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Sonntag, 15. Januar 2012

Alben des Jahres 2011 - Leon

Wie gut ein Jahr war erfährt man ja meistens erst Jahre später, wenn sich Alben als persönliche Klassiker durchgesetzt haben, aber 2 Alben aus 2011 hätten bei mir auf jeden Fall die Chance dazu und stehen ganz vorne auf der gleich folgenden Liste. Bevor ich die anfange, will ich auch nochmal betonen, das sich noch viel verändern kann. Viele dieser Alben haben zwar einen ziemlich festen Platz, aber "Mein kleiner Krieg" von Mutter scheitert bis jetzt einfach am Einzug in die Liste (und wahrscheinlich Top 10), weil ich die Platte erst 3, 4 Mal gehört hab. EPs sind übrigens genauso wenig enthalten wie die geniale Smile Sessions der Beach Boys. Darum hier noch mal einen kleinen Überblick über meine Lieblings-Kleinformate des Jahres. Da gibt es erstmal die Awake EP von Trash Talk, die musikalisch für mich das Beste ist, was sie je gemacht haben, aber ein ganz kleines bisschen an Ecken und Kanten verloren hat. Die Manx EP von Maeckes war das Deutschrap-Release meines Jahres - die Amateurhaftigkeit wie halbfertige Beats mit genialen Lyrics verschmelzen ist einfach Einzigartig. Future Of The Left habe ich hier ja sogar besprochen und Polymers Are Forever hat keinen Teil seines Abhängigkeitspotentials verloren und deutet auf eins der besten, dreckigsten und schmutzigsten(ja, da gibt es einen Unterschied) Alben des nächsten Jahres hin. Die Comecrudos EP hingegen deutet eher auf eine ziemlich seltsame LP aus dem nächsten Jahr hin. Diese 24 Minuten Landschaftsbeschreibung sagen über das nächste Großprojekt von Pontiak aber wahrscheinlich eher wenig aus. Zum Schluss muss auch noch Burial erwähnt werden, der auf Street Halo so schön das Gefühl rüberbringt, das man hat, wenn man nach dem Feiern einfach in die Stadt kotzen möchte. Aber jetzt erstmal viel Spass mit meine Liste.

20. The Dodos – No Color

No Color fängt an mit einem typischen Dodos-Beat, so abstrakt wie er sein muss und nach dem enttäuschenden Singer/Songwriter-Folk Ausflug auf dem Vorgänger „Time To Die“ ist das echt eine Überraschung. Und gerade als man sie dafür umarmen will, kommt es noch besser und durch eine Symbiose aus Freak-Folk und Folk-Pop entsteht der Opener „Black Night“. Die Art, in der im Laufe des Albums dann noch ein Stück Noise-Rock in den Mix einfließt, hat auch nur mit der neuen Reife im Sound der Dodos Sinn. Dadurch klingt zwar nur noch wenig so verspielt wie auf ihren frühen Alben, aber das könnte man ihnen auch nicht mehr abkaufen. Der Spass, den man bei Meric Long immer erwartet, ist zwar trotzdem noch da, nur muss man ihn sich jetzt halt erarbeiten – und das ist nur höchstens so wiedersprüchlich wie der Verlauf von „Going Under“, der so klingt als hätten Animal Collective einen Song mit Robin Pecknold aufgenommen bei dem die Synthies draußen bleiben mussten.


19. Samsara Blues Experiment – Revelation & Mystery

Noch nie war die Versuchung größer sich eine Horde Kiffer beim Headbangen vorzustellen. Denn genau dazu liefern SBE hier den Soundtrack ab. Nach der Energie, die bei einem Auftritt dieser Band verbraucht wurde, kann man zu Colour Haze dann auch bestimmt gleich viel besser abgleiten. Und so unterschiedlich sind die beiden genannten Bands dann auch gar nicht. Wo bei Colour Haze immer noch ein tranciges Riff eingeschoben wird, gibt es hier dann einen Stimmeinsatz oder manchmal sogar einen hektischen Umschwung, der die Heavy-Stoner-Atmosphäre ein bisschen aufweckt. Immer schön zwischen die Stühle!


18. Rainald Grebe – Zurück zur Natur

Es ist 2011 und jeder singt über Liebe und Gefühle? Eigentlich kann das nicht sein, wenn es soviele politische Themen gibt. Selbst der Punk oder Hardcore praktiziert die Nabelschau und macht teilweise wie La Dispute oder Fucked Up sogar Konzeptalben. Dann muss sich eben der mittlerweile 40-jährige Rainald Grebe neben seinen eigenen Gefühlen auch noch um die Politik kümmern. Und mit der musikalischen Abwechslung, die mittlerweile in seiner Musik steckt, wird das sogar richtig interessant. Wenn er die Talking Heads, Leonard Cohen und alle anderen, die er so nebenbei erwähnt jetzt auch noch in seinen Sound integrieren würde, gäbe es aber noch mehr zu feiern als ein wirklich gutes Pop/Rock-Album.


17. The Black Keys – El camino

Eine typischere Band für das vergangene Jahrzehnt wird es wohl nicht mehr geben. Alles an den Black Keys ist ein einziges Revival, kein Riff hört sich wirklich „neuartig“ an und die Drums treiben relativ „gewöhnlich“ – eine Mischung aus Garage Rock mit ein paar Spritzern T-Rex und mittlerweile übermenschlich großer Produktion. Das dabei nicht unbedingt Spannendes herauskommt und selbst ein Song wie „Little Black Submarine“ nicht ins Anspruchsvolle abgleitet, obwohl er die Verschmelzung von Folk-Rock und Hard Rock betreibt, ist dabei gar nicht schlimm. Die Hauptsache ist hier einfach nur, dass es rockt und wenn dabei auch noch solche Hits abfallen, kann man Dan Auerbach und Patrick Carney den Erfolg nur gönnen.


16. Black Rust – The Gangs Are Gone

Ein Album als roter Faden gesponnen – jeder Song folgt thematisch auf den anderen und genau wie sich die Gefühle im ständigen Auf und Ab befinden, kommt auch die Musik mal als leiser Gitarren-Folk-Song daher oder packt mit Bläsern, Streichern, Piano alles aus, was man im Americana gerade noch machen darf. Das erinnert teilweise an Größen wie Neil Young, schrammt aber vor allem bei den leiseren Songs nur knapp an „zu brav“ vorbei. Das wird an anderen Stellen mit E-Gitarren-Einsätzen zwar wieder ausgeglichen, aber der einzige Spielraum, den sie für das nächsten Album jetzt noch haben ohne belanglos zu werden, ist der Weg weg vom Leisen. So wie es hier klingt ist es aber noch unglaublich guter Americana aus Münster.


15. Haken - Visions

Visionen sind ja auch irgendwie Traumtheater und Haken wandeln auf den Pfaden dieser Progressive-Götter und übertreffen mit diesem Album jetzt sogar alles, was Dream Theater auf ihren letzten Alben veranstaltet haben. Growling und Metal spielen da zwar nicht mehr so eine große Rolle wie auf ihren vorherigen Releases, dafür ist das Album aber mehr als je zuvor von (schwierigen) Zusammenhängen geprägt und wird dadurch so episch wie Musik nur seien kann. Und nur durch Übertreibung kann man in diesem Klischee-Genre ja überhaupt noch Großes vollbringen. Das beeindruckt niemanden, der Prog für ein Altherrenthema hält, aber auf der Basis des Genres ist bei Visions einfach alles gegeben: Virtuosität, Entwicklungen innerhalb der Songs und zwischen den Songs, Konzepte. Das Besondere an Haken ist dann aber, dass vor allem ihr Sänger, Ross Jennings, aber auch die Band als Ganzes noch Emotionen auslösen kann und nicht so steril (obwohl die Produktion strahlt) ist wie einige ihrer Genre-Kollegen.


14. Noah And The Whale – Last Night On Earth

Nachdem sich ein Drumcomputer und viele Synthies gleich am Anfang umschwirren, glaubt man erst nicht, dass das noch Folk seien kann. Aber die Stimme von Charlie Fink und das gesamte Arrangement mit Chören und Piano geben dem Opener „Life is Life“ eine glückliche Atmosphäre ganz ähnlich wie sie auf Peaceful, The World Lays Me Down 2007 war und rückt das Bild der ersten Töne ganz vorsichtig wieder gerader. Das setzt sich dann auch größtenteils so fort, mal mit mehr Gitarre, mal mit Geigen, aber immer als elektronische und fröhliche Neuerfindung der Band nachdem sie sich auf dem großartigen Vorgänger The Last Days Of Spring ja noch melancholisch zeigten und eine Auflösung danach gar nicht so unwahrscheinlich war. Schön das es euch noch gibt und danke für dieses Stückchen… Musik.


13. Profesjonalizm – Chopin Chopin Chopin

Nein, das hier ist keine Neuaufnahme von Chopin-Stücken, sondern ein polnisches Jazz-Sextett. Der Name will sich eigentlich nur lustig machen über die Ausbeutung von Chopin in polnischer Musik, die Musik will eigentlich nur Spaß machen, hat sich dazu aber die denkbar schlechteste Basis, nämlich Avant-Garde Jazz im Stile des 50er- und 60er-Bebop von z.B. Thelonius Monk ausgesucht – und dieses Ziel trotzdem erreicht. Das 4-minütige und damit kürzeste Stück Dęty ist eins der von mir am meisten gehörten Stücke dieses Jahres, da die treibende Rhythmusgruppe einfach immer wieder Freude macht und die komplexe Melodie, die immer wieder in Improvisationen durch jegliche Tonleitern gehetzt wird auch beim 50. Mal noch interessant ist. Die anderen Songs stehen da in nichts nach und insgesamt bietet das Album mit vielen Stimmungen und einigen atmosphärischeren Tracks auch Abwechslung. Damit kann ich auch schon nicht mehr schreiben über ein Album über das man eigentlich gar nichts schreiben sollte, sondern es einfach hören muss um Ahnung von seinem Sound zu bekommen.


