren an der Entstehung von "Nooding Off" beteiligt. Das hört man auch raus, denn dieses klingt wie ein klassischer Best Coast Song nur etwas verschrobener und mit männlichen Vocals.

Eindeutiges Highlight des kleinen Werks ist für mich "Poor Lenore" bei dem deutliche Einflüsse von Alterntive-Rock aus den 90ern mit einer eingängigen Hook kombiniert werden. Einziger Tiefpunkt hingegen ist "Destroh", welches erst vielversprechend beginnt dann aber Vocals der Band Fucked Up enthält, mit denen ich wenig anfangen kann. Die Texte sind wie erwartet nicht besonders tiefgängig und auch ein bisschen mehr Originalität könnte nicht schaden. Es ist aber auch so eine gute Veröffentlichung für zwischendurch geworden, die durchaus kurzweilige Unterhaltung bietet. Weltbewegendes darf man allerdings nicht erwarten.

7/10 Punkte




erstellt von Markus.

Mittwoch, 5. Oktober 2011

Tonia Reeh - Boykiller (Review)

Tonia Reeh dürfte dem ein oder anderen unter ihrem bisherigen Künstlernamen Monotekktoni bereits bekannt sein. Mit einer Newcomerin hat man es also definitiv nicht zu tun, auch weil sie unter ihrem eben erwähnten Synonym bereits 4 Alben veröffentlicht hat. Für ihr neuste Veröffentlichung hat sie sich nun wieder auf ihre Wurzeln zugewandt und sich anstatt experimentellem Electronicsound diesmal einem reinen Klavier-Vocal-Set gewidmet. Was nicht heißen soll, dass das Ganze jetzt auf einmal leichte Kost ist, nein, "Boykiller" ist ein Werk, dass sich nicht unbedingt zum Nebenbeihören eignet. Es herrscht eine melancholische Grundstimmung vor und die Stimme der Berlinern gleicht eher der von PJ Harvey als dem lieblichen Organ von Lykke Li. Textlich werden dabei u.a. Themen wie Verabschiedung und die negativen Seiten des Heimatgefühls behandelt.

Diese Mischung schafft schon zu Beginn ein erstes kleines Highlight. Der Titeltrack beschreibt die seltsame und verstörende Reise eines Zugvogels und weiß besonders zum Ende hin beim Eintreffen des Schlagzeugs zu überzeugen. Überhaupt, die Platte hat ihre stärksten Momente definitiv wenn die Drums sich zu Tonia und ihrem Klavier gesellen und die Songs einen unwiderstehlichen Drive erhalten. Dieses Prinzip funktioniert abseits des Openers u.a. erneut in "Braveheart" und "Happy Knife" das durch zusätzliche Gesangsspuren sehr gut ergänzt wird. Das Problem ist, das beim Fehlen der Rhythmusgruppe den Liedern oftmals das spannende Element fehlt und die Musik etwas träge vor sich hin läuft. Dank der atmosphärischen Stärke ist dies zwar zu verkraften, sorgt allerdings auch dafür, dass man nicht unbedingt so Widerhören motiviert wird.

Insgesamt hat "Boykiller" sicherlich seine starken Momente, allerdings können die Qualität und die Spannung nicht durchgängig gehalten werden. Trotzdem ein solides Album, das Freunden von Pianoklängen und starken Frauenstimmen zu empfehlen ist und auch der Rest macht keinen Fehler damit, in das Album rein zuhören.

6/10 Punkte




erstellt von Markus.

Sonntag, 18. September 2011

Astronautalis – This Is Our Science (Review)

Charles Andrew Bothwell müsste eigentlich Franzose sein so sehr wie sich seine Musik anhört wie ein vertonter Jules Verne-Roman. Er könnte auch irgendwo in der Nähe von Nashville aufgewachsen sein und sich dann nach Los Angeles begeben haben um Beck nachzueifern. Tatsächlich kommt Bothwell, der mit „This Is Our Science“ hier sein 4. Album als Astronautalis vorlegt, aber aus der Großstadt Jacksonville in Florida – nur so als Randnotiz.

Astronautalis ist nämlich sowieso schon längst abgehoben und trauert jetzt mit seiner Band aus der Vogelperspektive seiner Zeit auf der Erde nach. Dazu entwickelt er einen ziemlich eigenen Mix aus HipHop, Südstaaten-Folk, Elektronika und übergroßer Popgeste, die auf der Erde auch gar keinen Platz finden würde. Das Ganze passiert auf ganz unterschiedliche Arten, was auch an der Stimme liegt, die sich von auf der ganzen Platte extrem wandelbar zeigt. Vor der Aufnahme vom indisch anmutenden „Holy Water“ war wahrscheinlich die Aufnahme von viel rauchigem Whiskey nötig, wohingegen vor dem kleinen Alternative Country-Ausflug „Measure The Globe“ eine Gesangsstunde von Tegan Quinn gestanden haben könnte.

