Montag, 19. Oktober 2009

The Field - Yesterday and Today (Review)

Releasewütig wie er ist und auch schon immer war, bringt Alex Wilner alias The Field auch dieses Jahr eine neue Langspielplatte auf den Markt.

Diese darf sich der geneigte Techno-Fan natürlich nicht entgehen lassen, also auf in das Getümmel. Der erste Track, der mit dem schönen Titel "I Have The Moon, You Have The Internet" daher kommt, beginnt langsam, leise, steigert sich jedoch ab der Hälfte der Zeit und begeistert mit schönen Glitch-Klangflächen im Hintergrund, die die monotonen und harten Beats gut unterstreichen. Und genau so geht es eigentlich im nächsten Track weiter. Leiser, langsamer Beginn, ab etwa der Hälfte steigert sich der Song, am Ende flacht er wieder ab, bis er schließlich in der Stille verschwindet. Das einzige, was die Songs wirklich unterscheidet sind die ab und zu eingesetzten Samples. Manchmal sind die Songs auch housig. Das war's.

Was also ist so spannend an dem Album? Das, was an allen The Field-Alben so spannend ist: Die unheimliche Kreativität in Sachen Beats und Klangflächen. Diese Kreativität rettet dieses Album eigentlich auch. Wären die Beats nur einen Tick monotoner, wäre das Album ein Totalausfall. So aber wandelt es ganz gemächlich auf dem schmalen Grad zwischen totaler Langeweile und spannende, tanzbarem Minimal Techno. Dazu wäre dieses Album noch sehr gut für die Disco geeignet.

Ein Muss für Techno/IDM-Fans, Leuten, die allerdings nicht so viel mit dieser Musikrichtung anfangen können, sei aber geraten, einmal reinzuhören.

6/10 Punkte

erstellt von Niclas.

Donnerstag, 15. Oktober 2009

Friska Viljor - For New Beginnings (Review)

Friska Viljor schreiben ihre Songs nur betrunken... und sie scheinen in diesem Zustand nicht gerade einfallsreich zu sein. Wieder gibt es Bläser um seichte Melodien und langweilige Drums geschichtet. Das Ganze wird dann gespickt mit schwedischem Akzent und einer zwar nicht wirklich schönen aber recht wandelbaren Stimme. Auch mit dabei sind ab und zu Männerchöre. Wirklicher Neubeginn ist das nicht.

Aber wenigstens der Beginn des Albums ist nicht so eingerostet. „Daj Daj Die“ kommt in den Strophen nur mit Ukulele und Gesang aus und wirkt somit schon selbstparodistisch. Kindermelodien mit ernsten Themen auf die Spitze getrieben eben. Ab jetzt wird es dann aber langweilig. Der Unterschied zwischen den Liedern liegt nur noch im Detail. Einige sind ruhiger wie der Closer „Should I Apologize“, andere etwas schnellere Indie-Rocker wie „People Are Getting Old“. Einige erinnern in ihrer Karnevalsstimmung mehr an Man Man in schwachen Momenten wie z.B. „Hey You“, andere erinnern an The Kooks, wenn sie mal wieder in Schlagergefilde abdriften.

Es gibt aber auch Positives am Album der Schweden. Das wäre einmal, dass man sich hier wirklich nicht anstrengen kann. Es taugt einfach zum Nebenbeihören. Zweitens sind die Texte abwechslungsreich und oft auch gut. Sie sind oft resigniert, nachdenklich und im Kontrast zur fröhlichen Musik. Gescheiterte Lieben dürfen da eben so wenig fehlen wie der Selbstvorwurf nichts erreicht zu haben.

Okay das ganze, nicht viel Abwechslung, nicht viel Anecken, nicht viel Spannung. Man kann sich trotzdem alles anhören. Aber: Wen wollen Friska Viljor ohne Hits und ohne Anspruch für sich gewinnen?

4,8/10 Punkte

erstellt von Leon.

Dienstag, 13. Oktober 2009

Editors - In This Light And On This Evening (Review)

Pompöse 80s-Synthesizer, eine düstere Atmosphäre und die dunkle, kräftige Stimme von Tom Smith, das sind die prägenden Elemente der Vorab-Single "Papillon" vom neuen Album der Editors. Vergleiche mit Depeche Mode werden wach, die sich zwar oft schwach, aber doch über fast das gesamte Album halten. "In This Light And On This Evening" ist die Fusion des Electro/New-Wave-Pop a la New Order oder auch Kraftwerk, mit der dunklen Atmosphäre die man von Bands wie Joy Division gewöhnt ist.