12. Sandro Perri – Impossible Spaces

Was verdammt ist das? Da kommt irgendsojemand daher und presst einen minimalistischen Ansatz, der teilweise an Talk Talk erinnert zusammen mit einem Kraut-Prog Stil wie ihn Hoelderlin auf Platte gebracht haben und dann macht er daraus eine Folktronica-Platte, die zwischen den beiden Extremen des Genres nach Belieben hin- und hertingeln kann. Dass das dabei auch irgendwie zu Jazz wird, dürfte niemanden verwundern, dass es auch auf 10-Minuten-Songs nicht unnötig unverständlich wird, sondern irgendwie immer noch Emotionen vermitteln kann, zeugt von einem Riesentalent.


11. Young Circles – Jungle Habits

“Light up and let the feeling move ya/ I sell that friends to consume ya// you wanna feel alive//” So und jetzt Hornbrillen auf und ab in die Hipster-Indie-Disco. Wenn man “Jungle Habits” nur so antestet und bei dem Hedonismus der Platte nicht mal ein Auge zudrücken kann, kann man tatsächlich denken hier hätten sich ein paar Musik-Elitisten zusammengetan um ein bisschen das auszuformulieren, wofür Animal Collective und Radiohead zu viel Stolz haben. Aber das wäre erst mal gar nicht wirklich schlecht und wenn dabei zweitens sowohl ein Banger wie „2012“ rauskommen als auch ein experimenteller Jam wie „Jangala“, sollen sie doch so seltsam sein wie sie wollen. Eine Empfelung auch für jeden, der findet, dass man generell zu wenig Gesangseffekte in aktuellem Indie hört.


10. Has-Lo – In Case I Don’t Make It

Manche Rapper chillen mittlerweile hinter Rauchschwaden und klingen auch so, andere sind immer noch Gangster und haben immer noch alle Bitches und ticken Drogen. Bei all diesen (oft zurecht) Aufmerksamkeit suchenden Personen übersieht man so jemanden wie Has-Lo schnell. Der sitzt lieber bei Kerzenlicht in seinem Dichterzimmer und übersetzt seinen tief melancholischen (In Case I Don’t Make It) oder sogar gesellschaftskritischen (Kinetic Energy) Poetry Slam-Stil in Raps. Und die werden hinter nichts versteckt sondern durch die minimalen und vor allem auf klassischen Instrumenten basierenden Beats eher in den Vordergrund getrieben. Das bisschen Vordergrund kann er sich auch erlauben, so zurückhaltend wie die Musik ist. Nichts, nicht mal die Flows hier, drängen sich auf, obwohl alles gut bis perfekt ausgearbeitet ist. Das hier ist HipHop zum hinhören und analysieren und so wunderbar eigenständig.


9. Portugal. The Man – In The Mountain In The Cloud

Was passiert, wenn Musiker sich entfremden, streiten, kaum mehr schlafen und eigentlich nichts mehr funktioniert? Das kann in einem spannungsgeladenen Album enden oder in der Auflösung. Im Falle von Portugal. The Man führt es einfach nur dazu, dass sie ihrer Diskographie noch ein Spitzenalbum hinzufügen können. Nur ein Fehler ist ihnen dabei unterlaufen: Alles auf ITMITC ist Pop und damit kann ein Song nicht gut sein, wenn die Melodie nicht gefällt oder mitreißt. Bei 10 Tracks, die sich allesamt zwischen den Beatles, T-Rex und David Bowie positionieren, kann das System kaum aufgehen, ohne dass man mit einem Song rausgeht, der nunmal nicht so toll ist. Für mich ist das „Once Was One“, der ganz subjektiv einfach nicht mein Fall und mir zu sacht ist. Der 11. Track bildet die Ausnahme auf diesem Album: „Sleep Forever“ kann man eigentlich gar nicht nicht mögen, wenn man Gefühle hat. Der Aufbau von einer Gitarrenmelodie zu einem Song mit Chören, Streichern und allem was dazu gehört, reißt einfach mit und mit dem Text über die Sehnsucht nach einem Ende NACH dem Tod will man sich eigentlich mal in eine einsame Hütte in Alaska begeben nur um zu verstehen, was John Gourley da sagen will. Zusammenfassung: Solides Album mit Ausreißern nach unten und viel mehr nach oben.


8. Radiohead – The King Of Limbs

Dafür haben die 4 Jahre gebraucht? Das kann ich ja in ner Woche in meinem Fruity Loops zusammenschustern, das wiederholt sich ja ständig und das ist viel zu kurz und sie haben uns betrogen! Ja, das musste man sich echt anhören, wenn man King Of Limbs vor alten Fans, die sich OK Computer zurückwünschen, verteidigt hat. Und so Unrecht haben sie auch gar nicht damit, dass hier nicht viel Musik zu finden ist und Vieles immer und immer wieder wiederholt wird. Aber damit haben sie im Prinzip nur gezeigt wie wenig man machen muss um Atmosphäre zu erzeugen: ein vertracktes Beatfragment, unverständliche Stimme und eine Menge, das nur im Hintergrund abläuft, reicht bei Radiohead damit man an Can denken muss. Dabei ist die Musik auf diesem Album, die so gar kein Genre kennt vor allem daraus auf Gefühle zu erzeugen – von Isolation, Naturverbundenheit, technischer Distanz zwischen Menschen könnten diese Songs handeln, wenn man die Texte nur so interpretieren will und genauso fremd wirkt auch alles auf King Of Limbs. Das nennt man dann wohl stimmig.


7. Chuckamuck – Wild For Adventure!

Deutscher Punk ist ein seltsames Thema. Die meisten Leute denken dabei nur an Manschen, die mit ihren Hunden auf der Straße betteln, andere an die Ärzte oder die Toten Hosen. Obwohl fast jeder eine Meinung zu diesem Thema hat, weiß also eigentlich kaum jemand, was für geniale Bands es (vor allem in Berlin) gibt. Chuckamuck ist eine der neuesten davon: fast alle Mitglieder waren bei der Aufnahme noch minderjährig und sind ein Beispiel dafür, was die Black Lips in „Bad Kids“ besungen haben. Die Musik dazu ist ein schlampig eingespielter und dreckig produzierter Mix aus Rock’n’Roll und Punk ganz im Sinne der schon genannten Amerikaner. Alles, was dazu kommt (Geigen, „Geister-“Orgel usw.) und alle seltsamen Strukturen der Musik erschaffen intelligente Musik, die vor allem bei den englischsprachigen Songs Unmengen an Spaß macht. Im Endeffekt ist aber gerade die Wiederholung bei diesen Songs das einzige Problem des Albums. Texte über Schokoriegel, Sex auf der Schaukel oder die eigene Geilheit sind natürlich besser als „hsbgdhjfsdmngframdfshm, Walk Like A Duck“.


6. BRAIDS – Native Speaker

Die Kanadier kopieren auch wirklich alles und jetzt sogar Animal Collective – aber diesmal geben sie es immerhin zu. Wer BRAIDS auf ihre Standardreferenz anspricht, stößt bei ihnen auf Freude weil sie mit ihren Helden verglichen werden. Dabei können sie noch viel mehr für sich verbuchen. Die Arbeitsweise ist scheinbar erstmal die gleiche. Mit Sounds bei denen man sich fragt wie sie entstehen konnten, werden hier simple Melodien und Harmonien abstrahiert bis nur noch Stimmungen überbleiben, die mit ungewöhnlichem Gesangseinsatz überstülpt werden. Das Interessante hier ist aber, dass das manchmal so in Schönklang gipfelt wie sonst nur Post-Rock-Acts wie Remember Remember, dabei aber immer noch unglaublich verschlossen klingt. Wenn Stellen wie das perkussive „fucked up“ in „Glass Deers“ dann aber anfängt sich m Kopf festzubohren genauso wie die taub-aus-der-Disco-kommen-Atmosphäre von „Lammicken“, will man das Album immer wieder hören. Das ist im Endeffekt dann so wie Yeasayer, wenn man noch 10 Anläufe mehr für sie brauchen würde.


5. The UV Race – Homo

Ich will jetzt nicht Velvet Underground oder dem Krautrock den Humor absprechen. Trotzdem kann man den Sound von Homo nur als krawallende und lächerliche Verbindung von beiden beschreiben. Wirklich neu ist hier nichts, der Sound ist Garage-Punkig, die Songs Proto-Punkig, die ausufernden Teile krautig-repititiv und noisig und sogar der Wechsel von weiblichem und männlichem Gesang ist irgendwie geklaut. Aber wie sie das alles verbinden und dabei ihren eigenen Stil finden, ist beispielhaft. Wäre Lou Reed schon tot, könnte man sagen, er war bei den Aufnahmen wahrscheinlich als Geist im Studio anwesend und trotzdem hört man hier nicht 10 mal „Heroin“ oder „Run Run Run“, sondern 10 mal The UV Race mit all ihren Eigenheiten. Der Trick dabei ist 1. alles schlechter zu machen als man es könnte und 2. sich für nichts zu schade zu sein.


4. Low – C’mon

Low konnten gar nichts mehr falsch machen an diesem Album ausser das, was sie auf den Vorgängern falsch gemacht haben. Das hört sich komisch an ist aber so. Wo es auf The Great Destroyer noch zu allererst mal gelärmt hat, herrscht hier die pure Emotion, wo auf Drums And Guns das Experiment im Vordergrund gestanden hätte, herrscht hier die pure Emotion und wo es auf den Releases davor manchmal (eigentlich sehr selten) auch mal langweilig geworden wäre, herrscht hier schon wieder, natürlich, die Emotion. Und weil Emotionen nicht falsch sein können, ist es egal ob der einzelne Song jetzt Slowcore, Folkrock oder Country ist, weil so Oberflächliches gar nicht mehr zählt bei dieser Band. Sie sind schließlich „Nothing but Heart“ und könnten von mir aus jetzt sogar anfangen zu stagnieren.


3. Causa Sui - Pewt'r Sessions 1&2

Darf ich einfach sagen, dass das Musik ist über die man nicht schreiben kann und dann doch einfach nur 2 Sätze schreiben, die wenigstens ein bisschen Inhalt haben? Ja, das darf ich. Causa Sui ist das was man hören will, wenn man auf das DunaJam geht. Irgendwo zwischen Jazz und Rock und so weit da draussen, dass sich Psychdelic, Stoner und Post-Rock schon wieder zu Progressive Rock verbinden. Das ist bei der 1. Pewt'r Session songorientierter und bei der 2. bekommt man 3 Epen zu hören. Fertig, hört es euch an.