Die Tegan and Sara-Hälfte leiht ihre Stimme nämlich einem Song und „Contrails“ wird dadurch zu einem der stärksten Songs der Platte. Denn zusammen schaffen es die beiden den Song trotz des gewichtigen Refrains interessant zu bleiben. Das funktioniert nämlich nicht immer, da Songs wie „Lift The Curse“ weit über das Ziel hinausschießen in ihrem Pomp. Eigentlich trifft das sogar für andere starke Songs zu wie den Opener „The River, The Woods“, aber die Galle, die hier aus Astronautalis sprüht und die Musik, die an den Post-Rock-beeinflussten Stil von Casper erinnert. Die Parallelen zu XOXO sind sowieso leicht zu ziehen, wobei Astronautalis aber leider schlechter abschneidet, da die Gesamtstimmung der Platte viel zu sprunghaft ist und einige Stile, die er einbringt einfach nicht passen wollen.

So stehen langweilige Indie-Pop-Liedchen hier neben astreinen modernen HipHop-Tracks, die mal an Casper, mal an Ghostpoet und mal an Rhymesayers-Rapper erinnern. Das kann er auch nicht mit seinen Geschichten rausreißen, die sich in jedem Genre behaupten könnten und das oft super eingesetzte Klavier sorgt eben auch für die Over The Top-Momente. Typischer Fall von überambitioniertem Künstler also…

7/10 Punkte


erstellt von Leon.

Montag, 25. Juli 2011

Casper - XOXO (Review)

Nach K.I.Z. und Marteria ist Casper der nächste Rap-Act, der nicht nur von den Hip-Hop-Medien, sondern auch von großen Teilen der restlichen Presse reichlich (Vorschuss)lorbeeren kassiert. Wahlweise wird ihm dann die Rolle des Retters des Deutschraps oder der Part des intelligenten Gegenentwurfs zum derzeit in Deutschland vorherrschenden Gangster-Rap zugeschoben. Jedoch bleibt fest zu stellen, dass er weder eins von beiden ist, noch sein möchte. Nichts desto trotz betritt er mit "XOXO" für Deutschrap komplett neue musikalische Gebiete, was dazu führte, dass man in der stets hype-geilen Blogosphäre nun mit "Post-Hop" bereits schon wieder einen neuen Genre-Begriff aus dem Hut gezaubert hat.

Sicherlich sind die Instrumentals alles andere als normale Durchschnitts-Hip-Hop-Produktionen und auch Stimme, Flow und Themenauswahl des Neuberliners stechen aus der grauen Masse heraus, doch trotzdem kann man hier immer noch von Rap sprechen bzw. schreiben, wenn auch einem, bei dem definitiv neue Wege beschritten werden. Der erste Beleg dafür findet sich schon zu Beginn. "Der Druck steigt" basiert weder auf einem klassschen Boom Bap- noch einem moderneren Synthiebeat, sondern auf einer großartigen Post-Rock-Produktion, die sich perfekt mit dem ebenfalls großartigen Text zusammenfügt. Auch wenn die Lyrics keines Falls durchschnittlich sind, die Themen sind Klassiker. Was im Opener mit der Beschreibung der Situation der Jugend und dem Aufruf dazu, dem sich steigenden Druck freien Lauf zu lassen, beginnt, wird in nachfolgenden Songs durch Herzschmerz, Hilflosigkeit, Absturz und Eskapaden, ergänzt. Dinge die Jugend vieler häufig geprägt hat. So wird auch wieder der Unterschied zwischen Casper und der restlichen Rapszene deutlich, denn während der ein Großteil des Rests Crew- und Ghettorepresentation, Punchlines, überspitzte (fiktive) Storys oder Einblicke in den (angeblichen) persönlichen Reichtum serviert, liefert Casper persönliche Texte, die aber gleichzeitig auch als Beispiel für viele andere Existenzen taugen und allgemeingültige Probleme aufzeigen, sodass den Lyrics hohes Identifikationspotezial inne liegt.

Wenn man allerdings über Konflikte in Liebe und Jugend rappt, besteht die Gefahr des Kitsches natürlich besonders stark. Im Gegensatz zu vielen anderen MCs umkurvt er diese allerdings geschickt und tritt nur selten in Fettnäpfchen, indem er Standartzeilen vorträgt. Zudem trägt seine raue Stimme dazu bei, dass er trotz der Thematik nie in den nervigen Bereich der "Rumheulerei" gelangt. Letzter wichtiger Punkt im Bezug auf die lyrische Seite der Platte ist das Verzichten auf ein allgemein gängiges Storytelling, stattdessen bestehen die Raps meist aus assoziativen Sprachbildern, die auch nie versteift daherkommen und dem Hörer Platz lassen für eigene Interpretationen und das Entstehen zahlreicher geistiger Bilder.

Abseits der Raps und Texte bietet das Album aber auch musikalisch einiges. Wie vorhin erwähnt spielt Post-Rock eine große Rolle, aber auch Dubstep und Indierock dienen als Vorlagen für Instrumentals und auch das Klavier wird immer wieder hervorragend in die Tracks integriert.

