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Samstag, 4. Februar 2012

Of Montreal - Paralytic Stalks (Review)

Die Lage, in der sich Kevin Barnes im Moment befindet, kann man als Zwickmühle beschreiben. Egal, was er mit Of Montreal macht, ein Teil seiner Fans wird es hassen. Aber das hat er sich voll und ganz selbst zuzuschreiben - so oft wie er seine Stile hin und her wechselt und mit jedem Album immer wieder die Richtung völlig ändert. Es löst nun mal Enttäuschung aus, wenn auf ein Weirdo-Pop-Album voller Selbstreflektion wie „Hissing Fauna, Are You The Destroyer?“ auf einmal die totale Abstraktion des Sounds zwischen Funk, Pop, Rock und Electronica mit den schweinigsten Texten aller Zeiten folgt wie auf „Skeletal Lamping“ nur um darauf dann auf einmal ein von R’n’B beeinflusstes Pop-Album folgen zu lassen wie „False Priest“ und die Elektronik fast raus streicht. An der Veränderung ändert sich auch 2012 nichts, aber „Paralytic Stalks“ versucht sich wenigstens daran die letzten Jahre dieser „Band“ musikalisch zusammenzufassen.

Dass das in einem heillosen Chaos ausartet, dürfte jetzt nach der Beschreibung schon jedem klar sein. Wie gut es aber ist, erkennt man erst nach mehreren Hördurchgängen, weil man dieses ganze Album erst in Ansätzen begreifen kann, wenn man es wieder und wieder und wieder und wieder hört; wenn man die Songs beginnt aufzuschlüsseln; wenn man sich nicht mehr so wundert wie in dem Moment, in dem man die Songs der 2. Hälfte zum ersten Mal hört, sondern Zeit hat um Spaß beim Hören zu haben und die Energie zu spüren. Denn ohne das kommt man durch die letzten 4 Songs nicht. Viel zu oft passiert z.B. im Closer, dem 13-minütigen „Authentic Pyrrhic Remission“, nämlich einfach das, was man auch nach dem 20. Mal immer noch nicht erwartet, weil auch die Refrains nie einfach so mit der gleichen Melodie wiederholt werden. Aber: das fesselt dann so wie diese 70er-Jahre-Krautrock-Alben, die man zwar nie ganz versteht und trotzdem immer wieder hören will.

Das seltsame daran ist aber, dass das Intellektuelle hier so hinter Pop und Hooks (mehrere pro Song) versteckt, dass der NeoProg, den Barnes scheinbar für sich entdeckt hat, nicht nervt und auch nicht so klingt als würde er jetzt bewusst „den Hörer fordern“. Man hat bei dem Funk- und Pop-Lehrer Barnes einfach Freude am Unterricht und will höchstens mal in die Pause, weil er mit der übermotivierten Spielzeit von knapp einer Stunde wirklich übertreibt und mit den Noise-Attacken, die statt einer Viertelstunde nur 5 Minuten gebraucht hätten. Dass er das mit der Soundcollage beherrscht ist nämlich nach dem einzigen Instrumental „Exorcistic Breeding Knife“ schon klar - auch wenn es mit 8 Minuten Spielzeit an sich schon zu viel des Guten ist.

Zum Glück sind die Ausflüge in andere Extreme wie in den Quasi-Folk von „Malefic Dowery“ oder den abgehobene Psychedlic-Jam in „Ye, Renew The Plaintiff“ nicht so lang und immer gepaart mit den offenherzigsten Texten der letzten 5 Jahre Bandgeschichte. Da muss wohl wieder eine Ehe gerettet werden wie damals bei „Hissing Fauna…“, denn anders sind Zeilen wie “Other people can say there is a true belief system/ But all my life I've been betrayed by my mother's religion/ Too much bitterness” gar nicht zu erklären, die so einen tiefen Eindruck in Barnes‘ Bild vom Leben, der Religion, der Liebe und allem bieten. Man wünscht ihm das natürlich nicht, aber für Texte, die so viel Nähe zum Künstler aufbauen, brauchen viele nun mal eine problematische Lebenslage.

Also gute Besserung, Kevin… Mit diesem Album sollte es aber eigentlich nicht mehr so schwierig sein das alles wieder einzurenken – das haben schließlich auch schon andere geschafft, denen „Paralytic Stalks“ in nichts nachsteht.

8/10 Punkte (Tendenz aufwärts)


erstellt von Leon.

Freitag, 15. Juli 2011

Portugal. The Man - In The Mountain In The Cloud (Review)

Der Vertrag mit dem Warner-Tochterlabel Atlantic muss für Portugal. The Man tatsächlich ein Deal gewesen sein. Für all die Streicher, verschiedenen Synthies und Amps, die sie bekommen haben, haben sie halt ein Pop-Album geschrieben. Gleichzeitig kann man „In The Mountain In The Cloud“ aber auch einfach als Fortführung der Entwicklung Richtung Massentauglickheit sehen, die schon nach ihrem 3. Album „Censored Colors“ von 2008 begonnen hat. Wie man es auch sehen will: Eine erneute Neuerfindung ist ihnen nicht gelungen, aber so richtig das, was man von P.TM erwartet hat, ist es auch nicht geworden.