2. La Dispute – Wildlife

Eine Revolution! The Wave macht alles besser! Die neuen At The Drive-In! Ne Quatsch, ich bin keiner dieser Fanboys und klatsch euch hier keine dämliche das-beste-und-neueste-was-es-gibt-Review hin. Aber auch wenn man auf den Hype-Zug nicht aufspringt, kann man „Wildlife“ als wirklich gutes Album wahrnehmen, dass Post-Rock und Postcore zusammenbringt. Dabei sind sie nicht immer heavy und nicht immer schnell und aggressiv, obwohl ihre Musik vor allem Verzweiflung vertont. Nein, hier steht die Verzweiflung sogar noch vor der Musik und die macht sich dabei klein und ist schüchtern oder besser eingeschüchtert. Das passt dann aber auch schon wieder auf den „Geschichtenerzähler“ Jordan Dreyer, der an all seinen Stories wie ein gelähmter Betrachter daneben steht und die Figuren alles selbst machen lässt – und das tut weh; so weh, dass man selbst zu einem Mörder eine emotionale Beziehung aufbauen kann bis er sich am Ende von „King’s Park“ die Kugel gibt. Fast perfekt ist das, wenn man nicht ab und zu das Gefühl kriegen würde, einige kleine Längen fänden nur um des Textes Willen statt. Darum ist das hier auch nur Platz 2.


1. Urlaub in Polen – Boldstriker

Sicherheit ist der Feind des Musikers. Wenn man sich als Band sicher ist, was der Fan hören will, kopiert man sich irgendwann wahrscheinlich selbst. Wenn man finanziell nichts zu befürchten hat, muss man nicht mehr so viel in seine Musik investieren. Wenn man familiär abgesichert und glücklich ist, werden die Texte oft langweilig. Zum Glück gibt es so Pools der Unsicherheit wie UiP. Irgendetwas zu kopieren steht den beiden eh fern und so kann man sich als Fan kaum darauf einstellen, was da als nächstes kommt – sogar von einem Song auf den anderen ist das auf Boldstriker extrem schwer. Finanzen sind bei diesem Nebenprojekt wohl immer schon Nebensache und mehr mit der Musik zusammen als die beiden kann man kaum sein. Das ist die Basis für dieses Album, das einfach größer ist als alle davor und sich trotzdem teilweise so reduziert wie nichts, was sie vorher gemacht haben. 9 Songs brauchen sie um das Terrain zwischen Sonic Youth, Neu! auszuleuchten und mithilfe ihres bewährten Drumcomputers komplizierte Skizzen (Lore-Ley I), tanzbare Monster (Snowwhite) oder echte Rocksongs (Rebel And Waste) zu erschaffen. Das ist das logische Ende dieser Band, aber nicht das logische Ende der Musik von Georg Brenner und Phillip Janzen. Die werden auch weiterhin den Kraut zurückbringen und wenn das so weitergeht wie auf Boldstriker angedeutet, kommt da etwas Großes auf die Musikwelt zu.

Weitere Honorable Mentions: Prinz Pi, Yob,Timber Timbre, Tufu, Boots Electric, Projekt Gummizelle, Astronautalis, Hannah Peel, Black Lips, Ghostpoet, Weekend, Götz Widmann

2012?
Kettcar! Of Montreal! fun.! Die Ärzte! Perfume Genius! Janelle Monae? Animal Collective? Godspeed You! Black Emperor? MF Doom?? R.A. The Rugged Man?? The Tallest Man On Earth? Pontiak! Portugal. The Man?! Colour Haze!

Sonntag, 11. Dezember 2011

Alternative Christmas: Sufjan Stevens – Songs For Christmas

42 Songs auf 5 EPs aus 5 verschiedenen Jahren in einer Box mit Noten, Textbuch und einer Menge Gimmicks – das ist Songs For Christmas und deswegen ist es fast schon ein moderner Klassiker in der Indie-Welt. Egal, wo im Internet nach hörbarer Weihnachtsmusik fragt, Sufjan Stevens Box ist immer ein Tipp. Und das hat seine Berechtigung. 2 Stunden Weihnachtsmusik braucht natürlich kein Mensch, aber mit ein paar der 17 Eigenkompositionen und ein paar der Neuinterpretationen von traditionellen Weihnachtssongs kann sich sicher jeder Anfreunden und sich ein eigenes kleines Album zusammenstellen, dass dann sogar die Meisterleistung schafft ein und die selbe Stimmung auf unterschiedlichste Weise zu verbreiten. Auf den ersten beiden/drei EPs bleibt Stevens nämlich größtenteils sehr nah am Zuhörer und macht die Jahresschein meistens nur mit Banjo und unzähligen Gitarren schöner. Später kommen dann auch elektronische Elemente, Bläser und Streicher hinzu. Wie man merkt: ich will euch hier nicht meine Lieblingssongs von diesem Mammutwerk auftischen, denn im Endeffekt muss diese jeder selbst finden und genau das sollt auch wirklich jeder mal versuchen!

Neben einigen großartigen Songs muss man Sufjan aber auch zuschreiben, dass er nicht in das Muster verfällt Weihnachten als schreckliches konsumorientiertes Fest zu kritisieren und so allen den Spass verdirbt, sondern das Fest auch als solches darstellt und Freude, Freunde und Familie hier im Vordergrund stehen.

Trotzdem nochmal meine Auswahl an Songs: "It's Christmas, Let's Be Glad", "This Was The Worst Christmas Ever", "Come On! Let's Boogey to the Elf Dance!", "It's Christmas Time!", "Get Behind Me, Santa!", "Jupiter Winter/Sister Winter"

Mittwoch, 30. November 2011

Low im Artsclub Sinkkasten/Frankfurt (Main) (26.11.2011; Konzertreview)

Am Anfang der Performance von Low dachten sich wahrscheinlich viele der Frankfurter Zuschauer, dass so eine Band doch eigentlich viel mehr Menschen anziehen müssten… und das taten sie auch. Dieser Sinkkasten, in der kleinsten Zeil-Nebenstrasse überhaupt platziert, ist nur einfach völlig unauffindbar und so kommt rund ein Drittel der Gäste erst später und füllt den Raum dieses Underground-Clubs dann doch noch ganz gut aus.

Auch ich bin zu spät und höre vom ersten Song „Try To Sleep“, der auch der Opener ihres aktuellen Albums ist, nur noch die letzte Minute, aber selbst dieser Ausschnitt zeigt schon Größe. Als eingespielte Combo brauchen Alan Sparhawk und Mimi Parker die ganze Extrainstrumentierung und die Soundexperimente der letzten Alben nämlich eigentlich gar nicht. Denn auch im Powertrio-Format, in dem sie hier auf der Bühne stehen, bringen sie Emotionen rüber wie kaum eine andere Band und zeigen jedem Zuschauer ihre Liebe, sowohl zueinander als auch zur Musik. Die kommt zwar auch zuhause vor der Anlage schon an, mit der Leidenschaft, die man Sparhawk aber ansieht und von der ganzen Band fühlt, verstärkt sich das Hörerlebnis nochmal zu einem echten Gefühlserlebnis. Die Wärme, die den Raum von den Marshall- und Orange-Türmen her ausfüllt, fügt sich schon ein bisschen in die Vorweihnachtsstimmung und es wäre verständlich gewesen, wenn sie gleich etwas von ihrer Christmas EP gespielt hätten. Das ist aber eigentlich gar nicht nötig. Den Geborgenheitseffekt hat man auch so und heute stehen eigentlich die neueren Alben im Vordergrund.

Fast jeder Song wird mit einem kleinen Gitarrensolo eingeleitet und dann vom minimalistischen und fast vorsichtig aussehenden Drumming von Mimi Parker und dem interessanten Bassspiel von Steve Garrington komplettiert. Aber eigentlich ist der Star der Gesang: Manchmal unterstützt Mimi Alan wie bei „Witches“, das ohne das Banjo sogar direkter und auch ein bisschen dreckig rüberkommt und dem abschließenden „You’re all weak“ nochmal Nachdruck verleiht, und manchmal unterstützt Alan Mimi, und das führt wie in „You See Everything“ dann zu Highlights eines großartigen Konzerts.

Zu denen gehören aber auch die seltenen Ansagen von Alan Sparhawk, der einen Song namens „Love Is Forever“ - wo auch immer der jetzt herkam - mit den Worten einleitet: ‚This song is titled „Love Is Forever“. I don’t know how this translates, man. But in every language it’s awesome.’ Auf eine seltsame Weise fühlt man sich verbunden mit diesem Mann und er sich auch mit dem Publikum. Voller Freude erzählt er vom 2-jährigen Aufenthalt seines Bruders in Frankfurt und dass der hier 15 Kilo zugenommen hat und auch bei der Zugabe, in der Low die Lieblingssongs des Publikums spielen wollen, scheint er sich über jeden Wunsch zu freuen, der ihm zugebrüllt wird und Songs wie „July“ werden zu einem krönenden Abschlusseines Konzerts, das durch seine Atmosphäre voller Liebe und Sympathie wirklich berührt.

Für das nächste Mal, wenn es Low nach Mitteleuropa verschlägt, steht von mir also auf jeden Fall eine Empfehlung!

Sonntag, 27. November 2011

Alternative Christmas: Low – Christmas EP

Egal, wo man hingeht zu dieser Zeit, zu der die ersten Weihnachtsmärkte die Weihnachtssaison endgültig eingeläutet haben: Man wird von allen Seiten mit „Last Christmas“, „White Christmas“, „Coming Home For Christmas“ oder irgendeinem anderen Song vollgedudelt, der das Wort ‚Christmas‘ im Namen trägt. Das führt bei Menschen mit dem geringsten Anzeichen von Musikgeschmack dann leider zu einem immer größer werdenden Hass auf diese Zeit, der nicht wie bei anderen durch die materialistische Umdeutung der Nächstenliebe oder die zufällige Festlegung eines Feiertages entsteht, sondern nur durch den Willen seinen Gehörgang vor Vergewaltigung zu schützen… Ich spreche da aus Erfahrung und will ab jetzt jeden Adventssonntag ein bisschen Abhilfe schaffen.