Auch wenn "XOXO" als stimmungsvolles Ganzes überzeugt, so lassen sich einige Highlights nennen. Besonders das kraftvolle und leicht episch anmutende "Der Druck steigt" bleibt im Gedächtnis, ebenso die sehr berührenden und persönlichen "Kontrolle / Schlaf" und "Michael X", wobei sich letzterem um einen verstorbenen Freund Caspers dreht. Der denkwürdigste Moment des Albums ist aber eindeutig "Auf und davon". Ein erneut von Post-Rock geprägtes kraftvolles Instrumental auf dem Casper den Ausstieg aus der Monotonie des grauen Alltags thematisiert. Großartige sprachliche Bilder kombiniert mit einem tollen How to Dress Well-Sample.

Nach all dem Lob müssen natürlich auch die Negativpunkte genannt werden, wobei dies recht schnell erledigt sind. Neben den vorhin erwähnten sehr seltenen leicht kitschigen Stellen, sind es neben manchen Songelementen wie z.B. dem Text des Refrain im Titeltrack (übrigens von Tomte Frontmann Thees Uhlmann vorgetragen), nur 2 Songs, die für mich eher wie Filler anmuten, namentlich "Alaska" und "230409", die den Gesamteindruck etwas schwächen. Trotzdem ist „XOXO“ ein hervorragende, berührende Platte, die zeigt, was noch alles in Sachen (Deutsch-)Rap möglich ist und auch noch das Potenzial zum Wachsen hat, so dass die reichlichen Vorschusslorbeeren seitens Presse und Öffentlichkeit definitiv gerechtfertigt waren.

8/10 Punkte




erstellt von Markus.

Mittwoch, 1. Juni 2011

Death Cab For Cutie - Codes & Keys (Review)

Das letzte Death Cab-Album “Narrow Stairs” ist schon wieder 3 Jahre her und im direkten Vergleich merkt man die relativ grosse Zeitspanne zwischen den Alben auch. Wo vor 3 Alben vor allem im Studio und mit den Instrumenten, die nunmal in einer Rockband vorhanden sind, ziemlich spontan ein Album zusammengewuerfelt wurde, ist “Codes & Keys” eine durch und durch geplante Angelegenheit mit Keyboardunterbau und Streicherarangements, die auf dem neuen Longplayer ein staendiger Begleiter sind. Zusammen machen sie Chris Wallas Gitarre eher zu einem Fundament auf denen die Synthesizer dann ihre freundlichen aber doch oft sumpfigen Parts spielen koennen oder ueber die die Geigen versoehnliche Pop-Melodien legen.

Denn vor allem das ist “Codes & Keys”, ein versoehnliches Pop-Album. Die Texte handeln groesstenteils vom Gluecklichsein und von seiner Lebenssituation mit Zooey Deschanel. Das ist nicht immer ueberschwaenglich froehlich, aber die pessimistische, ergreifende Stimmung, die die Texte auf den Vorgaengern oft zur Folge hatten, kommt nicht auf, wenn Trauriges kaum ausgesprochen schon wieder ins Aufmunternde umgekehrt wird wie in “And if you feel just like a tourist in the city you were born/ Then it's time to go/ And define your destination/ There's so many different places to call home” aus der Vorab-Single “You Are A Tourist”. Ben Gibbard hat seine poetische Ader nicht verloren wie man auf dem Titeltrack “Codes & Keys” in Zeilen wie “You're on the floor/ Fearful of what's outside your door/ But the codes and keys/ They can protect you/ From the pangs of jealousy” sieht, aber dem eingefleischten DCFC-Fan wird in diesem Meer von Liebesliedern eindeutig der Herzschmerz-Faktor fehlen.

Der Herzschmerzfaktor haette auch zur Musik gar nicht gepasst. Die Mehrheit dieser Songs kommen naemlich eher aus dem Upbeat-Bereich und werden musikalisch von weiterentwickeltem Gitarrenpop – die ersten Sekunden erinnern stark an “Nullsummenspiel” von Kettcar - und mechanischen Elementen getragen – darum auch die vielen Vergleiche von “Doors Unlocked & Open” mit NEU!, der bei den Prog-Einfluessen, die der Song oder besser dieser Teil des Albums aufzeigt eigentlich seltsam klingt. Denn genau mit diesem Track beginnend sind 3 Songs suitenartig zusammengebunden. Nachdem “Doors Unlocked & Open” sich im Stil vom Death Cab-Hit “I Will Possess Your Heart” zu einer Hymne auf den Ausbruch aufschwingt, geht er in “You Are A Tourist” ueber, der mit griffigerer Hook richtige Stadionatmosphaere haben wuerde und das gleiche Thema auf der naechsten Eben bearbeitet. Darauf wiederum folgt “Unobstructed Views”, dass sich laangsam ueber seine 6:10, aber mi taller Entschlossenheit aufbaut um die Liebe zu feiern. Musikalisch ist sonst eigentlich nur noch das relativ schwache “Stay Young, Go Dancing” herauszuheben, weil es das Album akustisch abschliesst.