Das 6. Album der Bandgeschichte hört sich danach an als hätten sie ihre Vorbilder aus den 60ern – also Beatles, Beach Boys, Kinks – auseinander genommen und versucht das Chaos, das daraus und aus den Möglichkeiten entstanden war aufzuräumen indem sie ein bisschen Prog als Kleber dazu geben. Das hat auch gut funktioniert – auch weil sie die neuen Produktionsmittel zu ihrem Vorteil nutzen konnten.

Der Stil auf der neun Platte ist dabei immer noch genauso eindeutig wie auf dem Großteil der Vorgänger: Hier bekommt man sonnigen Psychedelic-Pop, der die typischen souligen Vocals enthält. Aber es hätte eben alles noch ein Stück besser funktioniert, wenn die Band das Fünkchen Prog wieder eingesetzt hätte um ähnliche Verbindungen zwischen den Songs wie bei „Satanic Satanist“ von 2009 herzustellen. Manche Sprünge von Song zu Song sind so nämlich schlecht nachzuvollziehen obwohl eigentlich jeder Song in das Album hineinpasst.

Gerade die Texte, die häufig eine religionskritische Note tragen, zeigen, dass hier immer noch eine Albumband vor einem steht. Aber auch ein Song wie das 2-teilige „Share With Me The Sun“, das die sonnige Atmosphäre des ganzen Albums im Namen trägt und sowohl in den ersten rockigeren und 60s-lastigeren als auch in den späteren, mehr von Folk-Rock inspirierten Teil - der Fans von David Bowie gefallen wird - passt, stellt diese Eigenschaft von P.TM nochmal heraus. Sogar so gegensetzliche Songs wie das dunkle „All Your Light (Times Like These)“ und das durchgehend euphorische „Everything You See (Kids Count Hallelujah)“ können sie durch ein krachiges Ende beim 2.-genannten Song und die mehrfachen Synthies von Ryan Neighbors, die sich als roter Faden durch das Album ziehen, miteinander vebinden.

Durch einen langwierigen und für ihre Verhältnisse sehr langen Aufnahmeprozess sind Portugal. The Man also mehr als jemals zuvor zu einer Popband geworden, schaffen es dabei aber durch das Folk-Prog-Meisterwerk „Sleep Forever“ gleichzeitig einen der besten Songs ihrer Karriere zu schreiben. Und Solos sind mal sowas von immer noch cool!

9/10 Punkte


erstellt von Leon.

Sonntag, 12. Juni 2011

Black Lips - Arabia Mountain (Review)

Ein paar Stichwoerter zu den Black Lips: Flucht aus Indien wegen homosexueller Handlungen auf der Buehne 2009, fast Werbung fuer Tepco 2008 (religioese Befuerchtungen), Texte des letztes Albums behandeln den Fall Josef Fritz, dem grossen schwarzen Babyjesus von heute, seinen Vater zu verpruegeln, Gott mithilfe von Marijuhanna zu sehen und natuerlich homosexuellen Handlungen. Um das neue Album zu produzieren musste also jemand gefunden warden, der sich mit Desastern auskennt, gesucht und gefunden haben sie also Mark Ronson.

Der hat den LoFi-Garage-Punk, den die Jungs liebevoll flower-punk nennen, ein bisschen aufgeraeumt und nach dem 2009er Psychdelic-Ausflug “200 Houndred Thousand” auch wieder zur alten Kompaktheit gefuehrt. Leider muss man da sagen. Es macht zwar alles einen Hoellenspass, was da in 40 in 16 Stuecke unterteilten Minuten aus den Boxen kommt, aber die Songs haben im Vergleich zu frueheren Black Lips-Alben an Gesicht verloren. Es ist so als haetten sie alles, was es auf den letzten Alben als Neuerungen gab wieder rausgenommen. 4-Minuten-Songs sind nicht mehr vorhanden ausser dem tatsaechlich grossartigen “You Keep On Runing”, das eine Atmosphaere zwischen der Friedhofsmusik von Timber Timbre im Stonergewand einfuehrt. Auch “The Lie” als anderer Song ueber 3 Minuten hat mit seiner dunkleren Stimmung Wiedererkennungswert.

Das heisst nicht, dass die anderen Songs schlecht sind, aber an einige kann man sich schlecht erinnern. Der Sidekick, den “Modern Art” mit seinem Geister-Keyboard hat oder “Mad Dog” mit einem Saxopon wie vom Schrottplatz oder “Mr. Driver” aufgrund seiner “Uuuhh”s, fehlt in vielen der Songs, die dann einfach wie ein Sunshine Pop-Song mit Krach oder nach Freak Beat klingen. Um sich an den Melodien festzukrallen sind 120 dann manchmal einfach zu wenig.

Die Musik ist also einfacher geworden, dafuer ist es umso schwerer in das Album tatsaechlich hereinzufinden. Aber an Hits wie Go Out And Get It, Bone Marrow oder Family Tree hat man ja was wohin man immer wieder zurueckkommen kann. “Arabia Mountain” hat genauso viel Intelligenz im Songwriting und im Albumaufbau wie fruehere Black Lips-Alben, nur ist diese im neuen popigen Grundton viel schwerer zu erkennen.

7/10 Punkte


erstellt von Leon.