Diesmal mit einem Weihnachtsgeschenk von Low, die dieses Jahr schonmal mit ihrem aktuellen Album C’mon hier auftauchten. Zum Anfang will ich nämlich etwas bieten, das man tatsächlich auch mit der ganzen Familie hören kann. Denn die Mormonen von Low lassen sich auf ihrer Christmas EP nicht zu Glaubenskritik verleiten, sondern interpretieren u.a. Weihnachtssongs wie „Silent Night“ oder „Little Drummer Boy“ in ihrem eigenen langsamen, spärlich instrumentierten Stil und ganz ohne Schmunzeln oder Augenzwinkern – und ohne finanzielle Ambitionen erst Recht. Dieses Weihnachtsalbum kommt von Herzen und nur von Herzen wie alle Musik von Low. Obwohl dieses Mal auch Ideen aus der Bibel umgesetzt werden; in „Long Way Around The Sea“ besingen Alan Sparhawk und Mimi Parker in ihrer typischen Art, die nicht besser zu Tannenbaum und Schnee passen könnte, nämlich die 3 Weisen und die Probleme, die sie mit Herodes hatten oder umgekehrt. Das, was man dem Album aber am meisten anrechnen muss, ist, dass es sich nicht auf seiner komfortablen Position als hörbares Weihnachtsalbum ausruht, sondern mit dem Opener „Just Like Christmas“, der mit aller möglichen Perkussion wie z.B. Glocken aufwartet, auch noch neue schnelle und lebensfrohe Wege im Kosmos dieser Band beschreitet.

Die Christmas EP ist also ein Tipp für jeden, der von Weihnachtsmusik genervt ist. Eckt kaum an. Auch für Gläubige und fanatische Christbaumschmücker geeignet!

Sonntag, 18. September 2011

Astronautalis – This Is Our Science (Review)

Charles Andrew Bothwell müsste eigentlich Franzose sein so sehr wie sich seine Musik anhört wie ein vertonter Jules Verne-Roman. Er könnte auch irgendwo in der Nähe von Nashville aufgewachsen sein und sich dann nach Los Angeles begeben haben um Beck nachzueifern. Tatsächlich kommt Bothwell, der mit „This Is Our Science“ hier sein 4. Album als Astronautalis vorlegt, aber aus der Großstadt Jacksonville in Florida – nur so als Randnotiz.

Astronautalis ist nämlich sowieso schon längst abgehoben und trauert jetzt mit seiner Band aus der Vogelperspektive seiner Zeit auf der Erde nach. Dazu entwickelt er einen ziemlich eigenen Mix aus HipHop, Südstaaten-Folk, Elektronika und übergroßer Popgeste, die auf der Erde auch gar keinen Platz finden würde. Das Ganze passiert auf ganz unterschiedliche Arten, was auch an der Stimme liegt, die sich von auf der ganzen Platte extrem wandelbar zeigt. Vor der Aufnahme vom indisch anmutenden „Holy Water“ war wahrscheinlich die Aufnahme von viel rauchigem Whiskey nötig, wohingegen vor dem kleinen Alternative Country-Ausflug „Measure The Globe“ eine Gesangsstunde von Tegan Quinn gestanden haben könnte.

Die Tegan and Sara-Hälfte leiht ihre Stimme nämlich einem Song und „Contrails“ wird dadurch zu einem der stärksten Songs der Platte. Denn zusammen schaffen es die beiden den Song trotz des gewichtigen Refrains interessant zu bleiben. Das funktioniert nämlich nicht immer, da Songs wie „Lift The Curse“ weit über das Ziel hinausschießen in ihrem Pomp. Eigentlich trifft das sogar für andere starke Songs zu wie den Opener „The River, The Woods“, aber die Galle, die hier aus Astronautalis sprüht und die Musik, die an den Post-Rock-beeinflussten Stil von Casper erinnert. Die Parallelen zu XOXO sind sowieso leicht zu ziehen, wobei Astronautalis aber leider schlechter abschneidet, da die Gesamtstimmung der Platte viel zu sprunghaft ist und einige Stile, die er einbringt einfach nicht passen wollen.

So stehen langweilige Indie-Pop-Liedchen hier neben astreinen modernen HipHop-Tracks, die mal an Casper, mal an Ghostpoet und mal an Rhymesayers-Rapper erinnern. Das kann er auch nicht mit seinen Geschichten rausreißen, die sich in jedem Genre behaupten könnten und das oft super eingesetzte Klavier sorgt eben auch für die Over The Top-Momente. Typischer Fall von überambitioniertem Künstler also…

7/10 Punkte


erstellt von Leon.

Freitag, 15. Juli 2011

Portugal. The Man - In The Mountain In The Cloud (Review)

Der Vertrag mit dem Warner-Tochterlabel Atlantic muss für Portugal. The Man tatsächlich ein Deal gewesen sein. Für all die Streicher, verschiedenen Synthies und Amps, die sie bekommen haben, haben sie halt ein Pop-Album geschrieben. Gleichzeitig kann man „In The Mountain In The Cloud“ aber auch einfach als Fortführung der Entwicklung Richtung Massentauglickheit sehen, die schon nach ihrem 3. Album „Censored Colors“ von 2008 begonnen hat. Wie man es auch sehen will: Eine erneute Neuerfindung ist ihnen nicht gelungen, aber so richtig das, was man von P.TM erwartet hat, ist es auch nicht geworden.

Das 6. Album der Bandgeschichte hört sich danach an als hätten sie ihre Vorbilder aus den 60ern – also Beatles, Beach Boys, Kinks – auseinander genommen und versucht das Chaos, das daraus und aus den Möglichkeiten entstanden war aufzuräumen indem sie ein bisschen Prog als Kleber dazu geben. Das hat auch gut funktioniert – auch weil sie die neuen Produktionsmittel zu ihrem Vorteil nutzen konnten.

Der Stil auf der neun Platte ist dabei immer noch genauso eindeutig wie auf dem Großteil der Vorgänger: Hier bekommt man sonnigen Psychedelic-Pop, der die typischen souligen Vocals enthält. Aber es hätte eben alles noch ein Stück besser funktioniert, wenn die Band das Fünkchen Prog wieder eingesetzt hätte um ähnliche Verbindungen zwischen den Songs wie bei „Satanic Satanist“ von 2009 herzustellen. Manche Sprünge von Song zu Song sind so nämlich schlecht nachzuvollziehen obwohl eigentlich jeder Song in das Album hineinpasst.

Gerade die Texte, die häufig eine religionskritische Note tragen, zeigen, dass hier immer noch eine Albumband vor einem steht. Aber auch ein Song wie das 2-teilige „Share With Me The Sun“, das die sonnige Atmosphäre des ganzen Albums im Namen trägt und sowohl in den ersten rockigeren und 60s-lastigeren als auch in den späteren, mehr von Folk-Rock inspirierten Teil - der Fans von David Bowie gefallen wird - passt, stellt diese Eigenschaft von P.TM nochmal heraus. Sogar so gegensetzliche Songs wie das dunkle „All Your Light (Times Like These)“ und das durchgehend euphorische „Everything You See (Kids Count Hallelujah)“ können sie durch ein krachiges Ende beim 2.-genannten Song und die mehrfachen Synthies von Ryan Neighbors, die sich als roter Faden durch das Album ziehen, miteinander vebinden.

Durch einen langwierigen und für ihre Verhältnisse sehr langen Aufnahmeprozess sind Portugal. The Man also mehr als jemals zuvor zu einer Popband geworden, schaffen es dabei aber durch das Folk-Prog-Meisterwerk „Sleep Forever“ gleichzeitig einen der besten Songs ihrer Karriere zu schreiben. Und Solos sind mal sowas von immer noch cool!

9/10 Punkte


erstellt von Leon.

Mittwoch, 1. Juni 2011

Death Cab For Cutie - Codes & Keys (Review)

Das letzte Death Cab-Album “Narrow Stairs” ist schon wieder 3 Jahre her und im direkten Vergleich merkt man die relativ grosse Zeitspanne zwischen den Alben auch. Wo vor 3 Alben vor allem im Studio und mit den Instrumenten, die nunmal in einer Rockband vorhanden sind, ziemlich spontan ein Album zusammengewuerfelt wurde, ist “Codes & Keys” eine durch und durch geplante Angelegenheit mit Keyboardunterbau und Streicherarangements, die auf dem neuen Longplayer ein staendiger Begleiter sind. Zusammen machen sie Chris Wallas Gitarre eher zu einem Fundament auf denen die Synthesizer dann ihre freundlichen aber doch oft sumpfigen Parts spielen koennen oder ueber die die Geigen versoehnliche Pop-Melodien legen.

Denn vor allem das ist “Codes & Keys”, ein versoehnliches Pop-Album. Die Texte handeln groesstenteils vom Gluecklichsein und von seiner Lebenssituation mit Zooey Deschanel. Das ist nicht immer ueberschwaenglich froehlich, aber die pessimistische, ergreifende Stimmung, die die Texte auf den Vorgaengern oft zur Folge hatten, kommt nicht auf, wenn Trauriges kaum ausgesprochen schon wieder ins Aufmunternde umgekehrt wird wie in “And if you feel just like a tourist in the city you were born/ Then it's time to go/ And define your destination/ There's so many different places to call home” aus der Vorab-Single “You Are A Tourist”. Ben Gibbard hat seine poetische Ader nicht verloren wie man auf dem Titeltrack “Codes & Keys” in Zeilen wie “You're on the floor/ Fearful of what's outside your door/ But the codes and keys/ They can protect you/ From the pangs of jealousy” sieht, aber dem eingefleischten DCFC-Fan wird in diesem Meer von Liebesliedern eindeutig der Herzschmerz-Faktor fehlen.

Der Herzschmerzfaktor haette auch zur Musik gar nicht gepasst. Die Mehrheit dieser Songs kommen naemlich eher aus dem Upbeat-Bereich und werden musikalisch von weiterentwickeltem Gitarrenpop – die ersten Sekunden erinnern stark an “Nullsummenspiel” von Kettcar - und mechanischen Elementen getragen – darum auch die vielen Vergleiche von “Doors Unlocked & Open” mit NEU!, der bei den Prog-Einfluessen, die der Song oder besser dieser Teil des Albums aufzeigt eigentlich seltsam klingt. Denn genau mit diesem Track beginnend sind 3 Songs suitenartig zusammengebunden. Nachdem “Doors Unlocked & Open” sich im Stil vom Death Cab-Hit “I Will Possess Your Heart” zu einer Hymne auf den Ausbruch aufschwingt, geht er in “You Are A Tourist” ueber, der mit griffigerer Hook richtige Stadionatmosphaere haben wuerde und das gleiche Thema auf der naechsten Eben bearbeitet. Darauf wiederum folgt “Unobstructed Views”, dass sich laangsam ueber seine 6:10, aber mi taller Entschlossenheit aufbaut um die Liebe zu feiern. Musikalisch ist sonst eigentlich nur noch das relativ schwache “Stay Young, Go Dancing” herauszuheben, weil es das Album akustisch abschliesst.

