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Samstag, 4. Februar 2012

Of Montreal - Paralytic Stalks (Review)

Die Lage, in der sich Kevin Barnes im Moment befindet, kann man als Zwickmühle beschreiben. Egal, was er mit Of Montreal macht, ein Teil seiner Fans wird es hassen. Aber das hat er sich voll und ganz selbst zuzuschreiben - so oft wie er seine Stile hin und her wechselt und mit jedem Album immer wieder die Richtung völlig ändert. Es löst nun mal Enttäuschung aus, wenn auf ein Weirdo-Pop-Album voller Selbstreflektion wie „Hissing Fauna, Are You The Destroyer?“ auf einmal die totale Abstraktion des Sounds zwischen Funk, Pop, Rock und Electronica mit den schweinigsten Texten aller Zeiten folgt wie auf „Skeletal Lamping“ nur um darauf dann auf einmal ein von R’n’B beeinflusstes Pop-Album folgen zu lassen wie „False Priest“ und die Elektronik fast raus streicht. An der Veränderung ändert sich auch 2012 nichts, aber „Paralytic Stalks“ versucht sich wenigstens daran die letzten Jahre dieser „Band“ musikalisch zusammenzufassen.

Dass das in einem heillosen Chaos ausartet, dürfte jetzt nach der Beschreibung schon jedem klar sein. Wie gut es aber ist, erkennt man erst nach mehreren Hördurchgängen, weil man dieses ganze Album erst in Ansätzen begreifen kann, wenn man es wieder und wieder und wieder und wieder hört; wenn man die Songs beginnt aufzuschlüsseln; wenn man sich nicht mehr so wundert wie in dem Moment, in dem man die Songs der 2. Hälfte zum ersten Mal hört, sondern Zeit hat um Spaß beim Hören zu haben und die Energie zu spüren. Denn ohne das kommt man durch die letzten 4 Songs nicht. Viel zu oft passiert z.B. im Closer, dem 13-minütigen „Authentic Pyrrhic Remission“, nämlich einfach das, was man auch nach dem 20. Mal immer noch nicht erwartet, weil auch die Refrains nie einfach so mit der gleichen Melodie wiederholt werden. Aber: das fesselt dann so wie diese 70er-Jahre-Krautrock-Alben, die man zwar nie ganz versteht und trotzdem immer wieder hören will.

Das seltsame daran ist aber, dass das Intellektuelle hier so hinter Pop und Hooks (mehrere pro Song) versteckt, dass der NeoProg, den Barnes scheinbar für sich entdeckt hat, nicht nervt und auch nicht so klingt als würde er jetzt bewusst „den Hörer fordern“. Man hat bei dem Funk- und Pop-Lehrer Barnes einfach Freude am Unterricht und will höchstens mal in die Pause, weil er mit der übermotivierten Spielzeit von knapp einer Stunde wirklich übertreibt und mit den Noise-Attacken, die statt einer Viertelstunde nur 5 Minuten gebraucht hätten. Dass er das mit der Soundcollage beherrscht ist nämlich nach dem einzigen Instrumental „Exorcistic Breeding Knife“ schon klar - auch wenn es mit 8 Minuten Spielzeit an sich schon zu viel des Guten ist.

Zum Glück sind die Ausflüge in andere Extreme wie in den Quasi-Folk von „Malefic Dowery“ oder den abgehobene Psychedlic-Jam in „Ye, Renew The Plaintiff“ nicht so lang und immer gepaart mit den offenherzigsten Texten der letzten 5 Jahre Bandgeschichte. Da muss wohl wieder eine Ehe gerettet werden wie damals bei „Hissing Fauna…“, denn anders sind Zeilen wie “Other people can say there is a true belief system/ But all my life I've been betrayed by my mother's religion/ Too much bitterness” gar nicht zu erklären, die so einen tiefen Eindruck in Barnes‘ Bild vom Leben, der Religion, der Liebe und allem bieten. Man wünscht ihm das natürlich nicht, aber für Texte, die so viel Nähe zum Künstler aufbauen, brauchen viele nun mal eine problematische Lebenslage.

Also gute Besserung, Kevin… Mit diesem Album sollte es aber eigentlich nicht mehr so schwierig sein das alles wieder einzurenken – das haben schließlich auch schon andere geschafft, denen „Paralytic Stalks“ in nichts nachsteht.

8/10 Punkte (Tendenz aufwärts)


erstellt von Leon.

Sonntag, 15. Januar 2012

Alben des Jahres 2011 - Leon

Wie gut ein Jahr war erfährt man ja meistens erst Jahre später, wenn sich Alben als persönliche Klassiker durchgesetzt haben, aber 2 Alben aus 2011 hätten bei mir auf jeden Fall die Chance dazu und stehen ganz vorne auf der gleich folgenden Liste. Bevor ich die anfange, will ich auch nochmal betonen, das sich noch viel verändern kann. Viele dieser Alben haben zwar einen ziemlich festen Platz, aber "Mein kleiner Krieg" von Mutter scheitert bis jetzt einfach am Einzug in die Liste (und wahrscheinlich Top 10), weil ich die Platte erst 3, 4 Mal gehört hab. EPs sind übrigens genauso wenig enthalten wie die geniale Smile Sessions der Beach Boys. Darum hier noch mal einen kleinen Überblick über meine Lieblings-Kleinformate des Jahres. Da gibt es erstmal die Awake EP von Trash Talk, die musikalisch für mich das Beste ist, was sie je gemacht haben, aber ein ganz kleines bisschen an Ecken und Kanten verloren hat. Die Manx EP von Maeckes war das Deutschrap-Release meines Jahres - die Amateurhaftigkeit wie halbfertige Beats mit genialen Lyrics verschmelzen ist einfach Einzigartig. Future Of The Left habe ich hier ja sogar besprochen und Polymers Are Forever hat keinen Teil seines Abhängigkeitspotentials verloren und deutet auf eins der besten, dreckigsten und schmutzigsten(ja, da gibt es einen Unterschied) Alben des nächsten Jahres hin. Die Comecrudos EP hingegen deutet eher auf eine ziemlich seltsame LP aus dem nächsten Jahr hin. Diese 24 Minuten Landschaftsbeschreibung sagen über das nächste Großprojekt von Pontiak aber wahrscheinlich eher wenig aus. Zum Schluss muss auch noch Burial erwähnt werden, der auf Street Halo so schön das Gefühl rüberbringt, das man hat, wenn man nach dem Feiern einfach in die Stadt kotzen möchte. Aber jetzt erstmal viel Spass mit meine Liste.

20. The Dodos – No Color

No Color fängt an mit einem typischen Dodos-Beat, so abstrakt wie er sein muss und nach dem enttäuschenden Singer/Songwriter-Folk Ausflug auf dem Vorgänger „Time To Die“ ist das echt eine Überraschung. Und gerade als man sie dafür umarmen will, kommt es noch besser und durch eine Symbiose aus Freak-Folk und Folk-Pop entsteht der Opener „Black Night“. Die Art, in der im Laufe des Albums dann noch ein Stück Noise-Rock in den Mix einfließt, hat auch nur mit der neuen Reife im Sound der Dodos Sinn. Dadurch klingt zwar nur noch wenig so verspielt wie auf ihren frühen Alben, aber das könnte man ihnen auch nicht mehr abkaufen. Der Spass, den man bei Meric Long immer erwartet, ist zwar trotzdem noch da, nur muss man ihn sich jetzt halt erarbeiten – und das ist nur höchstens so wiedersprüchlich wie der Verlauf von „Going Under“, der so klingt als hätten Animal Collective einen Song mit Robin Pecknold aufgenommen bei dem die Synthies draußen bleiben mussten.


19. Samsara Blues Experiment – Revelation & Mystery

Noch nie war die Versuchung größer sich eine Horde Kiffer beim Headbangen vorzustellen. Denn genau dazu liefern SBE hier den Soundtrack ab. Nach der Energie, die bei einem Auftritt dieser Band verbraucht wurde, kann man zu Colour Haze dann auch bestimmt gleich viel besser abgleiten. Und so unterschiedlich sind die beiden genannten Bands dann auch gar nicht. Wo bei Colour Haze immer noch ein tranciges Riff eingeschoben wird, gibt es hier dann einen Stimmeinsatz oder manchmal sogar einen hektischen Umschwung, der die Heavy-Stoner-Atmosphäre ein bisschen aufweckt. Immer schön zwischen die Stühle!


18. Rainald Grebe – Zurück zur Natur

Es ist 2011 und jeder singt über Liebe und Gefühle? Eigentlich kann das nicht sein, wenn es soviele politische Themen gibt. Selbst der Punk oder Hardcore praktiziert die Nabelschau und macht teilweise wie La Dispute oder Fucked Up sogar Konzeptalben. Dann muss sich eben der mittlerweile 40-jährige Rainald Grebe neben seinen eigenen Gefühlen auch noch um die Politik kümmern. Und mit der musikalischen Abwechslung, die mittlerweile in seiner Musik steckt, wird das sogar richtig interessant. Wenn er die Talking Heads, Leonard Cohen und alle anderen, die er so nebenbei erwähnt jetzt auch noch in seinen Sound integrieren würde, gäbe es aber noch mehr zu feiern als ein wirklich gutes Pop/Rock-Album.


17. The Black Keys – El camino

Eine typischere Band für das vergangene Jahrzehnt wird es wohl nicht mehr geben. Alles an den Black Keys ist ein einziges Revival, kein Riff hört sich wirklich „neuartig“ an und die Drums treiben relativ „gewöhnlich“ – eine Mischung aus Garage Rock mit ein paar Spritzern T-Rex und mittlerweile übermenschlich großer Produktion. Das dabei nicht unbedingt Spannendes herauskommt und selbst ein Song wie „Little Black Submarine“ nicht ins Anspruchsvolle abgleitet, obwohl er die Verschmelzung von Folk-Rock und Hard Rock betreibt, ist dabei gar nicht schlimm. Die Hauptsache ist hier einfach nur, dass es rockt und wenn dabei auch noch solche Hits abfallen, kann man Dan Auerbach und Patrick Carney den Erfolg nur gönnen.


16. Black Rust – The Gangs Are Gone

Ein Album als roter Faden gesponnen – jeder Song folgt thematisch auf den anderen und genau wie sich die Gefühle im ständigen Auf und Ab befinden, kommt auch die Musik mal als leiser Gitarren-Folk-Song daher oder packt mit Bläsern, Streichern, Piano alles aus, was man im Americana gerade noch machen darf. Das erinnert teilweise an Größen wie Neil Young, schrammt aber vor allem bei den leiseren Songs nur knapp an „zu brav“ vorbei. Das wird an anderen Stellen mit E-Gitarren-Einsätzen zwar wieder ausgeglichen, aber der einzige Spielraum, den sie für das nächsten Album jetzt noch haben ohne belanglos zu werden, ist der Weg weg vom Leisen. So wie es hier klingt ist es aber noch unglaublich guter Americana aus Münster.