Sonntag, 22. Mai 2011

Rock nacional - Kapitel II: Diskographie-Review: Almendra

So eine Diskpgraphie-Review wird im Rahmen der Geschichte des Rock nacional ziemlich haeufig vorkommen. Bei den Gatos Salvajes war es ja noch nicht noetig, da sie nur ein Album veroeffentlichten. Aber ab diesem Zeitpunkt kann ich wirklich nicht zu jedem Album eine Einzelreview schreiben: dann waere ich ja in Jahren noch nicht fertig. Hier kommt jetzt also je eine Review zu den Alben von Almendra, wobei ich diesmal keinen Tontraeger hervorheben werde, was sich him Laufe der Serie aber noch aendert…


Almendra (1969)

Haselnuss heist die Band uebersetzt, das Cover mit dem seltsamen Pharaoh ist schon sehr haesslich, das Budget war klein und Rock war schwer zu verkaufen in dieser Zeit. Das gute daran ist: Bei diesen schlechten Grundvorraussetzungen koennten sie ja gar nicht im kollektiven Gedaechtnis geblieben sein, wenn die Musik auch noch schlecht gewesen waere.

Gegenueber all dem Missmarketing muss man ihnen musikalisch naemlich Intelligenz bescheinigen. Die Einfluesse sind fuer damalige Verhaeltnisse breit gefaechert und so kommt es, dass man von den Folk-Rock-Songs mit Byrds-Einfluss, Blues-Rock-Uebungen, die in Richtung Cream und Rolling Stones schielen und den Beatles-beeinflussten Liedern gar nicht alle nicht moegen kann. Und bei der damaligen Single- bzw. B-Seiten-Mentalitaet hat man auf die Ausfaelle dann halt nicht mehr so geschaut.

Das heist aber eben auch, dass es Ausfaelle gibt. “Figuración” ist mit den Floeten einfach irgendwie laecherlich und der Gruppensprechgesang in der 2. Haelfte macht das nicht besser, aber dafuer ist er ja von dem Psychedelia andeutenden 9-Minuten-Ausflug “Color Humano” und dem Garagen-Rocker “Ana No Duerme” umgeben. Die Texte sind manchmal sehr Pseudointelektuell wie in “Color Humano” (Wir sind menschliche Wesen/ ohne zu wissen, was/ heute ein menschliches Wesen ist), aber manchmal druecken sie auch einfach eine bewundernswerte Sicht aufs Leben aus wie in “A estos hombres tristes” (Lache am Ende!, weil weinen bringt so viel Kaelte, mehr Kaelte als zu vergessen wie man sieht).

Und obwohl die Gruppe der Lieder, die mir nicht gefallen grosser ist als die der Lieder die mir gefallen und obwohl das Album so unbestaendig ist, spreche ich eine Anhoerempfelung aus; dabei reicht es aber nur fuer

5/10 Punkte


Almendra 2 (1970)

Almendra 2 ist ein typisches und gleichzeitig untypisches Doppelalbum. Doppelalben haben oft Filler, sind oft heterogen und oft auch schlecht. Almendra kann man nun wirklich nicht vorwerfen hier ein schlechtes Album abgeliefert zu haben – weniger noch als beim Debut aus dem Vorjahr. Heterogen ist das Album zwar, aber das kommt davon, dass sie die Arbeitsweise der Beatles bei ihrem weissen Album nachgeahmt haben und hier so vor allem Dingen zusammen eingespielte Solosongs der Mitglieder eingespielt wurden. Seltsamerweise kam dabei aber ein deutlich stilfesteres Album aus als beim Debut. Led Zepellin sind hier wohl ein grosser Einfluss gewesen, wobei der Blues von vor einem Jahr beibehalten haben. Filler hat es, eindeutig – und damit ist nicht mal das seitenfuellende 15-Minuten-Psychedelic-Rock-Epos “Agnus Dei” gemeint; das hat naemlich mehr Abwechslung zu bieten als die moisten Songs dieser Laenge – bei 10 Songs, die die 3-Minuten-Marke nicht ueberschreiten und dementsprechend ab und zu und speziell im Fall von “ein Song” so wirken als musste man noch irgendeine Idee ausquetschen. Selbst diese Songs wirken aber im Gesamtbild gar nicht mehr stoerend.

Die wirklich stoerenden Songs sind die, die ganz eindeutig der fruehere Hauptsongwriter Luis Spinetta geschrieben hat. So kommt auf “Los elefantes” die Mischung aus Song in die Laenge ziehen und schlimmen Lyrics einfach bei einem Dreckssong raus. Wenn Spinetta mit weinerlicher Stimme Textzeilen wie “Ein Elephant ist weise wie jener/ der Erschaffer der Erde” ueber langweilige Akustikgitarrenbegleitung singt, erinnert an ein Blues-Meisterwerk wie “Rutas Argentinas” (Mein Gehrin ist voll eingenommen/ von all dem Warten/ auf den Mann der mich auf die Argentinischen Strassen mitnimmt/ bis zum Ende) oder dem riffgetriebenen “Florecen los nardos” nicht viel.

