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Montag, 13. Februar 2012

Perfume Genius - Put Your Back N 2 It (Review)

Immer wieder gibt es Alben, die in der Lage sind dazu zu bewegen über Dinge nachzudenken, die in der Musikwelt eigentlich als Regel akzeptiert sind. Z.B. sollte man sein Instrument beherrschen (auch wenn man gerne so tun darf als würde man es nicht, Moldy Peaches), der Gesang sollte irgendwie zur Musik passen und eigentlich gibt es auch für jedes Genre eine Albumlänge, die man erwarten kann.

"Learning" von Perfume Genius machte aber einfach alles anders und war ehrlich schlecht eingespielt- und gesungen, grausig aufgenommen und als Album voller Pianoballaden nur 28 Minuten lang. Das Echo auf Mike Hadreas' Stimme steurte nochmal dazu bei, dass man seine irgendwie neben der Musik stehenden Texte - voll von Leuten, die dich erst in ihrem Truck kiffen lassen und sich danach von einem Hochhaus stürzen - eigentlich gar nicht verstand. Aber all das unterstrich nur die Naivität, Zerbrechlichkeit und Intimität des Albums. Alles das ist größtenteils wie weggeblasen auf "Put Your Back N 2 It" und ich rechtfertige meine lange Vorrede mal damit, dass sich ohne das Debüt wohl keiner für dieses Album interessieren würde.

Denn Mike Hadreas interessiert sich ja auch nicht mehr wirklich für andere. Das Alibi-"You", das er in fast allen Songs benutzt, ist nämlich einfach nur allgemein und spricht damit eigentlich wieder niemanden vor den Lautsprechern an, sondernerzählt von sich oder seinen Beziehungen - nur, dass diesmal keine Schicksale mehr direkt vorkommen und man nicht mehr erschüttert ist von den Geschichten. Das macht ihn weniger angreifbar aber verschließt auch seine Texte.

Da kann es nicht helfen, dass alles noch genau so traurig ist wie früher, weil es einfach nicht mehr wirkt, auch nicht mit den Synthieflächen aus "All Waters" oder der Herzschmerz-Melodie aus "Awol Marine". Denn auch die sind nicht mehr zerbrechlich, sondern stehen souverän eingespielt für den neuen Perfume Genius mit weniger Echo. Der ist aber leider nicht mehr naiv und intim und damit gibt es auch diesem Album einfach nur noch 12 einfache kleine hübsche Pianoballaden. Wer das mag, den wird es nicht stören, dass alles so normal ist und auch das Mitwirken von Gitarre und Schlagzeugeinsatz in "Take Me Home" nichts Besonderes ist wie auch das ganze restliche Album, das sich immer mehr entzaubert je häufiger man es hört.

4-5/10 Punkte


erstellt von Leon.

Freitag, 10. Februar 2012

Kettcar – Zwischen den Runden (Review)

Nachdem Sylt sich noch die größten Feinde ausgesucht hat und dabei seinen eigenen Weg gegangen ist, ist „Zwischen den Runden“ jetzt die Kehrtwende. Kettcar geben sich im ganz alten Sinne romantisch und unpolitisch und zeigen, dass es auch inmitten der größten Krisen noch Wichtigeres gibt als Wirtschaft, Politik und Schulden. Hier wird ganz direkt über das Leben gesungen und über den Tod, die Liebe, die Sehnsucht danach und die Überforderung im Kleinen. Ganz Hamburger Schule. Wäre das alles nicht in so versöhnliche Töne von Akustikgitarre, Klavier, Holzbläsern und Streichern gebettet, dann wäre es Blues – so traurig ist der Grundton der Musik und so gut gesetzt ist dieser letzter Funke Hoffnung in einigen Liedern.

Los geht das mit „Rettung“, das wohl die größte Liebesgeschichte auf diesem Album hier ist und auf euphorischen Bläsern beschreibt wie eine Bekanntschaft und „die Liebe meines Lebens“ von der Party nach Hause geschleppt wird um ihr dann zärtlich die Brocken aus den Haaren zu pulen. Auch „Im Club“ spricht nochmal Hoffnung zu und macht das so direkt wie kein Kettcar-Song es je zuvor gemacht hat. Alle „stolzen Versager in sterbenden Städten“ und „vergessenen Denker“ sollen zusammenkommen und Kettcar zelebrieren die Gemeinschaft auch wenn sie versagt. Das macht zwar Mut, ist aber trotzdem alles andere als optimistisch. Alles, was darauf kommt, zeugt von Resignation oder bloßer Überforderung. Das heißt nicht nur, dass wie in „Kommt ein Mann in die Bar“ ein Mädchen mit gebrochenem Herzen am Glücksspielautomaten stehend rät doch einfach aufzuhören zu hoffen, die Mütter die Mäuse für die Schlangen der Kinder füttern und alles andere im Leben immer absurder wird – und all das überhaupt nicht witzig ist ohne jemanden an seiner Seite. Nein, selbst im Liebeslied „Weil ich es niemals so oft sagen werde“ ist der Protagonist ohnmächtig und kann nicht ausdrücken, was er will ohne immer wieder nach den Geigen zu rufen…

Die Musik dazu ist tatsächlich nicht viel mehr als „die Musik dazu“. Immer gibt es Geigen, Bläser und Klavier, die alles noch melancholischer machen oder wie in „In deinen Armen“ einfach nur im Lounge-Stil die Stimme unterstützen. Das ist zwar nicht schlecht so, aber klingt manchmal so sehr nach übertriebenem Pop und Schlager-Pathos, dass man sich mehr Momente wie in „Schrilles, buntes Hamburg“ wünscht, das mit seinen E-Gitarren und dem kleinen Extratupfer Elektronik speziell an Sylt aber auch an frühere Alben erinnert. Hier wird sogar die Hoffnung einmal liegen lassen und die totale Ablehnung sorgt im Refrain dafür, dass sich der Slogan „Es muss immer komplett verwertet werden, wenn es komplett verwertet werden kann“ tief ins Gehirn einstampft.

Das Gesamterlebnis „Zwischen den Runden“ tröpfelt zwar so geschmeidig aus den Lautsprechern wie noch nie bei Kettcar und zeigt bei all seiner Melancholie doch immer diesen letzte Ausweg und nimmt in den Arm, aber die großen Momente haben sie ganz spärlich gesäht. An die Songs kann man sich zwar erinnern aber wenige reißen wirklich mit. Gleichzeitig ist aber der Text eigentlich darauf ausgelegt sofort zu treffen, schaffen das aber nicht immer. Stundenlanges interpretieren ist bei Kettcar nicht mehr angesagt 2012, aber diese tiefere Ebene fehlt jetzt.

6-7/10 Punkte


erstellt von Leon.

Samstag, 4. Februar 2012

Of Montreal - Paralytic Stalks (Review)

Die Lage, in der sich Kevin Barnes im Moment befindet, kann man als Zwickmühle beschreiben. Egal, was er mit Of Montreal macht, ein Teil seiner Fans wird es hassen. Aber das hat er sich voll und ganz selbst zuzuschreiben - so oft wie er seine Stile hin und her wechselt und mit jedem Album immer wieder die Richtung völlig ändert. Es löst nun mal Enttäuschung aus, wenn auf ein Weirdo-Pop-Album voller Selbstreflektion wie „Hissing Fauna, Are You The Destroyer?“ auf einmal die totale Abstraktion des Sounds zwischen Funk, Pop, Rock und Electronica mit den schweinigsten Texten aller Zeiten folgt wie auf „Skeletal Lamping“ nur um darauf dann auf einmal ein von R’n’B beeinflusstes Pop-Album folgen zu lassen wie „False Priest“ und die Elektronik fast raus streicht. An der Veränderung ändert sich auch 2012 nichts, aber „Paralytic Stalks“ versucht sich wenigstens daran die letzten Jahre dieser „Band“ musikalisch zusammenzufassen.

Dass das in einem heillosen Chaos ausartet, dürfte jetzt nach der Beschreibung schon jedem klar sein. Wie gut es aber ist, erkennt man erst nach mehreren Hördurchgängen, weil man dieses ganze Album erst in Ansätzen begreifen kann, wenn man es wieder und wieder und wieder und wieder hört; wenn man die Songs beginnt aufzuschlüsseln; wenn man sich nicht mehr so wundert wie in dem Moment, in dem man die Songs der 2. Hälfte zum ersten Mal hört, sondern Zeit hat um Spaß beim Hören zu haben und die Energie zu spüren. Denn ohne das kommt man durch die letzten 4 Songs nicht. Viel zu oft passiert z.B. im Closer, dem 13-minütigen „Authentic Pyrrhic Remission“, nämlich einfach das, was man auch nach dem 20. Mal immer noch nicht erwartet, weil auch die Refrains nie einfach so mit der gleichen Melodie wiederholt werden. Aber: das fesselt dann so wie diese 70er-Jahre-Krautrock-Alben, die man zwar nie ganz versteht und trotzdem immer wieder hören will.

Das seltsame daran ist aber, dass das Intellektuelle hier so hinter Pop und Hooks (mehrere pro Song) versteckt, dass der NeoProg, den Barnes scheinbar für sich entdeckt hat, nicht nervt und auch nicht so klingt als würde er jetzt bewusst „den Hörer fordern“. Man hat bei dem Funk- und Pop-Lehrer Barnes einfach Freude am Unterricht und will höchstens mal in die Pause, weil er mit der übermotivierten Spielzeit von knapp einer Stunde wirklich übertreibt und mit den Noise-Attacken, die statt einer Viertelstunde nur 5 Minuten gebraucht hätten. Dass er das mit der Soundcollage beherrscht ist nämlich nach dem einzigen Instrumental „Exorcistic Breeding Knife“ schon klar - auch wenn es mit 8 Minuten Spielzeit an sich schon zu viel des Guten ist.

Zum Glück sind die Ausflüge in andere Extreme wie in den Quasi-Folk von „Malefic Dowery“ oder den abgehobene Psychedlic-Jam in „Ye, Renew The Plaintiff“ nicht so lang und immer gepaart mit den offenherzigsten Texten der letzten 5 Jahre Bandgeschichte. Da muss wohl wieder eine Ehe gerettet werden wie damals bei „Hissing Fauna…“, denn anders sind Zeilen wie “Other people can say there is a true belief system/ But all my life I've been betrayed by my mother's religion/ Too much bitterness” gar nicht zu erklären, die so einen tiefen Eindruck in Barnes‘ Bild vom Leben, der Religion, der Liebe und allem bieten. Man wünscht ihm das natürlich nicht, aber für Texte, die so viel Nähe zum Künstler aufbauen, brauchen viele nun mal eine problematische Lebenslage.

