Mittwoch, 10. November 2010

Top10: The Slackers - Better Late Than Never (Review)

"Better Late Than Never" hat vielleicht nicht die Vielseitigkeit von "Self Medication" von 2008, dafuer aber 13 gut geschriebene Offbeat-Songs, die von Cool Jazz angehaucht sind.Damit haben die New Yorker einen dieser Stilmixe gefunden, der viel zu selten praktiziert wird. Cool Jazz kann hier naemlich einfach eine perfekte Wirkung entfalten. Die soulige Stimme von Vic Rugguiero und die jamaikanische Sommermusik tragen mit viel Sonne und von Liebe gepraegten Texten dazu bei diesen Stil endlich aufzutauen.

Der zusammenfassende grossartige Song dieses Albums ist mit Sarah (Sarah/ oh girl I love you/ and I love you for the rest of my life/ Sarah/ I'm only thinking of you/ I'm so sorry I can't make you my wife/ this life) auch noch so platziert das man auf keinen Fall von abfallender Qualitaet im Mittelteil reden kann. Auch wenn das die meisten anders sehen, sehe ich einen kleinen Schwachpunkt am Ende. Meiner Meinung nach haetten sie die Auswechslung des Stimmparts durch Doreen Schaefer in "Our Day Will Come" naemlich gar nicht noetig gehabt, weil die Band in sich perfekt abgestimmt ist und die andere Art zu singen ein kleines bisschen Unruhe reinbringt. Das ist neben dem zu hohen Anteil an Instrumentals (13 von 54 Minuten) aber auch der einzige Negativpunkt. Das laengste Instrumental "Contemplation" haette man aber nun wirklich nicht so auf Platte bringen muessen.

Neben diesen Kleinigkeiten ist das einzige, was aber wirklich schade ist im Rueckblick, dass die Slackers auf allen folgenden Aufnahmen ihre Naehe zu alten Helden wie den Skatelites aufgegeben haben um den Jazz-einfluss gegen allerlei andere karibische (Redlight) oder amerikanische (Self Medication) Stile einzutauschen. Und obwohl ich wieterhin auch noch die tolle sehr entspannte Perkussion dieses Tontraegers, man sehe das "Solo" auf "Prophet", vermisse und auch auf die Gefahr hin, wie ein Werbemacher zu klingen, gibt es von den Slackers fuer alle Nich-Kenner eine Masse an guter Musik bis zur aktuellen CD "The Great Rocksteady Swindle" zu entdecken.

Samstag, 6. November 2010

Alben des Monats: Oktober 2010

3 Alben aus 2010 sind schon unter den 5 Reviews. Langsam kommt schon Jahresendstimmung auf, so einen Monat vor dem letzten Alben des Monats-Post im Jahr...


Leon:



The Tallest Man On Earth - Sometimes The Blues Is Just A Passing Bird EP


5 Folksongs in aller Einfachheit mit besonderer Stimme, die zu Gitarre, die mit Herz gezupft wird, bei warmer Produktion tolle Texte zum besten gibt; plus E-Gitarren-Einsatz und leisen Keyboardklaengen im Hintergrund. Eine herausragende Art der Gesangsunterstuetzung!



Death Cab For Cutie - Narrow Stairs


Der Wechsel in der Geschichte von DCFC hin zu mehr. Mehr tiefe in der Musik und, wenn das ging, sogar ein Stueck mehr Gedanke in den Texten.Die beiden Progressive-Uebersongs mit Kerouac-Bezug (Bixby Canyon Bridge) und Stalkergeschichte (I Will Possess Your Heart) stehen einem Restalbum gegenueber, dass von seinen Variationen lebt. Normalerweise spielen sie zwar Indierock in gedrosseltem Tempo, vermischen diesen dann aber zum Beispiel auch mit orientalischer Musik oder einem kleinen Circus-Ansatz. Das Album hat dabei aber immer einen roten Faden und ich kann mich dank der Abwechslung nie aus dem Bann befreien, in den das 4-Minuten Intro von I Will Possess Your Heart mich gezogen hat.


