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Dienstag, 21. Februar 2012

Burial – Kindred EP (Review)

Es gibt nicht viele Künstler, die sich so große Abstände zwischen VÖs erlauben können wie Burial. Natürlich: zwischen Street Halo aus dem letzten Jahr und Kindred liegt nicht viel Zeit, aber sein letztes Album ist schon 5 Jahre her und auch im Moment ist kein neuer Langspieler in Sicht. Immer wieder nur EPs, diverse Kollabos und Projekte – so wirklich wusste bis jetzt ja auch niemand wie ein Nachfolger zu „Burial“ und „Untrue“ aussehen sollte damit es nicht wirkt wie Selbstkopie oder eine totale Blamage wird. Aber Burial zeigt mit „Kindred“ jetzt selbst auf wie es gehen könnte.

Dafür muss er sich nicht neu erfinden, denn eigentlich weiß man vom ersten Rauschen in den Boxen, das mit einem souligen Vokalsample unterlegt wird, wo man hier gelandet ist: der Opener Kindred zeigt alles, was man von William Bevan erwartet. Aber er macht da noch nicht Stopp und breitet sich als 12-minütige „Symphonie“ aus, die immer wieder in sich zusammenfällt um sich dann langsam wieder aufzubauen. Nacheinander verschwinden die Soundschichten bis immer wieder nur das Hintergrundrauschen da ist, das die Atmosphäre beherrscht. Dann kommt noch einmal diese starke Stimme, die ihr „Baby You“ immer wieder in die Gehörgänge der Zuhörer drischt bis dieser Beat wieder anfängt. Den hat man wahrscheinlich schon 1000 mal gehört, aber genau wegen der Erinnerung an andere Stücke, die schon fast genauso emotional und doch kalt waren wie „Kindred“ ist er so passend.

Danach kommt „Loner“ mit seinem Beat, der alles andere ist als Dubstep und gleichzeitig das Tanzbarste, was Burial uns je gegeben hat. Immer sind da diese Syntharpeggios und die tiefen Flächen und wollen dich wissen lassen, dass da wirklich „Something out there“ ist. Alles Bedrohliche, was Bevan in den letzten 5 Jahren erlebt hatte, scheint er auf diese 7 Minuten komprimiert zu haben und eigentlich müsste man jedem, der diesen Song hören will auch empfehlen sich vorher eine Packung Popcorn zu holen, damit diesem Track nicht reihenweise Fingernägel zum Opfer fallen.

Aber zum Glück kommt jetzt „Ashtray Wasp“, das wieder ablenkt von den Untiefen, die gerade durchschritten worden sind. Dabei hilft nur, dass es nicht wie „Kindred“ nach seinen „Breakdowns“ wieder ansetzt, wo es vorher aufgehört hat, sondern immer wieder so klingt als wäre da ein neuer Song bis er auf einem entspannten Ausklang auf einer Pianomelodie ändert.

Dreimal zeigt Burial hier also, was er aus seinem Sound noch rausholen kann ohne dass es langweilig wird und gibt der Außenwelt dabei so ganz nebenbei sowohl eine der besten Platten, die das Jahr bisher zu bieten hatte als auch 3 der besten Tracks, die man von ihm kennt. Bei 30 Minuten Spielzeit ist ihm außerdem fast schon ein Albumersatz gelungen. Fast.

9/10 Punkte


erstellt von Leon.

Montag, 24. Oktober 2011

Haken - Visions (Review)

Wenn eine Band wie Haken Visionen hat, dann sehen diese nicht aus wie bei anderen Menschen. Da gibt es keine ungenauen, verschwommenen Bilder. Nein, alles ist gestochen scharf und ausgearbeitet - nur die Aussage dahinter bleibt schwer zu erkennen. Das macht dem, der sich an dieses Album heranwagt, aber wahrscheinlich nicht viel aus. Der Progressive Rock/Metal-Hörer ist daran ja sowieso schon seit seinem ersten Kontakt mit diesem Stil gewöhnt.

Mit „Visions“ sollen eigentlich auch nur Menschen angesprochen werden, die diesem Genre offen gegenüber stehen und nicht bei der Erwähnung der Wörter „Dream Theater“, „Rush“ oder „Yes“ schreiend die Flucht ergreifen. Vor allem dem Sound von Dream Theater sind Haken doch sehr nahe, wobei sie ab und zu aber auch spielerisch und blitzschnell ganz anders - nämlich weich - klingen können, sodass sogar der Sunshine Prog von Spock’s Beard in einigen Momenten u.a. im Mittelteil von „The Mind’s Eye“ anklingt. Selbst diese Wechsel klingen durch die konstant gute Leistung von Ross Jennings am Mikrofon, der übrigens mit diesem sinnlosen Growlen aufgehört hat, nie zu gross und auch der Rest der Band ist mehr als je zuvor um Nachvollziehbarkeit bemüht. Das heisst nicht, dass es in irgendeinem der 8 Songs jemals Langeweile aufkommen würde. Auch wenn der Song und seine dynamische Entwicklung mehr als je zuvor im Vordergrund stehen bei Haken, muss niemand auf Duelle zwischen Gitarren und Keyboards auf höchstem musikalischem Niveau oder auf Einsprengsel aus Jazz oder Kirmes verzichten.

Aber instrumentales Gewichse geht halt nie über das Songwriting. Das fängt schon beim Opener „Premonition“ an, der sich aus einem Streicherquartett-Intro über einen spannenden Aufbau bis in ein Metalriff steigert um dann mithilfe von diversen Synhts in epische Höhen zu steigen nur um dann auf diversen Umwegen auf mehrfachen Solos auszuklingen. Dabei nimmt es kurzerhand auch noch Motive aus anderen Tracks des Albums voraus und das in nur 4 Minuten. Die kompletten 70 Minuten zu beschreiben, würde den Rahmen also mehrfach sprengen. Dazu ist das meiste auf VISIONS einfach zu episch – ob nun die 3-teilige Suite in der Mitte, die in 18 Minuten alles durchspielt, das Haken zwischen Metal, Jazz, Pop, Rock und klassisch eingesetzten Streichern heraufbeschwören können oder der Titelsong, der mit 23 Minuten ein Superlativ in Länge und in Qualität in der Geschichte dieser Band darstellt. Dabei stört nie eine Idee wirklich und selbst der 8-Bit-Einschub in „Insomnia“ unterbricht den unglaublichen Fluss nicht, der das Album von vorne bis hinten bestimmt.

Das ist zwar durchaus spannend, die Musik hat aber gegenüber früheren VÖs der Band, vor allem der Demos, an Unberechenbarkeit eingebüßt. Eigentlich stört das zwar nie, nachdem man das Album dann aber komplett gehört hat, fehlte dieser WTF-Moment, den die Londoner doch eigentlich so gut beherrschen. Wenn sie ihre unzähligen Fähigkeiten mal in einem Album unterbringen könnten, würde es ein absolutes Meisterwerk sein. So ist Visions einfach nur verdammt gut.

8/10 Punkte


erstellt von Leon.