15. Haken - Visions

Visionen sind ja auch irgendwie Traumtheater und Haken wandeln auf den Pfaden dieser Progressive-Götter und übertreffen mit diesem Album jetzt sogar alles, was Dream Theater auf ihren letzten Alben veranstaltet haben. Growling und Metal spielen da zwar nicht mehr so eine große Rolle wie auf ihren vorherigen Releases, dafür ist das Album aber mehr als je zuvor von (schwierigen) Zusammenhängen geprägt und wird dadurch so episch wie Musik nur seien kann. Und nur durch Übertreibung kann man in diesem Klischee-Genre ja überhaupt noch Großes vollbringen. Das beeindruckt niemanden, der Prog für ein Altherrenthema hält, aber auf der Basis des Genres ist bei Visions einfach alles gegeben: Virtuosität, Entwicklungen innerhalb der Songs und zwischen den Songs, Konzepte. Das Besondere an Haken ist dann aber, dass vor allem ihr Sänger, Ross Jennings, aber auch die Band als Ganzes noch Emotionen auslösen kann und nicht so steril (obwohl die Produktion strahlt) ist wie einige ihrer Genre-Kollegen.


14. Noah And The Whale – Last Night On Earth

Nachdem sich ein Drumcomputer und viele Synthies gleich am Anfang umschwirren, glaubt man erst nicht, dass das noch Folk seien kann. Aber die Stimme von Charlie Fink und das gesamte Arrangement mit Chören und Piano geben dem Opener „Life is Life“ eine glückliche Atmosphäre ganz ähnlich wie sie auf Peaceful, The World Lays Me Down 2007 war und rückt das Bild der ersten Töne ganz vorsichtig wieder gerader. Das setzt sich dann auch größtenteils so fort, mal mit mehr Gitarre, mal mit Geigen, aber immer als elektronische und fröhliche Neuerfindung der Band nachdem sie sich auf dem großartigen Vorgänger The Last Days Of Spring ja noch melancholisch zeigten und eine Auflösung danach gar nicht so unwahrscheinlich war. Schön das es euch noch gibt und danke für dieses Stückchen… Musik.


13. Profesjonalizm – Chopin Chopin Chopin

Nein, das hier ist keine Neuaufnahme von Chopin-Stücken, sondern ein polnisches Jazz-Sextett. Der Name will sich eigentlich nur lustig machen über die Ausbeutung von Chopin in polnischer Musik, die Musik will eigentlich nur Spaß machen, hat sich dazu aber die denkbar schlechteste Basis, nämlich Avant-Garde Jazz im Stile des 50er- und 60er-Bebop von z.B. Thelonius Monk ausgesucht – und dieses Ziel trotzdem erreicht. Das 4-minütige und damit kürzeste Stück Dęty ist eins der von mir am meisten gehörten Stücke dieses Jahres, da die treibende Rhythmusgruppe einfach immer wieder Freude macht und die komplexe Melodie, die immer wieder in Improvisationen durch jegliche Tonleitern gehetzt wird auch beim 50. Mal noch interessant ist. Die anderen Songs stehen da in nichts nach und insgesamt bietet das Album mit vielen Stimmungen und einigen atmosphärischeren Tracks auch Abwechslung. Damit kann ich auch schon nicht mehr schreiben über ein Album über das man eigentlich gar nichts schreiben sollte, sondern es einfach hören muss um Ahnung von seinem Sound zu bekommen.


12. Sandro Perri – Impossible Spaces

Was verdammt ist das? Da kommt irgendsojemand daher und presst einen minimalistischen Ansatz, der teilweise an Talk Talk erinnert zusammen mit einem Kraut-Prog Stil wie ihn Hoelderlin auf Platte gebracht haben und dann macht er daraus eine Folktronica-Platte, die zwischen den beiden Extremen des Genres nach Belieben hin- und hertingeln kann. Dass das dabei auch irgendwie zu Jazz wird, dürfte niemanden verwundern, dass es auch auf 10-Minuten-Songs nicht unnötig unverständlich wird, sondern irgendwie immer noch Emotionen vermitteln kann, zeugt von einem Riesentalent.


11. Young Circles – Jungle Habits

“Light up and let the feeling move ya/ I sell that friends to consume ya// you wanna feel alive//” So und jetzt Hornbrillen auf und ab in die Hipster-Indie-Disco. Wenn man “Jungle Habits” nur so antestet und bei dem Hedonismus der Platte nicht mal ein Auge zudrücken kann, kann man tatsächlich denken hier hätten sich ein paar Musik-Elitisten zusammengetan um ein bisschen das auszuformulieren, wofür Animal Collective und Radiohead zu viel Stolz haben. Aber das wäre erst mal gar nicht wirklich schlecht und wenn dabei zweitens sowohl ein Banger wie „2012“ rauskommen als auch ein experimenteller Jam wie „Jangala“, sollen sie doch so seltsam sein wie sie wollen. Eine Empfelung auch für jeden, der findet, dass man generell zu wenig Gesangseffekte in aktuellem Indie hört.


10. Has-Lo – In Case I Don’t Make It

Manche Rapper chillen mittlerweile hinter Rauchschwaden und klingen auch so, andere sind immer noch Gangster und haben immer noch alle Bitches und ticken Drogen. Bei all diesen (oft zurecht) Aufmerksamkeit suchenden Personen übersieht man so jemanden wie Has-Lo schnell. Der sitzt lieber bei Kerzenlicht in seinem Dichterzimmer und übersetzt seinen tief melancholischen (In Case I Don’t Make It) oder sogar gesellschaftskritischen (Kinetic Energy) Poetry Slam-Stil in Raps. Und die werden hinter nichts versteckt sondern durch die minimalen und vor allem auf klassischen Instrumenten basierenden Beats eher in den Vordergrund getrieben. Das bisschen Vordergrund kann er sich auch erlauben, so zurückhaltend wie die Musik ist. Nichts, nicht mal die Flows hier, drängen sich auf, obwohl alles gut bis perfekt ausgearbeitet ist. Das hier ist HipHop zum hinhören und analysieren und so wunderbar eigenständig.


9. Portugal. The Man – In The Mountain In The Cloud

Was passiert, wenn Musiker sich entfremden, streiten, kaum mehr schlafen und eigentlich nichts mehr funktioniert? Das kann in einem spannungsgeladenen Album enden oder in der Auflösung. Im Falle von Portugal. The Man führt es einfach nur dazu, dass sie ihrer Diskographie noch ein Spitzenalbum hinzufügen können. Nur ein Fehler ist ihnen dabei unterlaufen: Alles auf ITMITC ist Pop und damit kann ein Song nicht gut sein, wenn die Melodie nicht gefällt oder mitreißt. Bei 10 Tracks, die sich allesamt zwischen den Beatles, T-Rex und David Bowie positionieren, kann das System kaum aufgehen, ohne dass man mit einem Song rausgeht, der nunmal nicht so toll ist. Für mich ist das „Once Was One“, der ganz subjektiv einfach nicht mein Fall und mir zu sacht ist. Der 11. Track bildet die Ausnahme auf diesem Album: „Sleep Forever“ kann man eigentlich gar nicht nicht mögen, wenn man Gefühle hat. Der Aufbau von einer Gitarrenmelodie zu einem Song mit Chören, Streichern und allem was dazu gehört, reißt einfach mit und mit dem Text über die Sehnsucht nach einem Ende NACH dem Tod will man sich eigentlich mal in eine einsame Hütte in Alaska begeben nur um zu verstehen, was John Gourley da sagen will. Zusammenfassung: Solides Album mit Ausreißern nach unten und viel mehr nach oben.


8. Radiohead – The King Of Limbs

Dafür haben die 4 Jahre gebraucht? Das kann ich ja in ner Woche in meinem Fruity Loops zusammenschustern, das wiederholt sich ja ständig und das ist viel zu kurz und sie haben uns betrogen! Ja, das musste man sich echt anhören, wenn man King Of Limbs vor alten Fans, die sich OK Computer zurückwünschen, verteidigt hat. Und so Unrecht haben sie auch gar nicht damit, dass hier nicht viel Musik zu finden ist und Vieles immer und immer wieder wiederholt wird. Aber damit haben sie im Prinzip nur gezeigt wie wenig man machen muss um Atmosphäre zu erzeugen: ein vertracktes Beatfragment, unverständliche Stimme und eine Menge, das nur im Hintergrund abläuft, reicht bei Radiohead damit man an Can denken muss. Dabei ist die Musik auf diesem Album, die so gar kein Genre kennt vor allem daraus auf Gefühle zu erzeugen – von Isolation, Naturverbundenheit, technischer Distanz zwischen Menschen könnten diese Songs handeln, wenn man die Texte nur so interpretieren will und genauso fremd wirkt auch alles auf King Of Limbs. Das nennt man dann wohl stimmig.


7. Chuckamuck – Wild For Adventure!

Deutscher Punk ist ein seltsames Thema. Die meisten Leute denken dabei nur an Manschen, die mit ihren Hunden auf der Straße betteln, andere an die Ärzte oder die Toten Hosen. Obwohl fast jeder eine Meinung zu diesem Thema hat, weiß also eigentlich kaum jemand, was für geniale Bands es (vor allem in Berlin) gibt. Chuckamuck ist eine der neuesten davon: fast alle Mitglieder waren bei der Aufnahme noch minderjährig und sind ein Beispiel dafür, was die Black Lips in „Bad Kids“ besungen haben. Die Musik dazu ist ein schlampig eingespielter und dreckig produzierter Mix aus Rock’n’Roll und Punk ganz im Sinne der schon genannten Amerikaner. Alles, was dazu kommt (Geigen, „Geister-“Orgel usw.) und alle seltsamen Strukturen der Musik erschaffen intelligente Musik, die vor allem bei den englischsprachigen Songs Unmengen an Spaß macht. Im Endeffekt ist aber gerade die Wiederholung bei diesen Songs das einzige Problem des Albums. Texte über Schokoriegel, Sex auf der Schaukel oder die eigene Geilheit sind natürlich besser als „hsbgdhjfsdmngframdfshm, Walk Like A Duck“.


6. BRAIDS – Native Speaker

Die Kanadier kopieren auch wirklich alles und jetzt sogar Animal Collective – aber diesmal geben sie es immerhin zu. Wer BRAIDS auf ihre Standardreferenz anspricht, stößt bei ihnen auf Freude weil sie mit ihren Helden verglichen werden. Dabei können sie noch viel mehr für sich verbuchen. Die Arbeitsweise ist scheinbar erstmal die gleiche. Mit Sounds bei denen man sich fragt wie sie entstehen konnten, werden hier simple Melodien und Harmonien abstrahiert bis nur noch Stimmungen überbleiben, die mit ungewöhnlichem Gesangseinsatz überstülpt werden. Das Interessante hier ist aber, dass das manchmal so in Schönklang gipfelt wie sonst nur Post-Rock-Acts wie Remember Remember, dabei aber immer noch unglaublich verschlossen klingt. Wenn Stellen wie das perkussive „fucked up“ in „Glass Deers“ dann aber anfängt sich m Kopf festzubohren genauso wie die taub-aus-der-Disco-kommen-Atmosphäre von „Lammicken“, will man das Album immer wieder hören. Das ist im Endeffekt dann so wie Yeasayer, wenn man noch 10 Anläufe mehr für sie brauchen würde.


