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Montag, 31. Januar 2011

Top10: Portugal. The Man - Censored Colors (Review)

"Censored Colors" ist eines der Alben, die man allgemein Grower nennt und es ist eines dieser Alben, die sich am Anfang auch aufdraengen, wenn sie noch nicht gefallen. Da passiert einfach so viel in den 15 Tracks, dass die "ueblichen 5 mal Hoeren" nicht unbedingt ausreichen. Ich selbst musste es bestimmt 15 bis 20 mal Hoeren bis ich es mochte und alles mehr Sinn ergab.

Dass es sich mir so aufgedraengt hat, lag vor allem an den ersten 6 Songs, die - ganz nach dem Aufbau von "Abbey Road" folgend - auch wirklich Songs sind. Mit der teilweise sakralen Stimmgewalt, die sowas wie einem Krichenauftritt der Beach Boys gleichkommt, nimmt der Mix aus Psychedelic Rock und Folk schon mal eine andeutende Haltung gegenueber dem ein, was da noch kommen koennte. Gerade "And I" deutet auch schon Prog an und wirkt gar nicht mehr so fern von einem dieser ueberlangen Decemberists-Kracher - nur viel fokusierter. Alles in allem - und obwohl es auch auf der ersten Haelfte Ausschweifungen, interessante Instrumentierung und sogar Soli gibt - faengt das wirklich Umhauende erst nach "Out And In And In And Out" an.

Dass "Censored Colors" naemlich ein Grower ist, liegt vor allem am Medley, dass bei "New Orlenas" gleich auf dem Hoehepunkt beginnt und da bis zum letzten Song "Our Way" auch nicht mehr runter kommt. Die "intermission" dazwischen hat zwar mit dem ersten Erklingen des Saxophons, dass in "New Orleans" seine Jazzwurzeln in der Hauptrolle voll ausleben darf, schon seine Berechtigung, ist aber tatsaechlich nicht mehr als "Lalalala" auf Elektronika - ein Interlude eben.

Ab dann ist alles moeglich: Jazz, 3 Minuten lang eine Textzeile wiederholen, astreiner Folk, Reaggae und sogar der A Capella-Song "All Mine" faedelt sich dadrin irgendwie ein und bildet einen der 3 fulminanten Abschlusssongs. Der 2. ist "1989", - der Folksong - der ueber die erste Minute eine Stille herrschen laesst als wuerde Scout Niblett unverstaerkt spielen und sich dann am Ende auf dem hoechsten Punkte seine Energie innerhalb einer Textzeile in den 3. Song - den Reaggaesong - "Our Way" fallen laesst, der wiederum in elektronisches Fiebsen abgleitet.

Portugal. The Man probieren, zitieren und kombinieren hier auf hoechstem Niveau und die zwar unverstaendlichen, aber interessanten Texte machen nichts kaputt und bilden ab und zu sogar Mitsingparts. Das alles traegt dazu bei, dass am irgendwann die Euphorie der Platte auch auf den Hoerer ueberspringt.

Mittwoch, 15. Dezember 2010

Top10: The Beatles - Abbey Road (Review)

"Abbey Road" ist jetzt schon 41 Jahre alt und in denen ist viel passiert. Damals war die bemannte Mondmission das grosse Thema - heute spricht man ueber sowas gar nicht mehr. Damals war ein Spritpreis von 70 Pfennig astronomisch - heute wuerde man darueber lachen. Damals waren fuer viele die Beatles die groesste Band der Welt - heute... ach verdammt, das haette so schoen weiter gehen koennen.

Aber die Beatles kann halt wirklich niemand abloesen und dazu hat Abbey Road einen grossen Teil beigetragen. Die Mystik dieses Albums faengt schon auf dem Cover an: die "Paul is dead"-Theorie zieht viel ihrer Kraft aus der Tatsache, dass McCartney als einziger barfuss ueber den Zebrastreifen geht. Weiter geht es mit den Texten bei denen ein "Haehhh??" haeufiger angebracht ist als nur bei dem Nonsens-Italienisch in "Sun King". "I Want You (She's So Heavy)" ist als Song ja sowieso schon schwer zu erkennen, aber der 20-Woerter-Text macht ihn noch schwerer erfassbar... Und was will uns bitte "Maxwell's Silver Hammer" sagen?