Sonntag, 17. Juli 2011

The Horrors - Skying (Review)

Man durfte gespannt auf "Skying" sein, denn die musikalische Richtung war alles andere als klar vorgegeben. Zu stark war da die vorangegegange Wende vom extravagaten Goth-Garage-Punk auf "Strange House" zum klangemalerischen "Primary Colours" welches Einflüsse aus Post-Punk, Psychedelia und Shoegaze verband. Welchen Stil kann man nun also vom 3. Album der Briten erwarten? Eine Rückkehr zu den Wurzeln auf der Suche nach Simplizität und der Flucht vor den hohen Erwartungen den der sowohl von Presse als auch Hörern hochgelobte Vorgänger geweckt hatte? Oder haben sie mit dem Zweitwerk ihre musikalische Heimat gefunden, oder experiementieren sie weiter und verzichten auf Genregrenzen?

Fakt ist, mit ihrem Debut hat "Skying" so gut wie gar nichts mehr zu tun. Nein, sei haben sich einer Vorliebe ergeben, die sich schon auf "Primary Colours" gezeigt hatte, nämlich einer für Synthesizer und Unmengen an Effekten. Herausgekommen ist diesmal ein Klangbild, welches zwar wenig mit Rock, dafür aber umso mehr mit Electronic gemein hat. In manchen Tracks wie z.B. "You Said" möchte man gar von Synthpop sprechen. Insgesamt ähnelt das Klangbild mit seinen vielen Effekten, Retro-Synths und seiner Verwaschenheit, sogar Chillwave-Acts wie Toro Y Moi und Washed Out. Nur dass The Horrors Hip-Hop Beats durch eine eher Rock orrientierte Rhythmusfraktion ersetzen.

Hin und wieder funktioniert das Ganze auch ziemlich gut. "You Said" ist ein wohlklingender Popsong und "Endless Blue" besticht durch seine sehr schönen Sounds. Allzu oft verliert sich die Band allerdings im dichten Klang und lässt jeden Druck und Richtung vermissen, so das vieles, besonders in der 2. Albumhälfte, uninteressant vor sich hinpluckert. Nett klingen tut es öfters, wirklich im Ohr hängen bleiben wie bei "Still Life" allerdings nur selten. Und um wirklich in das Soundbild hineinzutauchen, fehlt es ihm an Originalität. Letztendlich ist es Hörerlebnis, das nicht stört, aber auch keine Eindruck hinterlässt, auch wenn sich paar nette Nummern und Töne finden lassen.

5/10 Punkte




erstellt von Markus.

Samstag, 19. März 2011

Does It Offend You, Yeah? - Don't Say We Didn't Warn You! (Review)

Für Bands deren erste Veröffentlichungen stark von einem allgemeinen Hype profitiert haben, ist es immer schwer, nach Zeiten der Abstinenz weiterhin relevant zu bleiben. Vor diesem Problem stehen auch Does It Offend You, Yeah?. Als der Sound von Justice, Digitalism bei unzähligen, oft eigentlich Indiehörern, hoch im Kurs stand, kamen sie Anfang 2008 mit ihrem Debut "You Have No Idea What You're Getting Yourself Into" gerade recht. Ihr Hybrid aus Rock und Electro, gewürzt mit Popappeal und Punkenergie, liefert nicht nur fette Bässe und Gitarren zum Ausrasten und Feiern, sondern auch einige großartige Pophits, die dafür sorgen, dass man auch heute noch die Platte gerne in seiner Anlage rotieren lässt.

Doch nun zur Gegenwart. Mittlerweile steht nach 3 Jahren Pause ihr Zweitling in den Läden und natürlich fragt man sich, ob der frühere Stil, der ja auch für das damalige hier und jetzt gemacht wurde, immer noch zieht. Und um's mal vorweg zu nehmen, ja er tut es, zumindest teilweise. Zunächst beginnt "Don't Say We Didn't Warn You!" ähnlich wie das Debut, mit einem trockenen Electrostampfer. Damals hieß es "Battle Royale", heute "We Are The Dead", wobei letzteres nicht wirklich mit ersterem konkurrieren kann. Doch die Platte steigert sich, "John Hurt" macht schon wesentlich mehr Laune und doch fällt wieder auf: Track 2 anno 2011 ähnelt Track 2 anno 2008. Und erneut kommt der neue nicht an den alten ran. Danach lässt sich das Prinzip allerdings nur noch ein- bis zweimal passend anwenden. Dafür gibt es aber noch einige gute Songs, sei es mal in Form von Electropop ("Pull Out My Insides"), mal brachialer Techno wie in "Wrestler", der auf Grund seiner ungebändigten Energie und der bisher fettesten Bassline des Jahres, das stärkste Stück der Platte darstellt. Der Rest der 10 Anspielstationen ist solide, mehr aber auch nicht. Dafür klingt das viel versprechende "Wondering" letztendlich zu sehr nach Hipster-Electro-Rap, "Wrong Time, Wrong Planet" zu belanglos und die abschließende, eigentlich sehr schöne, Ballade "Broken Arms" wirkt einfach deplatziert.

Theoretisch könnte das hier eine sehr gute Platte sein, aber 1. kennt man das schon irgendwie, 2. hat man es bis auf "Wrestlers" von DIOYY schon besser gehört und 3. hat man es nicht geschafft das ganze gelungen auch auf Albumlänge zu gestalten. Das ändert nichts daran, dass wieder einige Kracher dabei sind, aber so richtig überzeugen kann "Don't Say We Didn't Warn You!" nicht. Vielleicht hätte das ganze als EP besser funktioniert. So bleibt aber nur die LP und die erreicht folgende Punktzahl:

6/10 Punkte




erstellt von Markus.

Sonntag, 6. März 2011

Noah And The Whale – The Last Night On Earth (Review)

Was haette man von Noah and The Whale jetzt erwarten koennen? Nachdem sie auf “Peaceful, The World Lays Me Down” von 2008, dass noch mit einem Mix aus mit ueber beide Backen grinsenden Tweepop-Songs und gediegeneren Folksongs bestach, schon 2009 mit dem tieftraurigen Trennungsalbum “The First Days Of Spring” eine deutliche Reifung in Richtung gitarrenlastigen Folk-Rocks zeigten und danach ihr Drummer die Band verliess und ihr Equipment fuer 2 Monate vermisst gemeldet war, wohl alles – an eine gut halbstuendige von Synthie und Drumcomputer getriebene Hymne auf das Leben haette ich aber nicht gedacht.

Und da war ich bestimmt nicht der einzige. Ich gehe sogar soweit zu sagen, dass dieses Album wie es ist, niemand erwartet hat. Sich sowas wie Synth-Folk auszudenken, ist auch eine ziemlich abwegige Idee. Waehrend man also durchgaengig Pop-Songs, gerne auch mal ordentlich cheesy wie “L.I.F.E.G.O.E.S.O.N.” hoert, fragt man sich doch, welche Zielgruppe hier angesprochen werden koennte… Gleichzeitig kann man sich bei fast jedem Song vorstellen, dass sie zu einem Hit wie “5 Years Time” avancieren. Mit diesem hatten vor 3 Jahren sicher auch nicht viele gerechnet.