Fuer besonders viel Abwechslung wurde bei diesen 11 Songs also nicht geachtet, die Texte bieten nicht, was man erwarten konnte und Vieles ist schon zu hell und poppig. Schlecht sind die Songs dabei aber auch nicht wirklich, wobei das Prog-Dreierpack oder die Bass- und Blaesersolos in “Underneath The Sycamore”wirklich was koennen. “Codes & Keys” ist also bestimmt nicht ihr bestes Album, aber immerhin kein wirklich negatives und vielschichtiges Lebenszeichen nach 3 Jahren Entzug.

7/10 Punkte


erstellt von Leon.

Mittwoch, 4. Mai 2011

We Are Enfant Terrible - Explicit Pictures (Review)

Französische Bands waren in letzter Zeit ja wenig präsent auf unserem Blog, doch We Are Enfant Terrible beseitigen diesen Misstand nun. Dieses Trio stammt nämlich aus Paris und hat jetzt, 3 Jahre nach der Gründung, ihre erste LP veröffentlicht, welche den Titel "Explicit Pictures" trägt.

Klangmäßig haben sie nicht allzu viel mit den Bands zu tun, die einem beim Namen ihrer Heimat in den Sinnen kommen. WAET klingen also nicht wie die nächsten Daft Punk oder Air, ihre Musik kann man allerdings auch dem Electronica-Genre zuordnen. Das wäre dann allerdings aber auch wieder zu kurz gefasst, denn ihre Platte ist deutlich von Indiepop, 8-Bit Sounds und Lo-Fi beeinflusst. Eine wenig innovative, aber doch eigenständige Mischung, die an eine Fusion aus Crystal Castles und Cloud Nothings, nur um einiges weniger spektakulär, erinnert. Dazu gibt es dann noch Texte über die Welt aus der Sicht der Jugend, über ihre Probleme und Interessen.

Hin und wieder hört man dann auf "Explicit Pictures" auch den ein oder anderen guten Song, wie z.B. "Filthy Love" und "Flesh'n'Blood Kids", die beide mit einer eingängigen Synthiemelodie überzeugen. Abseits davon sieht es allerdings eher mau aus, das Album versinkt in Bedeutungslosigkeit. Dies hat unterschiedliche Ursachen. Zu einem wären da das oft langweilige Soundbild welches sich immer gleich aufbaut und abseits der Grundlagen der Songs, nie etwas spannendes neues bringt. Auch störend sind die konstant gelangweilt und monoton klingenden Vokals die zusammen mit der Aufnahmequalität einen negativen, dilletantischen Eindruck hinterlassen.

Schlimmstenfalls klingt es dann wie im Opener "Make You Laugh" nach einer 3.-klassigen Indieschülerband. So schlecht ist die Platte selten, doch der größtenteils langweilige, höchstens durchschnittliche Rest hilft da nicht wirklich drüber hinweg. Auch die besseren Tracks sind kaum ein wirklichen Grund sich das Album noch mal anzuhören.

4/10 Punkte



erstellt von Markus.

Dienstag, 12. April 2011

Low - C'mon (Review)

Ein Grundsatz eines meiner Bekannten ist: Man kann Menschen generell immer wieder in 2 Kategorien einteilen. Menschen, die morgens duschen und die, die abends duschen zum Besipiel. Das jemand abends duscht merkt man selten, aber es kann morgens in der Schule oder bei der Arbeit eklig werden, gleichzeitig ist es aber bequemer als frueh aufzustehen. Bei Bands ist es da nicht anders: Man kann zum Besipiel sagen: Es gibt diese, die einen Sinn dafuer haben nicht peinlich zu klingen, Klischees gekonnt zu umgehen und diese, denen das egal ist. Erste Gruppe behaelt sich ihre Integritaet, bei zweiterer ist ab und zu fremdschaemen angesagt, wobei sie dabei aber lockerer klingen, wenn sie nicht gerade Majorpueppchen sind. Neben dieser Einteilung in 2 Gruppen sind aber auch immer Ausnahmen moeglich. “C’mon” von Low ist fuer mein Beisiel eines.

Nach 17 Jahren als Indie-Rock-Band inclusive eines stilschoepfenden Debuts und von da an immer wieder Veraenderungen in ihrem minimalistischen Sound. In all dieser Zeit ist diese Band zum Klassiker geworden und ist so identifiziert mit ihrer Musik, dass sie ab und zu ueberemotional warden und Dinge machen, die eigentlich peinlich sein muessten. Das strukturell an “Lullaby” von “I Could Live In Hope” erinnernde “Nothing But Heart” sollte mit der ewigen Wiederholung der gewollt-romantischen Zeile “I’m nothing but heart” doch eigentlich kitschig sein und zum fremdschaemen veranlassen – das gleiche bei der Zeile “My love is for free, my love” aus “$20”.
Low schaffen es nun aber, das Album so geschlossen zu gestalten, dass jeder dieser seltsamen Griffe, die sie einstreuen, zu einem grossen Ganzen zusammenwachsen; der Country aus von “Something’s Turning Over” kann nirgendwo anders stehen als am Ende zur Erholung von “Nothing But Heart”, weil er als einzelner Song einfach wirklich schlecht ist; das Banjo kann an keener anderen Stelle als in Witches eingesetzt warden, weil es etwas braucht, was in Stimmung bringt fuer den Al-Green-Imitat-Diss, wenn die Stimme schon keinen Unterschied zwischen einem solchen Text und einem Liebeslied macht. Gerade dieser Punkt koennte so wirken als waeren all die Emotionen auf diesem Album gespielt, aber der trockene Humor der dahinter steckt macht “All you guys out there tryin’ to act like Al Green/you’re all weak” zu einer sehr runden Zeile in “Witches”.