Markus:


Flying Lotus - Cosmogramma


Was Steven Ellison mit Cosmogramma abgeliefert hat, ist definitiv eine der interessantesten Veröffentlichungen dieses Jahres und auch eins der besten.
Von verträumten und introvertierten Tracks wie "...and the World Laughs with You" bis zum großartigen Space-Funk von "Do The Astral Plane" liefert die Platte unterschiedlichste Stimmungen, Stile und Einflüsse, die sich aber letztendlich zu einem 47-minütigen musikalisch/spirituellen Trip zusammenfügen, der im Gegensatz zu vielen anderen Alben dieser Zeit wirklich frisch und innovativ klingt.


Crystal Fighters - Star of Love


Das meiste zu diesem Album wurde ja vor kurzer Zeit hier schon gesagt und es gibt eigentlich nicht viel hinzu zu fügen. "Star Of Love" ist eine leicht
verspätete Sommerplatte mit mehreren großartigen Songs, die stilistisch alle eine andere Facette der geheimnisvollen Band aufzeigen. Definitiv einer der
besten Newcomeracts des Jahres.

Absolute Beginner - Bambule


Coole Beats, gute Lyrics, eigener Stil, gute Technik, Abwechslung in Sachen Themen, gute Features, der ein oder andere Hit. Bambule hat so gut wie alles was man für ein gelungenes Hip-Hop-Album braucht. Klingt auch heute noch fresh.

Montag, 1. November 2010

Patagonien. (Editorial)

Hallo Leser,

Nach 2-einhalb Monaten ist es mal wieder noetig ein Editorial zu bringen. Es gibt einiges zu erzaehlen. Das wichtigste und dringenste zuerst: form ist kein Zyniker. Endlich habe ich das von der Seele. Ich habe mit form, der nach eigener Aussage naemlich mit voller Seele Gutmensch ist, ein paar E-Mails gewechselt und musste vor allem das jetzt klarstellen. Sein FICKO-Magazin ist ja auch dem Gutmenschentum gewidmet. Das Konzept am Album war uebrigens eine bitter ausgegangene Liebesgeschichte, die in Marokko zu Ende ging. Zum naechsten form-Projekt, einer EP seines Alter Egos prim, gibt es hier bestimmt noch eine kleine Erwaehnung und dementsprechend will ich dazu gar nicht viel vorweg nehmen.

Einen Dank muss ich noch an Chase the Dragon geben auf deren Blog dieser Blog mit einem eigenen Dankespost erwaehnt wird. Jetzt aber Schluss mit der Dankerei! Wenn ich wollte koennte ich mich jetzt noch darueber aufregen, dass mein Wiki-Artikel zu dieser Band geloescht wurde, weil es einem dieser Administratoren wohl an der Faehigkeit zu lesen mangelte. Im Artikel stand, dass die 2. EP als Demo des Monats in der VISIONS stand und er hat den Artikel geloescht, weil das Album sogar in Zeitschtriften als Demo genannt wird. Aber ich rege mich jetzt nicht auf. Beim naechsten mal ueberarbeite ich ihn nochmal, jetzt habe ich auf Streit mit denen naemlich keine Lust.

Eigentlich ist der Hauptgrund aber nur, dass ich fuer 3 Wochen weg bin auf einer Reise in das Ostfriesland Argentiniens, im Sueden haben die echt immer Wind und es ist kaelter. Das brauch euch eigentlich nicht zu stoeren, weil fuer diese Zeit eigentlich schon alles vorbereitet ist. Trotzdem koennt ihr mir gerne unter diesen Post Ideen schreiben, was ich nach der Top10 machen kann. Oder schreibt, wenn ihr der Radektion beitreten wollt. Wir suchen immer noch!

Neben all dem laeuft es hier in Argentinien grossartig und der Blog ist auch besser verwaltet als in manchen Zeiten, in denen ich noch in Deutschland war. Was will man mehr!

Danke fuer jedes mal, dass ihr in diesen Blog guckt... es werden immer mehr Views.

Und: Viel Spass beim Weiterlesen,
Leon.