Beim Opener “Life Is Life” muesste man hierfuer nur das Intro kuerzen und schon haette man einen Song, der mit Handclaps, Gruppengesang und den Refrain-Zeilen “And it feels like/ this new life can start/ And it feels like/ heaven” eine ueberwaeltigend froehliche Stimmung schafft. Und der Chor macht das gleiche sogar noch 2 mal; wenn bei “L.I.F.E.G.O.E.S.O.N.” dann die erste Fidel einsetzt, klingen sie schon so als haetten sie nie etwas anderes gemacht. Bei allen Neuerungen kann man aber immer noch perfekt hoeren, dass hier Noah And The Whale spielen kann. Bei ihrer typischen Melodiefuehrung und der Stimme von Charlie Fink kann man das nie bezweifeln, auch wenn sich so gut wie alles drumherum geaendert hat. Der 4. Song, “Wild Thing”, aber macht schon wieder einiges anders oder besser gesagt wieder so wie auf dem Vorgaenger. Der Song an sich ist wieder ein langsamerer und gitarrengetragener Folk-Rock-Song – also fast, der elektronische Unterbau bleibt und laesst bei diesem Song genauso wenig das Adjektiv Fan-Plaesing zu.

Zwischen diesen beiden Polen wechselt das ganze Album hin und her, “Just Me Before We Met” wartet mit grossartiger Zusammenarbeit zwischen Fidel und Synthie auf und “Old Joy” ist eine hymnische Piano/Synthie-Ballade, die den Gesang im Refrain fast zum Gospel werden laesst. Nachdem man also hinter das Neuartige an dieser Platte gekommen ist, erwartet einen hier eine wirklich abwechslungsreiche, froehliche Folkplatte. Und obwohl dieses Album nicht schlecht ist, ist da gleichzeitig noch Luft nach oben. Die emotionale Tiefe der Musik fehlt da ein bisschen. Aber nachdem das ihr erstes Experiment mit diesem neuen Sound war, kann man da sicher noch viel erwarten.

7/10
Punkte


erstellt von Leon.

Dienstag, 22. Februar 2011

Radiohead - The King Of Limbs (Review)

Nachdem ich mich jetzt waehrend ich das Album zum ca. 10. Mal hoere und mich bereitfuehle eine fundierte Kritik zu schreiben, kann ich nichts anderes sagen als, dass die meisten einfach Schwachsinn ueber dieses Album reden. Wo bitte ist das fuer den Fan befriedigend, wo bitte aehnelt das "In Rainbows" und wie kann man dieses Album als schlechtestes von Radiohead einstufen - wie man schon sieht, schreibe ich gerade im vollen Bewusstsein hier meine Meinung und nichts als meine Meinung wiederzugeben... Alles andere macht hier auch keinen Sinn.

Meiner Meinung nach war diese Band immer vor allem Dingen eine gute, etwas seltsame Pop-Rock-Band, die mit Kid A/Amnesiac 2 aussergewoehnliche Alben hingelegt hat. "The King Of Limbs" hat mich deswegen zutiefst ueberrascht. Sie haben endlich wieder ihre Seele als Elektronikfrickler und neuerdings auch als Ambientmusiker gefunden. Diese neue Eigenschaft der Jungs und auch die Musik an sich erinnert weitlaeufig sogar an "Future Days" von Can, wobei natuerlich von Jam hier nichts zu spueren ist, sondern die Versessenheit bei der Anordnung der Sounds den Hoerer regelrecht anspringt. Gerade weil im Gesamtbild nicht viel gespielte Musik vorhanden ist und diese dann repititiv ist wie auf keinem Vorgaengeralbum, kann man die akribische Arbeit sehr gut bestaunen mit der die Stimme - das typische genuschelte Fallsett - immer wieder mit diversen Effekten belegt wird bis sie sich wieder zurueck in die Musik einbidet und Flaechen schafft, die ich normalerweise bei anderen Gruppen suchen wuerde.

Aber sie koennen es. Sie koennen Copy-and-Paste-Beats sowohl aus Jazz, Rock und Funk so mit Soundscapes umringen, dass die Songs sich am Ende doch entwickeln. Dieses erkennt wahrscheinlich kaum einer beim ersten Hoeren, dafuer koennen sie aber schon am Anfang trotzdem fesseln, sodass die 2. Haelfte vielleicht zum leicht zugaenglichsten Material zaehlt, dass sie nach der Jahrtausendwende aufgenommen haben. Mir schwirrt zum Besipiel schon seit Sonntag staendig ein "If you think this is over, you are wrong" (Separator) im Gehirn rum. Waehrend es sich vom Klangbild von allem, was sie vorher zusammen aufgenommen haben, entfernt hat, hoert man die Aehnlichkeit zu The Eraser von Thom Yorke und Einfluesse seiner Kolabopartner wie etwa Flying Lotus oder Modeselektor, wobei ich mir jedoch einbilde von allen Mitgliedern ein bisschen was zu hoeren. So sind Gitarre und Bass im vielflaechigen Sound immer noch wichtig und auch wenn Philip Selway hier nichts gespielt zu haben scheint und sein Solo-Album "Familiar" meilenweit weg ist, hoert man nicht nur im Lagerfeuer-Song "Give Up The Ghost" mehr Folk als je zuvor: Die Gitarren sind nirgendswo so eckig oder disharmonisch wie auf anderen Alben, sondern haben sich in eine melodioese und auch einfach total popige Richtung entwickelt.

Auch wenn die Hoererschaft aufgrund der seltsamen Veroeffentlichungsstrategie scheinbar auch bei der Einschaetzung der Musik verrueckt spielt, bringen Radiohead ausser wirtschaftlich eigentlich nichts Neues in die heutige Musikwelt - in ihrem Mikrokosmos ist der Hybrid aus Elektropop, Ambient und aller moeglicher Geraeusche aber eben doch ein Experiment. Und bei all der Skepsis, die ich gegenueber ihnen habe, muss ich sagen: Experiment gelungen.

8/10 Punkte


erstellt von Leon.

Freitag, 28. Januar 2011

White Lies - Ritual (Review)

Mit "Ritual" liefert die britische Band nach nur 2 Jahren Pause schon ihr Nachfolgealbum zu "To Lose My Life". Mag bei der nicht unbedingt spontan klingenden Musik der 3 Herren unerwartet schnell sein, ist aber natürlich 'ne schöne Sache. Wurden sie zu Zeiten ihres Debuts noch in die Schublade des Post-Punk Revivals mit u.a. Interpol und Editors gesteckt, so greift dieser Vergleich nur noch bedingt, höchstens zu Editors lassen sich noch stärkere Ähnlichkeiten finden. Denn wie diese auf "In This Light and on This Evening" rücken auch White Lies nun ihre Synthesizer stärker in den Vordergrund, so dass diese nicht
mehr nur dezent Akzente setzen, sondern nun auch oft ein tragendes Element sind. So hat das Ergebnis, die Musik auf "Ritual", auch nur noch entfernt etwas mit "echtem" Post-Punk zu tun. Hört man sich Konsenswerke dieses Genres wie Gang Of Four's "Entertainment" oder eines der frühen Alben von Wire an, wird man nicht unbedingt meinen, dass diese in die selbe Sparte wie "Ritual" gehören.