Also gute Besserung, Kevin… Mit diesem Album sollte es aber eigentlich nicht mehr so schwierig sein das alles wieder einzurenken – das haben schließlich auch schon andere geschafft, denen „Paralytic Stalks“ in nichts nachsteht.

8/10 Punkte (Tendenz aufwärts)


erstellt von Leon.

Sonntag, 15. Januar 2012

Alben des Jahres 2011 - Leon

Wie gut ein Jahr war erfährt man ja meistens erst Jahre später, wenn sich Alben als persönliche Klassiker durchgesetzt haben, aber 2 Alben aus 2011 hätten bei mir auf jeden Fall die Chance dazu und stehen ganz vorne auf der gleich folgenden Liste. Bevor ich die anfange, will ich auch nochmal betonen, das sich noch viel verändern kann. Viele dieser Alben haben zwar einen ziemlich festen Platz, aber "Mein kleiner Krieg" von Mutter scheitert bis jetzt einfach am Einzug in die Liste (und wahrscheinlich Top 10), weil ich die Platte erst 3, 4 Mal gehört hab. EPs sind übrigens genauso wenig enthalten wie die geniale Smile Sessions der Beach Boys. Darum hier noch mal einen kleinen Überblick über meine Lieblings-Kleinformate des Jahres. Da gibt es erstmal die Awake EP von Trash Talk, die musikalisch für mich das Beste ist, was sie je gemacht haben, aber ein ganz kleines bisschen an Ecken und Kanten verloren hat. Die Manx EP von Maeckes war das Deutschrap-Release meines Jahres - die Amateurhaftigkeit wie halbfertige Beats mit genialen Lyrics verschmelzen ist einfach Einzigartig. Future Of The Left habe ich hier ja sogar besprochen und Polymers Are Forever hat keinen Teil seines Abhängigkeitspotentials verloren und deutet auf eins der besten, dreckigsten und schmutzigsten(ja, da gibt es einen Unterschied) Alben des nächsten Jahres hin. Die Comecrudos EP hingegen deutet eher auf eine ziemlich seltsame LP aus dem nächsten Jahr hin. Diese 24 Minuten Landschaftsbeschreibung sagen über das nächste Großprojekt von Pontiak aber wahrscheinlich eher wenig aus. Zum Schluss muss auch noch Burial erwähnt werden, der auf Street Halo so schön das Gefühl rüberbringt, das man hat, wenn man nach dem Feiern einfach in die Stadt kotzen möchte. Aber jetzt erstmal viel Spass mit meine Liste.

20. The Dodos – No Color

No Color fängt an mit einem typischen Dodos-Beat, so abstrakt wie er sein muss und nach dem enttäuschenden Singer/Songwriter-Folk Ausflug auf dem Vorgänger „Time To Die“ ist das echt eine Überraschung. Und gerade als man sie dafür umarmen will, kommt es noch besser und durch eine Symbiose aus Freak-Folk und Folk-Pop entsteht der Opener „Black Night“. Die Art, in der im Laufe des Albums dann noch ein Stück Noise-Rock in den Mix einfließt, hat auch nur mit der neuen Reife im Sound der Dodos Sinn. Dadurch klingt zwar nur noch wenig so verspielt wie auf ihren frühen Alben, aber das könnte man ihnen auch nicht mehr abkaufen. Der Spass, den man bei Meric Long immer erwartet, ist zwar trotzdem noch da, nur muss man ihn sich jetzt halt erarbeiten – und das ist nur höchstens so wiedersprüchlich wie der Verlauf von „Going Under“, der so klingt als hätten Animal Collective einen Song mit Robin Pecknold aufgenommen bei dem die Synthies draußen bleiben mussten.


19. Samsara Blues Experiment – Revelation & Mystery

Noch nie war die Versuchung größer sich eine Horde Kiffer beim Headbangen vorzustellen. Denn genau dazu liefern SBE hier den Soundtrack ab. Nach der Energie, die bei einem Auftritt dieser Band verbraucht wurde, kann man zu Colour Haze dann auch bestimmt gleich viel besser abgleiten. Und so unterschiedlich sind die beiden genannten Bands dann auch gar nicht. Wo bei Colour Haze immer noch ein tranciges Riff eingeschoben wird, gibt es hier dann einen Stimmeinsatz oder manchmal sogar einen hektischen Umschwung, der die Heavy-Stoner-Atmosphäre ein bisschen aufweckt. Immer schön zwischen die Stühle!


18. Rainald Grebe – Zurück zur Natur

Es ist 2011 und jeder singt über Liebe und Gefühle? Eigentlich kann das nicht sein, wenn es soviele politische Themen gibt. Selbst der Punk oder Hardcore praktiziert die Nabelschau und macht teilweise wie La Dispute oder Fucked Up sogar Konzeptalben. Dann muss sich eben der mittlerweile 40-jährige Rainald Grebe neben seinen eigenen Gefühlen auch noch um die Politik kümmern. Und mit der musikalischen Abwechslung, die mittlerweile in seiner Musik steckt, wird das sogar richtig interessant. Wenn er die Talking Heads, Leonard Cohen und alle anderen, die er so nebenbei erwähnt jetzt auch noch in seinen Sound integrieren würde, gäbe es aber noch mehr zu feiern als ein wirklich gutes Pop/Rock-Album.


17. The Black Keys – El camino

Eine typischere Band für das vergangene Jahrzehnt wird es wohl nicht mehr geben. Alles an den Black Keys ist ein einziges Revival, kein Riff hört sich wirklich „neuartig“ an und die Drums treiben relativ „gewöhnlich“ – eine Mischung aus Garage Rock mit ein paar Spritzern T-Rex und mittlerweile übermenschlich großer Produktion. Das dabei nicht unbedingt Spannendes herauskommt und selbst ein Song wie „Little Black Submarine“ nicht ins Anspruchsvolle abgleitet, obwohl er die Verschmelzung von Folk-Rock und Hard Rock betreibt, ist dabei gar nicht schlimm. Die Hauptsache ist hier einfach nur, dass es rockt und wenn dabei auch noch solche Hits abfallen, kann man Dan Auerbach und Patrick Carney den Erfolg nur gönnen.


16. Black Rust – The Gangs Are Gone

Ein Album als roter Faden gesponnen – jeder Song folgt thematisch auf den anderen und genau wie sich die Gefühle im ständigen Auf und Ab befinden, kommt auch die Musik mal als leiser Gitarren-Folk-Song daher oder packt mit Bläsern, Streichern, Piano alles aus, was man im Americana gerade noch machen darf. Das erinnert teilweise an Größen wie Neil Young, schrammt aber vor allem bei den leiseren Songs nur knapp an „zu brav“ vorbei. Das wird an anderen Stellen mit E-Gitarren-Einsätzen zwar wieder ausgeglichen, aber der einzige Spielraum, den sie für das nächsten Album jetzt noch haben ohne belanglos zu werden, ist der Weg weg vom Leisen. So wie es hier klingt ist es aber noch unglaublich guter Americana aus Münster.


15. Haken - Visions

Visionen sind ja auch irgendwie Traumtheater und Haken wandeln auf den Pfaden dieser Progressive-Götter und übertreffen mit diesem Album jetzt sogar alles, was Dream Theater auf ihren letzten Alben veranstaltet haben. Growling und Metal spielen da zwar nicht mehr so eine große Rolle wie auf ihren vorherigen Releases, dafür ist das Album aber mehr als je zuvor von (schwierigen) Zusammenhängen geprägt und wird dadurch so episch wie Musik nur seien kann. Und nur durch Übertreibung kann man in diesem Klischee-Genre ja überhaupt noch Großes vollbringen. Das beeindruckt niemanden, der Prog für ein Altherrenthema hält, aber auf der Basis des Genres ist bei Visions einfach alles gegeben: Virtuosität, Entwicklungen innerhalb der Songs und zwischen den Songs, Konzepte. Das Besondere an Haken ist dann aber, dass vor allem ihr Sänger, Ross Jennings, aber auch die Band als Ganzes noch Emotionen auslösen kann und nicht so steril (obwohl die Produktion strahlt) ist wie einige ihrer Genre-Kollegen.


14. Noah And The Whale – Last Night On Earth

Nachdem sich ein Drumcomputer und viele Synthies gleich am Anfang umschwirren, glaubt man erst nicht, dass das noch Folk seien kann. Aber die Stimme von Charlie Fink und das gesamte Arrangement mit Chören und Piano geben dem Opener „Life is Life“ eine glückliche Atmosphäre ganz ähnlich wie sie auf Peaceful, The World Lays Me Down 2007 war und rückt das Bild der ersten Töne ganz vorsichtig wieder gerader. Das setzt sich dann auch größtenteils so fort, mal mit mehr Gitarre, mal mit Geigen, aber immer als elektronische und fröhliche Neuerfindung der Band nachdem sie sich auf dem großartigen Vorgänger The Last Days Of Spring ja noch melancholisch zeigten und eine Auflösung danach gar nicht so unwahrscheinlich war. Schön das es euch noch gibt und danke für dieses Stückchen… Musik.


13. Profesjonalizm – Chopin Chopin Chopin

Nein, das hier ist keine Neuaufnahme von Chopin-Stücken, sondern ein polnisches Jazz-Sextett. Der Name will sich eigentlich nur lustig machen über die Ausbeutung von Chopin in polnischer Musik, die Musik will eigentlich nur Spaß machen, hat sich dazu aber die denkbar schlechteste Basis, nämlich Avant-Garde Jazz im Stile des 50er- und 60er-Bebop von z.B. Thelonius Monk ausgesucht – und dieses Ziel trotzdem erreicht. Das 4-minütige und damit kürzeste Stück Dęty ist eins der von mir am meisten gehörten Stücke dieses Jahres, da die treibende Rhythmusgruppe einfach immer wieder Freude macht und die komplexe Melodie, die immer wieder in Improvisationen durch jegliche Tonleitern gehetzt wird auch beim 50. Mal noch interessant ist. Die anderen Songs stehen da in nichts nach und insgesamt bietet das Album mit vielen Stimmungen und einigen atmosphärischeren Tracks auch Abwechslung. Damit kann ich auch schon nicht mehr schreiben über ein Album über das man eigentlich gar nichts schreiben sollte, sondern es einfach hören muss um Ahnung von seinem Sound zu bekommen.


12. Sandro Perri – Impossible Spaces

Was verdammt ist das? Da kommt irgendsojemand daher und presst einen minimalistischen Ansatz, der teilweise an Talk Talk erinnert zusammen mit einem Kraut-Prog Stil wie ihn Hoelderlin auf Platte gebracht haben und dann macht er daraus eine Folktronica-Platte, die zwischen den beiden Extremen des Genres nach Belieben hin- und hertingeln kann. Dass das dabei auch irgendwie zu Jazz wird, dürfte niemanden verwundern, dass es auch auf 10-Minuten-Songs nicht unnötig unverständlich wird, sondern irgendwie immer noch Emotionen vermitteln kann, zeugt von einem Riesentalent.