Zugute halten muss man ihnen aber, dass sie das Gefloete aufgegeben, die Lyrics insgesamt gesehen besser geworden sind und die Musik im Grossen und Ganzen auch. Das ist noch lange kein Meisterwerk, aber die Mitglieder waren ja auch erst Anfang 20 und – vor allem Spinetta – hatten noch ordentlich Zeit sich umzuorientieren und weiterzuentwickeln.

7/10

Donnerstag, 19. Mai 2011

Rock nacional - Kapitel II: Diskographie-Review: Los Gatos

Los Gatos (1967)

Kurz nachdem die Gatos Salvajes sich aufgeloest hatten, hatten Litto Nebia und Ciro Fogliatta mit Los Gatos schon diese neue Formation auf die Beine gestellt. Bei dieser kurzen Zeit – das erste und einzige Album der Gatos Salvajes war auch erst 2 Jahre her – hatten sie damit leider kaum Zeit sich weiterzuentwickeln, auch nicht textlich. So klingt das Debuet der neuen Band sehr nach jenem Album und damit immer noch stark nach einem Abklatsch der Beatles-Fruehphase. Nur kommt hier, vielleicht vom Erfolg getrieben auch noch hinzu, dass die Produktion ein wenig besser ist und der Musik ein bisschen den DIY-Geist abnimmt und ausserdem sind sie auch nicht mehr so sues wie vorher, wobei gleichzeitig auch noch der Rolling Stones-Einfluss kaum mehr hoerbar ist. So sind die Songs hier groesstenteils mittelmaessig und weniger abwechslungreich. Daran kann auch der weiterentwickelte Hammondorgel-Stil Fogliatta nichts aendern, da er ueber die groesste Zeit im Hintergrund agiert.

4/10


Los Gatos Volumen 2 (1968)

Ein ganz grosser Schritt vom Debut: Die Melodien sind mehr von Folk angehaucht, der Orgel-Stil von Fogliatta hat sich weiterentwickelt und die Texte sind nicht mehr so vorhersehbar. Dazu gibt es schon Andeutungen von light-Psychdelic in ‘Una nube en tu vida’. Ein para gute Songs sind drauf und Abwechslung gibt es auch, aber es fehlt die Fuelle an richtigen Hits wie “De nuevo en el camino”.

6/10


Seremos amigos (1968)

Das Album endet mit einer Ansprache, die ungefaehr sagt, dass sie das Album in 3 Monaten aufgenommen haben, und, dass sie dachten, es klinge modern. Tatsaechlich ist es ein Schritt weg vom damals schon wieder veralteten Beat hin zu psychdelischeren Songs. Leider ist die Gitarre nicht mehr folkig, wobei die Abwechslung dismal mit den Trompeten und Streichern kommen, die die Band in einigen Songs unterstuetzt. Filler haben sie immer noch, aber auch einen ihrer Klassiker, das “futuristische” ‘Cuando llegue el año 2000’.

6/10


Beat Nº1 (1969)

Manchmal sind Albumtitel irrefuehrend. Auf Beat Nº 1 ist naemlich eben nicht - wie man annehmen koennte – vor allem Beat wie auf den 3 bzw. 4 Vorgaenger, sondern die Fortsetzung der Entwichlung, die Los Gatos auf Seremos amigos eingeleitet haben gepaart mit dem Einfluss, den der neue Gitarrist, der immerhin Pappo ist, ausgeuebt hat. Zu Psychdelischem und Blues Rock findet sich der Beat nur noch als 3. Kraft wieder.

Somit zeigt sich der Vorteil einer Band, die sich wenig Zeit laesst. Haette es nicht jedes Jahr mindestens einen kuenstlerischen Schnappschuss der Band gegeben, waere dieses Album, das einen kreativen Hoehepunkt darstellt, wahrschienlich nie erschienen, denn es ist der Uebergang zwischen 2 Stilen in der Diskographie dieser Band. Es erfuellt nebenbei wirklich den Wunsch nach Aktuelitaet, den sie auf dem Vorgaenger aeusserten.

Vor allem die B-Seite mit ‘Escúchame, alúmbrame’ und ‘Fuera de la ley’ klingen genauso nach dem Ende der Siebziger wie nach aktuellen Bands wie Colour Haze. Bei der Struktur, dem Drumming und den Soloeskapaden des 2.-genannten 11-minuetigen Closers kann ich diesen Vergleich einfach nicht aus meinem Kopf kriegen, obwohl ein Vergleich mit Led Zepellin zeitlich viel angebrachter waere und Colour Haze natuerlich viel geschmackssicherer maeandern.

Das, was hier zuletzt noch positiv bemerkt warden muss, ist, dass keener dieser Songs fluechtig ist, kein Filler ist vorhanden. Die psychedelischen Popsongs Nebbias hoeren sich nicht mehr alle gleich an und somit ist das grosse Problem der Gatos auf diesem Album geloest.

8/10


Rock de la mujer perdida (1970)

Blues ist ein Stil, den wenige mit unter 20 schon beherrschen. Und dieses Album ist nichts anderes als purer Bluesrock geschaffen vom 19-Jaehrigen Pappo. Das Ergebnis ist ziemlich langweilig – wenn da nicht der letzte Song “Invasión” waere. Der ist ein 7-minuetiges Instrumental mit einer irren Dynamik. Die sonstigen Songs sind nicht schlecht, aber einfach ereignislos, haben stilbedingt keine grossen Melodien mehr und sind sich untereinander zu aehnlich.