Die Bezeichnung Pop trifft da schon eher zu. Das sind White Lies nämlich mittlerweile, wenn auch immer noch mit leicht düsterem Einschlag. Doch Pop trifft auch dann als Kategorisierung, wenn man ihn als etwas großes, nicht alltägliches definiert. Denn groß ist eine passende Beschreibung für den Sound der Londoner. Auf ihrem Zweitling klingt nichts Lo-Fi oder schüchtern, große Gesten und Pathos sind elementare Bestandteile der Platte. Da dürfen dann natürlich auch die großen Gefühle nicht fehlen. War auf "To Lose My Life" noch der Tod in fast jedem Song das bestimmende Thema, dreht es sich jetzt um das Zwischenmenschliche und somit um die Liebe. Oft werden wie in "Streetlights" die dunkleren Seiten dieser gezeigt. "Bored girls and sad boys / dull roads to anywhere / bad sex and ethanonal / High scores on solitaire." "Not a soul in a street light / this might be love." Neben dieser Thematik und dem erwähnten breiten und gut produziertem Sound, stechen vor allem noch die Gesangsmelodien der Refrains hervor. So werden die entsprechenden Zeilen von Songs wie "Peace And Quiet" und "Holy Ghost" nicht nur großartig vorgetragen, sondern beißen sich auch in den Gehörgängen fest.

Letztendlich ist das Album gegenüber dem Debut der Band, vor allem ein Album des "mehr". Mehr Sound, mehr Pathos, mehr Synthies, mehr Pop. Denn es ist nicht so, dass es nicht schon Pathos und Popappeal auf "To Lose My Life" gab, doch auf "Ritual" ist es halt ein erhebliches Stück mehr. Schaden tut es der Musik nicht unbedingt, wobei man Momente wie das Abgleiten von "Holy Ghost" zum Ende hin in Richtung Großraumdisco-Rockstampfer besser hätte vermieden sollen. Weiterhin muss man auch feststellen, dass die 2. Hälfte des Albums nur schwer mit der 1. konkurieren kann, vielleicht hätte man hier Füller wie "Bad Love" streiche können. Nichtsdestotrotz eine gute Platte, an deren Stil man sich als Fan aber auch erstmal gewöhnen muss.

7/10 Punkte




erstellt von Markus.

Mittwoch, 15. Dezember 2010

Top10: The Beatles - Abbey Road (Review)

"Abbey Road" ist jetzt schon 41 Jahre alt und in denen ist viel passiert. Damals war die bemannte Mondmission das grosse Thema - heute spricht man ueber sowas gar nicht mehr. Damals war ein Spritpreis von 70 Pfennig astronomisch - heute wuerde man darueber lachen. Damals waren fuer viele die Beatles die groesste Band der Welt - heute... ach verdammt, das haette so schoen weiter gehen koennen.

Aber die Beatles kann halt wirklich niemand abloesen und dazu hat Abbey Road einen grossen Teil beigetragen. Die Mystik dieses Albums faengt schon auf dem Cover an: die "Paul is dead"-Theorie zieht viel ihrer Kraft aus der Tatsache, dass McCartney als einziger barfuss ueber den Zebrastreifen geht. Weiter geht es mit den Texten bei denen ein "Haehhh??" haeufiger angebracht ist als nur bei dem Nonsens-Italienisch in "Sun King". "I Want You (She's So Heavy)" ist als Song ja sowieso schon schwer zu erkennen, aber der 20-Woerter-Text macht ihn noch schwerer erfassbar... Und was will uns bitte "Maxwell's Silver Hammer" sagen?

Dieses ganze seltsame Flair macht die Platte gerade interessant. Zum Glueck gibt die Musik nicht so viele Raetsel auf. Gerade die Elemente, die so auf anderen Beatles-Alben nicht gepasst haetten, wie z.B. der gemaechige Psychedelic Rock von "I Want You", die Synthesizer in "Because", das Medley auf der 2. Seite, das Schlagzeugsolo in "The End" oder den Hidden Track "The Majesty", verschmelzen den Tontraeger zu einer maechtigen Einheit. Stopp. Die Stimmen, die Dynamik und die Musik im allgemeinen sind natuerlich auch genial.

Mittwoch, 6. Oktober 2010

Gold Panda - Lucky Shiner (Review)

Gold Panda ist ein junger Electronicproduzent aus Chelmsford, Essex der nun sein Debut raus bringt. Mit Lucky Shiner hat er da auch einen nicht ganz unpassenden Titel parat, denn glückliches Genie ist zwar ein bisschen übertrieben, doch ist eine gute Beschreibung für seine farbig schillernde Musik und seine hohe Kreativität. Mal erinnert das Ganze an Four Tet, mal an Caribou, mal an Baths, ist aber letztendlich eine eigene, unabhängige und frische Mischung.

Besonders aufällig auf "Lucky Shiner" sind die vielen sehr schönen Synthieflächen die sich über Beats zwischen einfachem Boom-Tschack ("You") und filigran hüpfenden, mit allerlei Glocken unterstützten, ("Same Dream China") Rythmen legen. "Snow & Taxis" erinnert z.b. an einen Mix aus The Field-Synths und einen an Dancehall angelehntem Takt. Trotz des Popappeals, der immer wieder hervorlugt, ist die Platte nicht unbedingt straigt forward. Dafür sorgen immer wieder kleine Brüche, Stilwechsel und Samples, die in die Tracks hineingewoben werden. So haben selbst kleine Ambient und Drone Parts wie am Ende von "Before We Talked" ihren Platz. Dadurch gestaltet der junge Brite alles noch interessanter, ohne dabei sperrig zu klingen.

Besonders schön wird es, wenn Gold Panda seine Melodie gedämpft euphorisch zu allerlei Geklapper auf und ab hüpfen lässt und das Ergebnis sich in „I'm with You But I'm Lonely“ so organisch anhört als hätten es Insekten mitten in der Frühlingssonne aufgenommen. Allgemein wirkt "Lucky Shiner", obwohl es ein größtenteils ein reines Electronicalbum ist, nie maschinell sondern immer spontan und natürlich. Ausfälle finden sich nicht, die Platte ist durchgehend gelungen und zeigt das Gold Panda definitiv ein sehr talentierter Newcomer ist, von dem man bestimmt noch einiges erwarten kann. Der einzige Makel am Album ist das es an manchen Stell nicht immer so ganz zündet und einen eher selten richtig weghaut, auch wenn das wahrscheinlich auch nicht das Ziel des Briten war.

Ein bisschen mehr Biss hätte "Lucky Shiner" also vielleicht besser getan, trotzdem ist es durchweg überzeugend geworden.