11. Young Circles – Jungle Habits

“Light up and let the feeling move ya/ I sell that friends to consume ya// you wanna feel alive//” So und jetzt Hornbrillen auf und ab in die Hipster-Indie-Disco. Wenn man “Jungle Habits” nur so antestet und bei dem Hedonismus der Platte nicht mal ein Auge zudrücken kann, kann man tatsächlich denken hier hätten sich ein paar Musik-Elitisten zusammengetan um ein bisschen das auszuformulieren, wofür Animal Collective und Radiohead zu viel Stolz haben. Aber das wäre erst mal gar nicht wirklich schlecht und wenn dabei zweitens sowohl ein Banger wie „2012“ rauskommen als auch ein experimenteller Jam wie „Jangala“, sollen sie doch so seltsam sein wie sie wollen. Eine Empfelung auch für jeden, der findet, dass man generell zu wenig Gesangseffekte in aktuellem Indie hört.


10. Has-Lo – In Case I Don’t Make It

Manche Rapper chillen mittlerweile hinter Rauchschwaden und klingen auch so, andere sind immer noch Gangster und haben immer noch alle Bitches und ticken Drogen. Bei all diesen (oft zurecht) Aufmerksamkeit suchenden Personen übersieht man so jemanden wie Has-Lo schnell. Der sitzt lieber bei Kerzenlicht in seinem Dichterzimmer und übersetzt seinen tief melancholischen (In Case I Don’t Make It) oder sogar gesellschaftskritischen (Kinetic Energy) Poetry Slam-Stil in Raps. Und die werden hinter nichts versteckt sondern durch die minimalen und vor allem auf klassischen Instrumenten basierenden Beats eher in den Vordergrund getrieben. Das bisschen Vordergrund kann er sich auch erlauben, so zurückhaltend wie die Musik ist. Nichts, nicht mal die Flows hier, drängen sich auf, obwohl alles gut bis perfekt ausgearbeitet ist. Das hier ist HipHop zum hinhören und analysieren und so wunderbar eigenständig.


9. Portugal. The Man – In The Mountain In The Cloud

Was passiert, wenn Musiker sich entfremden, streiten, kaum mehr schlafen und eigentlich nichts mehr funktioniert? Das kann in einem spannungsgeladenen Album enden oder in der Auflösung. Im Falle von Portugal. The Man führt es einfach nur dazu, dass sie ihrer Diskographie noch ein Spitzenalbum hinzufügen können. Nur ein Fehler ist ihnen dabei unterlaufen: Alles auf ITMITC ist Pop und damit kann ein Song nicht gut sein, wenn die Melodie nicht gefällt oder mitreißt. Bei 10 Tracks, die sich allesamt zwischen den Beatles, T-Rex und David Bowie positionieren, kann das System kaum aufgehen, ohne dass man mit einem Song rausgeht, der nunmal nicht so toll ist. Für mich ist das „Once Was One“, der ganz subjektiv einfach nicht mein Fall und mir zu sacht ist. Der 11. Track bildet die Ausnahme auf diesem Album: „Sleep Forever“ kann man eigentlich gar nicht nicht mögen, wenn man Gefühle hat. Der Aufbau von einer Gitarrenmelodie zu einem Song mit Chören, Streichern und allem was dazu gehört, reißt einfach mit und mit dem Text über die Sehnsucht nach einem Ende NACH dem Tod will man sich eigentlich mal in eine einsame Hütte in Alaska begeben nur um zu verstehen, was John Gourley da sagen will. Zusammenfassung: Solides Album mit Ausreißern nach unten und viel mehr nach oben.


8. Radiohead – The King Of Limbs

Dafür haben die 4 Jahre gebraucht? Das kann ich ja in ner Woche in meinem Fruity Loops zusammenschustern, das wiederholt sich ja ständig und das ist viel zu kurz und sie haben uns betrogen! Ja, das musste man sich echt anhören, wenn man King Of Limbs vor alten Fans, die sich OK Computer zurückwünschen, verteidigt hat. Und so Unrecht haben sie auch gar nicht damit, dass hier nicht viel Musik zu finden ist und Vieles immer und immer wieder wiederholt wird. Aber damit haben sie im Prinzip nur gezeigt wie wenig man machen muss um Atmosphäre zu erzeugen: ein vertracktes Beatfragment, unverständliche Stimme und eine Menge, das nur im Hintergrund abläuft, reicht bei Radiohead damit man an Can denken muss. Dabei ist die Musik auf diesem Album, die so gar kein Genre kennt vor allem daraus auf Gefühle zu erzeugen – von Isolation, Naturverbundenheit, technischer Distanz zwischen Menschen könnten diese Songs handeln, wenn man die Texte nur so interpretieren will und genauso fremd wirkt auch alles auf King Of Limbs. Das nennt man dann wohl stimmig.


7. Chuckamuck – Wild For Adventure!

Deutscher Punk ist ein seltsames Thema. Die meisten Leute denken dabei nur an Manschen, die mit ihren Hunden auf der Straße betteln, andere an die Ärzte oder die Toten Hosen. Obwohl fast jeder eine Meinung zu diesem Thema hat, weiß also eigentlich kaum jemand, was für geniale Bands es (vor allem in Berlin) gibt. Chuckamuck ist eine der neuesten davon: fast alle Mitglieder waren bei der Aufnahme noch minderjährig und sind ein Beispiel dafür, was die Black Lips in „Bad Kids“ besungen haben. Die Musik dazu ist ein schlampig eingespielter und dreckig produzierter Mix aus Rock’n’Roll und Punk ganz im Sinne der schon genannten Amerikaner. Alles, was dazu kommt (Geigen, „Geister-“Orgel usw.) und alle seltsamen Strukturen der Musik erschaffen intelligente Musik, die vor allem bei den englischsprachigen Songs Unmengen an Spaß macht. Im Endeffekt ist aber gerade die Wiederholung bei diesen Songs das einzige Problem des Albums. Texte über Schokoriegel, Sex auf der Schaukel oder die eigene Geilheit sind natürlich besser als „hsbgdhjfsdmngframdfshm, Walk Like A Duck“.


6. BRAIDS – Native Speaker

Die Kanadier kopieren auch wirklich alles und jetzt sogar Animal Collective – aber diesmal geben sie es immerhin zu. Wer BRAIDS auf ihre Standardreferenz anspricht, stößt bei ihnen auf Freude weil sie mit ihren Helden verglichen werden. Dabei können sie noch viel mehr für sich verbuchen. Die Arbeitsweise ist scheinbar erstmal die gleiche. Mit Sounds bei denen man sich fragt wie sie entstehen konnten, werden hier simple Melodien und Harmonien abstrahiert bis nur noch Stimmungen überbleiben, die mit ungewöhnlichem Gesangseinsatz überstülpt werden. Das Interessante hier ist aber, dass das manchmal so in Schönklang gipfelt wie sonst nur Post-Rock-Acts wie Remember Remember, dabei aber immer noch unglaublich verschlossen klingt. Wenn Stellen wie das perkussive „fucked up“ in „Glass Deers“ dann aber anfängt sich m Kopf festzubohren genauso wie die taub-aus-der-Disco-kommen-Atmosphäre von „Lammicken“, will man das Album immer wieder hören. Das ist im Endeffekt dann so wie Yeasayer, wenn man noch 10 Anläufe mehr für sie brauchen würde.


5. The UV Race – Homo

Ich will jetzt nicht Velvet Underground oder dem Krautrock den Humor absprechen. Trotzdem kann man den Sound von Homo nur als krawallende und lächerliche Verbindung von beiden beschreiben. Wirklich neu ist hier nichts, der Sound ist Garage-Punkig, die Songs Proto-Punkig, die ausufernden Teile krautig-repititiv und noisig und sogar der Wechsel von weiblichem und männlichem Gesang ist irgendwie geklaut. Aber wie sie das alles verbinden und dabei ihren eigenen Stil finden, ist beispielhaft. Wäre Lou Reed schon tot, könnte man sagen, er war bei den Aufnahmen wahrscheinlich als Geist im Studio anwesend und trotzdem hört man hier nicht 10 mal „Heroin“ oder „Run Run Run“, sondern 10 mal The UV Race mit all ihren Eigenheiten. Der Trick dabei ist 1. alles schlechter zu machen als man es könnte und 2. sich für nichts zu schade zu sein.


4. Low – C’mon

Low konnten gar nichts mehr falsch machen an diesem Album ausser das, was sie auf den Vorgängern falsch gemacht haben. Das hört sich komisch an ist aber so. Wo es auf The Great Destroyer noch zu allererst mal gelärmt hat, herrscht hier die pure Emotion, wo auf Drums And Guns das Experiment im Vordergrund gestanden hätte, herrscht hier die pure Emotion und wo es auf den Releases davor manchmal (eigentlich sehr selten) auch mal langweilig geworden wäre, herrscht hier schon wieder, natürlich, die Emotion. Und weil Emotionen nicht falsch sein können, ist es egal ob der einzelne Song jetzt Slowcore, Folkrock oder Country ist, weil so Oberflächliches gar nicht mehr zählt bei dieser Band. Sie sind schließlich „Nothing but Heart“ und könnten von mir aus jetzt sogar anfangen zu stagnieren.


3. Causa Sui - Pewt'r Sessions 1&2

Darf ich einfach sagen, dass das Musik ist über die man nicht schreiben kann und dann doch einfach nur 2 Sätze schreiben, die wenigstens ein bisschen Inhalt haben? Ja, das darf ich. Causa Sui ist das was man hören will, wenn man auf das DunaJam geht. Irgendwo zwischen Jazz und Rock und so weit da draussen, dass sich Psychdelic, Stoner und Post-Rock schon wieder zu Progressive Rock verbinden. Das ist bei der 1. Pewt'r Session songorientierter und bei der 2. bekommt man 3 Epen zu hören. Fertig, hört es euch an.