Dieses ganze seltsame Flair macht die Platte gerade interessant. Zum Glueck gibt die Musik nicht so viele Raetsel auf. Gerade die Elemente, die so auf anderen Beatles-Alben nicht gepasst haetten, wie z.B. der gemaechige Psychedelic Rock von "I Want You", die Synthesizer in "Because", das Medley auf der 2. Seite, das Schlagzeugsolo in "The End" oder den Hidden Track "The Majesty", verschmelzen den Tontraeger zu einer maechtigen Einheit. Stopp. Die Stimmen, die Dynamik und die Musik im allgemeinen sind natuerlich auch genial.

Dienstag, 23. November 2010

Top10: SDP - Raeuberpistolen (Review)

"Raeuberpistolen" konnte man 2003 als Angriff auf populaere Musik mit der Feuer-mit-Feuer-Bekaempfen-Methode noch wirklich teilweise ernst nehmen (1). Mittlerweile produziert Vincent (musikalischer Kopf und Haupttexter) aber Beats fuer Aggro Berlin und Sarah Conor. Vielleicht eine der groessten Talentverschwendungen, die es in diesem Metier in den letzten Jahren in Deutschland gab. Man sollte sich, um dieses Album zu geniessen, also um 7 Jahre zurueck denken.

Auf diesem Album gibt es naemlich einzigartige Beats - sie klingen wie die Bands des deutschen Golden Age-HipHop der 90er ohne DJ - die immer zum Mitwippen einladen und nicht selten auch ohne Texte fuer Lacher sorgen wuerden; ob das jetzt mit der Techno-Parodie "Knicklicht" oder den Eulengeraeuschen in "Kein Partyhit" ist (2). Ohne 2-minuetiges Outtake-Outro waere der uebrigens ein spitze Partytrack. Neben diesem kleinen Intermezzo und dem schleht improvisierten "Zappeln" (10) ist die Amateurhaftigkeit, die man von Songs erwarten wuerde, die rund um den Erwerb der Volljaehrigkeit entstanden, eigentlich eher wenige vorhanden (11). Zu gut liegt die Gitarre von Dag, die gerne auch mehrfach zwischen Rock und Reaggae agiert, auf der Basis der Songs.

Und seine Stimme erst! Wo Vincent noch zu jung klingt, kann Dag einfach ganz viel, auch ernst, rockig wieder rausreissen. Vincent kann man das aber nicht vorwerfen, da trotz der auf ihre eigene Art hoerenswerte Musik eigentlich die vor Energie sprotzenden Texte den Ausschlag in Richtung grossartig geben. Ob hippiehafte Songs gegen Krieg (6) oder gegen Diskriminierung (4), ob mit Hass gegen schlechten HipHop(5), Techno(8) oder gegen die ganzen Charts(9) versehen oder ob mit einem Song, der dem Zusammenhang des Albums widerspricht(3), sie wissen den Hoere immer, auch beim schwersten Thema, zum Lachen zu bringen.

7!

Montag, 22. November 2010

Top10: SDP - Raeuberpistolen (Glossar)

Ich versuche jetzt mal etwas: Ich gebe in diesem Beitrag vor der naechsten Top10-Review folgenden Glossar mit jeweils einem Textauszug aus Raeuberpistolen raus, weil ich einfach unglaublich viele Lyrics in die Review zittiert haette, wen ich nur einen Post gemacht haette und auf die Art wird sie wenigstens lesbar.

1. Angriff: Es gibt viel zu viel viel zu schlechte Popmusik/ und viel zu viel schlechten HipHop von dem ich's Kotzen krieg/ auch die Metalfreaks mit ihren langen Haar'n/ und die Zappelqueen Britney Spears will ich nicht laenger ertragen.
2. Kein Partyhit: Heutzutage ist doch alles Partygeneration/ jeder 2. zaehlt sich zur Rave Nation/ jedes Lied muss tanzbar sein/ doch ich scheiss darauf/ ich seh das alles nicht ein.
3. Citydancer: Citydancer/ hebt die Haende in die Luft/ immer immer weiter.
4. Habt euch nicht so: Jedem das seine/ du schwarz/ ich weiss/ habt euch nicht so/ wir alle lieben den Scheiss.
5. HipHop ist scheisse: Moses P, Freundeskreise/ scheissegal wie sie alle heissen/ ich wuerd so gern mal auf sie scheissen.
6. Ein Soldat: Kommt statt Panzerfahren lieber tanzen, man/ den der ganze Kram kotzt mich so tierisch an.
7. Bananensaft: Bananensaft und Selter sin der Weg zu Geld und Ruhm!
8. Knicklicht: Dassdrum-Snare/ Synthie-Bassdrum-Snare/ ist alles was ich hoer/ und ich glaube ihr seit ein bisschen gestoert/ weil ihr staendig diese Scheisse hoert.
9. Streitwagen: Wir haben ein Ziel: die Festung der Top10/ doch wir woll'n sie nicht erobern/ nein, wir wollen sie zerstoeren.
10: Zappeln: Wackeln mit'm Stuhl/ wackeln... was hab ich jetzt gedrueckt; bloede Transpose-Taste.
11: Perfektion: Der Perfektionist in mir fluestert:/ der letzte Schliff fehlt.