Herausgekommen sind Songs wie der dramatisch bedrückte Titeltrack, der eine Liebeserklärung an London darstellt. Diese erwähnte Dramatik ist neben den 80s-Synthies und der dunklen Atmosphäre die große Konstante der Platte. Es ist wie ein düsterer Traum, alles wirkt so nah, doch man kann es nicht berühren, und wie dunkle Schatten zieht die Musik an einem vorbei. Den Höhepunkt des ganzen bildet dann das majestätische und zerreißende "Eat Raw Meat = Blood Drool", welches das gesamte Album auf den Punkt bringt.

Das 3. Album der Band ist ein recht schwer zu fassendes Werk, für das man viele Durchläufe benötigt, um es wirklich ganz zu verstehen. Auf jeden Fall haben die Editors aber ihr eigenes Ding gemacht, anstatt den Erwartungshaltungen zu entsprechen und dabei ist doch ein kleines Stück düstere Kunst entstanden, das wahrscheinlich aber auch nicht jedem Fan gefallen wird.

erstellt von Markus.

Sonntag, 11. Oktober 2009

Boys Noize - Power (Review)

"Hello, this ist the promotional copy of the new Boys Noize album "Power", brought to you by Boys Noize Records. Good stuff!" Auch auf seinem 2. Album kommt Alex Ridha nicht ohne Daueransage aus. Sein Stil hat sich nun von Electro mehr in Richtung Techno verschoben und ist wieder voll mit neuen Ideen.

2 Jahre nach seinem Debut "Oi Oi Oi" ist der Berliner jetzt mit einer neuen Platte am Start. Die Erwartungen sind nach dem sehr beliebten Vorgänger und zahlreichen Clubhits und Remixen. u.a. für Sébastien Tellier, Kaiser Chiefs und Cut Copy, sehr hoch. Doch statt da weiter zu machen wo er aufgehört hat, ist er zum Trentemoller der Electroclubs geworden. Durch das gesamte Album zieht sich eine düstere Atmosphäre und die Sounds sind wesentlich technoider als vorher. So wechselt er zwischen Shadow Dancer, Alec Empire und Apparat hin und her, klingt dabei aber trotzdem noch nach Boys Noize.

Der Opener "Gax" ähnelt der Minimal-Techno und Dance Musik die man von Künstlern des Labels BPitch Control, wie Moderat, gewöhnt ist. "Kontact Me" oder "Sweet Light" orientieren sich dagegen mehr an "Oi Oi Oi"-Zeiten. Richtig krachend und schroff wird es dann bei Tracks wie "Starter" und "Trooper", welche sehr an Bands wie Alloy Mental erinnern. Aber auch für ordentlichen Stoff für die Indie/Electro-Clubs dieser Welt wurde gesorgt. Das schon länger bekannte "Jeffer" geht durch seine Funkyness direkt in die Beine.

Man kann Alex Ridha also keinen Stillstand vorwerfen. Er passt jetzt zwar nicht mehr wirklich in eine Schublade mit Electroacts a la Digitalism und Simian Mobile Disco, produziert aber weiterhin Songs die kreativ und anders, jedoch trotzdem noch tanzbar sind.

erstellt von Markus.

Donnerstag, 8. Oktober 2009

Lake Heartbeat - Trust In Numbers (Review)

Manchmal ist die Welt ein echt schrecklicher und kalter Ort. Man fühlt sich von der Arbeit verfolgt, das System beutet die Menschen aus, das Wetter ist mies und die Leute sind unfreundlich. Damit das nicht passiert, gibt es jetzt eine neue Methode; alle Menschen entspannen sich und hören das neue Album von Lake Heartbeat "Trust In Numbers". Danach ist man wieder viel freundlicher und Ausgewogen, versprochen. Denn die Band zelebriert auf ihrem Debut Harmonie in (fast) Vollendung. 10 Indiepopsongs, die dich dazu bringen, alles Schlechte um dich herum auszublenden und dich ganz in der Musik zu verlieren. Dieses Konzept funktioniert von Anfang bis Ende.