2. La Dispute – Wildlife

Eine Revolution! The Wave macht alles besser! Die neuen At The Drive-In! Ne Quatsch, ich bin keiner dieser Fanboys und klatsch euch hier keine dämliche das-beste-und-neueste-was-es-gibt-Review hin. Aber auch wenn man auf den Hype-Zug nicht aufspringt, kann man „Wildlife“ als wirklich gutes Album wahrnehmen, dass Post-Rock und Postcore zusammenbringt. Dabei sind sie nicht immer heavy und nicht immer schnell und aggressiv, obwohl ihre Musik vor allem Verzweiflung vertont. Nein, hier steht die Verzweiflung sogar noch vor der Musik und die macht sich dabei klein und ist schüchtern oder besser eingeschüchtert. Das passt dann aber auch schon wieder auf den „Geschichtenerzähler“ Jordan Dreyer, der an all seinen Stories wie ein gelähmter Betrachter daneben steht und die Figuren alles selbst machen lässt – und das tut weh; so weh, dass man selbst zu einem Mörder eine emotionale Beziehung aufbauen kann bis er sich am Ende von „King’s Park“ die Kugel gibt. Fast perfekt ist das, wenn man nicht ab und zu das Gefühl kriegen würde, einige kleine Längen fänden nur um des Textes Willen statt. Darum ist das hier auch nur Platz 2.


1. Urlaub in Polen – Boldstriker

Sicherheit ist der Feind des Musikers. Wenn man sich als Band sicher ist, was der Fan hören will, kopiert man sich irgendwann wahrscheinlich selbst. Wenn man finanziell nichts zu befürchten hat, muss man nicht mehr so viel in seine Musik investieren. Wenn man familiär abgesichert und glücklich ist, werden die Texte oft langweilig. Zum Glück gibt es so Pools der Unsicherheit wie UiP. Irgendetwas zu kopieren steht den beiden eh fern und so kann man sich als Fan kaum darauf einstellen, was da als nächstes kommt – sogar von einem Song auf den anderen ist das auf Boldstriker extrem schwer. Finanzen sind bei diesem Nebenprojekt wohl immer schon Nebensache und mehr mit der Musik zusammen als die beiden kann man kaum sein. Das ist die Basis für dieses Album, das einfach größer ist als alle davor und sich trotzdem teilweise so reduziert wie nichts, was sie vorher gemacht haben. 9 Songs brauchen sie um das Terrain zwischen Sonic Youth, Neu! auszuleuchten und mithilfe ihres bewährten Drumcomputers komplizierte Skizzen (Lore-Ley I), tanzbare Monster (Snowwhite) oder echte Rocksongs (Rebel And Waste) zu erschaffen. Das ist das logische Ende dieser Band, aber nicht das logische Ende der Musik von Georg Brenner und Phillip Janzen. Die werden auch weiterhin den Kraut zurückbringen und wenn das so weitergeht wie auf Boldstriker angedeutet, kommt da etwas Großes auf die Musikwelt zu.

Weitere Honorable Mentions: Prinz Pi, Yob,Timber Timbre, Tufu, Boots Electric, Projekt Gummizelle, Astronautalis, Hannah Peel, Black Lips, Ghostpoet, Weekend, Götz Widmann

2012?
Kettcar! Of Montreal! fun.! Die Ärzte! Perfume Genius! Janelle Monae? Animal Collective? Godspeed You! Black Emperor? MF Doom?? R.A. The Rugged Man?? The Tallest Man On Earth? Pontiak! Portugal. The Man?! Colour Haze!

Donnerstag, 10. November 2011

Remember Remember – The Quickening (Review)

Was ist das wichtigste an einer Rede, einer Plattenkritik oder vielleicht sogar einem Album? Manche sagen das Gefühl, manche meinen es sei der Inhalt und immer wieder kriegen wir die Bedeutung von Soft Skills eingeredet. Wenn man Graeme Ronald, Hauptverantwortlicher bei Remember Remember, befragen würde, würde der wahrscheinlich am meisten Betonung auf die richtige Einleitung legen; das richtige Intro. Trotzdem brauchen auch die schönsten und besten Opener irgendwann mal Songs, die man tatsächlich als Hauptteil bezeichnen kann. Aber auch wenn man auf „The Quickening“ selten das Gefühl hat einen vollwertigen Song zu hören, hat es seine Vorzüge.

Denn mit all seiner Klangmalerei, der schönen Kompositionen und der positiven Grundeinstellung der Songs kann man wenigstens nicht böse werden auf Remember Remember und wenn man gerade schon gut gelaunt ist, machen sie alles noch besser. Die Wirkung ist also eine ähnliche als würde man die Atmosphäre von Sigur Rós und Coldplay (der Opener White Castle hätte so ähnlich auch zu Viva La Vida gepasst) kreuzen und ab und zu klingt die Musik sogar wirklich so. Dieser Mix birgt aber auch so seine Risiken und die Band tappt leider in zu viele Fallen, indem sie sich zu oft für einen Mittelweg entscheidet – einen Mittelweg zwischen Traum und Realismus, der wenig zu einem Erlebnis werden lässt, einen Mittelweg zwischen Post-Rock, Pop und Ambient und einen Mittelweg zwischen Repititivität und Weiterentwicklung. Das ist oft langweilig, aber vor allem fast nie mutig.

Oft hört man eine Ruhe vor dem Sturm, ohne dass danach ein Sturm kommt, weil alles ja schön bleiben muss oder weil zu viele Instrumente eine Weiterentwicklung verhindern wie auf „Hey Zeus“. Dessen gespannte Atmosphäre hätten Bands wie ihre Labelherren Mogwai sicher zu einem Höhepunkt getrieben, der das Lied zu etwas Besonderem gemacht hätte. So wird hier halt mal ein bisschen anders als sonst mäandert. Fehlende Abwechslung zwischen den Songs kann man ihnen dabei aber nicht nachsagen genauso wenig wie ein zerrissenes Album gemacht zu haben.

Die Probleme sind die einzelnen Tracks selbst, von denen nur der letzte, namentlich „John Candy“, auf voller Strecke zu überzeugen weiß. Wo der nämlich zwischen verschiedenen Gefühlslagen von optimistisch in zweiflerisch und wieder zurück und dann in ein ernstes Finale hin und herwechselt ohne verkrampft zu sein, wurde in den meisten anderen Songs eher Geradlinigkeit praktiziert und das klingt dann oft ziel- und belanglos. Wirklich gut ist das Album also nicht, aber wenigstens ist es dank einiger Songs und dem generellen Schöngeist auch nicht nervig. Und wenn die Musik häufiger zu mehr werden würde als Vorspiel, würde vielleicht auch das Talent von Graeme Ronald und seinen Musiker mehr zum Tragen kommen, aber das ist leider Wunschdenken.

5/10 Punkte


erstellt von Leon.

Dienstag, 20. September 2011

Neon Indian - Era Extraña (Review)

Es brauchte nur die 2-minütige Passage vom, an Hudson Mohawkes "Octan" von der "Satin Panthers" EP erinnernden, Opener über den Beginn des 2. Songs, bis zum Eintritt der Hook, um zu erkennen, dass Alan Palomo immer noch eins wunderbar kann: eingängige, jugendlich klingende Electropop-Songs schreiben. Mit "Polish Girl" hat man den ersten Höhepunkt früh entdeckt, der gleichzeitig auch schon die wichtigsten Veränderungen zum Vorgänger "Psychic Chasms" aufzeigt.

Im Prinzip macht Neon Indian nichts bedeutend anderes als vor 2 Jahren, doch der Sound der Platte ist im Vergleich zu früher ein anderer. "Era Extraña" klingt um einiges weniger schrill und grell leuchtend, dafür aber homogener und auch etwas tiefer, zu dem wurde auch das Shoegaze-Element noch etwas weiter verstärkt. So kann man feststellen, dass die beiden Alben des Amerikaners jeweils ihren eigenen Klang besitzen, der es auch Außenstehenden ermöglichen sollte, Neon Indian Tracks zeitmäßig einzuordnen. Sehr gute, spaßige Popsongs kann er wie anfangs erwähnt immer noch schreiben, allerdings sind jetzt auch ernsthafte Instrumentalstücke möglich, wie "Heart: Release" zeigt, das aufgrund seiner Atmosphäre an Künstler wie Mondkopf erinnert. Ein Stück, das ich vor der Veröffentlichung nicht von ihm erwartet hätte.

Auch wenn der Soundentwurf von Neon Indian eigenständig klingt, so werden beim Hören der Platte immer wieder Assoziationen zu anderen Acts geweckt. So klingt "Heart: Decay" wie eine extrovertierte Version eines Boards Of Canada Songs, "The Blindside Kiss" weckt Erinnerungen an zahlreiche Shoegaze-Bands, "Arcade Blues" lehnt sich mit seinem verzerrten Synthie in der Hook stark an den Titeltrack des 2009er Albums an, "Hex Girlfriend" erinnert mich an einen Echt-Song und anderen 90er-Jahre-Gitarrenpop und öfters findet man Ähnlichkeiten zu anderen Chillwave-Acts wie Millionyoung und Dunian. Mit den anderen 2 bekannten Vertretern des Chillwave Hypes, Washed Out und Toro Y Moi, die sich auf ihren diesjährigen Alben mehr an Soft-, Dream- und Indiepop orientierten, hat "Era Extraña" allerdings nicht mehr viel zu tun.

Neben diesen ganzen Stellen, die auf andere Künstler verweisen, hat die LP auch definitiv ihre eigenen großen Momente. Neben den bereits erwähnten "Polish Girl", "Heart: Release" und "The Blindside Kiss" ist das vor allem das großartige "Halogen (I Could Be a Shadow)" in dem Alan Palomo erneut beweißt, dass er ein Händchen für jugendlich anmutenden, mitreißenden catchy Electropop hat. Die einzigen Dinge, die "Era Extraña" davon abhalten eine wirklich herausragende Veröffentlichung zu sein, ist der Zustand, dass der ein oder andere Track "leider" nicht mehr als solide ist und nicht wirklich hängenbleibt und dass das Ganze auf "Psychic Chasms" noch eine Spur frischer und kurzweiliger wirkte. Ein zweifellos gutes Album ist es aber dennoch.

7/10 Punkte

Neon Indian "Polish Girl" from Dot & Effects on Vimeo.




erstellt von Markus.

Sonntag, 12. Juni 2011

Black Lips - Arabia Mountain (Review)

Ein paar Stichwoerter zu den Black Lips: Flucht aus Indien wegen homosexueller Handlungen auf der Buehne 2009, fast Werbung fuer Tepco 2008 (religioese Befuerchtungen), Texte des letztes Albums behandeln den Fall Josef Fritz, dem grossen schwarzen Babyjesus von heute, seinen Vater zu verpruegeln, Gott mithilfe von Marijuhanna zu sehen und natuerlich homosexuellen Handlungen. Um das neue Album zu produzieren musste also jemand gefunden warden, der sich mit Desastern auskennt, gesucht und gefunden haben sie also Mark Ronson.

