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Dienstag, 28. Februar 2012

A Whisper In The Noise – To Forget (Review)

Kaum wird es wärmer, wünscht man sich dank A Whisper In The Noise die Minusgrade wieder zurück. Eigentlich gibt es nämlich nur einen Ort für diese Platte: Ein Meter vor dem Ofen nachdem man sich durch die Kälte der Außenwelt gewühlt hat. Denn „To Forget“ taut auf, anders lässt es sich nicht beschreiben. Diese unterschwellige Wärme in der Stimme von West Thordson und Sonja Larson und die ins Sympathische schielenden Gitarren schmelzen neben dem Eis vor Geige und Piano auch den Menschen vor den Lautsprechern. Das Drumming muss da gar nicht mehr soviel dazutun wie noch auf „Dry Land“ vor 5 Jahren, weil die Eiswände viel dünner geworden sind und auch ein paar Schläge schon ausreichen sie zu durchbrechen.

Bei all der Melancholie und Traurigkeit haftet dem ganzen Album dieses Gefühl der Hoffnung an, das man so oft von Sigur Ròs hört. Das passiert mal durch das Echo, das in „A Sea Estranged Us“ die Welt öffnet oder halt den Ozean über den Sonja Larson führt; mal weil sich in „Sad, Sad Song“ alles anschmeichelt, was sich sonst verschließt und eine stoische Gitarrenmelodie das Gefühl aufkommen lässt ganz nah dran zu sein; mal durch die Zurückhaltung in „Your Hand“, die in den Außmaßen ganz neu ist für diese Band und mit mehr Personal als den beiden Hauptakteuren wohl nicht zustande gekommen wäre; oder halt ganz einfach durch „Of This Sorrow“, der einen Closer darstellt, der „True Love Will Find You In The End“ ins Gedächtnis ruft, der ähnlich versöhnlich als Ballade mit prominenter Akustikgitarre den Vorgänger beendet hat.

„Nette Musik“ zum Nebenbeihören können AWITN trotzdem einfach nicht schreiben. Viel zu sehr muss man darauf achten zwischen all den langsamen und leisen Passagen nicht verloren zu gehen. Nichts hier wird wirklich reihenweise Menschen in seinen Bann ziehen, aber gerade deswegen und wegen der Töne, die scheinbar zu wenig gespielt werden, drängt es sich auf das Album immer wieder zu hören - auch wenn man sich konzentrieren muss, damit sich hier nicht ungewollt die Aufmerksamkeit auf andere Dinge lenkt. Aus der Stille und Behäbigkeit stürzen nämlich so oft Überraschungen wie bei Mark Hollis/Talk Talk und zeigen dann man hier nicht Unaufdringlichkeit mit Lahmarschigkeit verwechseln sollte.

Schade ist nur, dass auch die verstörenden Momente einer Auflockerung unterzogen worden sind und Songs wie „All My“ damit zwar immer noch irgendwie gruselig sind, aber nicht mehr schocken wie auf früheren Veröffentlichungen. Das hätte vielleicht nicht zum liebevollen Grundton gepasst, aber sogar auf der kurzen Spielzeit, die ohne Intro, Zwischenstücke und Field-Recording-Grillenzierpen nur gut eine halbe Stunde beträgt, kann man von A Whisper in the Noise eigentlich ein bisschen mehr Abwechslung erwrten.

8/10 Punkte


erstellt von Leon.

Samstag, 25. Februar 2012

A Place to Bury Strangers - Onwards To The Wall (Review)


Zweieinhalb Jahre sind seit ihrem letzten Langspieler vergangen, nun bringen die Brooklyner ihr erstes musikalisches Lebenzeichen seit der Tour EP "Ego Death" heraus. Wie erwartet gibt es erneut eine düstere Melange aus Shoegaze, Post-Punk und Noise Rock. Im Gegensatz zu "Exploding Head" dröhnt das Ergebnis allerdings deutlich weniger. Diesmal wird der Hörer nicht weg gefegt, sondern für 16 Minuten in ein kalten Klangkosmus entführt der sich anfühlt wie Metallfesslen. Packend aber unbequem. Der Feedback-Lärm und die Gitarrenwände des Vorgängers wurde runter gefahren, so dass die Noise-Elemente eher im Hintergund tönen.

Der Opener wird bestimmt durch kalte, harte Drums und einen markanten Basslauf bis der Track mit der Zeit immer weiter im Gitarren-Feedback versinkt und dabei eine tolle, dunkle Atmosphäre kreiert. "So Far Away" groovt für A Place To Bury Strangers Verhältnisse ziemlich cool, ein Eindruck der auch durch die Band-untypischen Handclaps verstärkt wird, und könnte auch in (Indie-)Clubs gespielt werden. Das Highlight der EP ist dann der Titeltrack, der gerade zu Beginn stark an Joy Division erinnert und dem es im weiteren Verlauf hervorragend gelingt eine düstere Stimmung zu schaffen. Die zwei nachfolgenden Stücke hinterlassen hingegen keinen allzu starken Eindruck, können jedoch trotzdem als ordentliches Material bezeichnet werden.

"Onwards To The Wall" ist ein durchaus gelungenes, kurzweiliges Werk, das besonders durch seine Atmosphäre überzeugen kann. Um als EP länger im Kopf zu bleiben, fehlen jedoch die herausragenden Songs und Hits. Doch auch so liegt eine gute Veröffentlichung vor, die den Appertit auf das nächste Album weckt.

7/10 Punkte





erstellt von Markus.

Montag, 13. Februar 2012

Perfume Genius - Put Your Back N 2 It (Review)

Immer wieder gibt es Alben, die in der Lage sind dazu zu bewegen über Dinge nachzudenken, die in der Musikwelt eigentlich als Regel akzeptiert sind. Z.B. sollte man sein Instrument beherrschen (auch wenn man gerne so tun darf als würde man es nicht, Moldy Peaches), der Gesang sollte irgendwie zur Musik passen und eigentlich gibt es auch für jedes Genre eine Albumlänge, die man erwarten kann.

"Learning" von Perfume Genius machte aber einfach alles anders und war ehrlich schlecht eingespielt- und gesungen, grausig aufgenommen und als Album voller Pianoballaden nur 28 Minuten lang. Das Echo auf Mike Hadreas' Stimme steurte nochmal dazu bei, dass man seine irgendwie neben der Musik stehenden Texte - voll von Leuten, die dich erst in ihrem Truck kiffen lassen und sich danach von einem Hochhaus stürzen - eigentlich gar nicht verstand. Aber all das unterstrich nur die Naivität, Zerbrechlichkeit und Intimität des Albums. Alles das ist größtenteils wie weggeblasen auf "Put Your Back N 2 It" und ich rechtfertige meine lange Vorrede mal damit, dass sich ohne das Debüt wohl keiner für dieses Album interessieren würde.

Denn Mike Hadreas interessiert sich ja auch nicht mehr wirklich für andere. Das Alibi-"You", das er in fast allen Songs benutzt, ist nämlich einfach nur allgemein und spricht damit eigentlich wieder niemanden vor den Lautsprechern an, sondernerzählt von sich oder seinen Beziehungen - nur, dass diesmal keine Schicksale mehr direkt vorkommen und man nicht mehr erschüttert ist von den Geschichten. Das macht ihn weniger angreifbar aber verschließt auch seine Texte.