5. The UV Race – Homo

Ich will jetzt nicht Velvet Underground oder dem Krautrock den Humor absprechen. Trotzdem kann man den Sound von Homo nur als krawallende und lächerliche Verbindung von beiden beschreiben. Wirklich neu ist hier nichts, der Sound ist Garage-Punkig, die Songs Proto-Punkig, die ausufernden Teile krautig-repititiv und noisig und sogar der Wechsel von weiblichem und männlichem Gesang ist irgendwie geklaut. Aber wie sie das alles verbinden und dabei ihren eigenen Stil finden, ist beispielhaft. Wäre Lou Reed schon tot, könnte man sagen, er war bei den Aufnahmen wahrscheinlich als Geist im Studio anwesend und trotzdem hört man hier nicht 10 mal „Heroin“ oder „Run Run Run“, sondern 10 mal The UV Race mit all ihren Eigenheiten. Der Trick dabei ist 1. alles schlechter zu machen als man es könnte und 2. sich für nichts zu schade zu sein.


4. Low – C’mon

Low konnten gar nichts mehr falsch machen an diesem Album ausser das, was sie auf den Vorgängern falsch gemacht haben. Das hört sich komisch an ist aber so. Wo es auf The Great Destroyer noch zu allererst mal gelärmt hat, herrscht hier die pure Emotion, wo auf Drums And Guns das Experiment im Vordergrund gestanden hätte, herrscht hier die pure Emotion und wo es auf den Releases davor manchmal (eigentlich sehr selten) auch mal langweilig geworden wäre, herrscht hier schon wieder, natürlich, die Emotion. Und weil Emotionen nicht falsch sein können, ist es egal ob der einzelne Song jetzt Slowcore, Folkrock oder Country ist, weil so Oberflächliches gar nicht mehr zählt bei dieser Band. Sie sind schließlich „Nothing but Heart“ und könnten von mir aus jetzt sogar anfangen zu stagnieren.


3. Causa Sui - Pewt'r Sessions 1&2

Darf ich einfach sagen, dass das Musik ist über die man nicht schreiben kann und dann doch einfach nur 2 Sätze schreiben, die wenigstens ein bisschen Inhalt haben? Ja, das darf ich. Causa Sui ist das was man hören will, wenn man auf das DunaJam geht. Irgendwo zwischen Jazz und Rock und so weit da draussen, dass sich Psychdelic, Stoner und Post-Rock schon wieder zu Progressive Rock verbinden. Das ist bei der 1. Pewt'r Session songorientierter und bei der 2. bekommt man 3 Epen zu hören. Fertig, hört es euch an.


2. La Dispute – Wildlife

Eine Revolution! The Wave macht alles besser! Die neuen At The Drive-In! Ne Quatsch, ich bin keiner dieser Fanboys und klatsch euch hier keine dämliche das-beste-und-neueste-was-es-gibt-Review hin. Aber auch wenn man auf den Hype-Zug nicht aufspringt, kann man „Wildlife“ als wirklich gutes Album wahrnehmen, dass Post-Rock und Postcore zusammenbringt. Dabei sind sie nicht immer heavy und nicht immer schnell und aggressiv, obwohl ihre Musik vor allem Verzweiflung vertont. Nein, hier steht die Verzweiflung sogar noch vor der Musik und die macht sich dabei klein und ist schüchtern oder besser eingeschüchtert. Das passt dann aber auch schon wieder auf den „Geschichtenerzähler“ Jordan Dreyer, der an all seinen Stories wie ein gelähmter Betrachter daneben steht und die Figuren alles selbst machen lässt – und das tut weh; so weh, dass man selbst zu einem Mörder eine emotionale Beziehung aufbauen kann bis er sich am Ende von „King’s Park“ die Kugel gibt. Fast perfekt ist das, wenn man nicht ab und zu das Gefühl kriegen würde, einige kleine Längen fänden nur um des Textes Willen statt. Darum ist das hier auch nur Platz 2.


1. Urlaub in Polen – Boldstriker

Sicherheit ist der Feind des Musikers. Wenn man sich als Band sicher ist, was der Fan hören will, kopiert man sich irgendwann wahrscheinlich selbst. Wenn man finanziell nichts zu befürchten hat, muss man nicht mehr so viel in seine Musik investieren. Wenn man familiär abgesichert und glücklich ist, werden die Texte oft langweilig. Zum Glück gibt es so Pools der Unsicherheit wie UiP. Irgendetwas zu kopieren steht den beiden eh fern und so kann man sich als Fan kaum darauf einstellen, was da als nächstes kommt – sogar von einem Song auf den anderen ist das auf Boldstriker extrem schwer. Finanzen sind bei diesem Nebenprojekt wohl immer schon Nebensache und mehr mit der Musik zusammen als die beiden kann man kaum sein. Das ist die Basis für dieses Album, das einfach größer ist als alle davor und sich trotzdem teilweise so reduziert wie nichts, was sie vorher gemacht haben. 9 Songs brauchen sie um das Terrain zwischen Sonic Youth, Neu! auszuleuchten und mithilfe ihres bewährten Drumcomputers komplizierte Skizzen (Lore-Ley I), tanzbare Monster (Snowwhite) oder echte Rocksongs (Rebel And Waste) zu erschaffen. Das ist das logische Ende dieser Band, aber nicht das logische Ende der Musik von Georg Brenner und Phillip Janzen. Die werden auch weiterhin den Kraut zurückbringen und wenn das so weitergeht wie auf Boldstriker angedeutet, kommt da etwas Großes auf die Musikwelt zu.

Weitere Honorable Mentions: Prinz Pi, Yob,Timber Timbre, Tufu, Boots Electric, Projekt Gummizelle, Astronautalis, Hannah Peel, Black Lips, Ghostpoet, Weekend, Götz Widmann

2012?
Kettcar! Of Montreal! fun.! Die Ärzte! Perfume Genius! Janelle Monae? Animal Collective? Godspeed You! Black Emperor? MF Doom?? R.A. The Rugged Man?? The Tallest Man On Earth? Pontiak! Portugal. The Man?! Colour Haze!

Dienstag, 11. Oktober 2011

Urlaub in Polen im Kulturzentrum Schlachthof/Wiesbaden (23.09.2011; Konzertreview)

Urlaub in Polen sagten einmal, dass sie sich auch auflösen, weil es einfach nicht weitergeht, weil seit Jahren immer ungefähr die gleiche Anzahl Menschen auf ihre Konzerte geht. Auch auf dem Halt, den sie auf ihrer vorletzten Tour im Schlachthof eingelegt haben, ist das Publikum überschaubar, obwohl der Saal fast gefüllt ist. Dafür sieht man aber wirklich alle Gruppen die man erwarten kann. Menschen allen Alters und mit sehr verschiedenen Musikgeschmäckern (an der gesunden Mischung aus Metal-, Indie-, und Wasweissichwas-Band-T-Shirts erkennbar) haben sich eingefunden um Urlaub in Polen zu sehen.

Erstmal spielen aber Miumi und die Wiesbadener passen auch irgendwie zu Urlaub in Polen. Auch sie machen eine Art Noise-Rock, haben ihre experimentellen Momente und einen Computer als Unterstützung auf der Bühne, aber durch die Länge und Monotonie ihrer Songs wirkt alles, was sie da auf der Bühne machen unfokussiert. So würde vielleicht ein Ambient-Album der folgenden Hauptband klingen. Wer sich das also immer schon mal gewünscht hat, der tanzt vorne, ich persönlich stehe eher unbeteiligt hinten.

Nach kurzer Umbauphase kommen dann Georg Brenner, der seine Zigarette wohl nicht aufrauchen konnte bevor man ihn auf die Bühne gescheucht hat, und Jan-Phillip Janzen, auf die Bühne und schon als sich die Band zu den ersten Geräuschen aus dem Sampler gesellt, werden die Qualitäten dieser Band auf der Bühne klar. Das Sample aus „Theodore Flames“ ist etwas erweitert, das Schlagzeug treibt präzise nach vorne und Brenner ist mit vollem Herzen und teilweise etwas prätentiös gestikulierend bei der Sache. Auf seine eigene Weise charmant ist das und geht großartig weiter. Die meisten Songs können ohne Probleme gespielt werden. Das einzige, das stört, ist der Mikrofonausfall, der am Anfang ab und zu mal die Perfektion unterbricht, aber im Fluss auch nicht wirklich stört. Vielmehr heraus stechen so geniale Stellen wie die Performance von „Snowwhite“, in der Druck ohne Ende steckt und die dem Song durch einen erweiterten Mittelteil sogar kurz eine schwelgerische Atmosphäre verleiht.

Im Endeffekt ist es beeindruckend, was Urlaub in Polen hier auf die Beine stellen, aber leider viel zu kurz. Schon nach einer Dreiviertstunde beenden sie das Konzert und damit auch den Zustand zwischen Tanzwut und Trance, in die sie viele Zuschauer versetzt haben. Trotzdem ist ein Besuch der anstehenden Abschiedstour im Dezember unbedingt zu empfehlen – die Gefühle, die ein Auftritt der beiden auslösen können, sind nämlich einfach einzigartig.

08.12. Kassel - K19
09.12. Münster - Amp
10.12. Düsseldorf - FFT
15.12. CH-Bern - ISC
16.12. Ulm - Eden
17.12. München – Backstage


erstellt von Leon.

Donnerstag, 29. September 2011

Urlaub in Polen – Boldstriker (Review)

Das Schlagzeug kommt angaloppiert und Gitarre und Unidentifizierbares werden eingestreut. Dazu kommt Georg Brenners Stimme, die typisch in seiner eigenen Art Sprechgesang dargeboten wird. Der ist diesmal aber clean! Und das ist noch nicht mal das Unerwartetste, was im Opener „Lore-Ley I“ passiert. Denn gerade wenn man sich eingegroovt hat in diese, wie immer an Neu! erinnernde, Atmosphäre, da bekommt das Bild, das man von Urlaub in Polen bis jetzt hatte, Risse. Ein Klavier, nicht dissonant, nicht verstimmt, nicht mit Einsatz von riesigem Echo! Einfach nur ein Klavier. Das, was hier passiert, ist nicht hibbelig und nicht anstrengend und gleichzeitig ist es nicht aufdringlich und elektronisch. All das waren Brenner (Ken) und Janzen (Von Spar) auf den letzten 4 Alben dieses „Nebenprojekts“ ja auch schon und wenn sie da stehengeblieben wären, müsste diese Band sich ja nicht auflösen.