Gerade die Vielfalt an Veraenderungen von Song zu Song, die es so auf keinem vorigen Low-Album gegeben hat, machen dieses hier rund, weil so die Stimmungen der Tracks aufeinander reagieren koennen. Es gibt bei ihrem langsamen Folk-Rock Ausschnitte, die nach Sigur Ròs ohne musikalische Einschlafaufforderung klingen, ein Stueck Tow-Waits-grungige Gitarre - und das auf einem Low-Album – in “Nothing But Heart”, zurueckhaltende Elektronik auf “Majesty/Magic”, Andeutungen von Orchestralem auf “Especiaally Me” und die reduzierten “Done” und “$20”.

So fasst das Album die Karriere von Low nach dem Debut auf eine popige zusammen und wird bei einer breiten Instrumentierung von Pauken ueber Lapsteel, Geigen und Banjo neben den variantenreich benutzen Standardinstrumenten Gitarre und Piano und einem beachtenswerten Gesang zum besten Low-Album diesseits der 2000.

8/10 Punkte


erstellt von Leon.

Sonntag, 3. April 2011

Timber Timbre – Creep On Creepin’ On (Review)

Die 60er sind ausgeleihert, die 70er, die 80er, die 90er und die Musik von heute gibt es auch im Radio. Also kann man die Flucht nach vorne antreten und so riskieren, dass keiner mehr die Musik versteht, die man da macht oder man geht eben noch ein Stueck weiter zurueck. Wenn man es dabei so uebertreibt wie sagen wir mal C.W. Stoneking hat man das gleiche Problem.

Weil Timber Timbre nun aber nicht gewillt sind die Leute abzuschrecken, die sie gefunden haben, sondern sie nur ein bisschen gruseln wollen, haben sie sich den DooWop und Rockabilly der 50er ausgesucht um ihren Sound “aufzufrischen”, was wiederum dabei rauskommt, dass sich dieses kleine Stueck Friedhofs-Indie-Folk wie der kleine, nicht geisteskranke Bruder der Murder Ballads von Nick Cave and The Bad Seeds anhoert. So dunkel aber wie Nick Cave kann Taylor Kirk, der die Band vor 6 Jahren in Toronto noch als Soloprojekt gegruendet hat, natuerlich nicht croonen und ein so enges konzeptuelles Korsett hat er sich auch nicht aufgelegt. Das alles als Kompliment gesprochen.

Dass schuetzt ihn nicht davor - wie bei diesem Gothic-Sound ueblich - artsy zu wirken. Jedoch wird das Album davon gerettet, dass es sich so anhoert als haetten Timber Timbre diese B-Movie Atmosphaere genauso gewollt – und das Ergebnis kann sich auch hoeren lassen. Wobei “diese B-Movie-Atmosphaere” eigentlich gar nicht stimmt. Auf der einen Seite sind viele der Songs auf “Creep On Creepin’ On” tatsaechlich mit den Texten ausgestattet, die man beim gruseligen Sound, der durch das Piano und die Lapsteel-Gitarre hervorgerufen wird, erwarten kann. Andererseits gibt es aber auch noch ein “Black Water”, das mit der Refrainzeile “All I need is some sunshine” an das Debut von Dead Man’s Bones erinnert und sonnige Seiten aufzieht und als kurzen Sidekick auch noch ein Saxophon enthaelt. Weitere gelungene Ausbrueche sind die Instrumentalstuecke, die mit ihren Noise-Elementen auch Soundtrack fuer Horrorfilme sein koennen.

Eine Sache aber, die mich wirklich aufgeregt hat als ich dieses Album ein paar Mal gehoert hatte, war, dass “Lonesome Hunter” und “Creep On Creepin’ On” sich sehr aehneln. Der Verdacht, dass sie die 10 Songs so voll bekommen wollten, ist natuerlich Schwachsinn, aber dieses Ideenrecycling war fuer mich ein echter Wehmutstropfen. Bis auf dieses Problem hat die Band aber ein gutes und abwechslungsreiches Album aufgenommen, dass trotzdem weit weg davon ist heterogen zu klingen, und nicht vergessen kleine Hits wie “Black Water” und “Creep On Creepin’ On” zu schreiben.

8/10 Punkte




erstellt von Leon.