Da kann es nicht helfen, dass alles noch genau so traurig ist wie früher, weil es einfach nicht mehr wirkt, auch nicht mit den Synthieflächen aus "All Waters" oder der Herzschmerz-Melodie aus "Awol Marine". Denn auch die sind nicht mehr zerbrechlich, sondern stehen souverän eingespielt für den neuen Perfume Genius mit weniger Echo. Der ist aber leider nicht mehr naiv und intim und damit gibt es auch diesem Album einfach nur noch 12 einfache kleine hübsche Pianoballaden. Wer das mag, den wird es nicht stören, dass alles so normal ist und auch das Mitwirken von Gitarre und Schlagzeugeinsatz in "Take Me Home" nichts Besonderes ist wie auch das ganze restliche Album, das sich immer mehr entzaubert je häufiger man es hört.

4-5/10 Punkte


erstellt von Leon.

Sonntag, 11. Dezember 2011

Alternative Christmas: Sufjan Stevens – Songs For Christmas

42 Songs auf 5 EPs aus 5 verschiedenen Jahren in einer Box mit Noten, Textbuch und einer Menge Gimmicks – das ist Songs For Christmas und deswegen ist es fast schon ein moderner Klassiker in der Indie-Welt. Egal, wo im Internet nach hörbarer Weihnachtsmusik fragt, Sufjan Stevens Box ist immer ein Tipp. Und das hat seine Berechtigung. 2 Stunden Weihnachtsmusik braucht natürlich kein Mensch, aber mit ein paar der 17 Eigenkompositionen und ein paar der Neuinterpretationen von traditionellen Weihnachtssongs kann sich sicher jeder Anfreunden und sich ein eigenes kleines Album zusammenstellen, dass dann sogar die Meisterleistung schafft ein und die selbe Stimmung auf unterschiedlichste Weise zu verbreiten. Auf den ersten beiden/drei EPs bleibt Stevens nämlich größtenteils sehr nah am Zuhörer und macht die Jahresschein meistens nur mit Banjo und unzähligen Gitarren schöner. Später kommen dann auch elektronische Elemente, Bläser und Streicher hinzu. Wie man merkt: ich will euch hier nicht meine Lieblingssongs von diesem Mammutwerk auftischen, denn im Endeffekt muss diese jeder selbst finden und genau das sollt auch wirklich jeder mal versuchen!

Neben einigen großartigen Songs muss man Sufjan aber auch zuschreiben, dass er nicht in das Muster verfällt Weihnachten als schreckliches konsumorientiertes Fest zu kritisieren und so allen den Spass verdirbt, sondern das Fest auch als solches darstellt und Freude, Freunde und Familie hier im Vordergrund stehen.

Trotzdem nochmal meine Auswahl an Songs: "It's Christmas, Let's Be Glad", "This Was The Worst Christmas Ever", "Come On! Let's Boogey to the Elf Dance!", "It's Christmas Time!", "Get Behind Me, Santa!", "Jupiter Winter/Sister Winter"

Mittwoch, 7. Dezember 2011

The Black Keys - El camino (Review)

Es war ja schon klar, welchen Weg die Black Keys hier gehen würden. Was sie mit Attack And Release und Brothers eingeleitet haben, denken sie auf „El camino“(spanisch: der Weg) konsequent weiter. Ein Stück weiter in Richtung Pop und ein Stück weiter weg von dem Rauch, der früher vor ihren Songs hing und von der Zweisamkeit von Gitarre und Schlagzeug; weiter in Richtung Glam. Das dabei alles nur Schein ist, kann man aber nicht sagen. Dafür sind die Black Keys einfach zu sehr sie selbst, nur beim Auto auf dem Cover haben sie bekanntlich ein bisschen geschummelt, sonst ist alles noch echt hier.

Wenn das nicht mehr so wäre, wäre der Aufschrei auch gar nicht mehr zu kontrollieren, den DIE aktuelle Blues-Rock-Band unter ihren Fans auslösen würde. Natürlich ist das hier Blues, was (ausser HipHop) können die Keys auch sonst. Aber eben mit den Mitteln eines Danger Mouse (Chöre, klarste Produktion, Synthie) und diesem neuen fetten Bass. Dass das funktionieren kann, zeigt „Gold On The Ceiling“, der der wohl poppigste Song der Keys aller Zeiten ist, dabei aber nur haarscharf daran vorbeischrammt peinlich zu werden und zu sehr nach AOR zu klingen. Der Song verleiht dem Album Abwechslung und bei seiner Ohrwurmqualität ist es auch mal zu verzeihen, dass man manchmal an Status Qou und Konsorten denken könnte. Die hat „Stop Stop“ zwar auch funktioniert mit seinen Kopfstimmenversuchen und den Handclaps aber einfach nicht wirklich auf diesem Album.

Aber zum Glück ist kein anderer Song ist so offensichtlich kitschig und „Little Black Submarine“ zum Beispiel zeigt, dass es auch anders geht und legt nach einem Akustik-Intro so los wie man es von den Black Keys gewöhnt ist und eigentlich sogar noch härter und so geht es auch weiter in „Money Maker“ , der zwar ein paar ‚ohohohoh‘s zu viel hat, aber sonst so trocken rockt wie man es sich von dieser Band nur wünschen kann. So sehr wie bei Brothers kann man sich also nicht beschweren darüber, dass sie ihren Stil aufgegeben hätten. Eher hört man hier die alten Stärken der Keys, die immer schon in Blues und Rock lagen mit neuen Einflüssen - ein Stück Reaggea in „Hell Of A Season“ z.B. – und einem gut produzierten lyrisch aber leider selbst für diese Band schwachem Gewand.

Wer die Black Keys also schon abgeschrieben hatte, sollte bei „El camino“ dann doch noch mal reinschauen. So wie früher werden sie nie mehr klingen aber auch in aufgeräumt liefern sie noch ein sehr gutes Rockalbum und wer kann schon was tun um die Hooks aus „Lonely Boy“ oder „Gold On The Ceiling“ effektiv aus seinem Kopf zu kriegen?

sehr gute 7/10


erstelllt von Leon.

Mittwoch, 30. November 2011

Low im Artsclub Sinkkasten/Frankfurt (Main) (26.11.2011; Konzertreview)

Am Anfang der Performance von Low dachten sich wahrscheinlich viele der Frankfurter Zuschauer, dass so eine Band doch eigentlich viel mehr Menschen anziehen müssten… und das taten sie auch. Dieser Sinkkasten, in der kleinsten Zeil-Nebenstrasse überhaupt platziert, ist nur einfach völlig unauffindbar und so kommt rund ein Drittel der Gäste erst später und füllt den Raum dieses Underground-Clubs dann doch noch ganz gut aus.

Auch ich bin zu spät und höre vom ersten Song „Try To Sleep“, der auch der Opener ihres aktuellen Albums ist, nur noch die letzte Minute, aber selbst dieser Ausschnitt zeigt schon Größe. Als eingespielte Combo brauchen Alan Sparhawk und Mimi Parker die ganze Extrainstrumentierung und die Soundexperimente der letzten Alben nämlich eigentlich gar nicht. Denn auch im Powertrio-Format, in dem sie hier auf der Bühne stehen, bringen sie Emotionen rüber wie kaum eine andere Band und zeigen jedem Zuschauer ihre Liebe, sowohl zueinander als auch zur Musik. Die kommt zwar auch zuhause vor der Anlage schon an, mit der Leidenschaft, die man Sparhawk aber ansieht und von der ganzen Band fühlt, verstärkt sich das Hörerlebnis nochmal zu einem echten Gefühlserlebnis. Die Wärme, die den Raum von den Marshall- und Orange-Türmen her ausfüllt, fügt sich schon ein bisschen in die Vorweihnachtsstimmung und es wäre verständlich gewesen, wenn sie gleich etwas von ihrer Christmas EP gespielt hätten. Das ist aber eigentlich gar nicht nötig. Den Geborgenheitseffekt hat man auch so und heute stehen eigentlich die neueren Alben im Vordergrund.