„Boldstriker“ ist das Album mit dem die 2-Mann-Band bis jetzt am wenigsten aus der Reihe aber am meisten aus ihrer Bandtradition tanzt. Alles ist nämlich irgendwie entspannt. Es gibt echte Songs mit sinnvollen, wenn auch schwierig zu verstehenden Texten. Seltsamerweise fassen sie ihre Bandgeschichte auf diese Weise aber auch zusammen. Die Entwicklung ging ja immer mehr in Richtung Nachvollziehbarkeit, aber bis jetzt auch immer in Richtung Electronika. Die hört man hier nur an wenigen Stellen. Der 2. Teil des genialen Snowwhite ist so eine. Nachdem die erste Hälfte des Songs vom Beat getragen ist, der unglaublich druckvoll die Klangfetzen vor sich her treibt, die Brenner in Massen in den Song einbaut, kommt ein kleiner Break. Dass aus dem Song fast eine 4-to-the-Floor –Nummer werden könnte, wäre auf jedem anderen Album undenkbar, passt hier aber perfekt hinein.

Genauso wie die Gastmusiker hier hinein passen: So viele davon gab es auf einem UiP-Album nämlich noch nie und neben dem Klavier das Wolke-Pianist Bene Filleböck und dem Bass, den auf einigen Tracks des Albums ihr Produzent Guido Lucas übernahm, kam selbst an der Gitarre auf „Oh Beo, Where Art Thou?“ ein Gastmusiker, nämlich Johannes Stankowski , zu Worte und diese Worte sind mechanisch ohne Distanz zum Hörer aufzubauen. Somit ist das Beste aus der Auflösung des ehemals ziemlich festen Bandgefüges gemacht worden. Jedes Instrument, dass nicht von Brenner und Janzen gespielt wurde, ergänzt den Sound, der aber auch bei Songs, bei dem man nur die beiden Bandmitglieder hört, nie unausgereift daherkommt.

Man kann „Boldstriker“ also als gelungenes Zeugnis einer harmonischen Trennung bezeichnen, denn mit diesem Album ist tatsächlich alles gesagt. Nach diesem letzten Schritt zur tatsächlichen Auflösung des Sounds, bei dem sich der Vergleich mit Sonic Youth weniger als je zuvor aufdrängt, freut man sich auf das, was hier noch entstehen kann, wenn das Nachfolgeprojekt, was auch immer da kommt, loslegt. Bis dahin hat man aber erstmal ein Album, das einen Schwebezustand sowohl leicht als auch interessant und verdreht beschreibt. Die bedrohlichen Momente wiegen dabei die euphorischen aus und es entsteht ein Gleichgewicht, das sehr selten ist bei dieser Art von Musik, die immer noch weit ab des Normalen spielt.

8/10 Punkte


erstellt von Leon.

Dienstag, 22. Februar 2011

Radiohead - The King Of Limbs (Review)

Nachdem ich mich jetzt waehrend ich das Album zum ca. 10. Mal hoere und mich bereitfuehle eine fundierte Kritik zu schreiben, kann ich nichts anderes sagen als, dass die meisten einfach Schwachsinn ueber dieses Album reden. Wo bitte ist das fuer den Fan befriedigend, wo bitte aehnelt das "In Rainbows" und wie kann man dieses Album als schlechtestes von Radiohead einstufen - wie man schon sieht, schreibe ich gerade im vollen Bewusstsein hier meine Meinung und nichts als meine Meinung wiederzugeben... Alles andere macht hier auch keinen Sinn.

Meiner Meinung nach war diese Band immer vor allem Dingen eine gute, etwas seltsame Pop-Rock-Band, die mit Kid A/Amnesiac 2 aussergewoehnliche Alben hingelegt hat. "The King Of Limbs" hat mich deswegen zutiefst ueberrascht. Sie haben endlich wieder ihre Seele als Elektronikfrickler und neuerdings auch als Ambientmusiker gefunden. Diese neue Eigenschaft der Jungs und auch die Musik an sich erinnert weitlaeufig sogar an "Future Days" von Can, wobei natuerlich von Jam hier nichts zu spueren ist, sondern die Versessenheit bei der Anordnung der Sounds den Hoerer regelrecht anspringt. Gerade weil im Gesamtbild nicht viel gespielte Musik vorhanden ist und diese dann repititiv ist wie auf keinem Vorgaengeralbum, kann man die akribische Arbeit sehr gut bestaunen mit der die Stimme - das typische genuschelte Fallsett - immer wieder mit diversen Effekten belegt wird bis sie sich wieder zurueck in die Musik einbidet und Flaechen schafft, die ich normalerweise bei anderen Gruppen suchen wuerde.

Aber sie koennen es. Sie koennen Copy-and-Paste-Beats sowohl aus Jazz, Rock und Funk so mit Soundscapes umringen, dass die Songs sich am Ende doch entwickeln. Dieses erkennt wahrscheinlich kaum einer beim ersten Hoeren, dafuer koennen sie aber schon am Anfang trotzdem fesseln, sodass die 2. Haelfte vielleicht zum leicht zugaenglichsten Material zaehlt, dass sie nach der Jahrtausendwende aufgenommen haben. Mir schwirrt zum Besipiel schon seit Sonntag staendig ein "If you think this is over, you are wrong" (Separator) im Gehirn rum. Waehrend es sich vom Klangbild von allem, was sie vorher zusammen aufgenommen haben, entfernt hat, hoert man die Aehnlichkeit zu The Eraser von Thom Yorke und Einfluesse seiner Kolabopartner wie etwa Flying Lotus oder Modeselektor, wobei ich mir jedoch einbilde von allen Mitgliedern ein bisschen was zu hoeren. So sind Gitarre und Bass im vielflaechigen Sound immer noch wichtig und auch wenn Philip Selway hier nichts gespielt zu haben scheint und sein Solo-Album "Familiar" meilenweit weg ist, hoert man nicht nur im Lagerfeuer-Song "Give Up The Ghost" mehr Folk als je zuvor: Die Gitarren sind nirgendswo so eckig oder disharmonisch wie auf anderen Alben, sondern haben sich in eine melodioese und auch einfach total popige Richtung entwickelt.

Auch wenn die Hoererschaft aufgrund der seltsamen Veroeffentlichungsstrategie scheinbar auch bei der Einschaetzung der Musik verrueckt spielt, bringen Radiohead ausser wirtschaftlich eigentlich nichts Neues in die heutige Musikwelt - in ihrem Mikrokosmos ist der Hybrid aus Elektropop, Ambient und aller moeglicher Geraeusche aber eben doch ein Experiment. Und bei all der Skepsis, die ich gegenueber ihnen habe, muss ich sagen: Experiment gelungen.

8/10 Punkte


erstellt von Leon.

Montag, 7. Februar 2011

Akron/Family - S/T II: The Cosmic Birth And Journey Of Shinju TNT (Review)

Mit ihrem 5. Album seit 2005 bringen Akron/Family jetzt zum 2. Mal ein selbstbetiteltes raus, wenn man vom sinnbefreiten - und das gibt die Band selber zu - Untertitel "The Cosmic Birth and Journey of Shinju TNT" absieht. Die besondere Bedeutung, die so einem Titel oft beigesprochenen wird, kann S/T II auch nachkommen. Die Family hat sich zur Aufnahme mit den 3 verbleibenden Gruendungsmitglieder und nicht mit einem riesigen Kollektiv versammelt und liefert wieder eklektischen Freak-Folk einer ganz eigenen Praegung und doch ist es auch sowas wie ein Neuanfang. Deutlich massentauglicher ist es auf jeden Fall geworden: ein Jazzeinfluss ist hoechstens noch imaginaer vorhanden und die Songs sind deutlich mehr von Blues und Bluesgitarre und Songstruktur gepraegt.

"Silly Bears" demonstriert schon mal das Ziel der Reise: Tribal-Rhythmus, kratzende Gitarre, seltsame Lyrics und die perfekte Harmonie darueber. Auch wenn ich diesen Vergleich wahrscheinlich viel zu oft bringe: Animal Collective sind hier einfach ein Muss als Referenz. Aber schon der 2. Song ist wieder ganz anders. Eine ganz langsame Indie-Ballade im Stile von Noah and The Whales zweitem Album haben sie da mit "Island" eingeschoben, bevor das Album in der Nitte zum Hoehepunkt kommt. "A AAA A O WAY" und "So It Goes" wirken naemlich zusammen einffach grossartig: Nach dem Wirrwarr am Anfang vom ersten Song und einem kleinen Uebergang fast ohne Begleitung saegt einmal mehr die Gitarre rein und holt in "So It Goes" holt den Blues raus um dann im Endeffekt so zu Enden wie der erste. Eine Zusammenfassung fuer diese Songs koennte man "Another Sky" nennen. Angefanngen wird wie eine Reaktion auf den vorherigen Song und es schaelt sich ein "Silly Bears" heraus, dass diesmal aber noch hymnischer daherkommt und in der Mitte und am Ende nochmal eine entspanntere Phase hat. Die Battles-aehnlichen Disharmonien geben dem dann doch noch etwas besonderes.

Nach diesen Songs, die alle spannende Stellen hatten, gerade die Veraenderungen am Ende sind spitze gesetzt, veraendert sich das Album dann aber. "Light Emerges" kann nicht so Recht aus sich rauskommen und implodiert am Ende in die Vergessbarkeit - eine Gesangsbridge kann halt auch nicht jedes Lied retten. Ab jetzt versuchen sie zwar viel (Folk, indische Toene, Stereoexperimente), aber vieles davon hat einfach zu wenig Effekt und laesst die Songs zu vollgestopft wirken. Das kommt gerade bei "Say What You Want To" stark raus, dass sehr zusammengewuerfelt klingt und nach zu viel Ideen fuer einen 3-einhalb-Minuten-Song. Von dem Song ist dann auch der Uebergang auf die
unaufgeregten Schlusssongs einfach zu schwer nachzuvollziehen, auch wenn diese zu Recht auf dem Album vertreten sind. Ihr Talent fuer Langsames trauen sie sich aber leider auch nicht mit ihrem Talent fuer Seltsames zu mischen. So entsteht ein Ende bei dem Ereignislosigkeit heraussticht, weil vorher so viel passiert ist.