Der hat den LoFi-Garage-Punk, den die Jungs liebevoll flower-punk nennen, ein bisschen aufgeraeumt und nach dem 2009er Psychdelic-Ausflug “200 Houndred Thousand” auch wieder zur alten Kompaktheit gefuehrt. Leider muss man da sagen. Es macht zwar alles einen Hoellenspass, was da in 40 in 16 Stuecke unterteilten Minuten aus den Boxen kommt, aber die Songs haben im Vergleich zu frueheren Black Lips-Alben an Gesicht verloren. Es ist so als haetten sie alles, was es auf den letzten Alben als Neuerungen gab wieder rausgenommen. 4-Minuten-Songs sind nicht mehr vorhanden ausser dem tatsaechlich grossartigen “You Keep On Runing”, das eine Atmosphaere zwischen der Friedhofsmusik von Timber Timbre im Stonergewand einfuehrt. Auch “The Lie” als anderer Song ueber 3 Minuten hat mit seiner dunkleren Stimmung Wiedererkennungswert.

Das heisst nicht, dass die anderen Songs schlecht sind, aber an einige kann man sich schlecht erinnern. Der Sidekick, den “Modern Art” mit seinem Geister-Keyboard hat oder “Mad Dog” mit einem Saxopon wie vom Schrottplatz oder “Mr. Driver” aufgrund seiner “Uuuhh”s, fehlt in vielen der Songs, die dann einfach wie ein Sunshine Pop-Song mit Krach oder nach Freak Beat klingen. Um sich an den Melodien festzukrallen sind 120 dann manchmal einfach zu wenig.

Die Musik ist also einfacher geworden, dafuer ist es umso schwerer in das Album tatsaechlich hereinzufinden. Aber an Hits wie Go Out And Get It, Bone Marrow oder Family Tree hat man ja was wohin man immer wieder zurueckkommen kann. “Arabia Mountain” hat genauso viel Intelligenz im Songwriting und im Albumaufbau wie fruehere Black Lips-Alben, nur ist diese im neuen popigen Grundton viel schwerer zu erkennen.

7/10 Punkte


erstellt von Leon.

Mittwoch, 1. Juni 2011

Death Cab For Cutie - Codes & Keys (Review)

Das letzte Death Cab-Album “Narrow Stairs” ist schon wieder 3 Jahre her und im direkten Vergleich merkt man die relativ grosse Zeitspanne zwischen den Alben auch. Wo vor 3 Alben vor allem im Studio und mit den Instrumenten, die nunmal in einer Rockband vorhanden sind, ziemlich spontan ein Album zusammengewuerfelt wurde, ist “Codes & Keys” eine durch und durch geplante Angelegenheit mit Keyboardunterbau und Streicherarangements, die auf dem neuen Longplayer ein staendiger Begleiter sind. Zusammen machen sie Chris Wallas Gitarre eher zu einem Fundament auf denen die Synthesizer dann ihre freundlichen aber doch oft sumpfigen Parts spielen koennen oder ueber die die Geigen versoehnliche Pop-Melodien legen.

Denn vor allem das ist “Codes & Keys”, ein versoehnliches Pop-Album. Die Texte handeln groesstenteils vom Gluecklichsein und von seiner Lebenssituation mit Zooey Deschanel. Das ist nicht immer ueberschwaenglich froehlich, aber die pessimistische, ergreifende Stimmung, die die Texte auf den Vorgaengern oft zur Folge hatten, kommt nicht auf, wenn Trauriges kaum ausgesprochen schon wieder ins Aufmunternde umgekehrt wird wie in “And if you feel just like a tourist in the city you were born/ Then it's time to go/ And define your destination/ There's so many different places to call home” aus der Vorab-Single “You Are A Tourist”. Ben Gibbard hat seine poetische Ader nicht verloren wie man auf dem Titeltrack “Codes & Keys” in Zeilen wie “You're on the floor/ Fearful of what's outside your door/ But the codes and keys/ They can protect you/ From the pangs of jealousy” sieht, aber dem eingefleischten DCFC-Fan wird in diesem Meer von Liebesliedern eindeutig der Herzschmerz-Faktor fehlen.

Der Herzschmerzfaktor haette auch zur Musik gar nicht gepasst. Die Mehrheit dieser Songs kommen naemlich eher aus dem Upbeat-Bereich und werden musikalisch von weiterentwickeltem Gitarrenpop – die ersten Sekunden erinnern stark an “Nullsummenspiel” von Kettcar - und mechanischen Elementen getragen – darum auch die vielen Vergleiche von “Doors Unlocked & Open” mit NEU!, der bei den Prog-Einfluessen, die der Song oder besser dieser Teil des Albums aufzeigt eigentlich seltsam klingt. Denn genau mit diesem Track beginnend sind 3 Songs suitenartig zusammengebunden. Nachdem “Doors Unlocked & Open” sich im Stil vom Death Cab-Hit “I Will Possess Your Heart” zu einer Hymne auf den Ausbruch aufschwingt, geht er in “You Are A Tourist” ueber, der mit griffigerer Hook richtige Stadionatmosphaere haben wuerde und das gleiche Thema auf der naechsten Eben bearbeitet. Darauf wiederum folgt “Unobstructed Views”, dass sich laangsam ueber seine 6:10, aber mi taller Entschlossenheit aufbaut um die Liebe zu feiern. Musikalisch ist sonst eigentlich nur noch das relativ schwache “Stay Young, Go Dancing” herauszuheben, weil es das Album akustisch abschliesst.

Fuer besonders viel Abwechslung wurde bei diesen 11 Songs also nicht geachtet, die Texte bieten nicht, was man erwarten konnte und Vieles ist schon zu hell und poppig. Schlecht sind die Songs dabei aber auch nicht wirklich, wobei das Prog-Dreierpack oder die Bass- und Blaesersolos in “Underneath The Sycamore”wirklich was koennen. “Codes & Keys” ist also bestimmt nicht ihr bestes Album, aber immerhin kein wirklich negatives und vielschichtiges Lebenszeichen nach 3 Jahren Entzug.

7/10 Punkte


erstellt von Leon.

Donnerstag, 19. Mai 2011

Rock nacional - Kapitel II: Diskographie-Review: Los Gatos

Los Gatos (1967)

Kurz nachdem die Gatos Salvajes sich aufgeloest hatten, hatten Litto Nebia und Ciro Fogliatta mit Los Gatos schon diese neue Formation auf die Beine gestellt. Bei dieser kurzen Zeit – das erste und einzige Album der Gatos Salvajes war auch erst 2 Jahre her – hatten sie damit leider kaum Zeit sich weiterzuentwickeln, auch nicht textlich. So klingt das Debuet der neuen Band sehr nach jenem Album und damit immer noch stark nach einem Abklatsch der Beatles-Fruehphase. Nur kommt hier, vielleicht vom Erfolg getrieben auch noch hinzu, dass die Produktion ein wenig besser ist und der Musik ein bisschen den DIY-Geist abnimmt und ausserdem sind sie auch nicht mehr so sues wie vorher, wobei gleichzeitig auch noch der Rolling Stones-Einfluss kaum mehr hoerbar ist. So sind die Songs hier groesstenteils mittelmaessig und weniger abwechslungreich. Daran kann auch der weiterentwickelte Hammondorgel-Stil Fogliatta nichts aendern, da er ueber die groesste Zeit im Hintergrund agiert.

4/10


Los Gatos Volumen 2 (1968)

Ein ganz grosser Schritt vom Debut: Die Melodien sind mehr von Folk angehaucht, der Orgel-Stil von Fogliatta hat sich weiterentwickelt und die Texte sind nicht mehr so vorhersehbar. Dazu gibt es schon Andeutungen von light-Psychdelic in ‘Una nube en tu vida’. Ein para gute Songs sind drauf und Abwechslung gibt es auch, aber es fehlt die Fuelle an richtigen Hits wie “De nuevo en el camino”.

6/10


Seremos amigos (1968)

Das Album endet mit einer Ansprache, die ungefaehr sagt, dass sie das Album in 3 Monaten aufgenommen haben, und, dass sie dachten, es klinge modern. Tatsaechlich ist es ein Schritt weg vom damals schon wieder veralteten Beat hin zu psychdelischeren Songs. Leider ist die Gitarre nicht mehr folkig, wobei die Abwechslung dismal mit den Trompeten und Streichern kommen, die die Band in einigen Songs unterstuetzt. Filler haben sie immer noch, aber auch einen ihrer Klassiker, das “futuristische” ‘Cuando llegue el año 2000’.

6/10


Beat Nº1 (1969)

Manchmal sind Albumtitel irrefuehrend. Auf Beat Nº 1 ist naemlich eben nicht - wie man annehmen koennte – vor allem Beat wie auf den 3 bzw. 4 Vorgaenger, sondern die Fortsetzung der Entwichlung, die Los Gatos auf Seremos amigos eingeleitet haben gepaart mit dem Einfluss, den der neue Gitarrist, der immerhin Pappo ist, ausgeuebt hat. Zu Psychdelischem und Blues Rock findet sich der Beat nur noch als 3. Kraft wieder.

Somit zeigt sich der Vorteil einer Band, die sich wenig Zeit laesst. Haette es nicht jedes Jahr mindestens einen kuenstlerischen Schnappschuss der Band gegeben, waere dieses Album, das einen kreativen Hoehepunkt darstellt, wahrschienlich nie erschienen, denn es ist der Uebergang zwischen 2 Stilen in der Diskographie dieser Band. Es erfuellt nebenbei wirklich den Wunsch nach Aktuelitaet, den sie auf dem Vorgaenger aeusserten.

Vor allem die B-Seite mit ‘Escúchame, alúmbrame’ und ‘Fuera de la ley’ klingen genauso nach dem Ende der Siebziger wie nach aktuellen Bands wie Colour Haze. Bei der Struktur, dem Drumming und den Soloeskapaden des 2.-genannten 11-minuetigen Closers kann ich diesen Vergleich einfach nicht aus meinem Kopf kriegen, obwohl ein Vergleich mit Led Zepellin zeitlich viel angebrachter waere und Colour Haze natuerlich viel geschmackssicherer maeandern.

Das, was hier zuletzt noch positiv bemerkt warden muss, ist, dass keener dieser Songs fluechtig ist, kein Filler ist vorhanden. Die psychedelischen Popsongs Nebbias hoeren sich nicht mehr alle gleich an und somit ist das grosse Problem der Gatos auf diesem Album geloest.

8/10


Rock de la mujer perdida (1970)

Blues ist ein Stil, den wenige mit unter 20 schon beherrschen. Und dieses Album ist nichts anderes als purer Bluesrock geschaffen vom 19-Jaehrigen Pappo. Das Ergebnis ist ziemlich langweilig – wenn da nicht der letzte Song “Invasión” waere. Der ist ein 7-minuetiges Instrumental mit einer irren Dynamik. Die sonstigen Songs sind nicht schlecht, aber einfach ereignislos, haben stilbedingt keine grossen Melodien mehr und sind sich untereinander zu aehnlich.