Fast jeder Song wird mit einem kleinen Gitarrensolo eingeleitet und dann vom minimalistischen und fast vorsichtig aussehenden Drumming von Mimi Parker und dem interessanten Bassspiel von Steve Garrington komplettiert. Aber eigentlich ist der Star der Gesang: Manchmal unterstützt Mimi Alan wie bei „Witches“, das ohne das Banjo sogar direkter und auch ein bisschen dreckig rüberkommt und dem abschließenden „You’re all weak“ nochmal Nachdruck verleiht, und manchmal unterstützt Alan Mimi, und das führt wie in „You See Everything“ dann zu Highlights eines großartigen Konzerts.

Zu denen gehören aber auch die seltenen Ansagen von Alan Sparhawk, der einen Song namens „Love Is Forever“ - wo auch immer der jetzt herkam - mit den Worten einleitet: ‚This song is titled „Love Is Forever“. I don’t know how this translates, man. But in every language it’s awesome.’ Auf eine seltsame Weise fühlt man sich verbunden mit diesem Mann und er sich auch mit dem Publikum. Voller Freude erzählt er vom 2-jährigen Aufenthalt seines Bruders in Frankfurt und dass der hier 15 Kilo zugenommen hat und auch bei der Zugabe, in der Low die Lieblingssongs des Publikums spielen wollen, scheint er sich über jeden Wunsch zu freuen, der ihm zugebrüllt wird und Songs wie „July“ werden zu einem krönenden Abschlusseines Konzerts, das durch seine Atmosphäre voller Liebe und Sympathie wirklich berührt.

Für das nächste Mal, wenn es Low nach Mitteleuropa verschlägt, steht von mir also auf jeden Fall eine Empfehlung!

Sonntag, 27. November 2011

Alternative Christmas: Low – Christmas EP

Egal, wo man hingeht zu dieser Zeit, zu der die ersten Weihnachtsmärkte die Weihnachtssaison endgültig eingeläutet haben: Man wird von allen Seiten mit „Last Christmas“, „White Christmas“, „Coming Home For Christmas“ oder irgendeinem anderen Song vollgedudelt, der das Wort ‚Christmas‘ im Namen trägt. Das führt bei Menschen mit dem geringsten Anzeichen von Musikgeschmack dann leider zu einem immer größer werdenden Hass auf diese Zeit, der nicht wie bei anderen durch die materialistische Umdeutung der Nächstenliebe oder die zufällige Festlegung eines Feiertages entsteht, sondern nur durch den Willen seinen Gehörgang vor Vergewaltigung zu schützen… Ich spreche da aus Erfahrung und will ab jetzt jeden Adventssonntag ein bisschen Abhilfe schaffen.

Diesmal mit einem Weihnachtsgeschenk von Low, die dieses Jahr schonmal mit ihrem aktuellen Album C’mon hier auftauchten. Zum Anfang will ich nämlich etwas bieten, das man tatsächlich auch mit der ganzen Familie hören kann. Denn die Mormonen von Low lassen sich auf ihrer Christmas EP nicht zu Glaubenskritik verleiten, sondern interpretieren u.a. Weihnachtssongs wie „Silent Night“ oder „Little Drummer Boy“ in ihrem eigenen langsamen, spärlich instrumentierten Stil und ganz ohne Schmunzeln oder Augenzwinkern – und ohne finanzielle Ambitionen erst Recht. Dieses Weihnachtsalbum kommt von Herzen und nur von Herzen wie alle Musik von Low. Obwohl dieses Mal auch Ideen aus der Bibel umgesetzt werden; in „Long Way Around The Sea“ besingen Alan Sparhawk und Mimi Parker in ihrer typischen Art, die nicht besser zu Tannenbaum und Schnee passen könnte, nämlich die 3 Weisen und die Probleme, die sie mit Herodes hatten oder umgekehrt. Das, was man dem Album aber am meisten anrechnen muss, ist, dass es sich nicht auf seiner komfortablen Position als hörbares Weihnachtsalbum ausruht, sondern mit dem Opener „Just Like Christmas“, der mit aller möglichen Perkussion wie z.B. Glocken aufwartet, auch noch neue schnelle und lebensfrohe Wege im Kosmos dieser Band beschreitet.

Die Christmas EP ist also ein Tipp für jeden, der von Weihnachtsmusik genervt ist. Eckt kaum an. Auch für Gläubige und fanatische Christbaumschmücker geeignet!

Samstag, 15. Oktober 2011

Wavves - Life Sux EP (Review)

Auch wenn Nathan Williams polarisiert, mangelnde Produktivität in Sachen Veröffentlichungen kann man ihm nicht vorwerfen. So hat er seit 2008 jedes Jahr neues Material vorgelegt, auch wenn es diesmal "nur" eine EP ist, die musikalisch betreacht im Wavves-Kosmos durchaus ihre eigene Nische besetzt.

Man hat sich vom Surf Punk des sehr guten Vorgängers "King of the Beach" ein kleines Stück entfernt und bietet jetzt 5 Tracks, deren Stil auf Indierock, 90er-Alternative, und Punk-Energie aufbaut. Im Vergleich zur letzten LP ist das Endprodukt verschrobener, das Gitarren-Feedback hat wieder zugenommen. Herausgekommen sind Songs die schnell ins Ohr gehen und alle einen Drive besitzen, der sie aus der Masse hervorhebt. Das ist auch nötig, denn die musikalische Richtung die Wavves eingeschlagen sind, ist von vielen derzeit aktuellen Bands gewählt worden. No Age und Best Coast lassen grüßen. Letztere sind übrigens auch auf "Life Sux" vertreten und waren an der Entstehung von "Nooding Off" beteiligt. Das hört man auch raus, denn dieses klingt wie ein klassischer Best Coast Song nur etwas verschrobener und mit männlichen Vocals.

Eindeutiges Highlight des kleinen Werks ist für mich "Poor Lenore" bei dem deutliche Einflüsse von Alterntive-Rock aus den 90ern mit einer eingängigen Hook kombiniert werden. Einziger Tiefpunkt hingegen ist "Destroh", welches erst vielversprechend beginnt dann aber Vocals der Band Fucked Up enthält, mit denen ich wenig anfangen kann. Die Texte sind wie erwartet nicht besonders tiefgängig und auch ein bisschen mehr Originalität könnte nicht schaden. Es ist aber auch so eine gute Veröffentlichung für zwischendurch geworden, die durchaus kurzweilige Unterhaltung bietet. Weltbewegendes darf man allerdings nicht erwarten.

7/10 Punkte




erstellt von Markus.

Dienstag, 20. September 2011

Neon Indian - Era Extraña (Review)

Es brauchte nur die 2-minütige Passage vom, an Hudson Mohawkes "Octan" von der "Satin Panthers" EP erinnernden, Opener über den Beginn des 2. Songs, bis zum Eintritt der Hook, um zu erkennen, dass Alan Palomo immer noch eins wunderbar kann: eingängige, jugendlich klingende Electropop-Songs schreiben. Mit "Polish Girl" hat man den ersten Höhepunkt früh entdeckt, der gleichzeitig auch schon die wichtigsten Veränderungen zum Vorgänger "Psychic Chasms" aufzeigt.