S/T II ist kein schlechtes Album geworden, dazu haut die erste HAelfte einfach viel zu sehr rein, aber es ist gleichzeitig eigentlich auch gar kein Album geworden, sondern mehr eine Anhaeufung an Ideen. Leider schaffen es Akron/Family aber nicht diese geschickt miteinander zu verbinden, sondern sind viel zu ueberraschend mit ihren Stilwechseln und so wollen eigentlich gute Songs wie "Creator" einfach nicht zuenden. Die Brechstangenmethode fuehrt bei Folk, den sie irgendwo noch machen, genauso wenig zum Erfolg wie bei Blues, denn sie jetzt mehr praktizieren. Trotzdem haben sie studiotechnisch eine Menge gelernt und versuchen nicht mehr so etwas wie eine bereinigte Liveshow aufzunehmen, sondern Songs die auch zuhause funktionieren. Man kann als hoffen, das dieses Album ein Uebergangsalbum, eine Lernphase war und das naechste etwas nachvollziehbarer ausformuliert dastehen wird. Wobei das "etwas" grossgeschrieben werden muss, nachvollziehbar zu sein ist naemlich sicher nicht ihr Hauptziel.

6/10 Punkte


erstellt von Leon.

Sonntag, 5. Dezember 2010

Alben des Monats: November 2010

So Jungs, die Alben des Monats sind uebrigens die meistgeklickten Posts, danke auch dafuer. Schon das 11. mal jetzt. Der Geburtstagspost ist also nicht mehr lang hin.


Leon:


The Velvet Underground (& Nico) - The Velvet Underground & Nico + White Light/White Heat + The Velvet Underground


Premiere: Erstmals bestehen meine Alben des Monats komplett aus Alben der gleichen Band. Aber nagut, Velvet Underground kann man in den 3 Jahren, in denen diese Alben aufgenommen wurden eigentlich kaum als eine Band sehen.

Schon auf dem Debutalbum "The Velvet Underground & Nico" zeigte die Band, was sie immer auszeichnen wuerde. Es gibt mittelguten Gesang auf einfachen sich wiederholenden Takten. So einfach das ist, so schwierig ist es dann auch sich mit diesem seltsamen Entwurf von Pop - dank der Viola von John Cale koennte man es auch Noise-Pop nennen - abzufinden. Aber alle Kritikpunkte, die man haben koennte wie z.B. der deutsche Akzent von Nico, die Ereignislosigkeit vieler Tracks, die Ziellosigkeit der Improvisation auf "European Son" oder dass sie ihre Instrumente nur mittelmaessig zu beherrschen scheinen, machen es stuemperhaft liebenswert. Und "Heroin" ist jawohl ausserdem ein absoluter Uebersong!

Ein Jahr spaeter, Nico war weg, kam dann "White Light/White Heat". Uff. 6 Songs, die man hasst oder liebt. Wenn man sie hasst, hat man wegen all der teilweise ziemlich unhoerbaren Musik (oder im Fall von "The Gift" Gedicht) allen Grund dazu. Wenn man es liebt, macht man wahrscheinlich mal eine Band aud, das zeigt die Geschichte. Durch die masslose Uebertreibung der Formel von "...& Nico" entsteht sowas wie ein Hinweis auf experimentelle Rockmusik und Punk und eben auch das 17-minuetige "Sister Ray", auf das man wieder aus 2 Perspektiven schauen kann. Ich fuer meinen Teil bewundere mutige Musiker.

Noch ein Jahr spaeter, diesmal ging John Cale und liess Lou Reed als Songwriter allein, erschien mit "The Velvet Undergound, dann auf einmal eine Platte, die man heute wohl dem Anti-Folk-Genre zurechenen wuerde. Suesse Musik ist das, wobei durch die Textur der Song aber durchaus noch Velvet Underground zu erkennen sind. Das mit dem suess geht dann sogar soweit, dass Reed den Gesang der Abschlussnummer "After Hours" an Maureen Tucker abgibt. Auch wenn ich finde, dass dieses Album gegenueber den anderen beiden schwaecher ist, war es einfach das, was fuer mich bei 9.000 Kilometer Busfahrt in Patagonien am leichtesten konsumierbar war.

Fuer alle, die sich - aus was fuer einem Grund auch immer - noch nicht mit TVU auseinandergesetzt haben. Sucht euch jetzt eines der Alben raus. Jetzt!


Markus:


DJ Shadow - Entroducing...

Diese Platte zeigt wie kaum eine andere, welchen großen Wert Samples haben. DJ Shadow genügten ca. 500 Soundschnipsel aus unterschiedlichsten Genres um diese wirklich gute und stimmungsvolle Platte zu kreieren, deren Einfluss bis in die heutige Zeit in Hip-Hop und Electronic nachvollziehbar ist.


Oasis - The Masterplan

Auch wenn die Platte insgesamt nicht unbedingt zu den besten der Band zählt, so zeigt sie doch was Oasis zu der, meiner Meinung nach, vielleicht besten Band der Welt machte. Denn man beachte: es handelt sich hier um eine B-Seiten Kompilation. Doch trotz dessen befinden sich hierauf einmalige Hits. Übersongs wie "Acquiesce" oder das Solostück "Talk Tonight" von Noel Gallagher. Nicht zu vergessen das Lied "about growing up but not growing old", "Fade Away". Wenn man sowas hört, ist es schwer zu glauben, dass es B-Seiten sind. Denn wie viele andere Bands schreiben schon solche Songs als A-Seiten?


Neon Indian - Psychic Chasms

"Psychic Chasms" ist hervorragend geeignet um sich in der kalten Jahreszeit nochmal zurück an den Sommer zu erinnern. Ansteckende Freude, tolle Melodien
und jede Menge alte Synthies machen das hier zu einem wirklich gelungenem Debut.

Samstag, 6. November 2010

Alben des Monats: Oktober 2010

3 Alben aus 2010 sind schon unter den 5 Reviews. Langsam kommt schon Jahresendstimmung auf, so einen Monat vor dem letzten Alben des Monats-Post im Jahr...


Leon:



The Tallest Man On Earth - Sometimes The Blues Is Just A Passing Bird EP


5 Folksongs in aller Einfachheit mit besonderer Stimme, die zu Gitarre, die mit Herz gezupft wird, bei warmer Produktion tolle Texte zum besten gibt; plus E-Gitarren-Einsatz und leisen Keyboardklaengen im Hintergrund. Eine herausragende Art der Gesangsunterstuetzung!



Death Cab For Cutie - Narrow Stairs


Der Wechsel in der Geschichte von DCFC hin zu mehr. Mehr tiefe in der Musik und, wenn das ging, sogar ein Stueck mehr Gedanke in den Texten.Die beiden Progressive-Uebersongs mit Kerouac-Bezug (Bixby Canyon Bridge) und Stalkergeschichte (I Will Possess Your Heart) stehen einem Restalbum gegenueber, dass von seinen Variationen lebt. Normalerweise spielen sie zwar Indierock in gedrosseltem Tempo, vermischen diesen dann aber zum Beispiel auch mit orientalischer Musik oder einem kleinen Circus-Ansatz. Das Album hat dabei aber immer einen roten Faden und ich kann mich dank der Abwechslung nie aus dem Bann befreien, in den das 4-Minuten Intro von I Will Possess Your Heart mich gezogen hat.


Markus:


Flying Lotus - Cosmogramma


Was Steven Ellison mit Cosmogramma abgeliefert hat, ist definitiv eine der interessantesten Veröffentlichungen dieses Jahres und auch eins der besten.
Von verträumten und introvertierten Tracks wie "...and the World Laughs with You" bis zum großartigen Space-Funk von "Do The Astral Plane" liefert die Platte unterschiedlichste Stimmungen, Stile und Einflüsse, die sich aber letztendlich zu einem 47-minütigen musikalisch/spirituellen Trip zusammenfügen, der im Gegensatz zu vielen anderen Alben dieser Zeit wirklich frisch und innovativ klingt.


Crystal Fighters - Star of Love


Das meiste zu diesem Album wurde ja vor kurzer Zeit hier schon gesagt und es gibt eigentlich nicht viel hinzu zu fügen. "Star Of Love" ist eine leicht
verspätete Sommerplatte mit mehreren großartigen Songs, die stilistisch alle eine andere Facette der geheimnisvollen Band aufzeigen. Definitiv einer der
besten Newcomeracts des Jahres.

Absolute Beginner - Bambule


Coole Beats, gute Lyrics, eigener Stil, gute Technik, Abwechslung in Sachen Themen, gute Features, der ein oder andere Hit. Bambule hat so gut wie alles was man für ein gelungenes Hip-Hop-Album braucht. Klingt auch heute noch fresh.

Montag, 25. Oktober 2010

Avey Tare - Down There (Review)

Avey Tare war schon immer der Hauptsongwriter von Animal Collective und genauso klingt auch dieses Album - im negativen Sinne. Wie kann etwas jetzt negativ nach AC klingen, wenn sie sich fuer mich eigentlich als die genialen Koepfe der experimentellen Musik der naeheren Vergangenheit ziemlich alleine stehen? Das geht eigentlich ganz einfach, indem man sich anguckt, was sie immer wieder zu einem Erlebnis gemacht hat.

Sie haben Alben und Songs schon immer sehr repititiv gestaltet, aber irgendwie versucht trotzdem nicht zu elektronisch zu werden und vor allem die Musik an irgendeinen Ort zu bewegen. Das ist ihnen nicht immer gelungen, aber gerade das Suchen nach Veraenderung ohne um jeden Preis aufregend sein zu muessen, war fuer mich eins der besonderen Merkmale auf Merriweather Post Pavilion. Auf "Down There", man siehe nur mal den 3. Song "Oliver Twist", unternimmt Avey aber weder den Versuch irgendwie organisch klingende Drums einzusetzen, dafuer war ja auch ab Anfang Panda Bear zustaendig, noch die Musik gross zu veraendern, sondern haut auf einem einfach gestalteten Beat nach dem Intro 3 Minuten lang rum... Damit habe ich den schlechtesten Punkt des Albums auch schon ganz am Anfang abgearbeitet. Leider wird es trotzdem nicht viel besser.

Die Musik selber, die aeuserst minimalistisch daherkommt, wirkt nur wie ein kleiner Ausschnitt aus dem AC-Universum, irgendwas zwischen MPP und Strawberry Jam mit viel weniger Musik darin. Experimentell kann man die CD auch nur bedingt nennen, das aktuelle Visual-Album ODDSAC und die diesjaehrige Ruby Suns-Platte sind schon aehnliche Wege gegangen, waren aber einfach einfallsreicher und besser. Das einzige, was Avey davon abhaelt wie ein Amateur-Electro-Producer zu klingen, sind diese unglaublich guten Vocaleffekte, die sich auf die tollen Lyrics legen. Aber diese kleinen Pluspunkte rechtfertigen noch lange nicht 4 Punkte, aber bis jetzt habe ich auch ueberwiegend ueber die ersten 5 Songs geschrieben.

Die anderen 4 sind dem Rest des Albums zwar sehr aehnlich, sind aber vielleicht eher als Einheit zu begreifen. Eine Suite ist es nicht wirklich, aber es ist vom beatlosen "Cemeteries" bis zum Synthie-Song "Lucky 1" eine deutliche Steigerung innerhalb dieses Ablaufs zu erkennen, was der ersten Haelfte sehr fehlt. Das Intro-Outro-Spiel, dass Avey mit jedem der Songs gespielt hat, beginnt hier zu wirken. Die einzelnen Songs entfalten immer noch keine wirklich Dynamik, aber bei der jetzt etwas gedaempfteren und auch cooleren Stimmung sind diese auch nur alle 3 Minuten wirklich noetig und so lange dauern die Songs auch.