Samstag, 26. März 2011

The Pains Of Being Pure At Heart - Belong (Review)

Dank ihres selbstbetitelten und sowohl von Kritikern als auch "normalen Hörern" recht positiv aufgenommenen Debutalbums dürften The Pains Of Being Pure At Heart den meisten Lesern hier ein Begriff sein und wahrscheinlich nicht wenige haben auch ihre neue Platte heiß erwartet. Von daher halten wir uns nicht lang mit dem Vorgeplänkel auf, sondern kommen direkt zum neuen Album der New Yorker, welches sich „Belong“ nennt und auf Grund des Erscheinens nur 2 Jahre nach dem ersten Album ein weiterer Beleg für die Produktivität der erst seit 2007 bestehenden Band, die trotz dessen neben nun 2 LPs schon einige Singles und EPs veröffentlicht hat.

Für „Belong“ konnte man Mark Ellis, aka Flood, als Produzenten ergattern, der schon für The Smashing Pumpkins, Depeche Mode und Nine Inch Nails hintern den Reglern stand. Dass die Gruppe sich jemand neues mit ins Studio geholt hatte, hört man dem Album definitiv an. Der Sound ist voller, die Synthies spielen eine stärkere Rolle und der Gitarren klingen wesentlich kräftiger als früher. Doch das Gesamtpaket klingt immer noch nach Pains Of Being Pure At Heart. Wie auch auf dem Debut gibt es eine harmonische, schüchtern romantische Atmosphäre, geprägt durch den verträumten, nuschelnden Gesang von Kip Berman, basierend auf den Strukturen simpler Popsongs die mit Texten über Liebe und das glückliche Außenseiterdasein in Zweisamkeit versehen sind. Das Ergebnis ist Indie und Jangle Pop, der sich erneut an Vorbilder wie Yo La Tengo, Teenage Fanclub und zahlreichen Bands der C86-Welle anlehnt, aber auch, im Gegensatz zu früher, mehr von The Smashing Pumpkins beeinflusst ist, man vergleiche den Anfang des, sich auf „Belong“ befindenden, „Even In Dreams“ mit dem, von Billy Corgan verfassten, „1979“.

Doch trotz geringer Veränderungen, die Stärken von TPOBPAH bleiben erhalten. Tolle Melodien, eine schöne Atmosphäre und die Fähigkeiten einfach gute und eingängige Popsongs zu schreiben, die Dinge die ihr Debut ausmachten, findet man auch hier wieder. Dem entsprechend gibt es auch wieder einige mehr als gelungene Momente, wie beispielsweise den Titeltrack und „Heart In Your Heartbreak“, welches besonders durch die eher simplen, aber schönen Zeilen im Refrain überzeugt: „She was the heart in your heartbreak / She was the miss in your mistake / And no matter what you take / you’re never / going to forget / She was the tear in a rainstorm / She was the promise that you would’ve sworn / And no matter what you say / it’s never gonna come back”.

Eigentlich ist die Platte also ein recht angenehmes Hörerlebnis, doch vergleicht man sie mit dem Vorgänger wird eins deutlich: Neben den, zum Teil bereits erwähnten, Highlights „Belong“, „Heavens Gonna Happen Now“, „Heart In You Heartbreak“ und „Even Dreams“ befinden sich mehrere Songs, die zwar allesamt solide sind, aber leider auf Grund gewisser Harmlosig- und Durchschnittlichkeit, halt auch nicht mehr sind. Demzufolge bleiben diese auch nicht im Ohr hängen, so dass sich das Hören, besonders zum Ende hin, nicht gerade spannend gestaltet. Letztendlich bleibt aber ein ordentlicher, positiver Eindruck, was zu folgender Bewertung führt:

6/10 Punkte


erstellt von Markus.

Sonntag, 5. Dezember 2010

Alben des Monats: November 2010

So Jungs, die Alben des Monats sind uebrigens die meistgeklickten Posts, danke auch dafuer. Schon das 11. mal jetzt. Der Geburtstagspost ist also nicht mehr lang hin.


Leon:


The Velvet Underground (& Nico) - The Velvet Underground & Nico + White Light/White Heat + The Velvet Underground


Premiere: Erstmals bestehen meine Alben des Monats komplett aus Alben der gleichen Band. Aber nagut, Velvet Underground kann man in den 3 Jahren, in denen diese Alben aufgenommen wurden eigentlich kaum als eine Band sehen.

Schon auf dem Debutalbum "The Velvet Underground & Nico" zeigte die Band, was sie immer auszeichnen wuerde. Es gibt mittelguten Gesang auf einfachen sich wiederholenden Takten. So einfach das ist, so schwierig ist es dann auch sich mit diesem seltsamen Entwurf von Pop - dank der Viola von John Cale koennte man es auch Noise-Pop nennen - abzufinden. Aber alle Kritikpunkte, die man haben koennte wie z.B. der deutsche Akzent von Nico, die Ereignislosigkeit vieler Tracks, die Ziellosigkeit der Improvisation auf "European Son" oder dass sie ihre Instrumente nur mittelmaessig zu beherrschen scheinen, machen es stuemperhaft liebenswert. Und "Heroin" ist jawohl ausserdem ein absoluter Uebersong!