5/10


Mein Tipp fuer den Leser dieses Blogs ist also Beat Nº1. Falls hier ein Bluesrock-Fanatiker mitliest, dann natuerlich Rock de la mujer perdida.

Samstag, 26. Februar 2011

Dumbo Gets Mad - Elephants At The Door (Review)

Italien ist zwar für Rom, Ferrari, einen grausigen Ministerpräsidenten uvm. bekannt, nicht aber unbedingt für (aktuellen) psychedelic Rock. Eine Ausnahme bildet da Dumbo Gets Mad, das Projekt eines jungen italienischen Herren, der angeblich wirklich Dumbo heißt, und seiner Freundin Carly, die einige Gesangspart übernommen hat. Nachdem im letzten Jahr schon der ein oder andere Song im Internet kursierte, gibt es nun das erste Album, das übrigens für 0€ erhältlich ist, aber dazu zum Ende der Rezension mehr. Betitelt ist es mit "Elephants At The Door", was durchaus ein passender Name ist, denn wie ein Dickhäuter im Eingang, ist auch die Platte etwas, dass man nicht alle Tage erlebt bzw. hört. Dumbo Gets Mad machen verspielten Psychdelia mit Hang zur schrägen Idee und Pop.

Eine klare Vorliebe haben die beiden zudem auch für Retrosynthezisier, alte elektrische Orgeln und jede Menge obskure Effekte. All das gehört auch zum Bandequipment und wird nicht gerade selten genutzt, was den Songs ihren ganz eigenen Charme verleiht. Aufgeräumt passt also nicht als Beschreibung für den Sound der Band, wohl aber gut produziert, was bei der Musik ein bisschen unerwartet ist. Auf jeden Fall eine gute Sache, denn so klingen sowohl Synthies als auch Bassgitarre wunderbar fett. Das bringt eigentlich schon auf den Punkt, was "Elephants At The Door" auszeichnet, sein Sound. Es klingt einfach gut, manchmal auch ein bisschen wunderlich, aber meistens einfach gut. Zudem hat Dumbo auch ein gutes Händchen für großartige Synthiemelodien und wenn sie diese dann auf ein wunderbar groovendes Fundament platzieren wie in "Eclectic Prawn" und "Plumy Tale", erlebt man die Höhepunkte der Platte.

Leider schaffen es Dumbo Gets Mad nicht immer ihre Musik so zwingend zu gestalten. Oft streuen sie auch ruhige Passagen ein, die allerdings hauptsächlich vom schönen Klang und Soundreichtum leben und ansonsten teilweise leicht belanglos wirken. So wünsche ich mir manchmal, dass sie etwas mehr "straight forward" agieren würden, da sie so ihre beste Momente haben. So bleibt zum Schluss ein Album zwischen solide und gut, doch da es ein Debutalbum ist und man es nie bereut sich die Musik anzuhören, entscheide ich mich für letzteres. Das Zeug zu mehr haben die 2 aber trotzdem und ich kann mir gut vorstellen, dass mich ihre nächste Veröffentlichung noch um einiges mehr begeistert.

7/10 Punkte



Anmerkung: "Elephants At The Door" kann man sich netterweise sogar fast kostenlos runterladen. Das einzige was man tun muss ist mit einem Post bei Facebook oder Twitter zu bezahlen. Den entsprechenden Link und weitere Infos findet ihr hier.


erstellt von Markus.

Montag, 24. Januar 2011

Woodsman - Rare Forms (Review)

Woodsman sind ziemlich verwirrend. Schon vom Opener an; elektronische Geraeusche, Samples und natuerlich das tatsaechlich gespielte wird gemixt, wo es nur geht und auch die Entscheidung fuer “Insects” als ersten Song dieser Platte an sich ist verwirrend.

Der Song ist in seinem Psychedelic Rock in der Sichtweite von Amon Dueuel II, dabei aber eintoeniger scheppernd, und der Gesang wirkt so koerperlos wie auf den neuesten Dream-Pop-Alben. Kann man im weitesten Sinne schon wieder Shoegaze nennen und tatsaechlich haette man jetzt ein Album in Richtung “Primary Colors” von den Horrors erwarten koennen. Und dann kommt alles ganz anders.

Die Band veraendert ihren Sound zwar nicht gross, aber die Stimmung. So ist schon “Dead Awake” mit seinem Saxophon mehr von Hintergrundgeraeuschen gepraegt als von tatsaechlich existenten Melodien oder Harmonien und gerade, wenn man denken koennte es wird ein Song raus, geht es wieder langsam und in entgegengesetzter Entwicklung zu seinem Ursprungszustand zurueck. Was sich in der Beschreibung vielleicht so anhoert wie ein psychedelischer Mix aus Ambient und Post-Rock, ist in Wahrheit schnell vergessen und erzeugt keinerlei Spannung. Und leider geht es jetzt durchaus so weiter.