Mit den Texten gebe ich dem laengeren ersten Teil dann 2/10 Punkte und dem 2. Part 7/10 Punkte, weil er so ist wie Avey Tare haette klingen koennen. Er schwankt zwar immer noch genau so wie im 1. Teil in seinen eigenen Welten umher, wird aber nicht so poppig und auf einem Level abgestuetzt wie im ersten. Insgesamt gibt das im Mittel dann wie erwaehnt

4/10 Punkte

erstellt von Leon.

Dienstag, 12. Oktober 2010

Alben des Monats: September 2010

Diesmal ein bisschen spaeter als sonst, aber auch der beste Wein braucht ja seine Zeit. Damit ist die Darbietung von abgestandenen Spruechen aber auch schon zu Ende und es beginnt der schmackhafte Teil. ;)


Markus:


Alloy Mental - We Have Control


Alloy Mental sind definitiv eine der unterbewertesten Bands der letzten Jahre. Nach der Veröffentlichung von "We Have Control" gerieten sie schnell in Vergessenheit, dabei ist ihr (bisher?) einziges Album immer noch großartig. Hier liefern die Künstler einen rasanten und markanten Stilmix aus Techno, Synthpunk und Psychedelic. Knallende Beats treffen auf eigenwillige Sprechgesänge und Synthiegeknarze. Zusammen gehalten wird das durch dezente aber punktgenaue Gitarren und Bass-Einsprengsel. So kriegt man auf "We Have Control" 11 Tracks von denen jeder seinen eigenen Stil repräsentiert. Besonders überzeugend sind das treibende, dunkle "So Silent", das mit fulminanten Drums beginnende "God Is Green" und vor allem "I Gotta Love" mit der
grandios hypnotischen Wirkung durch die im Refrain sattfindene Wiederholung des Tracktitels. Definitiv ein Geheimtipp, mit dem man sich nochmal beschäftigen
sollte.


Gold Panda - Lucky Shiner


Weggefegt hat mich Gold Pandas Debut zwar nicht, aber dadurch, dass es erst eine bisschen zum Zünden brauchte, dann aber seine Qualität konstant hielt, lief es diesen Monat doch relativ häufug bei mir. Und das auch zu recht. voller schöner Beats, farbenfrohen Synthies und gut genutzten Samples verbreitet "Lucky Shiner" eine angenehm zurückgelehnte gleichzeitig aber spannende Atmosphäre. Schöne Sache um den Sommer passend ausklingen zu lassen.


Leon:


Animal Collective - Strawberry Jam


Ich habe einem Freund mal erklaeren wollen, dass Musik, bei der man nicht merkt, ob der Hund gerade bellt, generell fast immer gut ist. Und dieses Album ist der Beweis dafuer: Wenn ich es hoere, ist jedes Aussengeraeusch eine Erweiterung des Sounds und nicht etwa stoerend. Animal Collective sind halt schon immer psychedelisch, aber hier sind sie einfach so frisch, so experimentell und das auch noch mit einfachsten Mitteln, die man aber nicht unbedingt erkennt, seltsam das Ganze. "Unsolved Mysteries" basiert z.B. nur auf etwas Synthie-was-auch-immer, Gesang, dem typischen AC-Schlagzeug und Hintergrund-Gegurgel bzw. Vordergrund-Gegurgel. Vergleiche will ich gar nicht ziehen, denn dieses Album ist einfach unvergleichlich, weil es sich vieel traut und sich immer ein bisschen nach elektronische Kirmesmusik fuer den Jahrmarkt eines Irrenhauses anhoert und die Texte passen dazu auch noch. Muss man moegen...


Perfume Genius - Learning


Schon mal versucht bei laufendem Ventilator einzuschlafen? Ich verzweifle dabei; kann daran liegen, dass ich sowieso schlecht schlafe und das ich keine 6 Monate im Jahr ueber 30 Grad gewohnt bin... Aber Learning hilft. Das permanent anwesende Rauschen (weil schlecht produziert) ueberdeckt ein bisschen das nervtoetende Luftwirbelgeraeusch, das Amateur-Keyboard stoert nur beim Einschlafen, wenn mal wieder ein (absichtlicher?) Verspieler dazwischen kommt und die unglaubliche Zurueckhaltung in der Stimme macht das richtige Zuhoeren zwar ein bisschen schwieriger, das Nebenbeihoeren dafuer aber um so einfacher. Wenn man dieses Album aber nur so hoeren wuerde, wuerde einiges fehlen, da die Texte einen Grossteil der Genialitaet ausmachen. Strophen wie "He made me a tape of Joy Division/ He told there was a part of him missing/ When I was sixteen/ He jumped off a building" in "Mr. Peterson" sind in jedem Song vorhanden, meistens mehrfach und machen die 28 ersten Minuten, die man von diesem Kuenstler bis jetzt zu hoeren gekriegt hat, zu einem emotionalen Erlebnis.

Mittwoch, 29. September 2010

Top10: BLK JKS - Mystery EP (Review)

"Mystery" ist beim ersten Hoeren durchaus mysterioes, um jetzt nicht schwierig zu sagen, um jetzt nicht ziemlich beschissen zu sagen. Aber es waechst, aber es waechst nicht schnell, nicht nach den ersten drei Hoerdurchgaengen, eher nach den ersten sechs; da hat man dann Glueck, dass es nur 20 Minuten lang ist. Ich kenne es jetzt seit einem Jahr und habe es schon einige dutzend Male gehoert, was zeigt wie suechtig ungewoehnliches machen kann.

Die BLK JKS sind naemlich sowas wie die ernsteren, organischen Animal Collective, haben also mit Animal Collective eigentlich doch nicht viel zu tun. Eher zu tun haben sie vielleicht noch mit dem ersten Album was ich in dieser Reihe gereviewt habe: "The Cold Nose" von Department of Eagles; nur hier ist der Jazz- und Rock-Anteil hochgefahren worden, wobei alles andere runtergefahren worden, die afrikanischen Einfluesse, die in... Allem dazukommen nicht zu vergessen. Und am Ende der Songs ist das noch diese Shoegazing-Wall of Sound und das ist dann auch schon das einzige, was man einem einzelnen Genre zuordnen kann. Eigentlich hinken also wirklich alle Vergleiche.

Das koennte daran liegen, dass es aus Afrika (hier Suedafrika) sonst keine experimentelle Musik zu uns schafft. Das Auftreten von Afropop hat daran nicht viel geaendert. Wobei dieses Label fuer die BLK JKS auch nicht passt. Wenn man den Begriff Weltmusik mal so nimmt wie er mal gemeint war, machen sie Weltmusik; und weil Weltmusik eigentlich gar nichts aussagt, muss man das, was man hoert auf "Mystery" wohl auf ewig einfach vorfuehren - immer und immer wieder - um es zu erklaeren. Also versucht einfach mal diese Songs von den BLK JKS zu finden:
Lakeside (in der alten Version, die Version auf "After Robots" ist absolut nicht das gleiche)
Mystery
In The Summertime
It's in Everything You See
und das auch bitte in genau dieser Reihenfolge, weil It's in Everything You See das einzige Lied ist das am Ende stehen kann; ein mehr oder weniger amerikanischer Folksong mit, wie koennte es anders sein, afrikanischen Einfluessen.

Freitag, 20. August 2010

Top10: Department Of Eagles - The Cold Nose (Review)

"The Cold Nose" ist so ein Album bei dem man sich fragt, welcher Verrueckte sein Label denn mit diesem Dolch erstechen wollte. Mit dem, was Daniel Rossen spaeter mit Grizzley Bear und auch mit dieser Band gemacht hat, diesem nostalgischen Indie-Folk, hat das hier naemlich wenig bis gar nichts zu tun. Man koennte es College-Flausen eines musikalischen Alleskoenners nennen.

The Streets trifft auf James Yuill, die BLK JKS werden als Backing Band engagiert und der Laptop wird nochmal nach allem durchsucht, was nicht in die normalen Projekte passt. Im Endeffekt klingt es dann aber doch wieder wie diese eine Band mit der grossen Plattensammlung, die ihre Vorliebe fuer 70s-Krautrock ausleben wollte und einfach nicht anders konnte als einfach schlecht dort schlecht reinzusingen/-rappen, wo sich dann doch die amerikanische Identitaet zeigt(naemlich in Folk und HipHop). Der sowieso schon samplelastige restliche Wahn wird von Soundschnipseln aus der Oper alten Tonaufnahmen oder sonst was, was auch auf ein Books-Album gepasst haette, passend bestueckt.

Wem das jetzt alles viel zu irre vorkommt, der sollte sich trotzdem mal "Family Romance" anhoeren: ein straighte Folktronica, der mit Gruppengesang am Ende voellig in seinen Refrain aufgeht. Der Song sticht heraus, weil ein Song komplett ohne Breaks und Genre-Hopping auf dieser Platte erstmal einer unterbringen musste. Das bestes Besispiel fuer einen total ungleichfoermigen Song bietet naemlich kurz davor erst "Gravity's Greatest Victory/Rex Snorted Coke". Der Song beginnt mit einem der schon erwaehnten Opernsample auf irgendwas elektronisches um dann in Sekundenschnelle den Uebergang in ein Jazz-Sample zu finden und am Ende doch nochmal den gelangweilten Rapper raushaengen zu lassen.

Wenn einer ein Album kennt, das Aehnlickeit mit diesem Klotz besitzt, bitte direkt in die Kommentare schreiben. Ich habe bis jetzt noch keins gefunden!

Sonntag, 1. August 2010

Musik für Menschen - Mal sehen, ob das ein Album wird (Review)

Hinter dem Projekt Musik für Menschen steht der Freistil-Rapper form, der sich nach mehreren kaum hörbaren Untapes und Unalben endlich dazu entschieden hat, mal etwas zugänglicher zu werden. Dabei muss das „etwas“ besonders betont werden, weil einige der Songs hätte sich wohl kaum ein HipHop-Künstler so getraut.

Auf „Mal sehen,…“ singt form fast nur, die Rapparts sind auf ein Minimum heruntergefahren worden. Das kann er zwar nicht besonders gut, aber grade das Amateurhafte macht den Gesang sehr charmant. Die Beats klingen oft ähnlich unangenehm wie auf den Releases von Audio88&Yassin, sind aber nie so schief, dass sie in den Ohren wehtun, andererseits können sie sich aber auch so einschmeichelnd geben, dass man denkt Maeckes hätte wieder Lust gehabt anstrengendere Lieder zu schreiben. In seinen Texten ist diese Parallele auch gar nicht so fern: Beide sind mit Wortwitz agierende Zyniker und bei Musik für Menschen verzichtet form sogar bewusst auf die Whack-MC-Problematik. Was die beiden aber trennt ist, dass form durchaus auch mal politisch werden kann und nur reimt, wenn es gerade keine negativen Auswirkungen auf die Aussage hat. Leider sind die Texte ungewöhnlich weit im Hintergrund hinter den Beats angesiedelt und so kann man den Texten nicht so folgen, wie man es manchmal möchte.