Fuer besonders viel Abwechslung wurde bei diesen 11 Songs also nicht geachtet, die Texte bieten nicht, was man erwarten konnte und Vieles ist schon zu hell und poppig. Schlecht sind die Songs dabei aber auch nicht wirklich, wobei das Prog-Dreierpack oder die Bass- und Blaesersolos in “Underneath The Sycamore”wirklich was koennen. “Codes & Keys” ist also bestimmt nicht ihr bestes Album, aber immerhin kein wirklich negatives und vielschichtiges Lebenszeichen nach 3 Jahren Entzug.

7/10 Punkte


erstellt von Leon.

Dienstag, 12. April 2011

Low - C'mon (Review)

Ein Grundsatz eines meiner Bekannten ist: Man kann Menschen generell immer wieder in 2 Kategorien einteilen. Menschen, die morgens duschen und die, die abends duschen zum Besipiel. Das jemand abends duscht merkt man selten, aber es kann morgens in der Schule oder bei der Arbeit eklig werden, gleichzeitig ist es aber bequemer als frueh aufzustehen. Bei Bands ist es da nicht anders: Man kann zum Besipiel sagen: Es gibt diese, die einen Sinn dafuer haben nicht peinlich zu klingen, Klischees gekonnt zu umgehen und diese, denen das egal ist. Erste Gruppe behaelt sich ihre Integritaet, bei zweiterer ist ab und zu fremdschaemen angesagt, wobei sie dabei aber lockerer klingen, wenn sie nicht gerade Majorpueppchen sind. Neben dieser Einteilung in 2 Gruppen sind aber auch immer Ausnahmen moeglich. “C’mon” von Low ist fuer mein Beisiel eines.

Nach 17 Jahren als Indie-Rock-Band inclusive eines stilschoepfenden Debuts und von da an immer wieder Veraenderungen in ihrem minimalistischen Sound. In all dieser Zeit ist diese Band zum Klassiker geworden und ist so identifiziert mit ihrer Musik, dass sie ab und zu ueberemotional warden und Dinge machen, die eigentlich peinlich sein muessten. Das strukturell an “Lullaby” von “I Could Live In Hope” erinnernde “Nothing But Heart” sollte mit der ewigen Wiederholung der gewollt-romantischen Zeile “I’m nothing but heart” doch eigentlich kitschig sein und zum fremdschaemen veranlassen – das gleiche bei der Zeile “My love is for free, my love” aus “$20”.
Low schaffen es nun aber, das Album so geschlossen zu gestalten, dass jeder dieser seltsamen Griffe, die sie einstreuen, zu einem grossen Ganzen zusammenwachsen; der Country aus von “Something’s Turning Over” kann nirgendwo anders stehen als am Ende zur Erholung von “Nothing But Heart”, weil er als einzelner Song einfach wirklich schlecht ist; das Banjo kann an keener anderen Stelle als in Witches eingesetzt warden, weil es etwas braucht, was in Stimmung bringt fuer den Al-Green-Imitat-Diss, wenn die Stimme schon keinen Unterschied zwischen einem solchen Text und einem Liebeslied macht. Gerade dieser Punkt koennte so wirken als waeren all die Emotionen auf diesem Album gespielt, aber der trockene Humor der dahinter steckt macht “All you guys out there tryin’ to act like Al Green/you’re all weak” zu einer sehr runden Zeile in “Witches”.

Gerade die Vielfalt an Veraenderungen von Song zu Song, die es so auf keinem vorigen Low-Album gegeben hat, machen dieses hier rund, weil so die Stimmungen der Tracks aufeinander reagieren koennen. Es gibt bei ihrem langsamen Folk-Rock Ausschnitte, die nach Sigur Ròs ohne musikalische Einschlafaufforderung klingen, ein Stueck Tow-Waits-grungige Gitarre - und das auf einem Low-Album – in “Nothing But Heart”, zurueckhaltende Elektronik auf “Majesty/Magic”, Andeutungen von Orchestralem auf “Especiaally Me” und die reduzierten “Done” und “$20”.

So fasst das Album die Karriere von Low nach dem Debut auf eine popige zusammen und wird bei einer breiten Instrumentierung von Pauken ueber Lapsteel, Geigen und Banjo neben den variantenreich benutzen Standardinstrumenten Gitarre und Piano und einem beachtenswerten Gesang zum besten Low-Album diesseits der 2000.

8/10 Punkte


erstellt von Leon.

Sonntag, 3. April 2011

Timber Timbre – Creep On Creepin’ On (Review)

Die 60er sind ausgeleihert, die 70er, die 80er, die 90er und die Musik von heute gibt es auch im Radio. Also kann man die Flucht nach vorne antreten und so riskieren, dass keiner mehr die Musik versteht, die man da macht oder man geht eben noch ein Stueck weiter zurueck. Wenn man es dabei so uebertreibt wie sagen wir mal C.W. Stoneking hat man das gleiche Problem.

Weil Timber Timbre nun aber nicht gewillt sind die Leute abzuschrecken, die sie gefunden haben, sondern sie nur ein bisschen gruseln wollen, haben sie sich den DooWop und Rockabilly der 50er ausgesucht um ihren Sound “aufzufrischen”, was wiederum dabei rauskommt, dass sich dieses kleine Stueck Friedhofs-Indie-Folk wie der kleine, nicht geisteskranke Bruder der Murder Ballads von Nick Cave and The Bad Seeds anhoert. So dunkel aber wie Nick Cave kann Taylor Kirk, der die Band vor 6 Jahren in Toronto noch als Soloprojekt gegruendet hat, natuerlich nicht croonen und ein so enges konzeptuelles Korsett hat er sich auch nicht aufgelegt. Das alles als Kompliment gesprochen.

Dass schuetzt ihn nicht davor - wie bei diesem Gothic-Sound ueblich - artsy zu wirken. Jedoch wird das Album davon gerettet, dass es sich so anhoert als haetten Timber Timbre diese B-Movie Atmosphaere genauso gewollt – und das Ergebnis kann sich auch hoeren lassen. Wobei “diese B-Movie-Atmosphaere” eigentlich gar nicht stimmt. Auf der einen Seite sind viele der Songs auf “Creep On Creepin’ On” tatsaechlich mit den Texten ausgestattet, die man beim gruseligen Sound, der durch das Piano und die Lapsteel-Gitarre hervorgerufen wird, erwarten kann. Andererseits gibt es aber auch noch ein “Black Water”, das mit der Refrainzeile “All I need is some sunshine” an das Debut von Dead Man’s Bones erinnert und sonnige Seiten aufzieht und als kurzen Sidekick auch noch ein Saxophon enthaelt. Weitere gelungene Ausbrueche sind die Instrumentalstuecke, die mit ihren Noise-Elementen auch Soundtrack fuer Horrorfilme sein koennen.

Eine Sache aber, die mich wirklich aufgeregt hat als ich dieses Album ein paar Mal gehoert hatte, war, dass “Lonesome Hunter” und “Creep On Creepin’ On” sich sehr aehneln. Der Verdacht, dass sie die 10 Songs so voll bekommen wollten, ist natuerlich Schwachsinn, aber dieses Ideenrecycling war fuer mich ein echter Wehmutstropfen. Bis auf dieses Problem hat die Band aber ein gutes und abwechslungsreiches Album aufgenommen, dass trotzdem weit weg davon ist heterogen zu klingen, und nicht vergessen kleine Hits wie “Black Water” und “Creep On Creepin’ On” zu schreiben.

8/10 Punkte




erstellt von Leon.

Montag, 14. März 2011

The Dodos - No Color (Review)

Ich war auf das Schlimmste eingestellt. “No Color” konnte bei dem melancholischen Titel ja eigentlich nur nach “Time To Die” aus 2009 klingen – und das klang damals schon durchschnittlich und ist nach 2 Jahren einfach nur noch belanglos. Das farblose Cover und die ernst wirkenden Songtitel haben mich auch nur weiter auf das Folk-Rock-Plaetschern mit Xylophon-Geklimper von vor 2 Jahren eingestellt.

Die Songs, die den Hoerer aber auf dem nun schon vierten der Band erwarten, zeigen erst wie sehr sie den schwachen Vorgaenger – sie hatten es damals als ein rockigeres Album angekuendigt - zum Auffrischen ihres Sounds gebraucht haben. Denn sie sind zwar wieder zurueckgekehrt, wo sie als “Folk-Band, die auf Muelltrommeln rumhaut” (Zitat von Meric Long zur Presse-Meinung) herkommen, gleichzeitig sind die Gitarren auf einigen Songs (“Going Under”) aber nicht nur rockig, sondern haben direct noisige Momente und bringen ein Gefuehl auf als befaende man sich in einem der entspannteren Akron/Family-Song. An anderen Ecken (“When Will You Go”) gehen sie in die Gegenrichtung und spielen mithilfe der fast permanenten Gesangsbegleitung der The New Pornographers-Saengerin Neko Case einige der poppigsten Momente ein, die man von ihnen je gehoert hat. Das liegt auch an der neuen, saubereren Produktion. Statt dass man die Drums in die Fresse gedonnert bekommt, fuegen sie sich jetzt doch deutlich mehr ins Bandgeschehen ein. Genaues Hinhoeren ist also auf jeden Fall gefordert.

Wenn man also einen typischen Song der Platte nimmt wie, sagen wir mal, “Don’t Stop” hoert man eine weiterentwickelte Version der Dodos von “Visiter” mit mehr Rock, mehr Pop, Spass daran, Neues an der Gitarre zu probieren und dann noch eine schoene Steigerung von einem entspannten Einstieg bis es am Ende aus einer volle-Energie-Phase wieder runterkommt. Hoert sich interessant an und waere es auch, wenn man als Beispiel oben nicht fast jeden Track einfuegen koennte. Wo sie 2008 neben ihren typischen Percussion-Folk-Songs noch akustische Fingerpicking-Songs, psychedelische Ausfluege und einen kleinen Freakfolker untergebracht hatten, ist hier der Aufbau einfach zu aehnlich, ihre Nische auch mit Hilfe von Streichern im spaeteren Teil von “No Color” noch zu klein.