Aus all dieser Hintergrundmusik stechen dann aber doch immer mal wieder die Songs heraus, bei denen tatsaechlich – wenn auch unverstaendlich - gesungen wird. “I Can’t Move” ist das beste Beispiel dafuer. Der Song, der von allem am meisten laid back genannt werden kann und gleichzeitig die Kongas in den Mix einfuehrt ist durchaus interessant, selbst wenn auch er nicht so richtig in sich aufgehen will. Das Gleiche koennte man noch zu “Beat The Heat” sagen, der die Qualitaet haette, die Trance hervorzurufen, in der die Musiker sich befinden, und dann nach 4 Minuten aufhoert. Aber besser man macht es so als das gleiche Spiel - wie bei “Inside/Outside” - ueber 6 Minuten hinzuziehen.

“Rare Forms” ist also ein Album voller Hintergrundmusik und hintergruendiger Musik und das ist eben das, was sich wiederspricht: Ich hoere den Hintergrund schliesslich nicht, wenn ich nur oberflaechlich hoere. So wirken die Songs oft halbfertig und haetten in einer Suite als Uebergang zu jeweils einem druckvolleren Song vielleicht gerade deswegen gut gepasst. Nur leider gibt es das hier nicht und man wartet nach einer kurzen Stelle im Opener vergebens darauf, dass einer der Songs entflammt.

5/10 Punkte


erstellt von Leon.

Montag, 25. Oktober 2010

Avey Tare - Down There (Review)

Avey Tare war schon immer der Hauptsongwriter von Animal Collective und genauso klingt auch dieses Album - im negativen Sinne. Wie kann etwas jetzt negativ nach AC klingen, wenn sie sich fuer mich eigentlich als die genialen Koepfe der experimentellen Musik der naeheren Vergangenheit ziemlich alleine stehen? Das geht eigentlich ganz einfach, indem man sich anguckt, was sie immer wieder zu einem Erlebnis gemacht hat.

Sie haben Alben und Songs schon immer sehr repititiv gestaltet, aber irgendwie versucht trotzdem nicht zu elektronisch zu werden und vor allem die Musik an irgendeinen Ort zu bewegen. Das ist ihnen nicht immer gelungen, aber gerade das Suchen nach Veraenderung ohne um jeden Preis aufregend sein zu muessen, war fuer mich eins der besonderen Merkmale auf Merriweather Post Pavilion. Auf "Down There", man siehe nur mal den 3. Song "Oliver Twist", unternimmt Avey aber weder den Versuch irgendwie organisch klingende Drums einzusetzen, dafuer war ja auch ab Anfang Panda Bear zustaendig, noch die Musik gross zu veraendern, sondern haut auf einem einfach gestalteten Beat nach dem Intro 3 Minuten lang rum... Damit habe ich den schlechtesten Punkt des Albums auch schon ganz am Anfang abgearbeitet. Leider wird es trotzdem nicht viel besser.

Die Musik selber, die aeuserst minimalistisch daherkommt, wirkt nur wie ein kleiner Ausschnitt aus dem AC-Universum, irgendwas zwischen MPP und Strawberry Jam mit viel weniger Musik darin. Experimentell kann man die CD auch nur bedingt nennen, das aktuelle Visual-Album ODDSAC und die diesjaehrige Ruby Suns-Platte sind schon aehnliche Wege gegangen, waren aber einfach einfallsreicher und besser. Das einzige, was Avey davon abhaelt wie ein Amateur-Electro-Producer zu klingen, sind diese unglaublich guten Vocaleffekte, die sich auf die tollen Lyrics legen. Aber diese kleinen Pluspunkte rechtfertigen noch lange nicht 4 Punkte, aber bis jetzt habe ich auch ueberwiegend ueber die ersten 5 Songs geschrieben.

Die anderen 4 sind dem Rest des Albums zwar sehr aehnlich, sind aber vielleicht eher als Einheit zu begreifen. Eine Suite ist es nicht wirklich, aber es ist vom beatlosen "Cemeteries" bis zum Synthie-Song "Lucky 1" eine deutliche Steigerung innerhalb dieses Ablaufs zu erkennen, was der ersten Haelfte sehr fehlt. Das Intro-Outro-Spiel, dass Avey mit jedem der Songs gespielt hat, beginnt hier zu wirken. Die einzelnen Songs entfalten immer noch keine wirklich Dynamik, aber bei der jetzt etwas gedaempfteren und auch cooleren Stimmung sind diese auch nur alle 3 Minuten wirklich noetig und so lange dauern die Songs auch.

Mit den Texten gebe ich dem laengeren ersten Teil dann 2/10 Punkte und dem 2. Part 7/10 Punkte, weil er so ist wie Avey Tare haette klingen koennen. Er schwankt zwar immer noch genau so wie im 1. Teil in seinen eigenen Welten umher, wird aber nicht so poppig und auf einem Level abgestuetzt wie im ersten. Insgesamt gibt das im Mittel dann wie erwaehnt

4/10 Punkte

erstellt von Leon.