Tolle Arbeit sind auch die Instrumentalstücke, nicht Skits, wirkliche Instrumentale, „Am schlimmsten ist es immer, wenn sie nicht antwortet“ übersteigt sogar die 3-Minuten-Marke und wirbelt dabei den Staub des versöhnlichen Intros mit hyperaktivem Trommelfeuer auf. Erst nach zwei Minuten setzt die Kickdrum ein und verleiht dem elektronischen Freiflug eine Form. „Ach so, war ja klar“ und „Freuzwang“ schlagen, auch wenn sie kürzer sind, in eine ähnliche Kerbe. Mehr als diese drei hätten es auch nicht sein dürfen, da sie sich stark ähneln, aber so gliedern sie das Album und sind gleichzeitig musikalisch interessant und gut.

Mit Gliederung ist eine Aufteilung in eher glückliche und sehr melancholische Songs gemeint, was sich fast nur in den Texten widerspiegelt. Die Musik z.B. in „Ihr ist sein ist dein ist mein“ ist niedergeschlagen wie in kaum einem anderen Track des Albums, der Text erzählt aber eine Liebesgeschichte. Besonders gut sieht man die zwei Seiten des Albums aber an den Tracks „Ich freu mich schon mal vor“ und dem Schlusstrack „Ende Gelände“. Der erste der beiden ist das vielleicht eingängigste Lied, das ich von form kenne und könnte mit seiner umarmenden Wärme wohl auch Depressionen beenden. „Hallo, ein großes Hallo, ein sehr großes Hallo, 70 Kilometer“ beschreibt den Song sehr gut, denn eine größere Begrüßung hätte form gar nicht aussprechen können. Dagegen steht das resignierende „Ende Gelände“, das mit Zeilen wie „Am Ende wird nicht alles gut, am Ende endet alles, in der Sackgasse stecken nicht die Geschenke, es war eine Falle“ den Hörer gleich wieder zurück in die Trauer schickt.

Und genau das macht form aus. Er ist mit voller Seele Künstler und kann gleichzeitig die Gefühle des Hörers auf ehrlichste Weise beeinflussen. Dieses Album gewinnt aber vor allem aufgrund seiner Kürze von gut 30 Minuten. Haben die Vorgänger teilweise mit fast einer Stunde nach einmal Hören schon Ohrenschmerzen gemacht, kann man dieses Album auch gut zweimal am Stück hören. Wenn nächstes Mal vielleicht noch ein Battletrack von der Stärke eines „Das Geben eines Fickes in Zeiten der Keinfickgebung“ mit dabei wäre, würde ich das Album auch mit auf die gedachte einsame Insel mitnehmen, das hätte dem Konzept aber wohl zu sehr widersprochen. Das Ganze soll nämlich chronologisch eine Geschichte erzählen, die sich aber nicht direkt erschließt und sich mir bis jetzt auch nicht erschloßen hat...
Es ist aber auf jeden Fall mein persönliches HipHop-Album des bisherigen Jahres.

9/10 Punkte

Hört es euch hier einfach selbst an.

erstellt von Leon.

Mittwoch, 21. Juli 2010

The Books - The Way Out (Review)

The Books veröffentlichen fünf Jahre nach „Lost And Safe“ endlich wieder ein Album. Und jeder, der es sich anhört, muss sich jetzt fragen: Warum zum Teufel hat das so lange gedauert? Derart minimalistische Songs können doch nicht so dermaßen lange für ihre Entstehung brauchen. Neben diesem Problem ist das Album zum Glück aber (fast) komplett fehlerlos ausgefallen. Neben der langsamen Arbeitsgeschwindigkeit, die dann gleich auch mit einer niedrigeren Geschwindigkeit der Songs als auf früheren Alben einhergeht, nehmen sie dem Kritiker mit dem Opener nämlich einen Großteil seiner Arbeit schon ab.

„On this recording music’s specifically created for its pleasurable effects upon your mind, body and emotions.”
Lieder von den Books waren schon immer - mehr als die Songs vieler anderer Künstler - dazu da, glücklich zu machen und positive Gefühle hervorzurufen. Dabei helfen neben den entspannten, minimalistischen Beats vor allem die Texte. Egal ob diese von Grundschulkindern geschrien oder ob sie einfach rückwärts gespielt werden oder ob sie einfach nur lächerliche Geschichten wie die „Story Of Hip Hop“ erzählen, das alles wirkt witzig. An einigen Stellen wie in „I Didn’t Know That“ übertreiben The Books es aber leider auch mit der Stimmveränderung. Hier kommen die reiswolfähnlichen zerscratchten Vocals teilweise sehr nervig rüber.

„We will continue this pattern until we have reached the infinite everything”
Die Songs sind oberflächlich zwar oft einfach lustig. Wenn The Books das Pattern aber einfach unglaublich oft wiederholen, wird man einfach in die Beats hereingesaugt und kommt von ihnen nur schwer wieder los. Bei aggressiveren Stücken wie „I Am Who I Am“ funktioniert das genauso gut, da die sture Wiederholung der Textzeile hier ähnlich gut als Zugang wirken wie der aufmunternde Grundton anderer Leider.

“I Am Who I Am”
Dieser Song sagt eigentlich am meisten über das ganze Album aus. Wenn man grade bei dem Song ankommt, passt er überhaupt nicht. Aber am Ende passt selbst „Wonderful Phrase By Gandhi“ ins Bild, der den Musikfluß auf vielen anderen Alben unterbrochen haben, hier wirkt es aber stimmig und authentisch. Die Books sind nunmal einfach die Books und gerade daher kommt es, dass sich hier zwar viel genauso gewollt anhört, aer trotzdem nicht gekünstelt. Sie wechseln zwischen ruhigen und aggressiven Experimenten und schönem Indie-Pop wie „Free Translator“, der als Rausschmeißer ein Highlight des Albums ist. Sie machen halt das, was sie wollen und das machen sie gut.

Auch das 4. Album dieser äußerst eigenen und komischen Band sollte man als Freund von Experimenten, Indie-Pop also unbedingt mal gehört haben. Sie machen nichts falsch, außer vielleicht, dass sie sich nicht wirklich verändert haben. Das heißt jedoch nicht, dass sie nicht auch oft bessere Songs haben als auf den Vorgängeralben.

8/10 Punkte
erstellt von Leon.

Dienstag, 2. Februar 2010

Wive - Pvll (Review)

Ende 2008 gründeten sich Wive, die sowohl den ehemaligen Drummer/Programmer als auch die ehemalige Geigerin von A Whisper In The Noise in ihren Reihen haben und irgendwie auch dementsprechend klingen. Bereits ein gutes Jahr später steht jetzt trotz Entfernungsproblemen bei den Aufnahmen ihr erstes Album „Pvll“ zum Anhören und zum Kauf bereit. Theoretisch können diese Songs also gar nicht im Herbst entstanden sein und trotzdem liegt hier so etwas wie ein Herbstalbum vor. Ähnlich wie auf „Dry Land“ von AWITN gelingt es Wive nämlich immer in dem Moment melancholisch zu werden, wenn man grade eine fröhliche Tonfolge erwartet. Das kann an einigen Tagen richtig nerven, an anderen ist es aber auch einfach zum Verlieren gut.

Eigentlich ist der Sound von Wive so eigenständig, dass selbst der Vergleich mit A Whisper In The Noise hinkt. Vielmehr klingt es nach NEU!, die sich einen Sänger und eine Geigerin gesucht haben und versuchen ihre Songs unter der 5-Minuten-Marke zu halten. Die Songs sind fast alle auf einem Fundament aus Schlagzeug/Beat und Geige und/oder Tasteninstrument und einer zurückhaltenden Männerstimmen aufgebaut, was aber nur entfernt an die früheren Phantom/Ghost-Alben erinnert, und bekommen durch den Einsatz von Gitarre und Mehrstimmigkeit Akzente gesetzt. Grade der Beat gibt dabei oft das Tempo vor. Er ist nie langsamer als das Lied, womit kein Lied - wie auf „Dry Land“ – verschleppt wird, meist wird es leider sogar eher überholt.

Das klingt bis jetzt alles ziemlich verkopft, aber wenn man sich viel Zeit nimmt und sich erstmal in diesen eigenbrödlerischen und ganz eigenen Musikstil hineingehört hat, ergeben sich die wahren Schönheiten des Albums. „Lazarus And Dives“ oder „Attrition“ zum Beispiel wären ohne das Beat-Gebrummel zwar um eine Ebene ärmer, aber eben auch ein wunderbarer etwas verschlungener Klassik- und Electronicainfizierter Rocksong. Die Atmosphäre der einzelnen Songs braucht aber immer alle Teile, die auch tatsächlich eingesetzt wurden. Das kann wie am Anfang von „Langvage“ feinster Minimalismus nur mit Stimme und Hintergrundgeräuschen sein oder es ist die volle Besetzung in „Widows“.

In einem Satz: Wive machen in ungewöhnlicher Besetzung 10 schwer zugängliche und schwermütige ArtRock-Songs und betreiben dabei immer genau soviel Aufwand wie nötig, typisches Exile On Mainstream-Release eben.

8/10 Punkten

erstellt von Leon.

Sonntag, 22. November 2009

A Place To Bury Strangers - Exploding Head (Review)

Dass die USA keine schlechte Gegend für Noiserock und Shoegaze sind, wissen wir spätestens seit Sonic Youth, Health und Darker My Love. Eine Band die man ab sofort mit dabei aufzählen sollte, sind A Place To Bury Strangers. Die haben nämlich jetzt ihr 2. Album "Exploding Head" herausgebracht und spielen weiterhin einen scheppernden und dunklen Mix aus Noiserock, Shoegaze, Post-punk und Psychedelia. 2007 kam ihr erste selbstbetitelte Platte heraus und nun, 2 Jahre später, wollen sie also unsere Köpfe explodieren lassen. Dass sie zu den besten Newcomern in ihrem Bereich zählen, haben sie schon durch Songs wie "My Weakness" und, unter anderem von Trentemoller auf seinem "Harbour Boat Trips: Copenhagen"-Mix benutzten, "I Know I'll See You" bewiesen.