Donnerstag, 18. November 2010

Top10: Kings of Leon - Aha Shake Heartbreak (Review)

"Aha Shake Heartbreak" ist eines der wenigen 2. Alben bei denen alles richtig gemacht wurde. Die Kings of Leon konnten allesamt ihre Instrumente besser spielen und haben sich dank des Erfolges in England fuer neuere Einfluesse als Lynyrd Skynyrd geoeffnet. Calens "besondere" Stimme hat sich hingegen nicht veraendert. Man koennte von einer organischen Weiterentwicklung sprechen, wuerde sich das nicht so bloed anhoeren.

Sogar die Texte haben sich reaktionaer auf den Erfolg entwickelt. Der Erfolg als Band ist neben Sex immerhin das zweitwichtigste Thema. Auch der hatte aber zum Grossteil mit dem bisschen Ruhm der Band zu tun. Schon im ersten Song "Slow Night, So Long" wird ein kurzes Verhaeltnis mit den Worten "I'll take you home or back to Oklahoma/ You're not so nice, but sex sells so cheap" besungen. Wie bitte sollte Caleb seine Ueberwaeltigung aufgrund neuer Moeglichkeiten ehrlicher Ausdruecken? Dass die Texte so jedoch auch oft naiv und pubertaer wirken, muss man einfach so hinnehmen.

Der schon erwaehnte Opener ist neben dem typischen Textbeispiel auch noch sehr gut geeignet um die wirkliche musikalische Weiterentwicklung zu erklaeren. Nachdem sie knapp 3 Minuten eine etwas aufgeraeumtere und entspanntere Variante der Musik ihres Debuts gespielt haben, springt das Lied in einem 2. Teil mit Perkussion und Piano, der Strandstimmung verbreitet. Momente, die nahe dran sind an ihrem frueheren Selbst und von mir aus auch an den guten Strokes gibt es z.B. in "Four Kicks". Aber es gibt halt auch Lieder die ganz anders sind; "Milk" ist da ganz vorne zu nennen, weil es sich so aubaut, dass es bei ein bisschen laengerer Spielzeit als Progressive-Song durchgegangen waere.

Man kann sich hier also an viel stossen, aber wen bei dem Zusammentreffen von naiven Texten, seltsamer Stimme, Southern Rock und ein paar kleinen Experimenten nichts stoert, der wird hier sicher seinen Spass haben.

Mittwoch, 10. November 2010

Top10: The Slackers - Better Late Than Never (Review)

"Better Late Than Never" hat vielleicht nicht die Vielseitigkeit von "Self Medication" von 2008, dafuer aber 13 gut geschriebene Offbeat-Songs, die von Cool Jazz angehaucht sind.Damit haben die New Yorker einen dieser Stilmixe gefunden, der viel zu selten praktiziert wird. Cool Jazz kann hier naemlich einfach eine perfekte Wirkung entfalten. Die soulige Stimme von Vic Rugguiero und die jamaikanische Sommermusik tragen mit viel Sonne und von Liebe gepraegten Texten dazu bei diesen Stil endlich aufzutauen.

Der zusammenfassende grossartige Song dieses Albums ist mit Sarah (Sarah/ oh girl I love you/ and I love you for the rest of my life/ Sarah/ I'm only thinking of you/ I'm so sorry I can't make you my wife/ this life) auch noch so platziert das man auf keinen Fall von abfallender Qualitaet im Mittelteil reden kann. Auch wenn das die meisten anders sehen, sehe ich einen kleinen Schwachpunkt am Ende. Meiner Meinung nach haetten sie die Auswechslung des Stimmparts durch Doreen Schaefer in "Our Day Will Come" naemlich gar nicht noetig gehabt, weil die Band in sich perfekt abgestimmt ist und die andere Art zu singen ein kleines bisschen Unruhe reinbringt. Das ist neben dem zu hohen Anteil an Instrumentals (13 von 54 Minuten) aber auch der einzige Negativpunkt. Das laengste Instrumental "Contemplation" haette man aber nun wirklich nicht so auf Platte bringen muessen.