Im Prinzip macht Neon Indian nichts bedeutend anderes als vor 2 Jahren, doch der Sound der Platte ist im Vergleich zu früher ein anderer. "Era Extraña" klingt um einiges weniger schrill und grell leuchtend, dafür aber homogener und auch etwas tiefer, zu dem wurde auch das Shoegaze-Element noch etwas weiter verstärkt. So kann man feststellen, dass die beiden Alben des Amerikaners jeweils ihren eigenen Klang besitzen, der es auch Außenstehenden ermöglichen sollte, Neon Indian Tracks zeitmäßig einzuordnen. Sehr gute, spaßige Popsongs kann er wie anfangs erwähnt immer noch schreiben, allerdings sind jetzt auch ernsthafte Instrumentalstücke möglich, wie "Heart: Release" zeigt, das aufgrund seiner Atmosphäre an Künstler wie Mondkopf erinnert. Ein Stück, das ich vor der Veröffentlichung nicht von ihm erwartet hätte.

Auch wenn der Soundentwurf von Neon Indian eigenständig klingt, so werden beim Hören der Platte immer wieder Assoziationen zu anderen Acts geweckt. So klingt "Heart: Decay" wie eine extrovertierte Version eines Boards Of Canada Songs, "The Blindside Kiss" weckt Erinnerungen an zahlreiche Shoegaze-Bands, "Arcade Blues" lehnt sich mit seinem verzerrten Synthie in der Hook stark an den Titeltrack des 2009er Albums an, "Hex Girlfriend" erinnert mich an einen Echt-Song und anderen 90er-Jahre-Gitarrenpop und öfters findet man Ähnlichkeiten zu anderen Chillwave-Acts wie Millionyoung und Dunian. Mit den anderen 2 bekannten Vertretern des Chillwave Hypes, Washed Out und Toro Y Moi, die sich auf ihren diesjährigen Alben mehr an Soft-, Dream- und Indiepop orientierten, hat "Era Extraña" allerdings nicht mehr viel zu tun.

Neben diesen ganzen Stellen, die auf andere Künstler verweisen, hat die LP auch definitiv ihre eigenen großen Momente. Neben den bereits erwähnten "Polish Girl", "Heart: Release" und "The Blindside Kiss" ist das vor allem das großartige "Halogen (I Could Be a Shadow)" in dem Alan Palomo erneut beweißt, dass er ein Händchen für jugendlich anmutenden, mitreißenden catchy Electropop hat. Die einzigen Dinge, die "Era Extraña" davon abhalten eine wirklich herausragende Veröffentlichung zu sein, ist der Zustand, dass der ein oder andere Track "leider" nicht mehr als solide ist und nicht wirklich hängenbleibt und dass das Ganze auf "Psychic Chasms" noch eine Spur frischer und kurzweiliger wirkte. Ein zweifellos gutes Album ist es aber dennoch.

7/10 Punkte

Neon Indian "Polish Girl" from Dot & Effects on Vimeo.




erstellt von Markus.

Sonntag, 18. September 2011

Astronautalis – This Is Our Science (Review)

Charles Andrew Bothwell müsste eigentlich Franzose sein so sehr wie sich seine Musik anhört wie ein vertonter Jules Verne-Roman. Er könnte auch irgendwo in der Nähe von Nashville aufgewachsen sein und sich dann nach Los Angeles begeben haben um Beck nachzueifern. Tatsächlich kommt Bothwell, der mit „This Is Our Science“ hier sein 4. Album als Astronautalis vorlegt, aber aus der Großstadt Jacksonville in Florida – nur so als Randnotiz.

Astronautalis ist nämlich sowieso schon längst abgehoben und trauert jetzt mit seiner Band aus der Vogelperspektive seiner Zeit auf der Erde nach. Dazu entwickelt er einen ziemlich eigenen Mix aus HipHop, Südstaaten-Folk, Elektronika und übergroßer Popgeste, die auf der Erde auch gar keinen Platz finden würde. Das Ganze passiert auf ganz unterschiedliche Arten, was auch an der Stimme liegt, die sich von auf der ganzen Platte extrem wandelbar zeigt. Vor der Aufnahme vom indisch anmutenden „Holy Water“ war wahrscheinlich die Aufnahme von viel rauchigem Whiskey nötig, wohingegen vor dem kleinen Alternative Country-Ausflug „Measure The Globe“ eine Gesangsstunde von Tegan Quinn gestanden haben könnte.

Die Tegan and Sara-Hälfte leiht ihre Stimme nämlich einem Song und „Contrails“ wird dadurch zu einem der stärksten Songs der Platte. Denn zusammen schaffen es die beiden den Song trotz des gewichtigen Refrains interessant zu bleiben. Das funktioniert nämlich nicht immer, da Songs wie „Lift The Curse“ weit über das Ziel hinausschießen in ihrem Pomp. Eigentlich trifft das sogar für andere starke Songs zu wie den Opener „The River, The Woods“, aber die Galle, die hier aus Astronautalis sprüht und die Musik, die an den Post-Rock-beeinflussten Stil von Casper erinnert. Die Parallelen zu XOXO sind sowieso leicht zu ziehen, wobei Astronautalis aber leider schlechter abschneidet, da die Gesamtstimmung der Platte viel zu sprunghaft ist und einige Stile, die er einbringt einfach nicht passen wollen.

So stehen langweilige Indie-Pop-Liedchen hier neben astreinen modernen HipHop-Tracks, die mal an Casper, mal an Ghostpoet und mal an Rhymesayers-Rapper erinnern. Das kann er auch nicht mit seinen Geschichten rausreißen, die sich in jedem Genre behaupten könnten und das oft super eingesetzte Klavier sorgt eben auch für die Over The Top-Momente. Typischer Fall von überambitioniertem Künstler also…

7/10 Punkte


erstellt von Leon.

Dienstag, 30. August 2011

YOB - Atma (Review)

Bei einem neuen YOB-Album ist klar, was man bekommt: zermürbenden dröhnenden Doom-Metal, der Längen hat, aber im besten Sinne des Wortes brutal und gleichzeitig tranceartig in die Gehirne der Hörer eindringt. Und genau das haben sie auch abgeliefert und das sogar noch traditioneller als je zuvor. Bis auf die Effekte auf den Vocals ist hier nämlich alles ziemlich angestaubt, wobei die Riffs, die mit Brutalität zelebriert werden, diesen Staub ganz einfach wieder abklopfen können.

Das kann in einigen Momenten an Doom-Metal-Veteranen wie Electric Wizard oder Sleep erinnern, aber klingt über die Gesamtlänge eines Tracks gesehen eher wie eine sehr langsame Bison B.C.-Version. Yob haben sich nämlich in den Kopf gesetzt Songs nicht zu formen, weil sie ein Riff abfeiern wollen, sondern um eine religiöse Geschichte rund um das Atma zu erzählen. Im Zusammenhang mit den Gesangseinsätzen gibt es immer wieder einen kleinen musikalischen Wechsel, der nicht nur aus einem Schlagzeug-Fill besteht – die gibt es sowieso schon in großen Mengen.

Selbst bei ruhigen Teile wie dem, der etwa in der Mitte vom 16-Minuten-Monster „Before We Dreamed Of Two“ mit Meeresrauschen und verhallter Gitarre auftritt, schaffen sie es bedrohlich und kraftvoll zu klingen. Das fügt dem Song eine neue Ebene zu, was nicht heißt, dass man die Stimmungswechsel nicht nachvollziehen kann und erst Recht nicht, dass hier irgendetwas außer Doom gespielt wird.