Als Opener fungiert "Mystery", in dem man sehr an Phoenix erinnert wird, was für eine Indiepop-Platte natürlich kein schlechtes Zeichen ist. Wenn man dann "Pipedream" hört, ist einfach alles in Ordnung. Diese Gelassenheit, die wunderbar harmonischen Gesänge, die angehnehme Atmosphäre. Sollte sich hier jemand aufregen, dann höchstens, weil es keine Aufregung gibt. Auf der gesamten Platte schaffen J.Kask und K.Kåks diese eben genannten Eigenschaften ohne langweilig, zu seicht oder belanglos zu klingen. Auch ein bisschen Melancholie darf nicht fehlen, so z.B. in "Solid Mass", was einen kleinen Ausflug in Folk-Gefilde darstellt. The Shins-Hörer werden großen Gefallen an "Golden Chain" finden, das stark an die Band aus den USA erinnert. Den Einfluss von Produzent D. Lissvik hört man am ehesten bei "Beetwenn Dreams", welches auch an seine Hauptband, Studio, erinnert. Den Abschluss von "Trust In Numbers" bildet die wunderbare, in der Instrumentalisierung minimal gehaltene, Ballade "Let It Die".

Zwischen Chairlift, Shout Out Louds und Air haben sich Lake Heartbeat also niedergelassen, klingen dabei aber trotzdem sehr eigenständig. Ihren Indiepop mit Electronica- und Folk-Einflüssen haben sie in ein Album gepackt, welches, trotz sehr guter Songs und komplett ohne Ausfälle, größer als seine einzelnen Teile ist und das einen noch lange erfreuen wird.

erstellt von Markus.

Montag, 5. Oktober 2009

Alben des Monats: September 2009

Heute kommt jetzt die 2. Folge der Alben des Monats. Zwischen den Beatles und Jamie T ist alles dabei. Aus dem HipHop, der Experimentelle Musik, aus dem Poprock und vielen anderen Genres kommen die Alben und aus Japan, England, Deutschland und den USA die Künstler.

Leon:

The Beatles - Abbey Road

Das darf zur Neuveröffentlichung der Beatles in digitaler Form bei den Alben des Monats nicht fehlen. Man muss dieses Album, denke ich, nicht mehr beschreiben. Trotzdem mache ich es nochmal: Die erste Hälfte ist voll mit ganz großen Einzelsongs wie "Come Together" und "Oh! Darling", bei denen es nicht an technischer Innovation(der damals neue Moog auf "Because") und an Genrevielfalt mangelt. Dann kommt mit Sun King und nicht ernst gemeinten italienischen Lyrics die Einleitung in den 2. Teil, der mit vielen kurzen Songs schließlich zum absurden 26-Sekunden-Ende "The Majesty" kommt. Ganz groß!


Umse - Rheinisches Blatt


Ja, manchmal muss auch einfach mal 90er-Jahreartiger HipHop in den CD-Spieler. Viele Vocal-Samples und Doppelreime, handgemachte Beats und dazu noch ein Konzeptalbum. Aufgebaut ist es nämlich wie eine Zeitung inklusive Umblättern am Ende von jedem Song. Dabei wird jedes Thema interessant durchleuchtet, so erzählt "Wirtschaft" von der Schwierigkeit mit Musik genug Geld zu verdienen und "Land und Leute" ist eine fröhliche Hommage ans Tourleben. Ein tolles Album zum entspannen und Kopfnicken.


Markus:

Jamie T - Kings And Queens

Wir haben ja schon mal über dieses Album berichtet und man kann es nur noch einmal wiederholen. Was der junge Herr da veranstaltet, ist einfach spitze. Die Songs sind frisch, lebendig und abwechslungsreich die Texte aus dem Alltag gegriffen und das Ganze macht einfach Spaß. "Kings And Queens" ist nicht so naiv wie der Vorgänger aber keinesfalls glatt gebügelt. Symphatisch und mitreißend ist das alles und zudem mit Hits wie "368" "Sticks'n'Stones" gespickt. Bis auf das etwas maue Ende gibt es also nichts zu meckern.