Neben diesen Kleinigkeiten ist das einzige, was aber wirklich schade ist im Rueckblick, dass die Slackers auf allen folgenden Aufnahmen ihre Naehe zu alten Helden wie den Skatelites aufgegeben haben um den Jazz-einfluss gegen allerlei andere karibische (Redlight) oder amerikanische (Self Medication) Stile einzutauschen. Und obwohl ich wieterhin auch noch die tolle sehr entspannte Perkussion dieses Tontraegers, man sehe das "Solo" auf "Prophet", vermisse und auch auf die Gefahr hin, wie ein Werbemacher zu klingen, gibt es von den Slackers fuer alle Nich-Kenner eine Masse an guter Musik bis zur aktuellen CD "The Great Rocksteady Swindle" zu entdecken.

Mittwoch, 29. September 2010

Top10: BLK JKS - Mystery EP (Review)

"Mystery" ist beim ersten Hoeren durchaus mysterioes, um jetzt nicht schwierig zu sagen, um jetzt nicht ziemlich beschissen zu sagen. Aber es waechst, aber es waechst nicht schnell, nicht nach den ersten drei Hoerdurchgaengen, eher nach den ersten sechs; da hat man dann Glueck, dass es nur 20 Minuten lang ist. Ich kenne es jetzt seit einem Jahr und habe es schon einige dutzend Male gehoert, was zeigt wie suechtig ungewoehnliches machen kann.

Die BLK JKS sind naemlich sowas wie die ernsteren, organischen Animal Collective, haben also mit Animal Collective eigentlich doch nicht viel zu tun. Eher zu tun haben sie vielleicht noch mit dem ersten Album was ich in dieser Reihe gereviewt habe: "The Cold Nose" von Department of Eagles; nur hier ist der Jazz- und Rock-Anteil hochgefahren worden, wobei alles andere runtergefahren worden, die afrikanischen Einfluesse, die in... Allem dazukommen nicht zu vergessen. Und am Ende der Songs ist das noch diese Shoegazing-Wall of Sound und das ist dann auch schon das einzige, was man einem einzelnen Genre zuordnen kann. Eigentlich hinken also wirklich alle Vergleiche.

Das koennte daran liegen, dass es aus Afrika (hier Suedafrika) sonst keine experimentelle Musik zu uns schafft. Das Auftreten von Afropop hat daran nicht viel geaendert. Wobei dieses Label fuer die BLK JKS auch nicht passt. Wenn man den Begriff Weltmusik mal so nimmt wie er mal gemeint war, machen sie Weltmusik; und weil Weltmusik eigentlich gar nichts aussagt, muss man das, was man hoert auf "Mystery" wohl auf ewig einfach vorfuehren - immer und immer wieder - um es zu erklaeren. Also versucht einfach mal diese Songs von den BLK JKS zu finden:
Lakeside (in der alten Version, die Version auf "After Robots" ist absolut nicht das gleiche)
Mystery
In The Summertime
It's in Everything You See
und das auch bitte in genau dieser Reihenfolge, weil It's in Everything You See das einzige Lied ist das am Ende stehen kann; ein mehr oder weniger amerikanischer Folksong mit, wie koennte es anders sein, afrikanischen Einfluessen.

Samstag, 18. September 2010

Top10: The Libertines - Up The Bracket (Review)

"Up The Bracket" ist wohl einer der Klassiker des 00er-Jahrzehnts, obwohl es eigentlich nichts wirklich Neues gebracht hat, war es in den letzten Jahren wohl die Vorlage fuer die meisten britischen Rock-Alben - und das voellig zurecht! Dabei haben sie eigentlich nur ein bisschen Punk gemacht ohne Parolen und ohne Ideologie, Punk, der gefallen sollte ohne Pop-Punk zu sein, aber trotzdem mit grossen Sing-Along-Melodien. Irgendwie paradox, aber trotzdem ist das alles ein Revival; Sex Pistols, The Jam, The Clash sind wohl die meistgenannten Vergleichspunkte. Das, was die Libertines aber eigentlich so erfolgreich gemacht hat, sind eindeutig die Personen hinter der Band: Pete Doherty und Carl Barat haben ihren Genie-Status ja schon lange inne, aber auch der oft vergessene John Hassal(das Album, das er 2008 mit Yeti rausgebracht hat, ist zwar ganz anders als die der Sound der ehemaligen Hauptband, aber reicht von der Qualitaet fast daran heran) macht diese Band aus.