7/10 Punkten

erstellt von Markus.

Samstag, 18. September 2010

Top10: The Libertines - Up The Bracket (Review)

"Up The Bracket" ist wohl einer der Klassiker des 00er-Jahrzehnts, obwohl es eigentlich nichts wirklich Neues gebracht hat, war es in den letzten Jahren wohl die Vorlage fuer die meisten britischen Rock-Alben - und das voellig zurecht! Dabei haben sie eigentlich nur ein bisschen Punk gemacht ohne Parolen und ohne Ideologie, Punk, der gefallen sollte ohne Pop-Punk zu sein, aber trotzdem mit grossen Sing-Along-Melodien. Irgendwie paradox, aber trotzdem ist das alles ein Revival; Sex Pistols, The Jam, The Clash sind wohl die meistgenannten Vergleichspunkte. Das, was die Libertines aber eigentlich so erfolgreich gemacht hat, sind eindeutig die Personen hinter der Band: Pete Doherty und Carl Barat haben ihren Genie-Status ja schon lange inne, aber auch der oft vergessene John Hassal(das Album, das er 2008 mit Yeti rausgebracht hat, ist zwar ganz anders als die der Sound der ehemaligen Hauptband, aber reicht von der Qualitaet fast daran heran) macht diese Band aus.

Die Texte sind grossartig, die Stimme versaut, die Songs schnell und knackig, die Gitarren haben keine grosse Komplexitaet und der Bass erst Recht nicht und ueber das Schlagzeugspiel brauch man bei diesem Thema auch nicht zu reden und ausserdem ist die Produktion genauso dreckig, dass das alles so richtig schoen rumpelt und kracht. Daran ist jetzt nicht wirklich was besonderes eigentlich, aber eigentlich doch, weil es einfach alles mal stimmt.

Und dann kommen die Handclaps und die Kongas gleich im ersten Song (Vertigo), und dann die "Aaaah"s am Ende des 2. Songs (Death On The Stairs) und und und. Man koennte immer so weiter machen bis man am Ende bei dem "Fuck 'em" nach den genial-hingeschmissenen Zeilen "I get along just singing my song. People tell me I'm wrong.", den Gitarrenverdrehungen und natuerlich den vielen "Get Along"s auf dem letzten Song (I Get Along) angekommen ist und das wirklich mit jedem Song.

Und jetzt im Jahr 2010 gibt es sie endlich wieder und das, was ich bis jetzt gehoert habe, gefaellt mir, auch wenn es nur Konzertausschnitte sind. Mal sehen, was daraus noch wird.

Montag, 12. Juli 2010

Mystery Jets - Serotonin (Review)

Wer die Mystery Jets sind, dürfte allgemein bekannt sein, oder? Genau, das ist die Band mit dem Vater-Sohn-Gespann. Der ältere Herr hat die Jungs aber mittlerweile verlassen und unterstützt sie nur noch im Hintergrund. Doch trotz der Verjüngung bleibt die Musik der Londoner ziemlich retro. Die 60s und 80s Pop-Referenzen bleiben das ganze Album über präsent. Man hört also netten (Indie-)Pop/Rock, der zwar nicht besonders eigenständig ist, aber gut klingt.

"Serotonin" fängt aber erschreckend schwach an. "Alice Springs" schielt ziemlich in Richtung Bombastrock und auch das nachfolgende "It's To Late" gehört mit seinen kitschigen Synthies am Anfang ganz klar zu den Tiefpunkten der Platte. Dann steigern sich Mystery Jets aber sehr. Die nachfolgenden Songs sind einfach tolle kurzweilige Popstücke. Besonders der Titeltrack ist ein klares Highlight. Man hat das Gefühl, man würde ihn schon lange kennen, doch trotzdem klingt er noch frisch und unverbraucht. Ebenfalls hervorzuheben sind "Dreaming Of Another World" und "Lady Gray". Wie alle guten Songs auf "Serotonin" überzeugen sie durch schöne Melodien und laden dazu ein, sie mitzusingen oder mitzupfeifen. Zum Ende hin lässt das Album etwas nach, da Abwechslung und Neuerungen fehlen. Zudem schrammt die Gruppe oft nah an der Kitschgrenze vorbei.

"Serotonin" ist nichts weltbewegendes, hat auch mehrere Schwachstellen, ist letztendlich aber einfach ein schönes Stück Popmusik mit einigen Hits, die einem ein Lächeln ins Gesicht zaubern und diesen Sommer musikalisch noch bereichern werden.

7/10 Punkte

erstellt von Markus.

Dienstag, 22. Juni 2010

James Yuill - Movement In A Storm (Review)

Jaja, vor 2 Jahren sang er noch "This Sweet Love" und zu genau dem ist seine Musik für viele Hörer geworden. Sein Mix aus Electronic, Folk und Singer/Songwriter kam gut an und hatte sich dementsprechend bewährt. Da dachte sich James Yuill bestimmt: "Warum das ganze nicht im Groben beibehalten und den Stil nur noch geringfügig verbessern?" Ergebnis dessen ist "Movement In A Storm", das bis auf kleine Veränderungen, da anfängt, wo der Vorgänger aufgehört hat. Der aus UK stammende Künstler hat sich wieder Laptop und Gitarre geschnappt und singt wieder seine schönen, oft persönlichen Texte über die angenehm pluckernden Beats.

Das Album wurde auch zeitmäßig sehr passend released. Die erste Hälfte der Platte eignet sich nämlich hervorragend um das Sommerwetter einfach mal draußen zu genießen und in der Sonne zu entspannen. Also "Movement In A storm" auf den MP3-Player/in den CD-Spieler packen, aufs Fahrrad schwingen und draußen die wunderbare Symbiose von James Yuill und Sommer genießen.

Wie bereits geschrieben, eignet sich dafür mehr die erste Hälfte des Albums. Die zweite ist ruhiger und lässt sich am besten anhören, wenn man gerade den Tag ausklingen lässt. Die Hits dieser Platte finden sich aber mehr unter den ersten 5 Songs. Besonders erwähnenswert: das schöne "Crying for Hollywood", das trotz seines eher zurückhaltenden Charakters einen guten Drive hat. Ein Lied, bei dem man sich am liebsten zurück lehnt und alles andere an sich vorbeiziehen lässt. Mit "First in Line" folgt dann gleich noch ein weiteres Highlight. Es besticht durch seine schöne Melodie und die Fähigkeit sowohl im Club als auch im Schlafzimmer gut hineinzupassen.

Doch der große Höhepunkt erwartet einen ab der Hälfte des Albums. "On Your Own" hat einen tollen Drive, sehr gute Melodie, ist einprägsam und bestitzt im Refrain sehr schöne Synthiespielereien/Effekte, die auch gut auf die diesjährige Shy Child-Platte gepasst hätten. Man sieht: der Song hat Qualitäten für einen Riesenhit. Bei mir ist er das auch schon geworden.