Freitag, 29. Oktober 2010

Crystal Fighters - Star Of Love (Review)

Crystal Fighters dürften dem ein oder anderen Musikbegeisterten schon bekannt sein. Sei es durch ihren großartigen Beitrag auf der Kitsuné Maison Compilation 7 im letzten Jahr, ihre schrägen Videos für Singles wie "In The Summer" (http://vimeo.com/13055682) und "I Love London" (http://vimeo.com/7552015) oder die vielen Remixes die von ihren Tracks angefertigt wurden, z.B. durch Acts wie Telepathe, Malente und Renaissance Man. Auch selber nahmen sie sich u.a. Two Door Cinema Club und MIT vor. Crystal Fighters sind so zumindestens in der Musikblogosphäre längst keine No Names mehr und das Interesse an der Band dürfte durch das Erscheinen ihres ersten Albums weiter steigen.

Über die Musiker selber ist sehr wenig bekannt und einiges gilt auch als Legende. So gibt es 5 Mitglieder die aus Navarra, Spanien stammen sollen und mittlerweile im Londoner East-End wohnen. Ihr Name soll durch den Fund einer Oper, des Großvaters entstanden sein. Deren Titel wurde nämlich ins Englische übersetzt und ergab so den heutigen Bandnamen. Was davon aber belegt ist und was nicht, ist nicht immer ganz klar.

Man weiß auch nicht so wirklich was einem beim Anhören von "Star Of Love" erwartet, denn auch die vorher bekannten Songs ähnelten sich eher wenig. Um es nun kurz auf den Punkt zu bringen: es erwartet einen so gut wie alles was sich zwischen und neben Pop und Electronic befinden kann. Dance-Punk und Indie Pop sind ebenso anzutreffen wie Folktronica und Dubstepbässe. Zu diesem Stilmischmasch kommen auch noch traditionelle baskische Instrumente sowie jede Menge Ohrwürmer. "Star Of Love" gestaltet sich so wie eine kleine musikalische Reise ins sommerliche Baskenland mit den kleinen maskierten Puppen auf dem Cover als Reiseführer. Ob diese keine Bedeutung haben und/oder stellvertretend für die Band oder zumindestens als eine Art Maskottchen stehen ist nicht bekannt.

Was bekannt ist: der Titel des Openers, nämlich "Solar System". Der gibt mit pumpender Bassline verhallenden Gesängen und Vokalschnipseln ein passendes Intro für die kleine Achterbahnfahrt, die noch folgen wird, ab. Denn als nächstes kommt mit "Xtatic Truth" der Überhit, der sich in leicht veränderten Version schon auf der vorhin erwähnten Kitsuné Masion Compilation befand. Trotz sehr vielem Hören im letzten Jahr zündet er auch jetzt immer noch. Auch danach gibt es keine Zeit zum Ausruhen, wenn "I Do This Everyday" aus den Lautsprechern tönt. Denn hier wird auf die Tanzfläche zielender Dance-Punk mit harten Gitarren verstärkt. Auch wenns im Vergleich zu den anderen Titeln nicht ganz so gelungen ist, ist es immernoch ein cooles Teil.

Danach beweisen die 5 erstmal, dass sie auch ein sehr gutes Händchen für Popsongs haben und tolle Melodien kreieren können. Die Vokals werden gefühlvoll von eine sehr jugendlich klingender Männerstimme vorgetragen und die Lyrics drehen sich um das Thema Liebe, wobei man sich gerade bei "Plage" fragt warum "Star Of Love nicht eigentlich im Sommer erschienen ist. Die Frage taucht auch definitiv beim nächsten Überhit "In The Summer" auf. Hier trifft Synthiewalze auf Hymnenhaftigkeit. Großartig.

Auch danach geht das bunte Zusammenwürfeln von Genres weiter. Während "At Home" wieder ein sehr schöner Popsong ist, "I Love London" an monotonen Ghettofunk und DJ Mujava erinnert, gibt es bei "With You" sowas wie Ellie Goulding in sehr gut oder Familjen mit zarten Frauenvokals. Auf der Tracklist zwischen den beiden letztgenannten befindet sich "Swallow", welches erst entspannt mit folkigem Gesang samt baskischen Akzent beginnt um dann von einer brachialen Dubstepbassline erschüttert zu werden, die zu den besten ihrer Art gehört, die ich seit langem gehört habe. Dazu noch eine leicht psychedelische Note und fertig ist der nächste Überhit. Den Abschluss bildete dann das zwischen ruhig und schnell wechselnde "Follow", was sehr starke Folktronicaeinflüsse aufweist. Passender Schlusspunkt, wieder hohes Niveau mitsamt der Textzeile die das Verhältnis zwischen mir und der Platte beschreibt: "You're the one i follow / follow to the middle / middle of a shadow / far away from all the sorrows". Alltag ade und dann mit den mystisch wirkenden kleinen Puppen ab zum musikalischen Stern der Liebe.