Die Texte sind grossartig, die Stimme versaut, die Songs schnell und knackig, die Gitarren haben keine grosse Komplexitaet und der Bass erst Recht nicht und ueber das Schlagzeugspiel brauch man bei diesem Thema auch nicht zu reden und ausserdem ist die Produktion genauso dreckig, dass das alles so richtig schoen rumpelt und kracht. Daran ist jetzt nicht wirklich was besonderes eigentlich, aber eigentlich doch, weil es einfach alles mal stimmt.

Und dann kommen die Handclaps und die Kongas gleich im ersten Song (Vertigo), und dann die "Aaaah"s am Ende des 2. Songs (Death On The Stairs) und und und. Man koennte immer so weiter machen bis man am Ende bei dem "Fuck 'em" nach den genial-hingeschmissenen Zeilen "I get along just singing my song. People tell me I'm wrong.", den Gitarrenverdrehungen und natuerlich den vielen "Get Along"s auf dem letzten Song (I Get Along) angekommen ist und das wirklich mit jedem Song.

Und jetzt im Jahr 2010 gibt es sie endlich wieder und das, was ich bis jetzt gehoert habe, gefaellt mir, auch wenn es nur Konzertausschnitte sind. Mal sehen, was daraus noch wird.

Dienstag, 7. September 2010

Top10: Die Aerzte - Die Aerzte (Review)

"Die Aerzte" darf nicht beworben werden, weil es auf dem Index ist - so ist das, das war die Plattenbesprechung.

Aber jetzt mal im Ernst, "Sweet Sweet Gwendoline" und "Geschwisterliebe" sind zwei sehr versaute und stark ironische und vor allem richtig gute Songs, die aber keinesfalls exemplarisch fuer das Album stehen. Hier herrscht Romantik - mehr oder weniger auch in den erwaehnten Tracks - und eine Stimmung, die man nur mit 80er beschreiben kann, die Drums sind so abgemischt wie man es nur in den 80ern durfte und alles andere konnte man und somit auch Die Aerzte einfach nur in diesem peinlichen Jahrzehnt bringen. Coole Songs gibt es hier ausser "Sweet Sweet Gwendoline" nicht wirklich, die Texte sind teilweise so schmalzig oder einfach nur klischeebehaftet, dass man lachen muss.

Das unterscheidet dieses Album auch von allen anderen Aerzte-Alben, es faehrt eigentlich gar nicht die Comedyschiene, bei Texten wie "Dann bekam ich eine Freundin/ und ich gab mich serioes./ Doch etwas unter ihrer Bluse/ machte mich nervoes" aus "Ist das alles?" und denn dazu passenden Gitarren muss man aber einfach lachen... es ist einfach lustig ohne wirklich witzig zu sein, ein Trash-Album koennte man es nennen. Auch alles andere passt dazu, die Gitarren sind einfach und ungelenk, wenn auch nicht punkig, das Schlagzeug, die Texte und der Gesang auch und "Jenseits von Eden" kann sich auf keinem Album, auch nicht bei Nino de Angelo, besser einfuegen. Gerade dieser Song, mit seinem schleppenden Arrangement und seiner disharmonischen Stop-and-Go-Coda, ist - wie das fast schon funkige "Sweet Sweet Gwendoline" - auch einer der ungewoehnlichen Songs auf diesem poppigen, homogenen Alben, in allen anderen Liedern hat der Pop-Rock naemlich den Punk der ersten beiden Alben so gut wie komplett vertrieben.

Das gipfelt im Synthie-Pop-Anfang von "Fuer Immer" und eigentlich auch im kompletten Song, mehr Cheesiness ist schwer zu erreichen. Gerade darum bildet er mit den letzten beiden Songs auch ein unglaublich guten Dreierpack zum Abschluss der Platte. "Ich bin reich" ist dann doch Nonsense, "Mein Swimming-Pool/ reicht von Casablanca bis nach Istanbul/ das ist ein Mordsmodul" und Keyboard zum Abgewoehnen und ueber den Kitsch in "Zum letzten Mal" koennte man sich auch stundenlang aufreden.

Hab ich das Album beworben? Ich glaube nein... Ich mag es einfach nur, weil es schlecht ist, Trash, guter Trash.