Bis zum letzten, versöhnlichen Ton des letzten Songs „Adrift In The Ocean“ gehört auf Atma alles zusammen und alles drängt aus den Lautsprechern direkt ins Stammhirn, wenn man auf den Sturm achtet, den jedes Drumfill und jeder neue Takt, den die Gitarre runterbetet, entfacht. Bei all der Tradition, die das Album ausübt, hebt sich aber leider selten etwas ab und über eine Länge von 55 Minuten wird die Hörerschaft wahrscheinlich weiter ziemlich begrenzt sein. Für alle, die gerne lange tiefe Töne eingehämmert bekommen, ist das Album eine Fundgrube von genialen Stellen. Alle anderen kann es eigentlich nur bei einer ganz bestimmten Stimmung umhauen für die sind wir noch nicht tief genug im Herbst.

7/10 Punkte


erstellt von Leon.

Donnerstag, 11. August 2011

Washed Out - Within and Without (Review)

Es ist aus kommerzieller Sicht etwas ungünstig, wenn man zur Speerspitze eines Hypes rund um ein kleines neues Genre gehört und dann seine Debut LP etwa 2 Jahre zu spät, nach der Beruhigung der Gemüter und dem Abflauen der Aufregung, veröffentlicht. Ernest Greene, aka Washed Out hat es aber trotzdem getan und für den Hörer ist das von Vorteil, denn er kann das Album nun ohne die Vernebelung des Hypes konsumieren. Wäre der übrigens nie losgetreten worden, würde man einfach von verträumten, entspannten Electropop gekennzeichnet durch eine Shoegaze ähnliche Soundichte, sprechen.

Egal wie man den Stil nun vorhat zu nennen, es klang bisher ziemlich gut, was der Heer produziert hat. Seine "Life of Leisure" EP sollte man sich allein wegen dem großartigen "You'll See It" anhören und auch die Tracks, die 2010 veröffentlicht wurden, wie "Belong" und "You And I", sorgten für größer werdende Vorfreude auf seinen ersten Langspieler. Doch nun ist "Within and Without" da und es folgt, um es mal vorwegzunehmen, die Ernüchterung.

Im Prinzip hat sich nicht viel geändert, Washed Out klingt immer noch nach Washed Out, aber 2 Veränderungen fanden doch statt. Zum einem dümpelt die Musik nun noch unaufgeregter und entspannter aus den Boxen. Zusammen mit Greenes ruhigem, verträumtem aber auch äußerst monotonem Gesang, ergibt das ein höchst gechillte, ja fast einschläfernde Mischung. Dass die Songs im Vergleich zu den früheren aber auch eine gewisse Spritzigkeit eingebüßt und einen Stück weit ihren Drive verloren haben, wo wir bei der 2. Veränderung wären, tut der Platte somit erst Recht nicht gut. Dabei hat er doch ein Händchen für wirklich gute Popsongs.

Man höre sich nur einmal "Amor Fati" an. Der Beat geht nach vorne, die Synths sind wunderschön und eingängig und über allem tönen die gedämpften Vocals Ernest Greenes. Ein Sommertraum. Auch die ruhigeren Stücke wie "Far Away" wissen durch ihre Stimmung zu gefallen. Auch dass "Soft" an Balearic Acts wie Air France erinnert, sorgt für Freude. Doch das Problem der Platte ist, dass all die genannten und sonstigen guten Tracks alleine wunderbar funktionieren, aber zusammen auf einem Album zu einer trägen Masse mutieren und langweilen. Wahrscheinlich hätte das ganze als EP mit den besten 5 Stücken wesentlich besser funktioniert.

Schlecht ist "Within and Without" sicherlich nicht, es ist nett, bisweilen aber, besonders zum Ende hin, eher lahm. Die Nachfolgende Punktzahl müsste eigentlich niedriger ausfallen und resultiert daraus, dass 5 Punkte für die Songs an sich einfach zu wenig sind. Vielleicht wächst das Album noch und die Songs sind irgendwann gemeinsam genauso stark wie allein, falls nicht, kann man sie ja immer noch einzeln genießen.

6/10 Punkte




erstellt von Markus.

Freitag, 15. Juli 2011

Portugal. The Man - In The Mountain In The Cloud (Review)

Der Vertrag mit dem Warner-Tochterlabel Atlantic muss für Portugal. The Man tatsächlich ein Deal gewesen sein. Für all die Streicher, verschiedenen Synthies und Amps, die sie bekommen haben, haben sie halt ein Pop-Album geschrieben. Gleichzeitig kann man „In The Mountain In The Cloud“ aber auch einfach als Fortführung der Entwicklung Richtung Massentauglickheit sehen, die schon nach ihrem 3. Album „Censored Colors“ von 2008 begonnen hat. Wie man es auch sehen will: Eine erneute Neuerfindung ist ihnen nicht gelungen, aber so richtig das, was man von P.TM erwartet hat, ist es auch nicht geworden.

Das 6. Album der Bandgeschichte hört sich danach an als hätten sie ihre Vorbilder aus den 60ern – also Beatles, Beach Boys, Kinks – auseinander genommen und versucht das Chaos, das daraus und aus den Möglichkeiten entstanden war aufzuräumen indem sie ein bisschen Prog als Kleber dazu geben. Das hat auch gut funktioniert – auch weil sie die neuen Produktionsmittel zu ihrem Vorteil nutzen konnten.

Der Stil auf der neun Platte ist dabei immer noch genauso eindeutig wie auf dem Großteil der Vorgänger: Hier bekommt man sonnigen Psychedelic-Pop, der die typischen souligen Vocals enthält. Aber es hätte eben alles noch ein Stück besser funktioniert, wenn die Band das Fünkchen Prog wieder eingesetzt hätte um ähnliche Verbindungen zwischen den Songs wie bei „Satanic Satanist“ von 2009 herzustellen. Manche Sprünge von Song zu Song sind so nämlich schlecht nachzuvollziehen obwohl eigentlich jeder Song in das Album hineinpasst.

Gerade die Texte, die häufig eine religionskritische Note tragen, zeigen, dass hier immer noch eine Albumband vor einem steht. Aber auch ein Song wie das 2-teilige „Share With Me The Sun“, das die sonnige Atmosphäre des ganzen Albums im Namen trägt und sowohl in den ersten rockigeren und 60s-lastigeren als auch in den späteren, mehr von Folk-Rock inspirierten Teil - der Fans von David Bowie gefallen wird - passt, stellt diese Eigenschaft von P.TM nochmal heraus. Sogar so gegensetzliche Songs wie das dunkle „All Your Light (Times Like These)“ und das durchgehend euphorische „Everything You See (Kids Count Hallelujah)“ können sie durch ein krachiges Ende beim 2.-genannten Song und die mehrfachen Synthies von Ryan Neighbors, die sich als roter Faden durch das Album ziehen, miteinander vebinden.

Durch einen langwierigen und für ihre Verhältnisse sehr langen Aufnahmeprozess sind Portugal. The Man also mehr als jemals zuvor zu einer Popband geworden, schaffen es dabei aber durch das Folk-Prog-Meisterwerk „Sleep Forever“ gleichzeitig einen der besten Songs ihrer Karriere zu schreiben. Und Solos sind mal sowas von immer noch cool!

9/10 Punkte


erstellt von Leon.