Donnerstag, 8. Juli 2010

The Harvey Girls - I've Been Watching A Lot Of Horror Movies Lately (Review)

Vor dem Weiterlesen erstmal das Cover ankucken! Mit dem Foto ist nämlich alles gesagt. Wenn es nicht eindeutig Mexikaner wären, würde man nach dem Hören denken, es ist ein Bandfoto. Das ist einfach realistischer, als dass so ein samplegefülltes Psychedelic Rock/Pop-Album von einem Ehepaar aus Portland eingespielt wurde. Aber gerade daran sieht man: der neue Psychedelic Rock ist gesellschaftsfähig


Naja, so kann man das eigentlich dann auch wieder nicht sagen. Das Album kann zwar unter diesem Genre zusammengefasst werden, die einzelnen Songs können so aber kaum beschrieben werden. Die sind nämlich so unterschiedlich, dass dem Hörer im Verlauf des Albums die verschiedensten Referenzbands durch den Kopf schwirren könnten und die meisten davon liegen nicht gerade im Bereich Psychedelic Rock. Zwei der wenigen Merkmale, die sich durch das ganze Album ziehen, sind der nölige Gesang und die Beats .Der Rhythmus hätte größtenteils nicht minimaler ausfallen können und reicht in dieser Disziplin fast an das diesjährige Album von Gil Scott-Heron heran. Durch ihre Unaufdringlichkeit lassen sie immer den nötigen Raum für die Songs und fügen sich gut ein. Das 2. Merkmal, der Gesang, wirkt nach den ersten zwei, drei Songs noch ziemlich cool. Über das gesamte Album wünscht man sich dann schon fast Dieter Bohlen herbei, der Hiram Lucke für sein Genuschel ordentlich eine zimmert.


Nach so viel Gerede über die Abwechslung müssen jetzt natürlich noch Belege her: So bricht nach einem durchaus psychedelischen Anfang zwischen Amerika und Indien schon der dritte Song aus und wird zu einem glücklichen und gelungenen Mix aus Post-Rock und Indie-Pop. Wenn nach einigen Minuten Streicher zum Song dazustoßen, bekommt er, der bis jetzt nach entspannten Super Furry Animals-Songs wie „Cardiff In The Sun“ geklungen hat, sogar Sigur Ròs-Momente. Das Darauffolgende „Only Apparations On The Lawn“ klingt dann auch schon nach Anti-Folk a là Jeffrey Lewis mit Trompeten und weiß wiederum zu überzeugen. Jetzt wird sich noch schnell durch ein nicht besonders gelungenes Instrumental mit elektronischem Gezirpe und zwei etwas schmissigere Songs im Indie-Rock-Gewand gespielt bis mit „Alpha Invasion On Delta Waves“ ein fast rhythmusloser Ausklang für diese hakenschlagende Platte gefunden wird, der sich sehen lassen kann. Viele Songs der Harvey Girls können wirklich überzeugen. Bei dem großen Ausstoß an Alben, den die sie seit ihrer Gründung haben, haben sie jedoch scheinbar keine Zeit eine Platte rund klingen zu lassen. So klingt „I’ve Been Watching…“ wie ein Sammelsurium an guten Ideen, kann aber nur bei gut der Hälfte der Tracks überzeugen. Trotzdem kann das Album unter Umständen ein guter Tipp für die Liebhaber des neuen Psychedelic Rock sein.


6/10 Punkte


erstellt von Leon.

Donnerstag, 19. November 2009

King Khan & BBQ Show - Invisible Girl (Review)

Nach den Gospelausschweifungen in Zusammenarbeit mit den Black Lips als Allmighty Defenders sind The King Khan & BBQ Show zurück mit einem typischen Album zwischen Doo-Wop und Garage Punk. Dieses Prinzip klappt auf diesem Tonträger immer noch ziemlich gut, obwohl an manchen Stellen etwas mehr Punkenergie gut getan hätte. Was man hier zu hören bekommt, ist zwar genauso zerstörter Sound wie bei den Black Lips, ist aber so voll mit süßen Melodien und catchy Songs, dass das Gesamtbild nicht mehr ganz stimmt. Dass es trashig sein soll ist klar, nur so cheesy wie sie teilweise daher kommen, hätten sie es nicht machen müssen.

Trashig ist sowieso das beste Wort für dieses Album, ähnlich wie bei den Vorgängern. Schlechter, wirklich schlechter Witz lauert an allen Ecken. Aber wenn man sich erstmal darauf eingestellt und eingelassen hat, wird es doch komisch, zwar oft peinlich komisch, aber das haben sie ja auch gewollt. Was sie gewollt haben, haben sie mit diesem Album eh in allen Bereichen auch geschafft.

„Animal Party“ ist in dieser Hinsicht ein Paradesong des Albums. An Absurdität und Kindlichkeit bzw. Kindergartenwitzigkeit kaum zu überbieten, wird mit diesem Song eine catchy Melodie nach der anderen abgeworfen, die alle altmodisch und wie schon einmal gehört klingen. Trotzdem ist da diese gewisse Doo Wop-Vokalharmonie, die auch vom oft nur zu erahnenden musikalischen Verständnis des Duos zeugt. Das erreichen sie auch mit vielen anderen Songs wie „Anala“ oder „Spin The Bottle“.

Ausfälle im klassischen Sinne gibt es eigentlich nicht. Wenn man dem Album aber nicht zuhört, könnte man fast den Eindruck kriegen, 12 mal den selben Song zu bekommen, vielleicht auch nur 11 mal (die Tiergeräusche aus „Animal Party“ machen es ziemlich einzigartig). Auch beim genaueren Hinhören wird das sehr krass durchgezogene Klangbild des Albums schnell langweilig. Als EP mit 4 oder 5 Songs hätte es wahrscheinlich eine deutlich höhere Punktzahl(7, vielleicht auch 8) bekommen, aber die fast schon gähnende Langeweile und fehlende Abwechslung des Gesamtwerkes bringt mich hierzu:

5/10 Punkte

erstellt von Leon.