Ja, mit "Star Of Love" ist der geheimnissvollen Band ein wirklich gelungenes Debut geglückt. Ihr Stil klingt frisch, unverbraucht und ist sehr catchy. Einzige kleine Makel sind die Durchschnittlichkeit von "I Love London" und die Tatsache, dass das Album hauptsächlich von seinen Einzelsongs, nicht aber von seiner Gesamtheit lebt, weil ein bisschen die Zusammenfügung zum großen Ganzen fehlt. Da es aber trotzdem sehr gut geworden ist, fällt letzteres Problem nicht wirklich ins Gewicht, doch womöglich wäre so eine noch höhere Endnote raus gesprungen. Ein klein bisschen schade ist es zudem, dass die Scheibe nicht schon im Sommer releast wurde, da sie hier noch besser gepasst hätte. Ändert aber nichts an der Qualität der Musik und so ist es trotzdem eine Platte, die sich zum Jahresende bestimmt weit vorn in meiner Liste der diesjährigen Lieblingsalben befinden wird.

8/10 Punkte

erstellt von Markus.

Montag, 25. Oktober 2010

Avey Tare - Down There (Review)

Avey Tare war schon immer der Hauptsongwriter von Animal Collective und genauso klingt auch dieses Album - im negativen Sinne. Wie kann etwas jetzt negativ nach AC klingen, wenn sie sich fuer mich eigentlich als die genialen Koepfe der experimentellen Musik der naeheren Vergangenheit ziemlich alleine stehen? Das geht eigentlich ganz einfach, indem man sich anguckt, was sie immer wieder zu einem Erlebnis gemacht hat.

Sie haben Alben und Songs schon immer sehr repititiv gestaltet, aber irgendwie versucht trotzdem nicht zu elektronisch zu werden und vor allem die Musik an irgendeinen Ort zu bewegen. Das ist ihnen nicht immer gelungen, aber gerade das Suchen nach Veraenderung ohne um jeden Preis aufregend sein zu muessen, war fuer mich eins der besonderen Merkmale auf Merriweather Post Pavilion. Auf "Down There", man siehe nur mal den 3. Song "Oliver Twist", unternimmt Avey aber weder den Versuch irgendwie organisch klingende Drums einzusetzen, dafuer war ja auch ab Anfang Panda Bear zustaendig, noch die Musik gross zu veraendern, sondern haut auf einem einfach gestalteten Beat nach dem Intro 3 Minuten lang rum... Damit habe ich den schlechtesten Punkt des Albums auch schon ganz am Anfang abgearbeitet. Leider wird es trotzdem nicht viel besser.

Die Musik selber, die aeuserst minimalistisch daherkommt, wirkt nur wie ein kleiner Ausschnitt aus dem AC-Universum, irgendwas zwischen MPP und Strawberry Jam mit viel weniger Musik darin. Experimentell kann man die CD auch nur bedingt nennen, das aktuelle Visual-Album ODDSAC und die diesjaehrige Ruby Suns-Platte sind schon aehnliche Wege gegangen, waren aber einfach einfallsreicher und besser. Das einzige, was Avey davon abhaelt wie ein Amateur-Electro-Producer zu klingen, sind diese unglaublich guten Vocaleffekte, die sich auf die tollen Lyrics legen. Aber diese kleinen Pluspunkte rechtfertigen noch lange nicht 4 Punkte, aber bis jetzt habe ich auch ueberwiegend ueber die ersten 5 Songs geschrieben.