Das System Dodos bzw. “Gamelan-Folk” ist also das 2. Album in Folge in einer Umbauphase. Leider fehlt in dem ganzen die Spannung einer Rebellion und man bekommt den Eindruck es koennte mit den kleinen Reformen, die sie durchfuehren, ein langer Weg werden. Oder wir haben naechstes Jahr ein Meisterwerk, was weiss man schon, was im Kopf von Meric Long vorgeht.

7/10 Punkte

Die Dodos heute:



Der Kopf von Meric Long (Auszug):











erstellt von Leon.

Sonntag, 6. März 2011

Noah And The Whale – The Last Night On Earth (Review)

Was haette man von Noah and The Whale jetzt erwarten koennen? Nachdem sie auf “Peaceful, The World Lays Me Down” von 2008, dass noch mit einem Mix aus mit ueber beide Backen grinsenden Tweepop-Songs und gediegeneren Folksongs bestach, schon 2009 mit dem tieftraurigen Trennungsalbum “The First Days Of Spring” eine deutliche Reifung in Richtung gitarrenlastigen Folk-Rocks zeigten und danach ihr Drummer die Band verliess und ihr Equipment fuer 2 Monate vermisst gemeldet war, wohl alles – an eine gut halbstuendige von Synthie und Drumcomputer getriebene Hymne auf das Leben haette ich aber nicht gedacht.

Und da war ich bestimmt nicht der einzige. Ich gehe sogar soweit zu sagen, dass dieses Album wie es ist, niemand erwartet hat. Sich sowas wie Synth-Folk auszudenken, ist auch eine ziemlich abwegige Idee. Waehrend man also durchgaengig Pop-Songs, gerne auch mal ordentlich cheesy wie “L.I.F.E.G.O.E.S.O.N.” hoert, fragt man sich doch, welche Zielgruppe hier angesprochen werden koennte… Gleichzeitig kann man sich bei fast jedem Song vorstellen, dass sie zu einem Hit wie “5 Years Time” avancieren. Mit diesem hatten vor 3 Jahren sicher auch nicht viele gerechnet.

Beim Opener “Life Is Life” muesste man hierfuer nur das Intro kuerzen und schon haette man einen Song, der mit Handclaps, Gruppengesang und den Refrain-Zeilen “And it feels like/ this new life can start/ And it feels like/ heaven” eine ueberwaeltigend froehliche Stimmung schafft. Und der Chor macht das gleiche sogar noch 2 mal; wenn bei “L.I.F.E.G.O.E.S.O.N.” dann die erste Fidel einsetzt, klingen sie schon so als haetten sie nie etwas anderes gemacht. Bei allen Neuerungen kann man aber immer noch perfekt hoeren, dass hier Noah And The Whale spielen kann. Bei ihrer typischen Melodiefuehrung und der Stimme von Charlie Fink kann man das nie bezweifeln, auch wenn sich so gut wie alles drumherum geaendert hat. Der 4. Song, “Wild Thing”, aber macht schon wieder einiges anders oder besser gesagt wieder so wie auf dem Vorgaenger. Der Song an sich ist wieder ein langsamerer und gitarrengetragener Folk-Rock-Song – also fast, der elektronische Unterbau bleibt und laesst bei diesem Song genauso wenig das Adjektiv Fan-Plaesing zu.

Zwischen diesen beiden Polen wechselt das ganze Album hin und her, “Just Me Before We Met” wartet mit grossartiger Zusammenarbeit zwischen Fidel und Synthie auf und “Old Joy” ist eine hymnische Piano/Synthie-Ballade, die den Gesang im Refrain fast zum Gospel werden laesst. Nachdem man also hinter das Neuartige an dieser Platte gekommen ist, erwartet einen hier eine wirklich abwechslungsreiche, froehliche Folkplatte. Und obwohl dieses Album nicht schlecht ist, ist da gleichzeitig noch Luft nach oben. Die emotionale Tiefe der Musik fehlt da ein bisschen. Aber nachdem das ihr erstes Experiment mit diesem neuen Sound war, kann man da sicher noch viel erwarten.

7/10
Punkte


erstellt von Leon.

Montag, 7. Februar 2011

Akron/Family - S/T II: The Cosmic Birth And Journey Of Shinju TNT (Review)

Mit ihrem 5. Album seit 2005 bringen Akron/Family jetzt zum 2. Mal ein selbstbetiteltes raus, wenn man vom sinnbefreiten - und das gibt die Band selber zu - Untertitel "The Cosmic Birth and Journey of Shinju TNT" absieht. Die besondere Bedeutung, die so einem Titel oft beigesprochenen wird, kann S/T II auch nachkommen. Die Family hat sich zur Aufnahme mit den 3 verbleibenden Gruendungsmitglieder und nicht mit einem riesigen Kollektiv versammelt und liefert wieder eklektischen Freak-Folk einer ganz eigenen Praegung und doch ist es auch sowas wie ein Neuanfang. Deutlich massentauglicher ist es auf jeden Fall geworden: ein Jazzeinfluss ist hoechstens noch imaginaer vorhanden und die Songs sind deutlich mehr von Blues und Bluesgitarre und Songstruktur gepraegt.

"Silly Bears" demonstriert schon mal das Ziel der Reise: Tribal-Rhythmus, kratzende Gitarre, seltsame Lyrics und die perfekte Harmonie darueber. Auch wenn ich diesen Vergleich wahrscheinlich viel zu oft bringe: Animal Collective sind hier einfach ein Muss als Referenz. Aber schon der 2. Song ist wieder ganz anders. Eine ganz langsame Indie-Ballade im Stile von Noah and The Whales zweitem Album haben sie da mit "Island" eingeschoben, bevor das Album in der Nitte zum Hoehepunkt kommt. "A AAA A O WAY" und "So It Goes" wirken naemlich zusammen einffach grossartig: Nach dem Wirrwarr am Anfang vom ersten Song und einem kleinen Uebergang fast ohne Begleitung saegt einmal mehr die Gitarre rein und holt in "So It Goes" holt den Blues raus um dann im Endeffekt so zu Enden wie der erste. Eine Zusammenfassung fuer diese Songs koennte man "Another Sky" nennen. Angefanngen wird wie eine Reaktion auf den vorherigen Song und es schaelt sich ein "Silly Bears" heraus, dass diesmal aber noch hymnischer daherkommt und in der Mitte und am Ende nochmal eine entspanntere Phase hat. Die Battles-aehnlichen Disharmonien geben dem dann doch noch etwas besonderes.

Nach diesen Songs, die alle spannende Stellen hatten, gerade die Veraenderungen am Ende sind spitze gesetzt, veraendert sich das Album dann aber. "Light Emerges" kann nicht so Recht aus sich rauskommen und implodiert am Ende in die Vergessbarkeit - eine Gesangsbridge kann halt auch nicht jedes Lied retten. Ab jetzt versuchen sie zwar viel (Folk, indische Toene, Stereoexperimente), aber vieles davon hat einfach zu wenig Effekt und laesst die Songs zu vollgestopft wirken. Das kommt gerade bei "Say What You Want To" stark raus, dass sehr zusammengewuerfelt klingt und nach zu viel Ideen fuer einen 3-einhalb-Minuten-Song. Von dem Song ist dann auch der Uebergang auf die
unaufgeregten Schlusssongs einfach zu schwer nachzuvollziehen, auch wenn diese zu Recht auf dem Album vertreten sind. Ihr Talent fuer Langsames trauen sie sich aber leider auch nicht mit ihrem Talent fuer Seltsames zu mischen. So entsteht ein Ende bei dem Ereignislosigkeit heraussticht, weil vorher so viel passiert ist.

S/T II ist kein schlechtes Album geworden, dazu haut die erste HAelfte einfach viel zu sehr rein, aber es ist gleichzeitig eigentlich auch gar kein Album geworden, sondern mehr eine Anhaeufung an Ideen. Leider schaffen es Akron/Family aber nicht diese geschickt miteinander zu verbinden, sondern sind viel zu ueberraschend mit ihren Stilwechseln und so wollen eigentlich gute Songs wie "Creator" einfach nicht zuenden. Die Brechstangenmethode fuehrt bei Folk, den sie irgendwo noch machen, genauso wenig zum Erfolg wie bei Blues, denn sie jetzt mehr praktizieren. Trotzdem haben sie studiotechnisch eine Menge gelernt und versuchen nicht mehr so etwas wie eine bereinigte Liveshow aufzunehmen, sondern Songs die auch zuhause funktionieren. Man kann als hoffen, das dieses Album ein Uebergangsalbum, eine Lernphase war und das naechste etwas nachvollziehbarer ausformuliert dastehen wird. Wobei das "etwas" grossgeschrieben werden muss, nachvollziehbar zu sein ist naemlich sicher nicht ihr Hauptziel.

6/10 Punkte


erstellt von Leon.

Montag, 31. Januar 2011

Top10: Portugal. The Man - Censored Colors (Review)

"Censored Colors" ist eines der Alben, die man allgemein Grower nennt und es ist eines dieser Alben, die sich am Anfang auch aufdraengen, wenn sie noch nicht gefallen. Da passiert einfach so viel in den 15 Tracks, dass die "ueblichen 5 mal Hoeren" nicht unbedingt ausreichen. Ich selbst musste es bestimmt 15 bis 20 mal Hoeren bis ich es mochte und alles mehr Sinn ergab.

Dass es sich mir so aufgedraengt hat, lag vor allem an den ersten 6 Songs, die - ganz nach dem Aufbau von "Abbey Road" folgend - auch wirklich Songs sind. Mit der teilweise sakralen Stimmgewalt, die sowas wie einem Krichenauftritt der Beach Boys gleichkommt, nimmt der Mix aus Psychedelic Rock und Folk schon mal eine andeutende Haltung gegenueber dem ein, was da noch kommen koennte. Gerade "And I" deutet auch schon Prog an und wirkt gar nicht mehr so fern von einem dieser ueberlangen Decemberists-Kracher - nur viel fokusierter. Alles in allem - und obwohl es auch auf der ersten Haelfte Ausschweifungen, interessante Instrumentierung und sogar Soli gibt - faengt das wirklich Umhauende erst nach "Out And In And In And Out" an.