Samstag, 28. August 2010

Top10: Chase the Drgaon - Replacing Space (Review)

"Replacing Space" ist eine EP, bei der man normalerweise nicht an einen Newcomer denken wuerde. Der Sound wirkt so gefunden, ein Song mit Herz entsteht einfach so. Und obwohl der jugendliche Hau-Drauf-Enthusiasmus fehlt, werden die Indie-Pop-Balladen des Magdeburger Duos nie langweilig, sondern bleiben variantenreich. Aber egal, was sie sich dabei ausdenken, es passt immer rein.

Man fuehlt sich bei der resignierenden Stimme von Robin Kellermann, die an den Akustikgitarrenakkorden und Synthesizermelodien/-effekten fast zu zerbrechen scheint, geborgen. Denn von dieser Musik kann einfach keine Gefahr ausgehen. So geborgen sogar, dass man schon fast denken koennte Chase the Dragon haben hier eine Konzept-EP zum Thema Einschlafen aufgenommen, vor allem wenn Naturgeraeusche und Streicher der Band helfen.

Schon der erste Song wartet mit allen Staerken des Tontraegers(bis auf die Geigen) auf und ueberrascht schon nach den ersten 90 Sekunden mit dem ersten und einzigen Beat. Dieser ist aber so untergeordnet, dass er auch ruhig mitten im Lied wieder aufhoeren und anfangen darf ohne zu stoeren. Die Melodien sind eh so stark, dass sie auch ohne den Rest funktionieren wuerden, aber wir sind hier ja ncht bei Jean-Michel Jarre, auch wenn der bestimmt seinen Spass an der Tastenarbeit von Mathias Schieweck haben wuerde.

"The Lasting" und "Could We" ziehen das Tempo ein ganz klein Wenig an und stellen somit vielleicht das Gedankenrasen vor dem Einschlafen da, wozu der erste Streichereinsatz in "The Streets Of My Hometown*" dann wirklich einlaedt. Nachdem dann sogar kurz E-Gitarren aufblitzen, die man sich waehrend der Gesangsparts auch haette sparen koennen, kommt das Intro von "Goodnight Guestrow". Und wenn das mit all dem Vogelgezwitscher und diesem Titel nicht das ultimative Schlaflied ist, dann weiss ich auch nicht weiter.

Kleine Empfelung: Am 24. September erscheint das Debutalbum der beiden, das sie "Tales of Transit" getauft haben. Unbedingt mal anchecken!

Freitag, 20. August 2010

Top10: Department Of Eagles - The Cold Nose (Review)

"The Cold Nose" ist so ein Album bei dem man sich fragt, welcher Verrueckte sein Label denn mit diesem Dolch erstechen wollte. Mit dem, was Daniel Rossen spaeter mit Grizzley Bear und auch mit dieser Band gemacht hat, diesem nostalgischen Indie-Folk, hat das hier naemlich wenig bis gar nichts zu tun. Man koennte es College-Flausen eines musikalischen Alleskoenners nennen.

The Streets trifft auf James Yuill, die BLK JKS werden als Backing Band engagiert und der Laptop wird nochmal nach allem durchsucht, was nicht in die normalen Projekte passt. Im Endeffekt klingt es dann aber doch wieder wie diese eine Band mit der grossen Plattensammlung, die ihre Vorliebe fuer 70s-Krautrock ausleben wollte und einfach nicht anders konnte als einfach schlecht dort schlecht reinzusingen/-rappen, wo sich dann doch die amerikanische Identitaet zeigt(naemlich in Folk und HipHop). Der sowieso schon samplelastige restliche Wahn wird von Soundschnipseln aus der Oper alten Tonaufnahmen oder sonst was, was auch auf ein Books-Album gepasst haette, passend bestueckt.

Wem das jetzt alles viel zu irre vorkommt, der sollte sich trotzdem mal "Family Romance" anhoeren: ein straighte Folktronica, der mit Gruppengesang am Ende voellig in seinen Refrain aufgeht. Der Song sticht heraus, weil ein Song komplett ohne Breaks und Genre-Hopping auf dieser Platte erstmal einer unterbringen musste. Das bestes Besispiel fuer einen total ungleichfoermigen Song bietet naemlich kurz davor erst "Gravity's Greatest Victory/Rex Snorted Coke". Der Song beginnt mit einem der schon erwaehnten Opernsample auf irgendwas elektronisches um dann in Sekundenschnelle den Uebergang in ein Jazz-Sample zu finden und am Ende doch nochmal den gelangweilten Rapper raushaengen zu lassen.

Wenn einer ein Album kennt, das Aehnlickeit mit diesem Klotz besitzt, bitte direkt in die Kommentare schreiben. Ich habe bis jetzt noch keins gefunden!