Die anderen 4 sind dem Rest des Albums zwar sehr aehnlich, sind aber vielleicht eher als Einheit zu begreifen. Eine Suite ist es nicht wirklich, aber es ist vom beatlosen "Cemeteries" bis zum Synthie-Song "Lucky 1" eine deutliche Steigerung innerhalb dieses Ablaufs zu erkennen, was der ersten Haelfte sehr fehlt. Das Intro-Outro-Spiel, dass Avey mit jedem der Songs gespielt hat, beginnt hier zu wirken. Die einzelnen Songs entfalten immer noch keine wirklich Dynamik, aber bei der jetzt etwas gedaempfteren und auch cooleren Stimmung sind diese auch nur alle 3 Minuten wirklich noetig und so lange dauern die Songs auch.

Mit den Texten gebe ich dem laengeren ersten Teil dann 2/10 Punkte und dem 2. Part 7/10 Punkte, weil er so ist wie Avey Tare haette klingen koennen. Er schwankt zwar immer noch genau so wie im 1. Teil in seinen eigenen Welten umher, wird aber nicht so poppig und auf einem Level abgestuetzt wie im ersten. Insgesamt gibt das im Mittel dann wie erwaehnt

4/10 Punkte

erstellt von Leon.

Donnerstag, 21. Oktober 2010

The Hundred In The Hands - The Hundred In The Hands (Review)

Bei The Hundred In The Hands handelt es sich um die in New York ansässigen Eleanore Everdell und Jason Friedman. Im März diesen Jahres traten die 2 mit der EP "This Desert" und der wenig später folgenden Single "Dressed In Dresden" erstmals in die Öffentlichkeit. Diese nahm die Band positiv auf, so dass das selbsbetitelte Debut von so einigen gespannt erwartet wurde. Ein kleiner Hype ist also schon entstanden, so dass sich das Signing für die geschätzten Warp Records wahrscheinlich noch lohnen wird. Gehen wir nun aber zur Musik über.

The Hundred In The Hands liefern einen abgeklärten Mix aus Electronic, Post-Punk und Pop. Die immer noch in der derzeitigen Musikwelt angesagten 80s-Referenzen bekommt man auch hier, doch es wird nicht der Fehler gemacht, das ganze zu übertreiben. Trotz vielen (hörbaren) Vorbildern und dem Mangel an großen Innovationen, klingt die Musik der Band nicht wie zusammengeklaut.

Textlich behandeln die New Yorker ihre eigene Stadt, die Abendfreizeitgestaltung, ihre negative Seiten und Widersprüche, Liebe und urbane Melancholie. Viele Themen die von Eleanore Everdell mit Gefühl, wenn auch oft leicht gedämpft, vorgetragen werden und sich auch gut in den Klang des Albums einfügen. Was die Platte besonders auszeichnet ist die tolle Produktion. Alles ist sehr gut abgemischt, die leichte Unterkühlheit wird sehr gut wiedergegeben und der Sound ist sehr klar und sauber ohne zu steril zu wirken, so erhält jedes Instrument und Detail seinen ausreichenden Platz um zu wirken. Ebenfalls zu gute halten muss man die Bemühung sich nicht auf einen Stil zu beschränken. Jeder Song sitzt so in seiner eigenen Mininische. Sanfter Synthpop steht zackigigen, eher gitarrenbetonten Stücken gegenüber, an The Rapture erinnerndes trifft auf eine Zeitlupenballade mit einem Ende das auch auf das letzte Trentemoller Album gepasst hätte. Dancefloor meets bedroom.

Man könnte jetzt denken, durch die vielen musikalischen Richtungswechsel ist die Platte anstrengend oder zu heterogen. Dieser Makel haftet ihr aber nicht an, da die Songs wie aus einem Guss klingen und sich ebenso sehr gut im Hintergrund hören lassen können, da das ganze doch auch relativ unaufgeregt daherkommt. Letzter Fakt deutet leider auch das große Problem an. Die Lieder sind zwar alle gelungen, kein Ausrutscher unter den 11 Titeln, doch irgendwie ist sie nie wirklich fesselnd, aufregend schon gar nicht. Ja klar, an sich durchgängig gutes Material, tolle Produktion, schöne Melodien, auch tanzbare Momente sind nicht selten, doch wirklich packen will einen das nur bedingt. The Hundred In The Hands klingen recht gut, doch so richtig überspringen will der Funke einfach nicht. Auch mehrmaliges Hören scheint daran nichts ändern zu wollen. Vielleicht ist ihr Entwurf der zeitgenössischen urbanen und nachdenklichen Popmusik doch ein wenig zu verkopft, wahrscheinlich hindert diese Gewisse Unterkühltheit einen daran, dass hier wirklich zu genießen. Nichts desto trotz ein akzeptables Debut, denn an sich gibt es kaum was zu meckern, nur die Gesamtmischung lässt zu wünschen übrig. Eventuell gelingt ihnen ja mit ihrem Zweitwerk der große Wurf, denn das Zeug dazu haben die zwei.