Dass "Censored Colors" naemlich ein Grower ist, liegt vor allem am Medley, dass bei "New Orlenas" gleich auf dem Hoehepunkt beginnt und da bis zum letzten Song "Our Way" auch nicht mehr runter kommt. Die "intermission" dazwischen hat zwar mit dem ersten Erklingen des Saxophons, dass in "New Orleans" seine Jazzwurzeln in der Hauptrolle voll ausleben darf, schon seine Berechtigung, ist aber tatsaechlich nicht mehr als "Lalalala" auf Elektronika - ein Interlude eben.

Ab dann ist alles moeglich: Jazz, 3 Minuten lang eine Textzeile wiederholen, astreiner Folk, Reaggae und sogar der A Capella-Song "All Mine" faedelt sich dadrin irgendwie ein und bildet einen der 3 fulminanten Abschlusssongs. Der 2. ist "1989", - der Folksong - der ueber die erste Minute eine Stille herrschen laesst als wuerde Scout Niblett unverstaerkt spielen und sich dann am Ende auf dem hoechsten Punkte seine Energie innerhalb einer Textzeile in den 3. Song - den Reaggaesong - "Our Way" fallen laesst, der wiederum in elektronisches Fiebsen abgleitet.

Portugal. The Man probieren, zitieren und kombinieren hier auf hoechstem Niveau und die zwar unverstaendlichen, aber interessanten Texte machen nichts kaputt und bilden ab und zu sogar Mitsingparts. Das alles traegt dazu bei, dass am irgendwann die Euphorie der Platte auch auf den Hoerer ueberspringt.

Montag, 17. Januar 2011

The Decemberists - The King Is Dead (Review)

Die Decemberists, diese Folk-Band, die Prog- und auch Bluesrock in dieses Genre immer mehr eingeworren haben, sodass 12-minueter nichtmal deplatziert gewirkt haben, machen ein Countryalbum, dass man bei so viel Altertuemlichkeit und schoener Melodien und Harmonien gar nicht hassen kann. Das Problem ist nur: Man will es.

Vielleicht will man sie hassen, dafuer dass sie sich – voll Klischee - auf einem Bauernhof eingeschlossen haben und fuer diese ganze Mundharmonika und Fidel-Action vielleicht auch, irgendwie vielleicht sogar fuer die Produktion, die alles so glasklar rueberbringt oder dafuer dass sie vor lauter Suchen von Authenzitaet vergessen in welchem Jahr wir uns befinden. Aber wahrscheinlich dafuer, dass sie es alles so uebertreiben und dadurch genau diese zwanghaft gesuchte Authenzitaet verlieren. Wenn man sich naemlich das Album als Ganzes anguckt, sticht vor allem raus, dass sie gar nicht aufhoeren wollen mit der Fiedelei und dem Mundharmonika spielen. Und welche texaner Countryband voller 50-jaehriger Trucker will die Menschen wirklich langweilen, nein, selbst die wollen unterhalten. Das, was sie rettet, ist dass einige Songs gar nicht schlecht sind, wenn man sie aus dem Gesamtwerk herausnimmt.

Der Opener “Don’t Carry It All” hat coole Griffe, nach Einfuehrung aller Merkmale der Platte gibt es ein kleines Break und der Bass setzt mit voller Staerke ein um den Upbeat-Song wirklich euphorisch zu machen. Es gibt selbst auf dieser Platte Songs bei denen man die Instrumentierung aushalten kann. Der naechste dieser Art von Songs ist “Down By The Water”, wo die Ziehharmonika ab und zu eine Flaeche schafft, die auf anderen Alben von einem Synthie gekommen waere. Das ist auch mal ganz abwechslungsreich. “All Arise” hat noch mehr was von Wilco als die anderen Songs, auch wenn Wilco immer cooler sind als die Decemberists, einfach nicht so als haetten sie vor der Erfindung des “Alt.” vor dem Country aufgenommen. Der letzte aus dem Quartett dieser Song ist mit “This Is Why We Fight” ein dunkler, getriebener Kriegssong, der sich im Refrain zur Hymne aufschwingt und einfach die Western-Atmosphaere erzeugt, die sie oefter haetten einbringen koennen. Der Schlussteil, ein Field-Recording inklusive Regen und Gitarre, macht den Song dann zum einzigen Song des Albums, der wirklich restlos ueberzeugen kann.

Die anderen Songs sind einfach mittelmass, gegenueber richtigen Countrybands teilweise sogar schlecht. Nichtmal belanglos kann man sie nennen, weil zum Nebenbeihoeren sind sie aufgrund dieser dezenten Nervigkeit wiederum auch nicht geeignet. Manchmal muss man einfach verstehen, dass man dem Folk des eigenen Landes nichts hinzufuegen kann, schade ist das, aber dieses Album koennen sie so auf keinen Fall wiederholen, auch die Texte, die nicht Meloys Faehigkeit sich in andere Figuren hineinzuversetzen ausdruecken, sollte man fuer das naechste Album spannender machen. Zum Glueck ist klar, dass sie es besser und aufregender koennen und nicht stehen bleiben werden. Da kann man den Decemberists vertrauen.

4/10 Punkte


erstellt von Leon.

Freitag, 20. August 2010

Top10: Department Of Eagles - The Cold Nose (Review)

"The Cold Nose" ist so ein Album bei dem man sich fragt, welcher Verrueckte sein Label denn mit diesem Dolch erstechen wollte. Mit dem, was Daniel Rossen spaeter mit Grizzley Bear und auch mit dieser Band gemacht hat, diesem nostalgischen Indie-Folk, hat das hier naemlich wenig bis gar nichts zu tun. Man koennte es College-Flausen eines musikalischen Alleskoenners nennen.

The Streets trifft auf James Yuill, die BLK JKS werden als Backing Band engagiert und der Laptop wird nochmal nach allem durchsucht, was nicht in die normalen Projekte passt. Im Endeffekt klingt es dann aber doch wieder wie diese eine Band mit der grossen Plattensammlung, die ihre Vorliebe fuer 70s-Krautrock ausleben wollte und einfach nicht anders konnte als einfach schlecht dort schlecht reinzusingen/-rappen, wo sich dann doch die amerikanische Identitaet zeigt(naemlich in Folk und HipHop). Der sowieso schon samplelastige restliche Wahn wird von Soundschnipseln aus der Oper alten Tonaufnahmen oder sonst was, was auch auf ein Books-Album gepasst haette, passend bestueckt.

Wem das jetzt alles viel zu irre vorkommt, der sollte sich trotzdem mal "Family Romance" anhoeren: ein straighte Folktronica, der mit Gruppengesang am Ende voellig in seinen Refrain aufgeht. Der Song sticht heraus, weil ein Song komplett ohne Breaks und Genre-Hopping auf dieser Platte erstmal einer unterbringen musste. Das bestes Besispiel fuer einen total ungleichfoermigen Song bietet naemlich kurz davor erst "Gravity's Greatest Victory/Rex Snorted Coke". Der Song beginnt mit einem der schon erwaehnten Opernsample auf irgendwas elektronisches um dann in Sekundenschnelle den Uebergang in ein Jazz-Sample zu finden und am Ende doch nochmal den gelangweilten Rapper raushaengen zu lassen.

Wenn einer ein Album kennt, das Aehnlickeit mit diesem Klotz besitzt, bitte direkt in die Kommentare schreiben. Ich habe bis jetzt noch keins gefunden!

Dienstag, 22. Juni 2010

James Yuill - Movement In A Storm (Review)

Jaja, vor 2 Jahren sang er noch "This Sweet Love" und zu genau dem ist seine Musik für viele Hörer geworden. Sein Mix aus Electronic, Folk und Singer/Songwriter kam gut an und hatte sich dementsprechend bewährt. Da dachte sich James Yuill bestimmt: "Warum das ganze nicht im Groben beibehalten und den Stil nur noch geringfügig verbessern?" Ergebnis dessen ist "Movement In A Storm", das bis auf kleine Veränderungen, da anfängt, wo der Vorgänger aufgehört hat. Der aus UK stammende Künstler hat sich wieder Laptop und Gitarre geschnappt und singt wieder seine schönen, oft persönlichen Texte über die angenehm pluckernden Beats.

Das Album wurde auch zeitmäßig sehr passend released. Die erste Hälfte der Platte eignet sich nämlich hervorragend um das Sommerwetter einfach mal draußen zu genießen und in der Sonne zu entspannen. Also "Movement In A storm" auf den MP3-Player/in den CD-Spieler packen, aufs Fahrrad schwingen und draußen die wunderbare Symbiose von James Yuill und Sommer genießen.

Wie bereits geschrieben, eignet sich dafür mehr die erste Hälfte des Albums. Die zweite ist ruhiger und lässt sich am besten anhören, wenn man gerade den Tag ausklingen lässt. Die Hits dieser Platte finden sich aber mehr unter den ersten 5 Songs. Besonders erwähnenswert: das schöne "Crying for Hollywood", das trotz seines eher zurückhaltenden Charakters einen guten Drive hat. Ein Lied, bei dem man sich am liebsten zurück lehnt und alles andere an sich vorbeiziehen lässt. Mit "First in Line" folgt dann gleich noch ein weiteres Highlight. Es besticht durch seine schöne Melodie und die Fähigkeit sowohl im Club als auch im Schlafzimmer gut hineinzupassen.

Doch der große Höhepunkt erwartet einen ab der Hälfte des Albums. "On Your Own" hat einen tollen Drive, sehr gute Melodie, ist einprägsam und bestitzt im Refrain sehr schöne Synthiespielereien/Effekte, die auch gut auf die diesjährige Shy Child-Platte gepasst hätten. Man sieht: der Song hat Qualitäten für einen Riesenhit. Bei mir ist er das auch schon geworden.

Doch dann stellt man auch langsam das einzige Problem der Platte fest. Zum Ende hin wird die Scheibe recht eintönig, da sich die Stimmung und der Stil der Tracks doch oft ähneln. Einziger stilistischer Ausbruch ist "My Fears Wild Goose at Night", welches nur mit akustischer Gitarre, Vokals und ohne Beat besetzt ist.