Als Hörer wird man auf "Exploding Head" förmlich eingesogen und gelangt in eine verwüstete und melodiöse Welt inspiriert von Künstlern wie My Bloody Valentine und Joy Division. Das Schlagzeug knallt und die verzerrten Gitarren produzieren dazu ein Wall Of Sound. Über allem hallt die zurückhaltende und melanchloische Stimme von Oliver Ackermann. Das ganze funktioniert meistens prächtig wie im zerreißenden "Deadbeat" oder im treibenden "Smile When You Smile". Hier bleibt dem Zuhörer nichts anderes übrig, als sich vom Strudel mitreißen zulassen und in der düsteren Soundwelt zu versinken. Doch hinter all dem Krach verbergen sich auch immer wieder die schönen Melodien die den Shoegaze so ausmachen.

Zwar kann nicht jeder Track das Niveau halten da es dann doch ein klein wenig an Abwechslung fehlt, doch insgesamt überzeugt das Album als Manifest des verschrobenen und noisigen Rock. Spätestens wenn A Place To Bury Strangers im Closer "I Lived My Life to Stand in the Shadow of Your Heart" alles in einem zerstörerischen Akt niederreißen ist man sich dessen bewusst.

8/10 Punkte

erstellt von Markus.

Sonntag, 1. November 2009

BLK JKS - After Robots (Review)

Das Debütalbum der BLK JKS klingt wahlweise wie Krautrock auf südafrikanisch oder so als nähme man das Weiße Album der Beatles, streiche es schwarz an, vermenge die Songs und teile sie in Häppchen á 6 Minuten ein. Für Menschen für die das hier der erste Kontakt mit dieser Band darstellt, klingt es vielleicht chaotisch. Wenn man jedoch nur ein halbes Jahr zurückblickt auf die EP „Mystery“, sieht man wie entspannt das Ganze doch ist, was jedoch auch heißt, dass die Songs gegenüber der EP an Spannung verloren haben. Der Schock für mich war vor allem, dass es oft wirklich klare Refrains gibt.

Der erste Refrain kommt dann auch schon mit dem „Away, Away, Ah O“ aus dem Opener „Molalatladi“. Genauso wie das erste Gitarrensolo, was den restlichen eben wirklich spannenden Teil im Mix leider sehr in den Hintergrund drängt. Der Mix ist über das ganze Album eine Schwäche, im Gegensatz zu „Mystery“, das die Vorteile des Durcheinanders noch viel besser betont hatte. Die anderen Schwächen der Platte sind zum einen die langsamen Parts, die in fast jedem Lied vorkommen und leider auch langweilig sind und die Songs zwei bis vier.

Ab da geht es wieder aufwärts und die Schwächen können mit Stilvielfalt wieder ausgeglichen werden. So gibt „Taxidermy“ mit einem äußerst chaotischen Einstieg auch den Einstieg in die bessere Hälfte des Albums. Außerdem kann es mit afrikanischem Perkussion-Fastsolo überzeugen. „Kwa Nqingetje“ wechselt direkt darauf zwischen langsameren Passagen und gekonnten Hard-Rock-Teilen, woraufhin dann auch noch Klangexperimente in Form von rückwärts abgespielten Gitarren eingebracht werden. Meinen persönlichen Höhepunkt stellt „Skeleton“ dar. Denn was man hier geboten kriegt ist BLK JKS-Ska und gleichzeitig hört man deutliche Jazz-Einflüsse. Das ist ein entspannter Song, dem NICHT an Spannung fehlt und in dem es dann im schnelleren Nicht-Ska-Teil sogar konkurrierende parallele Soli gibt (falls es so etwas gibt). Den Abschluss bildet dann noch der Akustik-Spoken-Word-Song „Tselane“. Einfach ein schönes kleines Kinderlied. Den Text versteht man ja sowieso größtenteils nicht.

Am Ende hat man ein interessantes Album gehört, mit vielen Einflüssen und vielen Stärken. Aber eben auch einigen Schwächen. Auf jeden Fall sieht man bei diesem Debüt viel Potenzial, eben auch historisches als Vorläufer von schwarzem südafrikanischem Rock. Wenn sich dort mehr Bands dieser Klasse bilden, könnte sich auch Südafrika in gut geführten Plattensammlungen etablierten.

7/10 Punkten

erstellt von Leon.

Montag, 17. August 2009

Mum - Sing Along To Songs You Don't Know (Review)

Mit dem Albumtitel haben es Mum ziemlich gut getroffen, mitzusingen ist oft kein Problem, auch beim ersten Hören. Die Texte sind wie bei vielen isländischen Musikern eher Nebensache. Durch die einfache Beschaffenheit kann man die meisten der Texte aber gut verstehen und erkennt bei diesen einfach nur den jungendlichen Enthusiasmus der Band. Selbst bei den seltsamen Erzählungen aus dem Opener ‚If I Were A Fish’ ist kein großer durchdachter Hintergrund gewollt, es ist einfach eine Liebesgeschichte aus der Sicht eines Fisches.

Sowieso beweisen Mum oft einen etwas anderen Blick auf die wichtigen Themen und Geschehnisse. Bei ‚The Smell Of Today Is Sweet Like Breastmilk In The Wind’ zittern elektronische Beats zu der Frage wie das Ende der Welt riechen würde. Die elektronische Musik stellt auf dem ganzen Album einen der Hauptpfeiler dar. Die anderen beiden sind die Verspieltheit und der Einsatz von traditionellen Instrumenten. Dieser wird in ‚Blow Your Nose’ fast auf die Spitze getrieben. Nur Stimme, Streicher und ein Xylophon reichen aus um dieses Lied zu einem ruhigen und trotzdem spielerischen Unikat zu machen. Eins der Highlights des Albums.

Nach der ganzen Spielerei zwängt die als Schlusspunkt gesetzte Klavierballade ‚Ladies Of The 21st Century’ Vergleiche zu Sigur Rós stark auf, die für ihr 2008er-Album einen ähnlichen Schlusspunkt wählten. Natürlich ist der Text hier trotzdem nicht verzwickt.

Mum liefern hier ein Album ab, welches die drei Grundzutaten immer wieder neu kombiniert. Am Ende finden sich dann sogar kleine Anzeichen für einen Reifeprozess. Wenn sie diese Reife jetzt manchmal auch textlich umsetzen würden (natürlich neben den kindlichen Erzählungen), wäre das Album noch einen Tick besser.

7,2/10 Punkte

erstellt von Leon.

Samstag, 15. August 2009

Shogun Kunitoki - Vinonaamakasio (Review)

Mit ihrem Vorgänger "Tasankokaiku" (2006) haben Shogun Kunitoki ein wirkliches Meisterwerk veröffentlicht, ein Album, welches stark über normalen Indietronic hinausging. Dronige Abschnitte und repetitives Drumming prägten dieses Album und machten es zu einem Genre-Primus. Aber können Shogun Kunitoki mit ihrem neuen Album das starke Niveau halten?

Vorweg gesagt: Ja, sie können es. Sie haben nichts verlernt. Schon das Intro zeigt alle Facetten ihres Schaffens. Grundsätzlich instrumentale, verzerrte, und wunderschöne elektronische Musik. Im ersten richtigen Song "Mulberg" geht es sofort zur Sache. Der Drummer prügelt wie verrückt auf sein Instrument ein, das ganze unterlegt von klaren, warmen Soundflächen und verzerrten Synthies. Die Beats zucken und alle Elemente ihres Sound fügen sich zusammen. Der Song will garnicht zur Ruhe kommen. Aber man will auch nicht, dass er zur Ruhe kommt. Und wenn er vorbei ist, beginnt der nächste Song mindestens genauso druckvoll.

Allgemein ist das Album jedoch etwas droniger als der Vorgänger, jedoch tut das der Qualität keinen Abbruch. Die Songs sind frisch, experimentell und psychedelisch. Was will man mehr?

Insgesamt haben Shogun Kunitoki bewiesen, dass sie eine der besten Indietronic-Bands sind, die es gibt und mit ihrem neuen Album eines der besten Alben aus diesem Jahr vorgelegt.

8/10 Punkten

erstellt von Niclas.

Sonntag, 5. Juli 2009

Portugal. The Man - The Satanic Satanist (Review)

Die perfekte Synthese der Vorgängeralben und gleichzeitig ein super Einstieg in eine tolle Band. Die, die Waiter: You Vultures! mögen, werden hier seit dem Debüt das erste Mal wieder Samples und Loops hören. Das zweite Album hatte einen ähnlich grandiosen Retroansatz und Censored Colors hätte sich so angehört mit weniger Experiment oder Droge. Trotzdem ist alles so anders, dass alle, die Censored Colors für einen Ausrutscher halten, dieses Album mögen können. Es ist einfach nur Portugal. The Man, obwohl sie ihre komplette Arbeitsweise änderten: Sie arbeiteten mit Menschen außerhalb ihres Freundeskreises zusammen und hatten schon vor dem Studioaufenthalt Songs entwickelt. Bei diesem Aufenthalt von nur 1 ½ Wochen änderten sie ihren Sound wie immer konsequent.

Space-Pop wird es meistens genannt, was auf diesem Album zu hören ist. Sie verbinden die schon erwähnten Samples mit viel Soul, genialem Falsette und Gruppengesang, manchmal sogar mit Gitarren wie bei den Dire Straits, viel Flower-Rock und besonderen Kleinigkeiten in fast jedem Lied. Grade bei “The Home“ hört man auch den großen Anteil an Psychedelic und Progressive Rock. Als ich den Teaser mit den ersten 30 Sekunden zum ersten Mal rauf und runter hörte, hat mich mein Vater gefragt, ob ich Bullyparade gucke. Der Song schwingt sich in den Gitarrenparts von John Gourley aber doch noch auf ein hohes Niveau mit vielen Effekten ohne dabei die Songdienlichkeit und die Zugänglichkeit zu verlieren.

Der Song ist auf diesem Album sowieso das bestimmende Thema, obwohl die meisten der Lieder wie auf Censored Colors miteinander verbunden sind. So lösen sie sich auch endgültig von der Referenz zu The Mars Volta hin in Richtung Spätphase der Beatles, in die sie eigentlich ja schon immer wollten. Eine andere Überraschung ist, dass das Keyboard auf diesem Album in mehreren Songs der Gitarre Paroli bietet. Mit “Let You Down“ ist kurz vor dem Ende der Platte sogar eine Pianoballade zu finden, natürlich trotzdem auf eine spezielle Portugal. The Man-Art.

Mit “Mornings“ schließt das Album mit reingewaschenen Gitarren und viel Energie, jedoch ohne den Vibe, der sich durch den Großteil des Albums zieht. Es entlässt so langsam und ausgiebig in eine Welt, in der sich so etwas nur selten findet. Man kann nur Hoffen auf den nächsten Tonträger dieser Band und das wird sicher nicht wirklich lange dauern.

Zusammenfassen kann man das eigentlich nicht, was sich in dieser halben Stunde im Gehör des Menschen abspielt. Poppiger Retrosound mit viel Individualität, die Zukunft mit Keyboard gemalt, eine homogene Platte mit vielen Highlights und die Verbindung durch Veränderung.

9,2/10 Punkte

erstellt von Leon.