Sonntag, 12. Juni 2011

Black Lips - Arabia Mountain (Review)

Ein paar Stichwoerter zu den Black Lips: Flucht aus Indien wegen homosexueller Handlungen auf der Buehne 2009, fast Werbung fuer Tepco 2008 (religioese Befuerchtungen), Texte des letztes Albums behandeln den Fall Josef Fritz, dem grossen schwarzen Babyjesus von heute, seinen Vater zu verpruegeln, Gott mithilfe von Marijuhanna zu sehen und natuerlich homosexuellen Handlungen. Um das neue Album zu produzieren musste also jemand gefunden warden, der sich mit Desastern auskennt, gesucht und gefunden haben sie also Mark Ronson.

Der hat den LoFi-Garage-Punk, den die Jungs liebevoll flower-punk nennen, ein bisschen aufgeraeumt und nach dem 2009er Psychdelic-Ausflug “200 Houndred Thousand” auch wieder zur alten Kompaktheit gefuehrt. Leider muss man da sagen. Es macht zwar alles einen Hoellenspass, was da in 40 in 16 Stuecke unterteilten Minuten aus den Boxen kommt, aber die Songs haben im Vergleich zu frueheren Black Lips-Alben an Gesicht verloren. Es ist so als haetten sie alles, was es auf den letzten Alben als Neuerungen gab wieder rausgenommen. 4-Minuten-Songs sind nicht mehr vorhanden ausser dem tatsaechlich grossartigen “You Keep On Runing”, das eine Atmosphaere zwischen der Friedhofsmusik von Timber Timbre im Stonergewand einfuehrt. Auch “The Lie” als anderer Song ueber 3 Minuten hat mit seiner dunkleren Stimmung Wiedererkennungswert.

Das heisst nicht, dass die anderen Songs schlecht sind, aber an einige kann man sich schlecht erinnern. Der Sidekick, den “Modern Art” mit seinem Geister-Keyboard hat oder “Mad Dog” mit einem Saxopon wie vom Schrottplatz oder “Mr. Driver” aufgrund seiner “Uuuhh”s, fehlt in vielen der Songs, die dann einfach wie ein Sunshine Pop-Song mit Krach oder nach Freak Beat klingen. Um sich an den Melodien festzukrallen sind 120 dann manchmal einfach zu wenig.

Die Musik ist also einfacher geworden, dafuer ist es umso schwerer in das Album tatsaechlich hereinzufinden. Aber an Hits wie Go Out And Get It, Bone Marrow oder Family Tree hat man ja was wohin man immer wieder zurueckkommen kann. “Arabia Mountain” hat genauso viel Intelligenz im Songwriting und im Albumaufbau wie fruehere Black Lips-Alben, nur ist diese im neuen popigen Grundton viel schwerer zu erkennen.

7/10 Punkte


erstellt von Leon.

Freitag, 10. Juni 2011

Battles - Gloss Drop (Review)


Dass in einem Zeitraum von 4 Jahren eine Menge passieren kann, haben spätestens jetzt auch Battles erlebt. In der Zeit zwischen ihrem letzten Album "Mirrored" und ihrem neuen "Glass Drop" verlor die Band nicht nur den an Mikro, Gitarre und Keyboards tätigen Tyondai Braxton sondern machte dazu auch gleich eine Stilveränderung durch, wenn auch keine große. Der Hörer hat es nicht mit dem schrägen, teilweise recht sperrigen Version des Math Rocks mit hochgepitchten Vocals zu tun, den man vom Debut kennt, jedoch mit einer wesentlich freundlicheren und lockerer klingenden Variante. Die elektrisch verfremdeten Vocals mussten nun den Gesangparts von u.a. Matias Aguayo und Gary Numen weichen, was dazu führt, dass sich Battles mit der neuen Platte auch immer mehr dem Dancefloor zuwenden. Eine Einschätzung, die auch auf der Energie und Spielfreude der Platte beruht.

Vor allem ist "Gloss Drop" eins: ständig in Bewegung, ja das ganze Album scheint von einer Spur der Euphorie durchzogen zu sein, was dazu führt, dass es eingängig und leicht zugänglich ist. Weniger leicht ist es allerdings Vergleiche mit anderen Bands herzustellen, eine Mischung aus dem Debut von Foals, Shogun Kunitoki und El Guincho trifft es am ehesten. Auf jeden Fall handelt es sich um ein gelungenes Album ohne Ausfälle. Einzige Kritikpunkte: wirkliche Highlights fehlen und mir persönlich ist der Stil auf über 50 Minuten doch etwas zu eintönig. Wer allerdings auf Math Rock und Artverwandtes steht, sollte unbedingt mal reinhören.

6/10 Punkte




erstellt von Markus.

Mittwoch, 1. Juni 2011

Death Cab For Cutie - Codes & Keys (Review)

Das letzte Death Cab-Album “Narrow Stairs” ist schon wieder 3 Jahre her und im direkten Vergleich merkt man die relativ grosse Zeitspanne zwischen den Alben auch. Wo vor 3 Alben vor allem im Studio und mit den Instrumenten, die nunmal in einer Rockband vorhanden sind, ziemlich spontan ein Album zusammengewuerfelt wurde, ist “Codes & Keys” eine durch und durch geplante Angelegenheit mit Keyboardunterbau und Streicherarangements, die auf dem neuen Longplayer ein staendiger Begleiter sind. Zusammen machen sie Chris Wallas Gitarre eher zu einem Fundament auf denen die Synthesizer dann ihre freundlichen aber doch oft sumpfigen Parts spielen koennen oder ueber die die Geigen versoehnliche Pop-Melodien legen.

Denn vor allem das ist “Codes & Keys”, ein versoehnliches Pop-Album. Die Texte handeln groesstenteils vom Gluecklichsein und von seiner Lebenssituation mit Zooey Deschanel. Das ist nicht immer ueberschwaenglich froehlich, aber die pessimistische, ergreifende Stimmung, die die Texte auf den Vorgaengern oft zur Folge hatten, kommt nicht auf, wenn Trauriges kaum ausgesprochen schon wieder ins Aufmunternde umgekehrt wird wie in “And if you feel just like a tourist in the city you were born/ Then it's time to go/ And define your destination/ There's so many different places to call home” aus der Vorab-Single “You Are A Tourist”. Ben Gibbard hat seine poetische Ader nicht verloren wie man auf dem Titeltrack “Codes & Keys” in Zeilen wie “You're on the floor/ Fearful of what's outside your door/ But the codes and keys/ They can protect you/ From the pangs of jealousy” sieht, aber dem eingefleischten DCFC-Fan wird in diesem Meer von Liebesliedern eindeutig der Herzschmerz-Faktor fehlen.

Der Herzschmerzfaktor haette auch zur Musik gar nicht gepasst. Die Mehrheit dieser Songs kommen naemlich eher aus dem Upbeat-Bereich und werden musikalisch von weiterentwickeltem Gitarrenpop – die ersten Sekunden erinnern stark an “Nullsummenspiel” von Kettcar - und mechanischen Elementen getragen – darum auch die vielen Vergleiche von “Doors Unlocked & Open” mit NEU!, der bei den Prog-Einfluessen, die der Song oder besser dieser Teil des Albums aufzeigt eigentlich seltsam klingt. Denn genau mit diesem Track beginnend sind 3 Songs suitenartig zusammengebunden. Nachdem “Doors Unlocked & Open” sich im Stil vom Death Cab-Hit “I Will Possess Your Heart” zu einer Hymne auf den Ausbruch aufschwingt, geht er in “You Are A Tourist” ueber, der mit griffigerer Hook richtige Stadionatmosphaere haben wuerde und das gleiche Thema auf der naechsten Eben bearbeitet. Darauf wiederum folgt “Unobstructed Views”, dass sich laangsam ueber seine 6:10, aber mi taller Entschlossenheit aufbaut um die Liebe zu feiern. Musikalisch ist sonst eigentlich nur noch das relativ schwache “Stay Young, Go Dancing” herauszuheben, weil es das Album akustisch abschliesst.