Doch dann stellt man auch langsam das einzige Problem der Platte fest. Zum Ende hin wird die Scheibe recht eintönig, da sich die Stimmung und der Stil der Tracks doch oft ähneln. Einziger stilistischer Ausbruch ist "My Fears Wild Goose at Night", welches nur mit akustischer Gitarre, Vokals und ohne Beat besetzt ist.

James Yuill bestätigt mit dieser Platte, dass er weiterhin zu den besten im Folktronica-Genre gehört. Für "Movement In A Storm", das ohne Ausfälle über die Runden kommt, geht auf jeden Fall eine Empfehlung raus. Besonders die Atmosphäre/Stimmung des Albums überzeugt.

7/10 Punkte

erstellt von Markus.

Mittwoch, 2. Dezember 2009

Bombay Bicycle Club - I Had The Blues But I Shook Them Loose (Review)

Ich muss zugeben, der britische Indierock hat mich in diesem Jahr ein wenig enttäuscht. Es gab zwar durchaus Alben die überzeugen konnten, aber auch viele die gelangweilt haben. Die Bands die sich weiterentwickelt haben (z.B. The Horrors, Franz Ferdinand, Editors) oder immer noch individuell geblieben sind (z.B. Kasabian), konnten auch 2009 bei mir gefallen finden. Doch dem stehen mindestens ebenso viele Künstler gegenüber, die stagniert sind und langweilige oder allenfalls solide Platten abgeliefert haben (z.B. Maximo Park, The Rifles, Art Brut, The Rakes). Könnte es jetzt also ein Newcomerband schaffen, den eher durchwachsenden Gesamtjahreseindruck vom British-Rock'n'Roll noch einmal anzuheben?

Angetreten zu dieser Herausforderung sind Bombay Bicycle Club, eine Band aus London, die 2005 gegründet wurde. Nach mehreren Festivalauftritten in diesem Sommer und einem kleinen Hype, veröffentlichen die 4 Jungs jetzt ihr Debut "I Had The Blues But I Shook Them Loose". Experimente durfte man aber nicht erwarten, sie spielen nämlich waschechten Indie. Von daher trete ich dem Album mit Skepsis gegenüber, denn ist gibt ja nicht gerade wenige junge Londoner Rockbands, die mit dem Hochloben der Medien in Berührung kamen.

Erste Überraschung, als Opener hört man anstatt einer kleinen Indiehitsingle, wie es bei den meisten Platte des Genres ist, ein Instrumental, das sich auf kurzen 1.32 Minuten zwischen Postrock und Alternative einpendelt. Dass sie zwar nichts neu erfinden, aber Bekanntes sehr gut neu interpretieren können, zeigt das darauf folgende"Lamplight", eine gekonnte Mischung aus Trail Of Dead und Maximo Park. Auch "Evening/Morning" macht da weiter, enthält aber auch eine Spur mehr Pop. Auch für einen echten Ohrwurm wurde gesorgt, "Magnet" groovt, rumpelt und erinnert angenehm an Foals. Insgesamt überwiegt eine leicht melancholische Stimmung, weswegen sich "I Had The Blues But I Shook Them Loose" gut für verträumte Regentage eignet.

Dieses Album ist kein Meisterwerk, aber doch nett zu hören, es kommt außerdem auch ohne große Ausfälle über die Runden. Für das 2. Album wünscht man sich etwas mehr Experimentierfreudigkeit, doch bis dahin ist ja noch Zeit. Bombay Bicycle Club zeigen uns also als durchaus ernst zunehmende Newcomer, dass auch 2009 kein Ausfalljahr für den Indierock aus Britannien war.

7/10 Punkte

erstellt von Markus.

Dienstag, 13. Oktober 2009

Editors - In This Light And On This Evening (Review)

Pompöse 80s-Synthesizer, eine düstere Atmosphäre und die dunkle, kräftige Stimme von Tom Smith, das sind die prägenden Elemente der Vorab-Single "Papillon" vom neuen Album der Editors. Vergleiche mit Depeche Mode werden wach, die sich zwar oft schwach, aber doch über fast das gesamte Album halten. "In This Light And On This Evening" ist die Fusion des Electro/New-Wave-Pop a la New Order oder auch Kraftwerk, mit der dunklen Atmosphäre die man von Bands wie Joy Division gewöhnt ist.

Herausgekommen sind Songs wie der dramatisch bedrückte Titeltrack, der eine Liebeserklärung an London darstellt. Diese erwähnte Dramatik ist neben den 80s-Synthies und der dunklen Atmosphäre die große Konstante der Platte. Es ist wie ein düsterer Traum, alles wirkt so nah, doch man kann es nicht berühren, und wie dunkle Schatten zieht die Musik an einem vorbei. Den Höhepunkt des ganzen bildet dann das majestätische und zerreißende "Eat Raw Meat = Blood Drool", welches das gesamte Album auf den Punkt bringt.

Das 3. Album der Band ist ein recht schwer zu fassendes Werk, für das man viele Durchläufe benötigt, um es wirklich ganz zu verstehen. Auf jeden Fall haben die Editors aber ihr eigenes Ding gemacht, anstatt den Erwartungshaltungen zu entsprechen und dabei ist doch ein kleines Stück düstere Kunst entstanden, das wahrscheinlich aber auch nicht jedem Fan gefallen wird.

erstellt von Markus.

Samstag, 3. Oktober 2009

The Heavy – The House That Dirt Built (Review)

“Don’t Go In The House” wird man von dieser bekannten Horrorfilmstimme in der Einleitung zu „The House That Dirt Built“ begrüßt. Das erste richtige Lied „Oh No! Not You Again!“ wirkt dann gleich so, als wollten The Heavy den Hörer gleich wieder rausprügeln. Man kann überrascht sein, was für eine Änderung die Band durchschritten hat. Denn der Opener lässt nur noch wenig erkennen von den zusammengesampelten Funkrock-Songs des Vorgängers und stellt stattdessen den Garagenrock in den Vordergrund. Dieser war zwar auch schon im Erstling der Band enthalten, jedoch nie so konsequent umgesetzt.

Die nächsten 2 Lieder sind dann doch wieder das, was man erwarten konnte: Bläser, die soulige Stimme von Kelvin Swalby und sich widerholende Drumspuren. „How You Like Me Now?“ und „Sixteen“ sind jedoch beide songwritingtechnisch stärker als es die Songs des Vorgängers waren und auch die Bläser wirken nicht mehr so steril, obwohl die Produktion von Jim Abiss(Arctic Monkeys, Kasabian) sich doch ein wenig vom ganz rohen Sound des Debüts entfernt hat.

„Short Change Hero“, das wohl noch mehr als das ganze Album für einen Quentin Tarantino geeignet ist, erzeugt eine Spaghetti-Western Atmosphäre im typischen The Heavy-Anstrich. Das ganze wirkt durch die seltsamen „Hmm’s“ im Hintergrund eigenartig und bedrohlich-soulig. Weiterhin lässt das Album nie einen Schluss zu, in welches Genre es einzuordnen ist. Reggae, Balladen, Garagenrock und Funk wechseln sich auch weiterhin ab, immer mit dem Schweinesoul und der HipHop-Attitüde im Nacken. Langweilig wird das nie und Austauschbarkeit kann man auch keiner Zutat dieses Sounds zusprechen. Warum also Entscheidungen fällen, wenn dieser Shizosoul so gut funktioniert?

erstellt von Leon.