6/10 Punkte

erstellt von Markus.

Sonntag, 17. Oktober 2010

Chase the Dragon - Tales of Transit (Review)

Chase The Dragon-Debut! Endlich! Seit 2 Jahren habe ich darauf gewartet!

Und dann kommt der erste Song "Tales of Transit" nur mit Gitarre und Stimme und ich bin dem Song sofort verfallen. Die Stimme ist voller Emotion und mich erinnert der Song an Zoey van Goey, nur ist er noch intimer. Tolles Intro haben sie geschrieben... oder etwa nicht? Der Titelsong bleibt nicht der einzige in diesem Stil. Der mit einem fast zu allgemeinen Text ausgestattete Track "Hit The Road" in der Mitte und das persoenlichere "Another Try" als Schlusssong erzeugen die selbe Naehe und das sogar mit noch besseren Melodien.

Dass Chase the Dragon auch haetten eine Folkband werden koennen, haben sie hiermit bewiesen. Die Aufgabe dem Sound der Band etwas hinzuzufuegen haetten sie hiermit also eigentlich schon erfuellt gehabt. Nun sind ALLE anderen Songs des Albums aber auch anders als die bisherigen EPs: Die Synthies sind weg! Das kann man jetzt so oder so bewerten. Entweder sagt man, dass sie ihren Songs saemtlichen Boden entzogen haben oder man attestiert ihnen das Talent ein anschmeichelndes Album mit Drehungen und Wendungen nur mit den 2 Instrumenten zu machen, die im Laufe der Musikgeschichte wohl am haeufigsten gebraucht worden sind; naemlich Piano und Gitarre.

Grob gibt es hier 4 Kategorien an Songs. Die erste sind die schon erwaehnten Folksongs. Die zweite sind die lebendigen Popsongs wie "A Captain's Tale" oder "From People To Staues". Wobei man zu jedem der Tracks auch "Popsong" sagen kann, da alle einen klaren Aufbau haben und nie kompliziert sein wollen. Die dritte sind die Balladen wie "The Last Chess" oder "Two Years Too Long" bei denen mir aber die Synthies als das besondere Etwas fehlen. Selbst wenn dieser Part teilweise, speziell in den Refrains, von Background-Vocals uebernommen wird und das sogar richtig gut, fehlt mir die Tiefe gerade in den Strophen. Die 4. Kategorie ist eigentlich keine, weil "The Little Prince" der einzige Song ist der wirklich einen Kinderlied-Charakter hat. Die naive Komposition, die Liebe-Geld-Arbeit-Geschichte und natuerlich der Titel ruecken den Song in die Naehe des gleichnamigen Buches und machen es zu etwas ganz besonderem.

All diese Heterogenitaet ist nicht ueberfluessig, sondern noetig damit der Tontraeger bei dem Popapeal nicht langweilig wird. Die Produktion tut da ihr Uebriges, da konsequent auf One Take-Aufnahmen gesetzt wurde um nochmal klar zu machen, dass hier keine sterile Massenmusik sondern eine unverkopfte Version von persoenlichem Ausdruck eingespielt wurde. Aufpassen muessen sie jetzt nur, dass die Stimme kein Stueck weiter in Richtung Emo rutscht und das sie ihr musikalisches Koennen nicht zu sehr in den Dienst der Songs stellen. Damit meine ich, dass Matias Schieweck am Piano ruhig seine Moeglichkeit wahrnehmen koennte Solis ohne Ende zu spielen. So haetten vielleicht alle Lieder neben den Refrains etwas als Aufhaenger gehabt. Denn so sind zwar Perlen im Album versteckt, die am besten jeder fuer sich selbst findet, und man muss auch nicht skippen, aber ab und an kann das Feuer einfach nicht so ganz ueberspringen.

8/10 Punkte

erstellt von Leon.