Ein Jahr spaeter, Nico war weg, kam dann "White Light/White Heat". Uff. 6 Songs, die man hasst oder liebt. Wenn man sie hasst, hat man wegen all der teilweise ziemlich unhoerbaren Musik (oder im Fall von "The Gift" Gedicht) allen Grund dazu. Wenn man es liebt, macht man wahrscheinlich mal eine Band aud, das zeigt die Geschichte. Durch die masslose Uebertreibung der Formel von "...& Nico" entsteht sowas wie ein Hinweis auf experimentelle Rockmusik und Punk und eben auch das 17-minuetige "Sister Ray", auf das man wieder aus 2 Perspektiven schauen kann. Ich fuer meinen Teil bewundere mutige Musiker.

Noch ein Jahr spaeter, diesmal ging John Cale und liess Lou Reed als Songwriter allein, erschien mit "The Velvet Undergound, dann auf einmal eine Platte, die man heute wohl dem Anti-Folk-Genre zurechenen wuerde. Suesse Musik ist das, wobei durch die Textur der Song aber durchaus noch Velvet Underground zu erkennen sind. Das mit dem suess geht dann sogar soweit, dass Reed den Gesang der Abschlussnummer "After Hours" an Maureen Tucker abgibt. Auch wenn ich finde, dass dieses Album gegenueber den anderen beiden schwaecher ist, war es einfach das, was fuer mich bei 9.000 Kilometer Busfahrt in Patagonien am leichtesten konsumierbar war.

Fuer alle, die sich - aus was fuer einem Grund auch immer - noch nicht mit TVU auseinandergesetzt haben. Sucht euch jetzt eines der Alben raus. Jetzt!


Markus:


DJ Shadow - Entroducing...

Diese Platte zeigt wie kaum eine andere, welchen großen Wert Samples haben. DJ Shadow genügten ca. 500 Soundschnipsel aus unterschiedlichsten Genres um diese wirklich gute und stimmungsvolle Platte zu kreieren, deren Einfluss bis in die heutige Zeit in Hip-Hop und Electronic nachvollziehbar ist.


Oasis - The Masterplan

Auch wenn die Platte insgesamt nicht unbedingt zu den besten der Band zählt, so zeigt sie doch was Oasis zu der, meiner Meinung nach, vielleicht besten Band der Welt machte. Denn man beachte: es handelt sich hier um eine B-Seiten Kompilation. Doch trotz dessen befinden sich hierauf einmalige Hits. Übersongs wie "Acquiesce" oder das Solostück "Talk Tonight" von Noel Gallagher. Nicht zu vergessen das Lied "about growing up but not growing old", "Fade Away". Wenn man sowas hört, ist es schwer zu glauben, dass es B-Seiten sind. Denn wie viele andere Bands schreiben schon solche Songs als A-Seiten?


Neon Indian - Psychic Chasms

"Psychic Chasms" ist hervorragend geeignet um sich in der kalten Jahreszeit nochmal zurück an den Sommer zu erinnern. Ansteckende Freude, tolle Melodien
und jede Menge alte Synthies machen das hier zu einem wirklich gelungenem Debut.

Samstag, 6. November 2010

Alben des Monats: Oktober 2010

3 Alben aus 2010 sind schon unter den 5 Reviews. Langsam kommt schon Jahresendstimmung auf, so einen Monat vor dem letzten Alben des Monats-Post im Jahr...


Leon:



The Tallest Man On Earth - Sometimes The Blues Is Just A Passing Bird EP


5 Folksongs in aller Einfachheit mit besonderer Stimme, die zu Gitarre, die mit Herz gezupft wird, bei warmer Produktion tolle Texte zum besten gibt; plus E-Gitarren-Einsatz und leisen Keyboardklaengen im Hintergrund. Eine herausragende Art der Gesangsunterstuetzung!



Death Cab For Cutie - Narrow Stairs


Der Wechsel in der Geschichte von DCFC hin zu mehr. Mehr tiefe in der Musik und, wenn das ging, sogar ein Stueck mehr Gedanke in den Texten.Die beiden Progressive-Uebersongs mit Kerouac-Bezug (Bixby Canyon Bridge) und Stalkergeschichte (I Will Possess Your Heart) stehen einem Restalbum gegenueber, dass von seinen Variationen lebt. Normalerweise spielen sie zwar Indierock in gedrosseltem Tempo, vermischen diesen dann aber zum Beispiel auch mit orientalischer Musik oder einem kleinen Circus-Ansatz. Das Album hat dabei aber immer einen roten Faden und ich kann mich dank der Abwechslung nie aus dem Bann befreien, in den das 4-Minuten Intro von I Will Possess Your Heart mich gezogen hat.