Fuer besonders viel Abwechslung wurde bei diesen 11 Songs also nicht geachtet, die Texte bieten nicht, was man erwarten konnte und Vieles ist schon zu hell und poppig. Schlecht sind die Songs dabei aber auch nicht wirklich, wobei das Prog-Dreierpack oder die Bass- und Blaesersolos in “Underneath The Sycamore”wirklich was koennen. “Codes & Keys” ist also bestimmt nicht ihr bestes Album, aber immerhin kein wirklich negatives und vielschichtiges Lebenszeichen nach 3 Jahren Entzug.

7/10 Punkte


erstellt von Leon.

Montag, 25. April 2011

Times New Viking - Dancer Equired (Review)

Bei den 5 Alben, die Times New Viking ueber die letzten 6 Jahre jetzt schon herausgebracht haben, kann man sie eigentlich nicht mehr als Newcomer bezeichnen. Fuer das Ohr des normalen Hoerers sind sie das aber, da man ihre Songs auf “Dancer Equired” das erste Mal wirklich hoeren kann. Von 2005 bis hin zum letzten Album Rip It Off waren TNV naemlich das perfekte Beispiel wie man LoFi uebertreiben kann. Die Aufnahmen, die sie in dieser Zeit auf Kassetenrekordern bzw. VHS-Kassette bei den Labels einreichhten, sind so voll von Rauschen, Krach und Brummen, dass man die Melodien, Rhythmen, Harmonien und Gesansparts – also alles – mit der Lupe suchen musste. Das hat der Band den zweifelhaften Ruf von “Shitgaze”-Pionieren eingebracht und ausser ein paar Extremisten alle abgeschreckt.

Jetzt im neuen Jahrzehnt sind sie fuer Merge zum ersten mal in ein Aufnahmestudio gegangen um den Noise etwas hinter die Musik zurueckzudraengen. Der Garage Rock-Ethos ist inen dabei jedoch nicht abhanden gekommen. Die Gitarren kreischen immer noch ab und zu, der Mix ist mies und die Vocals gruessen aus der Ferne. Gleichzeitig scheinen auf den 14 Songs, die sie in 31 Minuten unterkriegen aber eben auch die Gitarrenmelodien durch und die Gesangsharmonien kommen grossartig zur Geltung. Die Stimmen von Keyboarderin Beth Murphey und Drummer Adam Elliott sind als “gestimmte Instrumente” auch noetig – bei den ersten Hoerdurchgaengen auch um die Songs unterscheiden zu koennen...

Durch die Kuerze der Songs, nur 2 Songs ueberschreiten die 3-Minuten-Marke, wirken sie waehrend der Eingewoehnungsphase sehr aehnlich. Sind sie aber nicht: mit dem in Szene gestezten Quietsche-Keyboard wirkt “Ways To Go” wie eine Garage-Punk-Version der Doors, die Black Lips-aehnlichen “It’s A Culture”, die langsameren Rocker wie “No Room To Live”, das angepisste “Try Harder”, der 60er-Pop von “California Rolling” oder der aetherische Closer “No Good”.

So kommt leider das Album nicht richtig zusammen. Einen eigenen Sound hat es zwar, aber bei dem dreckigen Pop-Stil, den sie haben, muss jede Melodie sitzen und jeder Song kleben bleiben. Das funktioniert so leider noch nicht. Ein Gefuehl fuer Melodien haben sie zwar, mitreissen koennen sie auch, aber sie halten es nicht auf Albumlaenge durch. “Don’t Go To Liverpool” wirkt in Teilen zu sehr wie der schon erwaehnte Song “Ways To Go” mit wenig Energie, “More Rumours” ist ziemlich langweilig und mit 1:08 Minuten und damit rund einer halben Minute weniger als jeder der anderen Songs hoert “New Vertical Dwellings” sich wirklich an als wuessten sie nicht mehr es zu einem Song zu machen. Die guten Songs reissen das zwar mehr als raus, aber diese Filler geben dem Album einen bitteren Beigeschmack.

6/10 Punkte


erstellt von Leon.

Dienstag, 12. April 2011

Low - C'mon (Review)

Ein Grundsatz eines meiner Bekannten ist: Man kann Menschen generell immer wieder in 2 Kategorien einteilen. Menschen, die morgens duschen und die, die abends duschen zum Besipiel. Das jemand abends duscht merkt man selten, aber es kann morgens in der Schule oder bei der Arbeit eklig werden, gleichzeitig ist es aber bequemer als frueh aufzustehen. Bei Bands ist es da nicht anders: Man kann zum Besipiel sagen: Es gibt diese, die einen Sinn dafuer haben nicht peinlich zu klingen, Klischees gekonnt zu umgehen und diese, denen das egal ist. Erste Gruppe behaelt sich ihre Integritaet, bei zweiterer ist ab und zu fremdschaemen angesagt, wobei sie dabei aber lockerer klingen, wenn sie nicht gerade Majorpueppchen sind. Neben dieser Einteilung in 2 Gruppen sind aber auch immer Ausnahmen moeglich. “C’mon” von Low ist fuer mein Beisiel eines.

Nach 17 Jahren als Indie-Rock-Band inclusive eines stilschoepfenden Debuts und von da an immer wieder Veraenderungen in ihrem minimalistischen Sound. In all dieser Zeit ist diese Band zum Klassiker geworden und ist so identifiziert mit ihrer Musik, dass sie ab und zu ueberemotional warden und Dinge machen, die eigentlich peinlich sein muessten. Das strukturell an “Lullaby” von “I Could Live In Hope” erinnernde “Nothing But Heart” sollte mit der ewigen Wiederholung der gewollt-romantischen Zeile “I’m nothing but heart” doch eigentlich kitschig sein und zum fremdschaemen veranlassen – das gleiche bei der Zeile “My love is for free, my love” aus “$20”.
Low schaffen es nun aber, das Album so geschlossen zu gestalten, dass jeder dieser seltsamen Griffe, die sie einstreuen, zu einem grossen Ganzen zusammenwachsen; der Country aus von “Something’s Turning Over” kann nirgendwo anders stehen als am Ende zur Erholung von “Nothing But Heart”, weil er als einzelner Song einfach wirklich schlecht ist; das Banjo kann an keener anderen Stelle als in Witches eingesetzt warden, weil es etwas braucht, was in Stimmung bringt fuer den Al-Green-Imitat-Diss, wenn die Stimme schon keinen Unterschied zwischen einem solchen Text und einem Liebeslied macht. Gerade dieser Punkt koennte so wirken als waeren all die Emotionen auf diesem Album gespielt, aber der trockene Humor der dahinter steckt macht “All you guys out there tryin’ to act like Al Green/you’re all weak” zu einer sehr runden Zeile in “Witches”.

Gerade die Vielfalt an Veraenderungen von Song zu Song, die es so auf keinem vorigen Low-Album gegeben hat, machen dieses hier rund, weil so die Stimmungen der Tracks aufeinander reagieren koennen. Es gibt bei ihrem langsamen Folk-Rock Ausschnitte, die nach Sigur Ròs ohne musikalische Einschlafaufforderung klingen, ein Stueck Tow-Waits-grungige Gitarre - und das auf einem Low-Album – in “Nothing But Heart”, zurueckhaltende Elektronik auf “Majesty/Magic”, Andeutungen von Orchestralem auf “Especiaally Me” und die reduzierten “Done” und “$20”.