Lake Heartbeat - Trust In Numbers

Auf aufgemischt wurde schon gefragt ob dies der perfekte Pop ist. Perfekt vielleicht nicht, aber doch schon ziemlich gut. J.Kask und K.Kåks liefern hier einen wunderbaren und entspannten Indiepop ab, der sich zwischen Phoenix und Studio befindet. Die Verbindung zu Studio ist auch nicht weit hergeholt, schließlich hat Dan Lissvik das Debut der 2 produziert. Das Album lädt zum Träumen, Entspannen und Verlieben ein und schmeichelt dem Hörer sehr ohne kitschig zu sein.


Niclas:

Kevin Drumm - Sheer Hellish Miasma

Kevin Drumm präsentiert auf diesem Album Noise, wie er sein sollte: Gewaltigt, krafftvoll und episch. Dieses Album versetzt einen in eine postapokalyptische Hölle, man fühlt sich verloren. Man will das Album eigentlich ausschalten und schnell vergessen, aber man wird gefangen genommen und nicht mehr losgelassen. Noise wie ein Presslufthammer und Drone, der einem den Atem nimmt kreieren eine beklemmende Stimmung. Und dann der letzte Track. Kalter Ambient, wie man ihn noch nie gehört hat. Am Ende dieses Stückes dann ein kurzes Krachen. Und man fragt sich: Hab ich das alles überhaupt erlebt oder doch nur geträumt?


ゲルニカ - 新世紀への運河 (Shinseiki e no Unga)

Dieses Album ist ein japanisches Musical. Oder zumindest klingt es danach, was man sich unter einem japanischem Musical vorstellt. Stimmen und Arrangements, die klingen, als wären sie nicht von dieser Welt. Das ganze pompös, aber nie kitschig. Das Album könnte auch gut im Theater aufgeführt werden, und niemand würde merken, dass es ein Musikalbum war. Musik zum Träumen.


伊東 きよ子 - 23 Ji no Onna (Woman at 23 Hour Love-In)

Und schon wieder Japan. Diesmal aber eine Sängerin, die Pop-Songs singt. Perfekte, kleine Pop-Songs. Mit ihrer perfekten, umwerfend schönen Stimme. Diese Songs stimmen dich fröhlich, sie bringen dich auf gute Gedanken. That's it.

Samstag, 3. Oktober 2009

The Heavy – The House That Dirt Built (Review)

“Don’t Go In The House” wird man von dieser bekannten Horrorfilmstimme in der Einleitung zu „The House That Dirt Built“ begrüßt. Das erste richtige Lied „Oh No! Not You Again!“ wirkt dann gleich so, als wollten The Heavy den Hörer gleich wieder rausprügeln. Man kann überrascht sein, was für eine Änderung die Band durchschritten hat. Denn der Opener lässt nur noch wenig erkennen von den zusammengesampelten Funkrock-Songs des Vorgängers und stellt stattdessen den Garagenrock in den Vordergrund. Dieser war zwar auch schon im Erstling der Band enthalten, jedoch nie so konsequent umgesetzt.

Die nächsten 2 Lieder sind dann doch wieder das, was man erwarten konnte: Bläser, die soulige Stimme von Kelvin Swalby und sich widerholende Drumspuren. „How You Like Me Now?“ und „Sixteen“ sind jedoch beide songwritingtechnisch stärker als es die Songs des Vorgängers waren und auch die Bläser wirken nicht mehr so steril, obwohl die Produktion von Jim Abiss(Arctic Monkeys, Kasabian) sich doch ein wenig vom ganz rohen Sound des Debüts entfernt hat.

„Short Change Hero“, das wohl noch mehr als das ganze Album für einen Quentin Tarantino geeignet ist, erzeugt eine Spaghetti-Western Atmosphäre im typischen The Heavy-Anstrich. Das ganze wirkt durch die seltsamen „Hmm’s“ im Hintergrund eigenartig und bedrohlich-soulig. Weiterhin lässt das Album nie einen Schluss zu, in welches Genre es einzuordnen ist. Reggae, Balladen, Garagenrock und Funk wechseln sich auch weiterhin ab, immer mit dem Schweinesoul und der HipHop-Attitüde im Nacken. Langweilig wird das nie und Austauschbarkeit kann man auch keiner Zutat dieses Sounds zusprechen. Warum also Entscheidungen fällen, wenn dieser Shizosoul so gut funktioniert?

erstellt von Leon.