Dienstag, 22. September 2009

Jamie T - Kings And Queens (Review)

Rap, Dub, Indie, Blues, Pop, Singer/songwriter, Grime, Folk. Das alles schon mal neulich in einem Album gehört, nein? Na dann wird es Zeit für die brandaktuelle Platte von Jamie T. Der Londoner vermischt auf "Kings And Queens" nämlich mal wieder alle möglichen Stile und das in fröhlicher und großartiger Weise. Um den Mix mal in Bands und Künstlern aus zu drücken: Blur, The Streets, Dead 60s, Bob Dylan, Beastie Boys, Conor Oberst und The Maccabees, all dieses könnten bei "Kings And Queens" Pate gestanden haben. Über diese verschiedenen Einflüsse spricht, rappt und singt Jamie T seine Texte über den Alltag und die Zwischenmenschlichen Beziehungen in seinem Umfeld.

Im Gegensatz zu seinem Debut ist das neue Werk ein Stück gereifter, geordneter und weniger naiv. Trotzdem erkennt man noch deutlich seinen Stil. Den Beginn macht das sommerlich fröhliche "368", welches mit Vocoderstimmen im Refrain versehen ist und einfach gute Laune macht. Nach diesem Stück SunnyPop kommt mit "Hocos Pocus" eine hastige und etwas dunklere Hip-Hop-Nummer. Der 2. Höhepunkt nach "368“ ist dann "Sticks'n'Stones", das die Stärken der 2 vorrangegangen Tracks vereint und dazu noch einen wunderbaren Mitsing-Refrain liefert. Danach folgen dann noch verschiedenste Songs. Ein Folkballade in Form von "Emily's Heart", das mit Funk und Dub versehende "Chaka Demus" und "Castro Dies“, das mit seine Raps und schrägen Synthies sehr an die Beastie Boys erinnert. Das große Highlight ertönt dann mit "Earth, Wind And Fire". Hier offenbart Mister T mal wieder seine Stärke Gesang und Raps sehr gut nebeneinander zu positionieren. Die letzten 2 Lieder offenbaren dann die einzige Schwäche von "Kings And Queens". "British Intelligence" und "Jilly Armeen" rauschen etwas am Hörer vorbei und schaffen es im Gegensatz zu allen anderen nicht, zu begeistern.

Insgesamt also ein deutlich verbessertes Zweitwerk was sich stark vom Rest der derzeit aktuellen Musik abhebt, Farbe in den grausten Alltag bringt und jede Menge fabelhafte Songs mitbringt, die auch über das etwas maue Ende hinwegtrösten.

erstellt von Markus.

Mittwoch, 2. September 2009

Noah and the Whale - The First Days of Spring (Review)

Mit Laura Marling und Emmy The Great sind (fast) alle weiblichen Gesänge aus dem Sound von Noah and the Whale verschwunden. Der Abschied von Laura Marling hatte jedoch auch seine Vorteile. So hätte es das neue Album wohl nie ohne ihren Abschied von Band und vom Sänger/Gitarrist/Songschreiber Charlie Fink gegeben. Denn das Album baut komplett auf dem größten Thema der Rock- und eben auch der Folkmusik auf, der Liebe, in diesem Fall um die Liebe der beiden erwähnten im speziellen.

Man könnte jetzt meinen, dass die Aufrollung dieses dann doch ziemlich abgedroschenen Themas schnell langweilig wird. Aber Noah and the Whale schaffen es wirklich viele Facetten in die Musik einzubringen, die man so von einer englischen (Indie-)Folk-Band eher nicht erwartet. Sie überraschen beim Titeltrack „First Days of Spring“ sofort mit ungewöhnlicher Länge, wie auch mit einem eher Postrock-ähnlichem Auftakt, der sich langsam aufbaut ohne sich hochzuschrauben. Zum Einsatz von Charlie Finks Stimme kommt dann auch die Wende hin zum geigengestütztem Gitarrenfolk. Der Song schafft es mehrmals sich dem Auftürmen der Instrumente in der letzten Sekunde zu entziehen und wieder zurückzukommen zur entspannten Stimme des Sängers. Nach einem längeren Instrumentalteil verblasst der Song dann doch nicht im Belanglosen, sondern entlädt sich bei seiner letzten Chance. So ist er zugleich entspannend, als auch erforschungswürdig und spannend. Dieser Gegensatz zieht sich durch das ganze Album.

Die nächsten 3 Songs enthalten eigentlich keinen großen Ausbruch, bleiben aber allein wegen der Einsätze von Glockenspielen und Bläsern interessant. In den Texten merkt man wie emotional die Schreibphase gewesen sein muss. Wenn man in ‚I Have Nothing’mit den Worten ‚I have nothing, I have no one’ begrüßt wird , spürt man die Melancholie fast so als wäre man grade selbst verlassen worden. Nach dem letzten Aufbau in ‚Instrumental I’ entlädt sich alles im Chor und im fröhlichen Wesen von ‚Love of an orchestra’, das so zwar kleine ‚Bohemian Rhapsody’-Erinnerungen aufruft, aber doch meilenweit davon entfernt ist. Mit dem Chor erklärt sich dann übrigens auch das fast im ersten Satz der Review. Ab hier wird das Album dann doch etwas optimistischer. Der Schlussteil von ‚Stranger’ erinnert textlich sogar ein bisschen an ‚5 Years Time’ und ‚Blue Skies’ erklärt sich schon durch den Titel. Ab jetzt beginnt der langsame Ausstieg. Der Closer ‚My door is always open’ bleibt sehr lange sehr langsam um am Ende zu erkennen zu geben, dass konsequent die entgültige Trennung passiert und er jetzt frei ist.

Ein wirklich fesselndes Album, mit Melancholie und mit viel Spaß, als Album genauso gut wie die einzelnen Lieder sein können. Nachdem der Schlagzeuger seinen Austritt bekannt gegeben hat, kann man sogar ein bisschen hoffen auf ein Album nur mit Gesang, Gitarre, Geige, Bass und Xylophon. Aber auch wenn sie sich das nicht trauen, wird das nächste Album sicher keine Enttäuschung.

8,5/10 Punkte

erstellt von Leon.

Freitag, 21. August 2009

Arctic Monkeys - Humbug (Review)

Nach Alex Turners Ausflug in düsterere Gefilde mit den Last Shadow Puppets klingt auch das neue Arctic Monkeys Album deutlich finsterer. Das HipHop-Nebenprojekt Mongrel, bei dem Monkeys-Schlagzeuger Matt Helders spielte, hört man jedoch in keinem Moment heraus. An den von James Ford produzierten Stellen, der bei Alex Turners Nebenprojekt am Schlagzeug sitzt, denkt man eher an einen Puppets-Demotrack, der noch nicht von Miles Kane besungen wurde.