Sonntag, 5. Juli 2009

Portugal. The Man - The Satanic Satanist (Review)

Die perfekte Synthese der Vorgängeralben und gleichzeitig ein super Einstieg in eine tolle Band. Die, die Waiter: You Vultures! mögen, werden hier seit dem Debüt das erste Mal wieder Samples und Loops hören. Das zweite Album hatte einen ähnlich grandiosen Retroansatz und Censored Colors hätte sich so angehört mit weniger Experiment oder Droge. Trotzdem ist alles so anders, dass alle, die Censored Colors für einen Ausrutscher halten, dieses Album mögen können. Es ist einfach nur Portugal. The Man, obwohl sie ihre komplette Arbeitsweise änderten: Sie arbeiteten mit Menschen außerhalb ihres Freundeskreises zusammen und hatten schon vor dem Studioaufenthalt Songs entwickelt. Bei diesem Aufenthalt von nur 1 ½ Wochen änderten sie ihren Sound wie immer konsequent.

Space-Pop wird es meistens genannt, was auf diesem Album zu hören ist. Sie verbinden die schon erwähnten Samples mit viel Soul, genialem Falsette und Gruppengesang, manchmal sogar mit Gitarren wie bei den Dire Straits, viel Flower-Rock und besonderen Kleinigkeiten in fast jedem Lied. Grade bei “The Home“ hört man auch den großen Anteil an Psychedelic und Progressive Rock. Als ich den Teaser mit den ersten 30 Sekunden zum ersten Mal rauf und runter hörte, hat mich mein Vater gefragt, ob ich Bullyparade gucke. Der Song schwingt sich in den Gitarrenparts von John Gourley aber doch noch auf ein hohes Niveau mit vielen Effekten ohne dabei die Songdienlichkeit und die Zugänglichkeit zu verlieren.

Der Song ist auf diesem Album sowieso das bestimmende Thema, obwohl die meisten der Lieder wie auf Censored Colors miteinander verbunden sind. So lösen sie sich auch endgültig von der Referenz zu The Mars Volta hin in Richtung Spätphase der Beatles, in die sie eigentlich ja schon immer wollten. Eine andere Überraschung ist, dass das Keyboard auf diesem Album in mehreren Songs der Gitarre Paroli bietet. Mit “Let You Down“ ist kurz vor dem Ende der Platte sogar eine Pianoballade zu finden, natürlich trotzdem auf eine spezielle Portugal. The Man-Art.

Mit “Mornings“ schließt das Album mit reingewaschenen Gitarren und viel Energie, jedoch ohne den Vibe, der sich durch den Großteil des Albums zieht. Es entlässt so langsam und ausgiebig in eine Welt, in der sich so etwas nur selten findet. Man kann nur Hoffen auf den nächsten Tonträger dieser Band und das wird sicher nicht wirklich lange dauern.

Zusammenfassen kann man das eigentlich nicht, was sich in dieser halben Stunde im Gehör des Menschen abspielt. Poppiger Retrosound mit viel Individualität, die Zukunft mit Keyboard gemalt, eine homogene Platte mit vielen Highlights und die Verbindung durch Veränderung.

9,2/10 Punkte

erstellt von Leon.

Dienstag, 23. Juni 2009

Pontiak - Maker (Review)

Die Band hat sich eindeutig nicht neu erfunden, überrascht ist man trotzdem. Pontiak lassen ihre Gitarren weiter krachen und kreischen wie die großen Alternative-Rocker aus den 90ern. Den großen Angelpunkt gibt es wieder. Auf Sun On Sun, dem Debütalbum, gab es den 7-Minuten-Übersong „Sun On Sun“, jetzt gibt es das doppelt so lange Instrumental „Maker“.

Wo auf Sun On Sun noch der Gesang anfing und der Hörer so gewissermaßen erlöst wurde, gehen hier die ausufernden, noisigen Riffs zumeist weiter oder hören ganz einfach und schnell auf. Die Riffs sind jedoch dunkler, nicht mehr so leicht herauszufinden und die Veränderungen gehen viel schleppender voran. Die Songstruktur ist NOCH verschwommener als auf dem Vorgänger. Ab und zu gibt es kurze instrumentale Intermissions, die fast geschwürrartig dahinwabern.

Für manche hört sich das vielleicht alles ein bisschen eintönig an. Rund um den Titeltrack Maker baut sich trotzdem etwas auf, das man durchaus Folk nennen kann. Die Stimme rückt mehr in den Vordergrund. Immer wieder gibt es Betonungsspiele, die man so nicht erwartet hätte. Diese Folkanleihen gab es auf Sun On Sun auch schon, aber diesmal fügt sich die Spielerei viel besser in den Gesamtzusammenhang ein.

Pontiak haben also von dem Wüstensound des ersten Albums ins Tal getraut, direkt ins Death Valley. In Virginia bleiben sie trotzdem.

8,2/10 Punkte

erstellt von Leon.