James Yuill bestätigt mit dieser Platte, dass er weiterhin zu den besten im Folktronica-Genre gehört. Für "Movement In A Storm", das ohne Ausfälle über die Runden kommt, geht auf jeden Fall eine Empfehlung raus. Besonders die Atmosphäre/Stimmung des Albums überzeugt.

7/10 Punkte

erstellt von Markus.

Donnerstag, 18. Februar 2010

Get Well Soon - Vexations (Review)

Man könnte kurz meinen, Get Well Soon's neustes Album wäre ein Märchenhörspiel. So mutet zu mindestens der Opener "Nausea" an. Ein Mädchen erzählt, was ihr neulich im Wald passiert ist und dann leiten Streicher den "richtigen" Song ein. Der ist ruhig und bedrückt, vor allem aber hat er eine getragene Atmosphäre, die man auf "Vexations" in so gut wie jedem Stück wiederfindet. Hier ist auch schon das Problem des Albums versteckt. Die Stimmung ist eintönig und oft sind es die einzelnen Lieder dadurch auch. An sich ist eine bedrückte oder melancholische Dauerstimmung ja nicht schlecht, doch hier rutscht es auch oft ins Belanglose ab. Das Konstantin Gropper ein hervorragender Komponist ist der versucht seine Musik stimmungsvoll erklingen zu lassen, ist bekannt. Doch die Platte ist einfach zu stimmungsvoll, es fehlen einfach die lockeren Phasen. Doch natürlich hat der Schwabe trotzdem wieder einiges an Klängen komponiert, die von der getragenen Stimmung leben und dadurch so majestätisch und doch filigran wirken, wie es nur Get Well Soon so hin bekommt. Zu diesen Highlights gehören z.B. "We Are Free", "5 Steps / 7 Swords" und "We Are Ghosts". Letzteres überzeugt vor allem durch die schönen Chöre und sogar einem gewissen Maß an Fröhlichkeit(!).

Viele Stärken von "Vexations" liegen aber im Detail. So sind die Texte z.B. eine große von Konstantin zusammengesuchte Zitatesammlung, zudem entpuppt sich das Werk auch als eine Konzeptalbum über die philosophischen Lehren des Stoizismus, in dem es um emotionale
Selbstbeherrschung geht. Das kunstvolle Cover verdient auch noch eine Erwähnung, gemalt wurde es von dem rumänischen Künstler Adrian Ghenie und zeigt, nicht wie man auf dem ersten Blick vermuten könnte, eine Person die sich das Gesicht runter reißt, sondern jemanden der sich eine Torte aus dem Gesicht wischt.

"Vexations" ist also kunstvoll, enthält einiges an guter Musik und wie man es von Konstantin Gropper kennt, ist alles schön und geschmackvoll mit verschiedensten Instrumenten arrangiert worden. Doch bei 14 Tracks langweilt die getragene Grundstimmung, die dann auch mal ins Belanglose rutscht, auf Albumlänge dann doch. Mit ein bisschen mehr Lockerheit und Experimentierfreude könnte Get Well Soon demnächst noch etwas wirklich großes schaffen. Das Talent und Können dazu hat er.

6/10 Punkt

erstellt von Markus.

Mittwoch, 20. Januar 2010

Adam Green - Minor Love (Review)

Man, ist das leicht. Nein, nicht dieses Review zu schreiben, sondern die Songs auf „Minor Love“. Klar, man bekommt hier LoFi mit ein bisschen Anti-Folk und einem waschechten Crooner. Damit könnte man jetzt auch aufhören, nachdem man die Songs im Rahmen einer Plattenkritik vom hr in verwurschtelter Reihenfolge vorgeklatscht bekommt ohne groß auf die Musik oder Texte einzugehen. Aber genau die Texte sind eben die große Überraschung auf diesem Album. Green scheint sich nicht mehr durch das Leben zu blödeln wie auf den Vorgängern, er torkelt eher wie die Figur auf dem Cover und wirkt leicht überrumpelt.

Andere sog. Entertainer würden ihr Scheidungsalbum wahrscheinlich vollstopfen mit unnötig aufdringlicher Musik, bei Adam Green muss man zumeist schon wirklich in die Tiefe des Albums eindringen um Ausbrüche zu sehen. Den Anfang von „Stadium Soul“, ein kleiner trockener Beat, kann man als solchen ausmachen und es finden sich mit der Zeit immer mehr davon. Vielleicht sollte man auch nicht nach ihnen suchen. Der Tiefpunkt des Albums ist nämlich die Flucht in LowestFi-E-Gitarren-Gefilde in „Oh Shucks“. Aufdringlich ist das und lässt den Anti-Folker viel zu sehr raushängen. Der 2. Song, der von elektrischen Gitarren getragen wird, „Lockout“, ist da schon ein wenig besser, hätte aber genauso wie „Oh Shucks“ auch gerne fehlen können.

Dem gegenüber steht ein homogenes und gutes Album, das trotzdem nicht allzu schnell langweilig wird. Für diese Momente ist „What Makes Him Act So Bad“ wohl das beste Beispiel. Einfach nicht totzukriegen, das Gitarrensolo ist kurz genug um den Song nicht zu (zer-)stören oder hält sich weit genug im Hintergrund auf. Green kann erzählen und wird durch die Instrumente, die er übrigens alle selbst eingespielt hat, nicht gestört.

Das Thema ist dabei klar: Trennung, Schmerz und Hoffnung. Noah and The Whale haben letztes Jahr erst einen der besten Tonträger des Jahres mit diesen Themen und ähnlicher Zurückhaltung veröffentlicht. In der Musik, so wie in den Texten sind die Alben sich dann aber doch nicht ähnlich. Die Erzählweise ist einzigartig. Hoffnung wird an der „Ewig brennenden Zigarette“ festgemacht und Melancholie wird auf höchstem Niveau in einer Baratmosphäre vorgejammert.

Hier hat man also eine halbe Stunde voller sympathischer Musik vor sich, dass aber doch auch Ausfälle hat. Fast alles könnte im Radio gespielt werden und würde am oberflächlichen Hörer wohl vorbeirauschen. Mein Tipp ist: Hört hin, es lohnt sich, allein schon um die „schmog“s auf dem Album zu finden. Nach mehrmaligem Hören haben sich bei mir aber auch schon einige Songs überhört. Gesamteindruck: mixed.

6/10 Punkte

erstellt von Leon.

Mittwoch, 28. Oktober 2009

Ben Gibbard and Jay Farrar - One Fast Move Or I'm Gone: Kerouac's Big Sur (Review)

Juhu, ein Album mit Death Cab For Cutie-Beteiligung! Doch die Euphorie wird von der Musik schnell gebremst. Denn die Musik des Albums ist nur von Jay Farrars Alternative Country-Band Son Volt sichtbar geprägt und nicht von Death Cab. Von diesen hat dieser Soundtrack nur die textliche Finesse und die Stimme Gibbards übernommen. An den vom gleichen Buch beeinflussten Song „Bixby Canyon Bridge“ von DCFCs Narrow Stairs erinnert nichts.

So kriegt man hier leisen Folk zu hören, der oft nur mit Stimme und Gitarre auskommt. Im Opener fühlt man sich fast an Cashs „American Recordings“ erinnert bis kurz vor Ende doch noch die Orgel kommt. Leider wirkt das Ganze zu bemüht und es wäre vielleicht besser gewesen, das Lied minimal besetzt durchzuziehen. Auch auf dem Rest des Albums gibt es nur selten eine große Besetzung und selbst wenn ein Schlagzeug dazukommt, spielt es nur im Hintergrund und relativ unspektakulär.

Trotzdem hört man hier schöne Musik. Die Stimmen der beiden Protagonisten sind einfach gut, auch wenn Jay Farrar etwas eintönig vor sich hin singt. Ben Gibbard hingegen belebt Lieder wie den Titeltrack oder „Void“ deutlich und macht sie zu den Highlights des Albums.

Zusammenfassend ist das hier doch ein typischer Soundtrack, jedoch mit großartigen Texten, auf die man sich konzentrieren muss. Ab von den Texten ist es jedoch nicht zu anstrengend und hinter den Möglichkeiten der Künstler zurück. Trotzdem: Wer Son Volt mag, wird meine Kritik an diesem Album wohl nicht richtig verstehen. Mehr Death Cab hätte One Fast Move Or I'm Gone: Kerouac's Big Sur aber sicher nicht geschadet.

6/10 Punkte

erstellt von Leon.

Sonntag, 25. Oktober 2009

Kings Of Convenience - Declaration Of Dependence (Review)

Ist leise immer noch das neue laut? Manche werden sagen: "Hör dir doch mal Justice, Steve Aoki und The Proxy an, dann weißt du es." Aber neben diesen krachenden Electro-Acts gibt es ja noch die ein oder andere Indiepop/Folk-Band. Lake Heartbeat z.B. wurden ja hier schon vor kurzer Zeit reviewt und schlagen in eine ähnliche Kerbe wie auch Kings Of Convenience.

Die haben nämlich jetzt ihr neues Album "Declaration of Dependence" rausgebracht. Viel hat sich im Sound nicht geändert, auch die 2 Alben die Erlend Øye mit und als The Whitest Boy Alive eingespielt hat, haben keine großen, hörbaren Veränderungen hervorgerufen. Es reiht sich ein entspannter Song an den nächsten. Stilistisch sind die einzelnen Stück mal bei Folk und mal bei Akustik-Indiepop einzuordnen. Herzstück und großes Highlight der Platte ist die Vorab-Single "Boat Behind". Es benötigt nur Streicher, Akustikgitarren und die 2 Stimmen von Eirik Glambek Bøe und Erlend Øye um seine volle Stärke zu entfalten und den Hörer zu fesseln und gleichzeitig zu entspannen. Die anderen Tracks sind nach ähnlichem Muster aufgebaut und verbreiten dieselbe Atmosphäre. Auf Albumlänge wird das aber auch ein wenig langweilig, da große Unterschiede fehlen.

"Declaration of Dependence" ist ein Werk was etwas länger zum Zünden braucht, lädt ein zum Verweilen und bietet Entspannung pur. Das ist aber wahrlich nichts neues und ermüdet auf längere Zeit auch.

6/10 Punkte

erstellt von Markus.