Gleich der Opener 'My Propeller' hätte auf den vorhergegangenen Album der Band keinen Platz gehabt, erst Recht nicht den des 1. Tracks. Das Schlagzeug ist ungewöhnlich starr arrangiert für einen Einleitungssong der Arctic Monkeys. Dabei kommt das Lied nicht besonders gut voran und wirkt eher ziellos. Die darauffolgende 1. Singleauskopplung 'Crying Lighning' überzeugt da schon mehr. Der Gesang und die Gitarrenarbeit überzeugen und es gibt keine Ausrutscher wie das Hintergrund-'Uuh' im ersten Track.

Nach 2 Tracks, einer mit verwunderlichen Lyrics und einer der bereits erwähnten Last Shadow Puppets-Fastcovers, folgt mit 'Potion Approaching' endlich ein Lied mit gut gesetzten Tempowechseln, einem beweglichen Schlagzeug und einem starken Refrain. Auch wenn die Backgroundvocals stark vertreten sind, sind sie aufgrund der Stärken des Songs durchaus ertragbar.

Ungewöhnlich stark kommt nach diesem Lied die balladeske Seite der Band zum Tragen. Erst nach 3 Liedern wird der Bruch gesetzt und es kommt endlich ein richtiger Monkeys-Song. Auch der letzte Song ist 'traditioneller' bzw. mehr wie man es von der Band aus kennt. 'The Jewelier's Hand' , das einzige Lied, das über die 4 Minuten lang ist, ist zwar wieder eine Ballade, überzeugt jedoch durch Zirkusanleihen, durch das Zusammenspiel der auf dunkel getrimmten Stimme Turners und des dröhnenden Basses und die textliche Finesse des Sängers.

Das 3. Album der Arctic Monkeys zeigt, dass diese Band durchaus experimentelle Ambitionen hat. Unter der Länge von 5 Minuten ist in dieser Musikrichtung nur nicht gerade viel zu machen. Obwohl man sich jedes Lied merkt, dass in diesen 40 Minuten vorgelegt wird, sind nicht viele Hits dabei. Die Vermischung des Sounds mit der Nebenband Turners tut nicht gut, da sie in dieser Besetzung einfach nicht die Wirkung wie bei den Last Shadow Puppets entfalten kann.

6,1/10 Punkten

erstellt von Leon.

Donnerstag, 23. Juli 2009

James Yuill - This Sweet Love (Review)

Das Genre Folktronica ist mittlerweile schon längst über den Geheimtippstatus hinausgewachsen. Was Patrick Wolf auf seinen Alben zelebrierte und die Crystal Fighters in ihrem Szenehit "Xtatic Truth" verpackten, wird mittlerweile auch von James Yuill produziert. Wobei, was heißt mittlerweile? Sein Debutalbum legte
der Künstler schon 2005 dem Publikum vor. Richtig beachtet wurde es bis heute jedoch nie. Das neue Album, "Turning Down Water For Air", dagegen war schon etwas erfolgreicher, und bescherte James mehr Aufmerksamkeit. Aus diesem Album ist auch die Single " This Sweet Love" ausgekoppelt wurden.

Die auf Moshi Moshi Records releaste Scheibe umfasst 5 Songs. "This Sweet Love ist ein sehr schöner, und melancholischer Folktronica-Song. Der Non-Album-Track "They're Chasing My Hands" ist dann schon etwas mehr dem Dancefloor zugewandt. Zum Schluss gibt es dann noch 3 Überarbeitungen der Single. Im Bright Light Bright Light Remix verwandelt sich "This Sweet Love" in einen ruhigen und entspannten Indiepopsong. Drums Of Death machen den Song dann erst zu einer Lo-Fi-Nummer um dann eine Soundexplosion entstehen zu lassen. Sie beginnt mit abruptem New Rave Gefiepse a la Hadouken und geht dann in Technohouse zwischen Bloody Beetroots
und 1 Foot In Da Rave über. Ruff And Jam bringen dann noch die Indiedisco Variante des Ganzen. Eine sehr überzeugende Platte.

erstellt von Markus.

Dienstag, 9. Juni 2009

Kasabian - West Ryder Pauper Lunatic Asylum

Ziel erreicht: Geisteskrank. Ja, es ist ein Konzeptalbum, aber weiß man bei irgendeinem dieser sog. Konzeptalben überhaupt, ob sie als Konzeptalbum geplant waren? Bei “West Ryder Pauper Lunatic Asylum“ zweifle ich da genauso. Sie sagen, sie wollten mit dem Album mit jedem Song einem anderen Geisteskranken im Irrenhaus, das für das Album namensgebend ist, in den Kopf kucken. Übrigens war das das erste seiner Art in England, das auch Arme aufnahm. Man könnte aber auch die Schizophrenie der Band selbst verantwortlich machen für dieses etwas verkopfte Album.


Verstörend trifft bei den meisten Hörern wahrscheinlich besser zu – positiv verstörend. Nach “Empire“, dem rund eine Millionen mal verkauftem Vorgänger, kommt mit WRPLA jetzt nicht etwa die Annäherung an die Chartmusik, sondern ein etwas schwer begreifliches Album, das mit jedem Song die Genrezugehörigkeit ändert. Trotzdem kann man Kasabian dank der psychedelischen Noiserock-Riffs fast immer raushören. Das ist viel abwechslungsreicher und spannender als je ein Album von Oasis war, mit denen sie sich außer der großen Klappe auch die nächste Tour teilen. So hört man nicht nur die typischen Referenzen raus wie Stone Roses und Primal Scream, sondern auch The Prodigy, die sicher stolz auf einen Song wie “Vlad The Impaler“ wären.


Absolute Highlights des Albums sind der Opener “Underdog“, der groovt und zum Tanzen anregt wie selten und so zwar unrealistisch gute Erwartungen auf das Album aufdrängt, aber einem schon am Anfang die Kraft gibt das Album durchzustehen. Manchmal wird es im Verlauf nämlich so schwer zu folgen, dass man nur dranbleibt um weitere Perlen zu entdecken. Nachdem das Album aber einmal gehört wurde, verschwindet es nur noch schwer aus dem CD-Spieler und noch schwerer aus dem Kopf. Nach vielen Wechseln zwischen langsam und schnell, Electro und Country kommt es zum nächsten Highlight mit “West Ryder Silver Bullet“, einem Duett von Sänger Tom mit einer Saw-Schauspielerin in Western-Atmosphäre. Am Ende der Platte stehen mit “Fire“ und “Happiness“ weitere Höhepunkte. So wird im ersteren mit Tempowechseln ein Indie-Rocker erster Klasse geschaffen und “Happiness“ entlässt einen dann endlich mit Gospelchören in eine Zeit des Nachdenkens über das grade erlebte.


Es ist gut, spannend, abwechslungsreich, aber eben manchmal auch schwer dem ganzen zu folgen, eben wirklich Irre. Empfehlung: Anhören, Kaufen, Anhören, Anhören, Gut finden.


7,7/10 Punkte



erstellt von Leon.