5/10


Mein Tipp fuer den Leser dieses Blogs ist also Beat Nº1. Falls hier ein Bluesrock-Fanatiker mitliest, dann natuerlich Rock de la mujer perdida.

Mittwoch, 4. Mai 2011

We Are Enfant Terrible - Explicit Pictures (Review)

Französische Bands waren in letzter Zeit ja wenig präsent auf unserem Blog, doch We Are Enfant Terrible beseitigen diesen Misstand nun. Dieses Trio stammt nämlich aus Paris und hat jetzt, 3 Jahre nach der Gründung, ihre erste LP veröffentlicht, welche den Titel "Explicit Pictures" trägt.

Klangmäßig haben sie nicht allzu viel mit den Bands zu tun, die einem beim Namen ihrer Heimat in den Sinnen kommen. WAET klingen also nicht wie die nächsten Daft Punk oder Air, ihre Musik kann man allerdings auch dem Electronica-Genre zuordnen. Das wäre dann allerdings aber auch wieder zu kurz gefasst, denn ihre Platte ist deutlich von Indiepop, 8-Bit Sounds und Lo-Fi beeinflusst. Eine wenig innovative, aber doch eigenständige Mischung, die an eine Fusion aus Crystal Castles und Cloud Nothings, nur um einiges weniger spektakulär, erinnert. Dazu gibt es dann noch Texte über die Welt aus der Sicht der Jugend, über ihre Probleme und Interessen.

Hin und wieder hört man dann auf "Explicit Pictures" auch den ein oder anderen guten Song, wie z.B. "Filthy Love" und "Flesh'n'Blood Kids", die beide mit einer eingängigen Synthiemelodie überzeugen. Abseits davon sieht es allerdings eher mau aus, das Album versinkt in Bedeutungslosigkeit. Dies hat unterschiedliche Ursachen. Zu einem wären da das oft langweilige Soundbild welches sich immer gleich aufbaut und abseits der Grundlagen der Songs, nie etwas spannendes neues bringt. Auch störend sind die konstant gelangweilt und monoton klingenden Vokals die zusammen mit der Aufnahmequalität einen negativen, dilletantischen Eindruck hinterlassen.

Schlimmstenfalls klingt es dann wie im Opener "Make You Laugh" nach einer 3.-klassigen Indieschülerband. So schlecht ist die Platte selten, doch der größtenteils langweilige, höchstens durchschnittliche Rest hilft da nicht wirklich drüber hinweg. Auch die besseren Tracks sind kaum ein wirklichen Grund sich das Album noch mal anzuhören.

4/10 Punkte



erstellt von Markus.

Dienstag, 12. April 2011

Low - C'mon (Review)

Ein Grundsatz eines meiner Bekannten ist: Man kann Menschen generell immer wieder in 2 Kategorien einteilen. Menschen, die morgens duschen und die, die abends duschen zum Besipiel. Das jemand abends duscht merkt man selten, aber es kann morgens in der Schule oder bei der Arbeit eklig werden, gleichzeitig ist es aber bequemer als frueh aufzustehen. Bei Bands ist es da nicht anders: Man kann zum Besipiel sagen: Es gibt diese, die einen Sinn dafuer haben nicht peinlich zu klingen, Klischees gekonnt zu umgehen und diese, denen das egal ist. Erste Gruppe behaelt sich ihre Integritaet, bei zweiterer ist ab und zu fremdschaemen angesagt, wobei sie dabei aber lockerer klingen, wenn sie nicht gerade Majorpueppchen sind. Neben dieser Einteilung in 2 Gruppen sind aber auch immer Ausnahmen moeglich. “C’mon” von Low ist fuer mein Beisiel eines.

Nach 17 Jahren als Indie-Rock-Band inclusive eines stilschoepfenden Debuts und von da an immer wieder Veraenderungen in ihrem minimalistischen Sound. In all dieser Zeit ist diese Band zum Klassiker geworden und ist so identifiziert mit ihrer Musik, dass sie ab und zu ueberemotional warden und Dinge machen, die eigentlich peinlich sein muessten. Das strukturell an “Lullaby” von “I Could Live In Hope” erinnernde “Nothing But Heart” sollte mit der ewigen Wiederholung der gewollt-romantischen Zeile “I’m nothing but heart” doch eigentlich kitschig sein und zum fremdschaemen veranlassen – das gleiche bei der Zeile “My love is for free, my love” aus “$20”.
Low schaffen es nun aber, das Album so geschlossen zu gestalten, dass jeder dieser seltsamen Griffe, die sie einstreuen, zu einem grossen Ganzen zusammenwachsen; der Country aus von “Something’s Turning Over” kann nirgendwo anders stehen als am Ende zur Erholung von “Nothing But Heart”, weil er als einzelner Song einfach wirklich schlecht ist; das Banjo kann an keener anderen Stelle als in Witches eingesetzt warden, weil es etwas braucht, was in Stimmung bringt fuer den Al-Green-Imitat-Diss, wenn die Stimme schon keinen Unterschied zwischen einem solchen Text und einem Liebeslied macht. Gerade dieser Punkt koennte so wirken als waeren all die Emotionen auf diesem Album gespielt, aber der trockene Humor der dahinter steckt macht “All you guys out there tryin’ to act like Al Green/you’re all weak” zu einer sehr runden Zeile in “Witches”.

Gerade die Vielfalt an Veraenderungen von Song zu Song, die es so auf keinem vorigen Low-Album gegeben hat, machen dieses hier rund, weil so die Stimmungen der Tracks aufeinander reagieren koennen. Es gibt bei ihrem langsamen Folk-Rock Ausschnitte, die nach Sigur Ròs ohne musikalische Einschlafaufforderung klingen, ein Stueck Tow-Waits-grungige Gitarre - und das auf einem Low-Album – in “Nothing But Heart”, zurueckhaltende Elektronik auf “Majesty/Magic”, Andeutungen von Orchestralem auf “Especiaally Me” und die reduzierten “Done” und “$20”.

So fasst das Album die Karriere von Low nach dem Debut auf eine popige zusammen und wird bei einer breiten Instrumentierung von Pauken ueber Lapsteel, Geigen und Banjo neben den variantenreich benutzen Standardinstrumenten Gitarre und Piano und einem beachtenswerten Gesang zum besten Low-Album diesseits der 2000.

8/10 Punkte


erstellt von Leon.

Samstag, 26. März 2011

The Pains Of Being Pure At Heart - Belong (Review)

Dank ihres selbstbetitelten und sowohl von Kritikern als auch "normalen Hörern" recht positiv aufgenommenen Debutalbums dürften The Pains Of Being Pure At Heart den meisten Lesern hier ein Begriff sein und wahrscheinlich nicht wenige haben auch ihre neue Platte heiß erwartet. Von daher halten wir uns nicht lang mit dem Vorgeplänkel auf, sondern kommen direkt zum neuen Album der New Yorker, welches sich „Belong“ nennt und auf Grund des Erscheinens nur 2 Jahre nach dem ersten Album ein weiterer Beleg für die Produktivität der erst seit 2007 bestehenden Band, die trotz dessen neben nun 2 LPs schon einige Singles und EPs veröffentlicht hat.

Für „Belong“ konnte man Mark Ellis, aka Flood, als Produzenten ergattern, der schon für The Smashing Pumpkins, Depeche Mode und Nine Inch Nails hintern den Reglern stand. Dass die Gruppe sich jemand neues mit ins Studio geholt hatte, hört man dem Album definitiv an. Der Sound ist voller, die Synthies spielen eine stärkere Rolle und der Gitarren klingen wesentlich kräftiger als früher. Doch das Gesamtpaket klingt immer noch nach Pains Of Being Pure At Heart. Wie auch auf dem Debut gibt es eine harmonische, schüchtern romantische Atmosphäre, geprägt durch den verträumten, nuschelnden Gesang von Kip Berman, basierend auf den Strukturen simpler Popsongs die mit Texten über Liebe und das glückliche Außenseiterdasein in Zweisamkeit versehen sind. Das Ergebnis ist Indie und Jangle Pop, der sich erneut an Vorbilder wie Yo La Tengo, Teenage Fanclub und zahlreichen Bands der C86-Welle anlehnt, aber auch, im Gegensatz zu früher, mehr von The Smashing Pumpkins beeinflusst ist, man vergleiche den Anfang des, sich auf „Belong“ befindenden, „Even In Dreams“ mit dem, von Billy Corgan verfassten, „1979“.

Doch trotz geringer Veränderungen, die Stärken von TPOBPAH bleiben erhalten. Tolle Melodien, eine schöne Atmosphäre und die Fähigkeiten einfach gute und eingängige Popsongs zu schreiben, die Dinge die ihr Debut ausmachten, findet man auch hier wieder. Dem entsprechend gibt es auch wieder einige mehr als gelungene Momente, wie beispielsweise den Titeltrack und „Heart In Your Heartbreak“, welches besonders durch die eher simplen, aber schönen Zeilen im Refrain überzeugt: „She was the heart in your heartbreak / She was the miss in your mistake / And no matter what you take / you’re never / going to forget / She was the tear in a rainstorm / She was the promise that you would’ve sworn / And no matter what you say / it’s never gonna come back”.

Eigentlich ist die Platte also ein recht angenehmes Hörerlebnis, doch vergleicht man sie mit dem Vorgänger wird eins deutlich: Neben den, zum Teil bereits erwähnten, Highlights „Belong“, „Heavens Gonna Happen Now“, „Heart In You Heartbreak“ und „Even Dreams“ befinden sich mehrere Songs, die zwar allesamt solide sind, aber leider auf Grund gewisser Harmlosig- und Durchschnittlichkeit, halt auch nicht mehr sind. Demzufolge bleiben diese auch nicht im Ohr hängen, so dass sich das Hören, besonders zum Ende hin, nicht gerade spannend gestaltet. Letztendlich bleibt aber ein ordentlicher, positiver Eindruck, was zu folgender Bewertung führt:

6/10 Punkte


erstellt von Markus.

Samstag, 19. März 2011

Does It Offend You, Yeah? - Don't Say We Didn't Warn You! (Review)

Für Bands deren erste Veröffentlichungen stark von einem allgemeinen Hype profitiert haben, ist es immer schwer, nach Zeiten der Abstinenz weiterhin relevant zu bleiben. Vor diesem Problem stehen auch Does It Offend You, Yeah?. Als der Sound von Justice, Digitalism bei unzähligen, oft eigentlich Indiehörern, hoch im Kurs stand, kamen sie Anfang 2008 mit ihrem Debut "You Have No Idea What You're Getting Yourself Into" gerade recht. Ihr Hybrid aus Rock und Electro, gewürzt mit Popappeal und Punkenergie, liefert nicht nur fette Bässe und Gitarren zum Ausrasten und Feiern, sondern auch einige großartige Pophits, die dafür sorgen, dass man auch heute noch die Platte gerne in seiner Anlage rotieren lässt.