Markus:


Flying Lotus - Cosmogramma


Was Steven Ellison mit Cosmogramma abgeliefert hat, ist definitiv eine der interessantesten Veröffentlichungen dieses Jahres und auch eins der besten.
Von verträumten und introvertierten Tracks wie "...and the World Laughs with You" bis zum großartigen Space-Funk von "Do The Astral Plane" liefert die Platte unterschiedlichste Stimmungen, Stile und Einflüsse, die sich aber letztendlich zu einem 47-minütigen musikalisch/spirituellen Trip zusammenfügen, der im Gegensatz zu vielen anderen Alben dieser Zeit wirklich frisch und innovativ klingt.


Crystal Fighters - Star of Love


Das meiste zu diesem Album wurde ja vor kurzer Zeit hier schon gesagt und es gibt eigentlich nicht viel hinzu zu fügen. "Star Of Love" ist eine leicht
verspätete Sommerplatte mit mehreren großartigen Songs, die stilistisch alle eine andere Facette der geheimnisvollen Band aufzeigen. Definitiv einer der
besten Newcomeracts des Jahres.

Absolute Beginner - Bambule


Coole Beats, gute Lyrics, eigener Stil, gute Technik, Abwechslung in Sachen Themen, gute Features, der ein oder andere Hit. Bambule hat so gut wie alles was man für ein gelungenes Hip-Hop-Album braucht. Klingt auch heute noch fresh.

Sonntag, 17. Oktober 2010

Chase the Dragon - Tales of Transit (Review)

Chase The Dragon-Debut! Endlich! Seit 2 Jahren habe ich darauf gewartet!

Und dann kommt der erste Song "Tales of Transit" nur mit Gitarre und Stimme und ich bin dem Song sofort verfallen. Die Stimme ist voller Emotion und mich erinnert der Song an Zoey van Goey, nur ist er noch intimer. Tolles Intro haben sie geschrieben... oder etwa nicht? Der Titelsong bleibt nicht der einzige in diesem Stil. Der mit einem fast zu allgemeinen Text ausgestattete Track "Hit The Road" in der Mitte und das persoenlichere "Another Try" als Schlusssong erzeugen die selbe Naehe und das sogar mit noch besseren Melodien.

Dass Chase the Dragon auch haetten eine Folkband werden koennen, haben sie hiermit bewiesen. Die Aufgabe dem Sound der Band etwas hinzuzufuegen haetten sie hiermit also eigentlich schon erfuellt gehabt. Nun sind ALLE anderen Songs des Albums aber auch anders als die bisherigen EPs: Die Synthies sind weg! Das kann man jetzt so oder so bewerten. Entweder sagt man, dass sie ihren Songs saemtlichen Boden entzogen haben oder man attestiert ihnen das Talent ein anschmeichelndes Album mit Drehungen und Wendungen nur mit den 2 Instrumenten zu machen, die im Laufe der Musikgeschichte wohl am haeufigsten gebraucht worden sind; naemlich Piano und Gitarre.

Grob gibt es hier 4 Kategorien an Songs. Die erste sind die schon erwaehnten Folksongs. Die zweite sind die lebendigen Popsongs wie "A Captain's Tale" oder "From People To Staues". Wobei man zu jedem der Tracks auch "Popsong" sagen kann, da alle einen klaren Aufbau haben und nie kompliziert sein wollen. Die dritte sind die Balladen wie "The Last Chess" oder "Two Years Too Long" bei denen mir aber die Synthies als das besondere Etwas fehlen. Selbst wenn dieser Part teilweise, speziell in den Refrains, von Background-Vocals uebernommen wird und das sogar richtig gut, fehlt mir die Tiefe gerade in den Strophen. Die 4. Kategorie ist eigentlich keine, weil "The Little Prince" der einzige Song ist der wirklich einen Kinderlied-Charakter hat. Die naive Komposition, die Liebe-Geld-Arbeit-Geschichte und natuerlich der Titel ruecken den Song in die Naehe des gleichnamigen Buches und machen es zu etwas ganz besonderem.

All diese Heterogenitaet ist nicht ueberfluessig, sondern noetig damit der Tontraeger bei dem Popapeal nicht langweilig wird. Die Produktion tut da ihr Uebriges, da konsequent auf One Take-Aufnahmen gesetzt wurde um nochmal klar zu machen, dass hier keine sterile Massenmusik sondern eine unverkopfte Version von persoenlichem Ausdruck eingespielt wurde. Aufpassen muessen sie jetzt nur, dass die Stimme kein Stueck weiter in Richtung Emo rutscht und das sie ihr musikalisches Koennen nicht zu sehr in den Dienst der Songs stellen. Damit meine ich, dass Matias Schieweck am Piano ruhig seine Moeglichkeit wahrnehmen koennte Solis ohne Ende zu spielen. So haetten vielleicht alle Lieder neben den Refrains etwas als Aufhaenger gehabt. Denn so sind zwar Perlen im Album versteckt, die am besten jeder fuer sich selbst findet, und man muss auch nicht skippen, aber ab und an kann das Feuer einfach nicht so ganz ueberspringen.

8/10 Punkte

erstellt von Leon.