So fasst das Album die Karriere von Low nach dem Debut auf eine popige zusammen und wird bei einer breiten Instrumentierung von Pauken ueber Lapsteel, Geigen und Banjo neben den variantenreich benutzen Standardinstrumenten Gitarre und Piano und einem beachtenswerten Gesang zum besten Low-Album diesseits der 2000.

8/10 Punkte


erstellt von Leon.

Samstag, 26. März 2011

The Pains Of Being Pure At Heart - Belong (Review)

Dank ihres selbstbetitelten und sowohl von Kritikern als auch "normalen Hörern" recht positiv aufgenommenen Debutalbums dürften The Pains Of Being Pure At Heart den meisten Lesern hier ein Begriff sein und wahrscheinlich nicht wenige haben auch ihre neue Platte heiß erwartet. Von daher halten wir uns nicht lang mit dem Vorgeplänkel auf, sondern kommen direkt zum neuen Album der New Yorker, welches sich „Belong“ nennt und auf Grund des Erscheinens nur 2 Jahre nach dem ersten Album ein weiterer Beleg für die Produktivität der erst seit 2007 bestehenden Band, die trotz dessen neben nun 2 LPs schon einige Singles und EPs veröffentlicht hat.

Für „Belong“ konnte man Mark Ellis, aka Flood, als Produzenten ergattern, der schon für The Smashing Pumpkins, Depeche Mode und Nine Inch Nails hintern den Reglern stand. Dass die Gruppe sich jemand neues mit ins Studio geholt hatte, hört man dem Album definitiv an. Der Sound ist voller, die Synthies spielen eine stärkere Rolle und der Gitarren klingen wesentlich kräftiger als früher. Doch das Gesamtpaket klingt immer noch nach Pains Of Being Pure At Heart. Wie auch auf dem Debut gibt es eine harmonische, schüchtern romantische Atmosphäre, geprägt durch den verträumten, nuschelnden Gesang von Kip Berman, basierend auf den Strukturen simpler Popsongs die mit Texten über Liebe und das glückliche Außenseiterdasein in Zweisamkeit versehen sind. Das Ergebnis ist Indie und Jangle Pop, der sich erneut an Vorbilder wie Yo La Tengo, Teenage Fanclub und zahlreichen Bands der C86-Welle anlehnt, aber auch, im Gegensatz zu früher, mehr von The Smashing Pumpkins beeinflusst ist, man vergleiche den Anfang des, sich auf „Belong“ befindenden, „Even In Dreams“ mit dem, von Billy Corgan verfassten, „1979“.

Doch trotz geringer Veränderungen, die Stärken von TPOBPAH bleiben erhalten. Tolle Melodien, eine schöne Atmosphäre und die Fähigkeiten einfach gute und eingängige Popsongs zu schreiben, die Dinge die ihr Debut ausmachten, findet man auch hier wieder. Dem entsprechend gibt es auch wieder einige mehr als gelungene Momente, wie beispielsweise den Titeltrack und „Heart In Your Heartbreak“, welches besonders durch die eher simplen, aber schönen Zeilen im Refrain überzeugt: „She was the heart in your heartbreak / She was the miss in your mistake / And no matter what you take / you’re never / going to forget / She was the tear in a rainstorm / She was the promise that you would’ve sworn / And no matter what you say / it’s never gonna come back”.

Eigentlich ist die Platte also ein recht angenehmes Hörerlebnis, doch vergleicht man sie mit dem Vorgänger wird eins deutlich: Neben den, zum Teil bereits erwähnten, Highlights „Belong“, „Heavens Gonna Happen Now“, „Heart In You Heartbreak“ und „Even Dreams“ befinden sich mehrere Songs, die zwar allesamt solide sind, aber leider auf Grund gewisser Harmlosig- und Durchschnittlichkeit, halt auch nicht mehr sind. Demzufolge bleiben diese auch nicht im Ohr hängen, so dass sich das Hören, besonders zum Ende hin, nicht gerade spannend gestaltet. Letztendlich bleibt aber ein ordentlicher, positiver Eindruck, was zu folgender Bewertung führt:

6/10 Punkte


erstellt von Markus.

Montag, 14. März 2011

The Dodos - No Color (Review)

Ich war auf das Schlimmste eingestellt. “No Color” konnte bei dem melancholischen Titel ja eigentlich nur nach “Time To Die” aus 2009 klingen – und das klang damals schon durchschnittlich und ist nach 2 Jahren einfach nur noch belanglos. Das farblose Cover und die ernst wirkenden Songtitel haben mich auch nur weiter auf das Folk-Rock-Plaetschern mit Xylophon-Geklimper von vor 2 Jahren eingestellt.

Die Songs, die den Hoerer aber auf dem nun schon vierten der Band erwarten, zeigen erst wie sehr sie den schwachen Vorgaenger – sie hatten es damals als ein rockigeres Album angekuendigt - zum Auffrischen ihres Sounds gebraucht haben. Denn sie sind zwar wieder zurueckgekehrt, wo sie als “Folk-Band, die auf Muelltrommeln rumhaut” (Zitat von Meric Long zur Presse-Meinung) herkommen, gleichzeitig sind die Gitarren auf einigen Songs (“Going Under”) aber nicht nur rockig, sondern haben direct noisige Momente und bringen ein Gefuehl auf als befaende man sich in einem der entspannteren Akron/Family-Song. An anderen Ecken (“When Will You Go”) gehen sie in die Gegenrichtung und spielen mithilfe der fast permanenten Gesangsbegleitung der The New Pornographers-Saengerin Neko Case einige der poppigsten Momente ein, die man von ihnen je gehoert hat. Das liegt auch an der neuen, saubereren Produktion. Statt dass man die Drums in die Fresse gedonnert bekommt, fuegen sie sich jetzt doch deutlich mehr ins Bandgeschehen ein. Genaues Hinhoeren ist also auf jeden Fall gefordert.

Wenn man also einen typischen Song der Platte nimmt wie, sagen wir mal, “Don’t Stop” hoert man eine weiterentwickelte Version der Dodos von “Visiter” mit mehr Rock, mehr Pop, Spass daran, Neues an der Gitarre zu probieren und dann noch eine schoene Steigerung von einem entspannten Einstieg bis es am Ende aus einer volle-Energie-Phase wieder runterkommt. Hoert sich interessant an und waere es auch, wenn man als Beispiel oben nicht fast jeden Track einfuegen koennte. Wo sie 2008 neben ihren typischen Percussion-Folk-Songs noch akustische Fingerpicking-Songs, psychedelische Ausfluege und einen kleinen Freakfolker untergebracht hatten, ist hier der Aufbau einfach zu aehnlich, ihre Nische auch mit Hilfe von Streichern im spaeteren Teil von “No Color” noch zu klein.

Das System Dodos bzw. “Gamelan-Folk” ist also das 2. Album in Folge in einer Umbauphase. Leider fehlt in dem ganzen die Spannung einer Rebellion und man bekommt den Eindruck es koennte mit den kleinen Reformen, die sie durchfuehren, ein langer Weg werden. Oder wir haben naechstes Jahr ein Meisterwerk, was weiss man schon, was im Kopf von Meric Long vorgeht.

7/10 Punkte

Die Dodos heute:



Der Kopf von Meric Long (Auszug):











erstellt von Leon.