Doch nun zur Gegenwart. Mittlerweile steht nach 3 Jahren Pause ihr Zweitling in den Läden und natürlich fragt man sich, ob der frühere Stil, der ja auch für das damalige hier und jetzt gemacht wurde, immer noch zieht. Und um's mal vorweg zu nehmen, ja er tut es, zumindest teilweise. Zunächst beginnt "Don't Say We Didn't Warn You!" ähnlich wie das Debut, mit einem trockenen Electrostampfer. Damals hieß es "Battle Royale", heute "We Are The Dead", wobei letzteres nicht wirklich mit ersterem konkurrieren kann. Doch die Platte steigert sich, "John Hurt" macht schon wesentlich mehr Laune und doch fällt wieder auf: Track 2 anno 2011 ähnelt Track 2 anno 2008. Und erneut kommt der neue nicht an den alten ran. Danach lässt sich das Prinzip allerdings nur noch ein- bis zweimal passend anwenden. Dafür gibt es aber noch einige gute Songs, sei es mal in Form von Electropop ("Pull Out My Insides"), mal brachialer Techno wie in "Wrestler", der auf Grund seiner ungebändigten Energie und der bisher fettesten Bassline des Jahres, das stärkste Stück der Platte darstellt. Der Rest der 10 Anspielstationen ist solide, mehr aber auch nicht. Dafür klingt das viel versprechende "Wondering" letztendlich zu sehr nach Hipster-Electro-Rap, "Wrong Time, Wrong Planet" zu belanglos und die abschließende, eigentlich sehr schöne, Ballade "Broken Arms" wirkt einfach deplatziert.

Theoretisch könnte das hier eine sehr gute Platte sein, aber 1. kennt man das schon irgendwie, 2. hat man es bis auf "Wrestlers" von DIOYY schon besser gehört und 3. hat man es nicht geschafft das ganze gelungen auch auf Albumlänge zu gestalten. Das ändert nichts daran, dass wieder einige Kracher dabei sind, aber so richtig überzeugen kann "Don't Say We Didn't Warn You!" nicht. Vielleicht hätte das ganze als EP besser funktioniert. So bleibt aber nur die LP und die erreicht folgende Punktzahl:

6/10 Punkte




erstellt von Markus.

Montag, 14. März 2011

The Dodos - No Color (Review)

Ich war auf das Schlimmste eingestellt. “No Color” konnte bei dem melancholischen Titel ja eigentlich nur nach “Time To Die” aus 2009 klingen – und das klang damals schon durchschnittlich und ist nach 2 Jahren einfach nur noch belanglos. Das farblose Cover und die ernst wirkenden Songtitel haben mich auch nur weiter auf das Folk-Rock-Plaetschern mit Xylophon-Geklimper von vor 2 Jahren eingestellt.

Die Songs, die den Hoerer aber auf dem nun schon vierten der Band erwarten, zeigen erst wie sehr sie den schwachen Vorgaenger – sie hatten es damals als ein rockigeres Album angekuendigt - zum Auffrischen ihres Sounds gebraucht haben. Denn sie sind zwar wieder zurueckgekehrt, wo sie als “Folk-Band, die auf Muelltrommeln rumhaut” (Zitat von Meric Long zur Presse-Meinung) herkommen, gleichzeitig sind die Gitarren auf einigen Songs (“Going Under”) aber nicht nur rockig, sondern haben direct noisige Momente und bringen ein Gefuehl auf als befaende man sich in einem der entspannteren Akron/Family-Song. An anderen Ecken (“When Will You Go”) gehen sie in die Gegenrichtung und spielen mithilfe der fast permanenten Gesangsbegleitung der The New Pornographers-Saengerin Neko Case einige der poppigsten Momente ein, die man von ihnen je gehoert hat. Das liegt auch an der neuen, saubereren Produktion. Statt dass man die Drums in die Fresse gedonnert bekommt, fuegen sie sich jetzt doch deutlich mehr ins Bandgeschehen ein. Genaues Hinhoeren ist also auf jeden Fall gefordert.

Wenn man also einen typischen Song der Platte nimmt wie, sagen wir mal, “Don’t Stop” hoert man eine weiterentwickelte Version der Dodos von “Visiter” mit mehr Rock, mehr Pop, Spass daran, Neues an der Gitarre zu probieren und dann noch eine schoene Steigerung von einem entspannten Einstieg bis es am Ende aus einer volle-Energie-Phase wieder runterkommt. Hoert sich interessant an und waere es auch, wenn man als Beispiel oben nicht fast jeden Track einfuegen koennte. Wo sie 2008 neben ihren typischen Percussion-Folk-Songs noch akustische Fingerpicking-Songs, psychedelische Ausfluege und einen kleinen Freakfolker untergebracht hatten, ist hier der Aufbau einfach zu aehnlich, ihre Nische auch mit Hilfe von Streichern im spaeteren Teil von “No Color” noch zu klein.

Das System Dodos bzw. “Gamelan-Folk” ist also das 2. Album in Folge in einer Umbauphase. Leider fehlt in dem ganzen die Spannung einer Rebellion und man bekommt den Eindruck es koennte mit den kleinen Reformen, die sie durchfuehren, ein langer Weg werden. Oder wir haben naechstes Jahr ein Meisterwerk, was weiss man schon, was im Kopf von Meric Long vorgeht.

7/10 Punkte

Die Dodos heute:



Der Kopf von Meric Long (Auszug):











erstellt von Leon.

Samstag, 26. Februar 2011

Dumbo Gets Mad - Elephants At The Door (Review)

Italien ist zwar für Rom, Ferrari, einen grausigen Ministerpräsidenten uvm. bekannt, nicht aber unbedingt für (aktuellen) psychedelic Rock. Eine Ausnahme bildet da Dumbo Gets Mad, das Projekt eines jungen italienischen Herren, der angeblich wirklich Dumbo heißt, und seiner Freundin Carly, die einige Gesangspart übernommen hat. Nachdem im letzten Jahr schon der ein oder andere Song im Internet kursierte, gibt es nun das erste Album, das übrigens für 0€ erhältlich ist, aber dazu zum Ende der Rezension mehr. Betitelt ist es mit "Elephants At The Door", was durchaus ein passender Name ist, denn wie ein Dickhäuter im Eingang, ist auch die Platte etwas, dass man nicht alle Tage erlebt bzw. hört. Dumbo Gets Mad machen verspielten Psychdelia mit Hang zur schrägen Idee und Pop.

Eine klare Vorliebe haben die beiden zudem auch für Retrosynthezisier, alte elektrische Orgeln und jede Menge obskure Effekte. All das gehört auch zum Bandequipment und wird nicht gerade selten genutzt, was den Songs ihren ganz eigenen Charme verleiht. Aufgeräumt passt also nicht als Beschreibung für den Sound der Band, wohl aber gut produziert, was bei der Musik ein bisschen unerwartet ist. Auf jeden Fall eine gute Sache, denn so klingen sowohl Synthies als auch Bassgitarre wunderbar fett. Das bringt eigentlich schon auf den Punkt, was "Elephants At The Door" auszeichnet, sein Sound. Es klingt einfach gut, manchmal auch ein bisschen wunderlich, aber meistens einfach gut. Zudem hat Dumbo auch ein gutes Händchen für großartige Synthiemelodien und wenn sie diese dann auf ein wunderbar groovendes Fundament platzieren wie in "Eclectic Prawn" und "Plumy Tale", erlebt man die Höhepunkte der Platte.

Leider schaffen es Dumbo Gets Mad nicht immer ihre Musik so zwingend zu gestalten. Oft streuen sie auch ruhige Passagen ein, die allerdings hauptsächlich vom schönen Klang und Soundreichtum leben und ansonsten teilweise leicht belanglos wirken. So wünsche ich mir manchmal, dass sie etwas mehr "straight forward" agieren würden, da sie so ihre beste Momente haben. So bleibt zum Schluss ein Album zwischen solide und gut, doch da es ein Debutalbum ist und man es nie bereut sich die Musik anzuhören, entscheide ich mich für letzteres. Das Zeug zu mehr haben die 2 aber trotzdem und ich kann mir gut vorstellen, dass mich ihre nächste Veröffentlichung noch um einiges mehr begeistert.

7/10 Punkte



Anmerkung: "Elephants At The Door" kann man sich netterweise sogar fast kostenlos runterladen. Das einzige was man tun muss ist mit einem Post bei Facebook oder Twitter zu bezahlen. Den entsprechenden Link und weitere Infos findet ihr hier.


erstellt von Markus.

Mittwoch, 15. Dezember 2010

Top10: The Beatles - Abbey Road (Review)

"Abbey Road" ist jetzt schon 41 Jahre alt und in denen ist viel passiert. Damals war die bemannte Mondmission das grosse Thema - heute spricht man ueber sowas gar nicht mehr. Damals war ein Spritpreis von 70 Pfennig astronomisch - heute wuerde man darueber lachen. Damals waren fuer viele die Beatles die groesste Band der Welt - heute... ach verdammt, das haette so schoen weiter gehen koennen.

Aber die Beatles kann halt wirklich niemand abloesen und dazu hat Abbey Road einen grossen Teil beigetragen. Die Mystik dieses Albums faengt schon auf dem Cover an: die "Paul is dead"-Theorie zieht viel ihrer Kraft aus der Tatsache, dass McCartney als einziger barfuss ueber den Zebrastreifen geht. Weiter geht es mit den Texten bei denen ein "Haehhh??" haeufiger angebracht ist als nur bei dem Nonsens-Italienisch in "Sun King". "I Want You (She's So Heavy)" ist als Song ja sowieso schon schwer zu erkennen, aber der 20-Woerter-Text macht ihn noch schwerer erfassbar... Und was will uns bitte "Maxwell's Silver Hammer" sagen?

Dieses ganze seltsame Flair macht die Platte gerade interessant. Zum Glueck gibt die Musik nicht so viele Raetsel auf. Gerade die Elemente, die so auf anderen Beatles-Alben nicht gepasst haetten, wie z.B. der gemaechige Psychedelic Rock von "I Want You", die Synthesizer in "Because", das Medley auf der 2. Seite, das Schlagzeugsolo in "The End" oder den Hidden Track "The Majesty", verschmelzen den Tontraeger zu einer maechtigen Einheit. Stopp. Die Stimmen, die Dynamik und die Musik im allgemeinen sind natuerlich auch genial.

Dienstag, 23. November 2010

Top10: SDP - Raeuberpistolen (Review)

"Raeuberpistolen" konnte man 2003 als Angriff auf populaere Musik mit der Feuer-mit-Feuer-Bekaempfen-Methode noch wirklich teilweise ernst nehmen (1). Mittlerweile produziert Vincent (musikalischer Kopf und Haupttexter) aber Beats fuer Aggro Berlin und Sarah Conor. Vielleicht eine der groessten Talentverschwendungen, die es in diesem Metier in den letzten Jahren in Deutschland gab. Man sollte sich, um dieses Album zu geniessen, also um 7 Jahre zurueck denken.

Auf diesem Album gibt es naemlich einzigartige Beats - sie klingen wie die Bands des deutschen Golden Age-HipHop der 90er ohne DJ - die immer zum Mitwippen einladen und nicht selten auch ohne Texte fuer Lacher sorgen wuerden; ob das jetzt mit der Techno-Parodie "Knicklicht" oder den Eulengeraeuschen in "Kein Partyhit" ist (2). Ohne 2-minuetiges Outtake-Outro waere der uebrigens ein spitze Partytrack. Neben diesem kleinen Intermezzo und dem schleht improvisierten "Zappeln" (10) ist die Amateurhaftigkeit, die man von Songs erwarten wuerde, die rund um den Erwerb der Volljaehrigkeit entstanden, eigentlich eher wenige vorhanden (11). Zu gut liegt die Gitarre von Dag, die gerne auch mehrfach zwischen Rock und Reaggae agiert, auf der Basis der Songs.

Und seine Stimme erst! Wo Vincent noch zu jung klingt, kann Dag einfach ganz viel, auch ernst, rockig wieder rausreissen. Vincent kann man das aber nicht vorwerfen, da trotz der auf ihre eigene Art hoerenswerte Musik eigentlich die vor Energie sprotzenden Texte den Ausschlag in Richtung grossartig geben. Ob hippiehafte Songs gegen Krieg (6) oder gegen Diskriminierung (4), ob mit Hass gegen schlechten HipHop(5), Techno(8) oder gegen die ganzen Charts(9) versehen oder ob mit einem Song, der dem Zusammenhang des Albums widerspricht(3), sie wissen den Hoere immer, auch beim schwersten Thema, zum Lachen zu bringen.

7!

Montag, 22. November 2010

Top10: SDP - Raeuberpistolen (Glossar)

Ich versuche jetzt mal etwas: Ich gebe in diesem Beitrag vor der naechsten Top10-Review folgenden Glossar mit jeweils einem Textauszug aus Raeuberpistolen raus, weil ich einfach unglaublich viele Lyrics in die Review zittiert haette, wen ich nur einen Post gemacht haette und auf die Art wird sie wenigstens lesbar.

1. Angriff: Es gibt viel zu viel viel zu schlechte Popmusik/ und viel zu viel schlechten HipHop von dem ich's Kotzen krieg/ auch die Metalfreaks mit ihren langen Haar'n/ und die Zappelqueen Britney Spears will ich nicht laenger ertragen.
2. Kein Partyhit: Heutzutage ist doch alles Partygeneration/ jeder 2. zaehlt sich zur Rave Nation/ jedes Lied muss tanzbar sein/ doch ich scheiss darauf/ ich seh das alles nicht ein.
3. Citydancer: Citydancer/ hebt die Haende in die Luft/ immer immer weiter.
4. Habt euch nicht so: Jedem das seine/ du schwarz/ ich weiss/ habt euch nicht so/ wir alle lieben den Scheiss.
5. HipHop ist scheisse: Moses P, Freundeskreise/ scheissegal wie sie alle heissen/ ich wuerd so gern mal auf sie scheissen.
6. Ein Soldat: Kommt statt Panzerfahren lieber tanzen, man/ den der ganze Kram kotzt mich so tierisch an.
7. Bananensaft: Bananensaft und Selter sin der Weg zu Geld und Ruhm!
8. Knicklicht: Dassdrum-Snare/ Synthie-Bassdrum-Snare/ ist alles was ich hoer/ und ich glaube ihr seit ein bisschen gestoert/ weil ihr staendig diese Scheisse hoert.
9. Streitwagen: Wir haben ein Ziel: die Festung der Top10/ doch wir woll'n sie nicht erobern/ nein, wir wollen sie zerstoeren.
10: Zappeln: Wackeln mit'm Stuhl/ wackeln... was hab ich jetzt gedrueckt; bloede Transpose-Taste.
11: Perfektion: Der Perfektionist in mir fluestert:/ der letzte Schliff fehlt.

Donnerstag, 18. November 2010

Top10: Kings of Leon - Aha Shake Heartbreak (Review)

"Aha Shake Heartbreak" ist eines der wenigen 2. Alben bei denen alles richtig gemacht wurde. Die Kings of Leon konnten allesamt ihre Instrumente besser spielen und haben sich dank des Erfolges in England fuer neuere Einfluesse als Lynyrd Skynyrd geoeffnet. Calens "besondere" Stimme hat sich hingegen nicht veraendert. Man koennte von einer organischen Weiterentwicklung sprechen, wuerde sich das nicht so bloed anhoeren.

Sogar die Texte haben sich reaktionaer auf den Erfolg entwickelt. Der Erfolg als Band ist neben Sex immerhin das zweitwichtigste Thema. Auch der hatte aber zum Grossteil mit dem bisschen Ruhm der Band zu tun. Schon im ersten Song "Slow Night, So Long" wird ein kurzes Verhaeltnis mit den Worten "I'll take you home or back to Oklahoma/ You're not so nice, but sex sells so cheap" besungen. Wie bitte sollte Caleb seine Ueberwaeltigung aufgrund neuer Moeglichkeiten ehrlicher Ausdruecken? Dass die Texte so jedoch auch oft naiv und pubertaer wirken, muss man einfach so hinnehmen.

Der schon erwaehnte Opener ist neben dem typischen Textbeispiel auch noch sehr gut geeignet um die wirkliche musikalische Weiterentwicklung zu erklaeren. Nachdem sie knapp 3 Minuten eine etwas aufgeraeumtere und entspanntere Variante der Musik ihres Debuts gespielt haben, springt das Lied in einem 2. Teil mit Perkussion und Piano, der Strandstimmung verbreitet. Momente, die nahe dran sind an ihrem frueheren Selbst und von mir aus auch an den guten Strokes gibt es z.B. in "Four Kicks". Aber es gibt halt auch Lieder die ganz anders sind; "Milk" ist da ganz vorne zu nennen, weil es sich so aubaut, dass es bei ein bisschen laengerer Spielzeit als Progressive-Song durchgegangen waere.

Man kann sich hier also an viel stossen, aber wen bei dem Zusammentreffen von naiven Texten, seltsamer Stimme, Southern Rock und ein paar kleinen Experimenten nichts stoert, der wird hier sicher seinen Spass haben.

Donnerstag, 21. Oktober 2010

The Hundred In The Hands - The Hundred In The Hands (Review)

Bei The Hundred In The Hands handelt es sich um die in New York ansässigen Eleanore Everdell und Jason Friedman. Im März diesen Jahres traten die 2 mit der EP "This Desert" und der wenig später folgenden Single "Dressed In Dresden" erstmals in die Öffentlichkeit. Diese nahm die Band positiv auf, so dass das selbsbetitelte Debut von so einigen gespannt erwartet wurde. Ein kleiner Hype ist also schon entstanden, so dass sich das Signing für die geschätzten Warp Records wahrscheinlich noch lohnen wird. Gehen wir nun aber zur Musik über.

The Hundred In The Hands liefern einen abgeklärten Mix aus Electronic, Post-Punk und Pop. Die immer noch in der derzeitigen Musikwelt angesagten 80s-Referenzen bekommt man auch hier, doch es wird nicht der Fehler gemacht, das ganze zu übertreiben. Trotz vielen (hörbaren) Vorbildern und dem Mangel an großen Innovationen, klingt die Musik der Band nicht wie zusammengeklaut.

Textlich behandeln die New Yorker ihre eigene Stadt, die Abendfreizeitgestaltung, ihre negative Seiten und Widersprüche, Liebe und urbane Melancholie. Viele Themen die von Eleanore Everdell mit Gefühl, wenn auch oft leicht gedämpft, vorgetragen werden und sich auch gut in den Klang des Albums einfügen. Was die Platte besonders auszeichnet ist die tolle Produktion. Alles ist sehr gut abgemischt, die leichte Unterkühlheit wird sehr gut wiedergegeben und der Sound ist sehr klar und sauber ohne zu steril zu wirken, so erhält jedes Instrument und Detail seinen ausreichenden Platz um zu wirken. Ebenfalls zu gute halten muss man die Bemühung sich nicht auf einen Stil zu beschränken. Jeder Song sitzt so in seiner eigenen Mininische. Sanfter Synthpop steht zackigigen, eher gitarrenbetonten Stücken gegenüber, an The Rapture erinnerndes trifft auf eine Zeitlupenballade mit einem Ende das auch auf das letzte Trentemoller Album gepasst hätte. Dancefloor meets bedroom.

Man könnte jetzt denken, durch die vielen musikalischen Richtungswechsel ist die Platte anstrengend oder zu heterogen. Dieser Makel haftet ihr aber nicht an, da die Songs wie aus einem Guss klingen und sich ebenso sehr gut im Hintergrund hören lassen können, da das ganze doch auch relativ unaufgeregt daherkommt. Letzter Fakt deutet leider auch das große Problem an. Die Lieder sind zwar alle gelungen, kein Ausrutscher unter den 11 Titeln, doch irgendwie ist sie nie wirklich fesselnd, aufregend schon gar nicht. Ja klar, an sich durchgängig gutes Material, tolle Produktion, schöne Melodien, auch tanzbare Momente sind nicht selten, doch wirklich packen will einen das nur bedingt. The Hundred In The Hands klingen recht gut, doch so richtig überspringen will der Funke einfach nicht. Auch mehrmaliges Hören scheint daran nichts ändern zu wollen. Vielleicht ist ihr Entwurf der zeitgenössischen urbanen und nachdenklichen Popmusik doch ein wenig zu verkopft, wahrscheinlich hindert diese Gewisse Unterkühltheit einen daran, dass hier wirklich zu genießen. Nichts desto trotz ein akzeptables Debut, denn an sich gibt es kaum was zu meckern, nur die Gesamtmischung lässt zu wünschen übrig. Eventuell gelingt ihnen ja mit ihrem Zweitwerk der große Wurf, denn das Zeug dazu haben die zwei.


6/10 Punkte

erstellt von Markus.